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Veröffentlicht am 24.02.2020

nicht ganz überzeugend

Ein wenig Glaube
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„Ein wenig Glaube“ von Nicholas Butler war mein erstes Buch dieses Autors. Erzählt wir aus der Sicht des 60jährigen Lyle, der mit Ehefrau Peg im ländlichen Wisconsin lebt. Hier geht alles seinen ruhigen ...

„Ein wenig Glaube“ von Nicholas Butler war mein erstes Buch dieses Autors. Erzählt wir aus der Sicht des 60jährigen Lyle, der mit Ehefrau Peg im ländlichen Wisconsin lebt. Hier geht alles seinen ruhigen und geregelten Ganz, wozu durchaus auch der Sonntägliche Kirchgang gehört. Das erinnerte mich sehr an meine eigene Jugend, in der auch ich auf einem Bauernhof aufwuchs und der Glaube in der Dorfgemeinschaft eine feste Größe war. Das Ehepaar nimmt die Stieftochter Shilow mit ihrem kleinen Sohn Isaak bei sich auf und freut sich darüber, die beiden wieder so nahe bei sich zu haben. Die leidenschaftlichen Großeltern verbringen so viel Zeit wie möglich mit ihrem Enkel und alles könnte so schön sein, wenn nicht Shilow immer mehr in den Bann einer radikalen Glaubensgemeinschaft und deren Priester geraten würde und wenn nicht immer mehr Lyle den Eindruck gewinnen würde, dass sein kleiner Enkelsohn in psychische Gefahr geraten würde.

Mir hat gefallen, wie das einfach Leben auf der Farm und in der kleinen Stadt beschrieben wird. Man spürt die Ruhe und die Kraft, die Lyle aus seiner Arbeit mit den Apfelbäumen und dem geregelten Familienleben zieht. Umso deutlicher wird bald, wie der fanatischer werdende Glaube der Stieftochter ihn aus dem Tritt bringt und er sich und seine Familie bedroht fühlt. So sehr er sich anfangs auch zurückhält, weil er weder der erwachsenen Shilow in die Erziehung reinreden noch sich in ihren Glauben einmischen will, so muss er doch irgendwann Stellung beziehen. Die kleine einst glückliche Familie steht plötzlich vor einem Abgrund und das innere Dilemma von Lyle wird sehr genau und nahbar beschrieben.

Dennoch hat mich das Buch nicht ganz überzeugt. Es mangelt über weite Strecken an Tempo und auch an neuen Aspekten in der Geschichte. Auch das Ende ist etwas dünn. Ich hatte das Gefühl, der Autor und auch Lyle scheuen davor zurück, wirklich Nägel mit Köpfen zu machen und ihre Meinung zu sagen und auch zu vertreten und darum zu kämpfen. Dadurch schwimmt der Plot oft etwas verwässert dahin. Mich störte auch, dass Shilows Sichtweise nicht richtig rüberkommt und sie von Anfang an unsympathisch und negativ dargestellt wird, wodurch man auch ohne ihre Glaubens-Kapriolen schon gegen sie eingestellt ist.

Ein interessantes sicher schwieriges Thema welches ich mir etwas anderes aufbereitet gewünscht hätte.

Veröffentlicht am 11.02.2020

mittelmäßig

Knochengrab (Ein Sayer-Altair-Thriller 2)
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Zufällig findet ein Suchhund im Wald ein Grab voll menschlicher Knochen. Darunter sind auch die von zwei Frauen. Und sie sind relativ frisch. Also keineswegs ein reiner Cold Case Fall. Aber wie hängen ...

Zufällig findet ein Suchhund im Wald ein Grab voll menschlicher Knochen. Darunter sind auch die von zwei Frauen. Und sie sind relativ frisch. Also keineswegs ein reiner Cold Case Fall. Aber wie hängen die Morde zusammen? Die FBI-Agentin Sayer Alstair erkennt schnell, dass es sich um einen Serientäter handeln könnte. Zwei aktuell vermisste Personen setzen die Ermittler auch zeitlich unter Druck, da die Vermutung nahe liegt, dass hier ein weiteres Verbrechen verhindert werden könnte.

Eigentlich ist Knochengrab über weite Strecken spannend und durch den flotten Erzählstil sehr gut lesbar. Dennoch bin ich nicht zufrieden, denn mir fehlte am Ende doch etwas die Plausibilität und eine logische Ermittlungsstruktur, die schneller und einfacher zu einer Lösung des Falles hätten führen können. Ich hatte das Gefühl, hier werden Showeffekte eingebaut, die gar nicht nötig gewesen wären und die mich in der Summe gestört haben. Ich zweifelte öfters an den Fähigkeiten der Ermittler und fand den Plot deshalb holprig. Ich lese viele Krimis und Thriller und kann für diesen hier leider nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 13.12.2019

nicht mein Geschmack

Abenteuer Geschmack!
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Ich habe das Buch „Abenteuer Geschmack“ zum Geburtstag geschenkt bekommen. Optisch ist das Buch sicherlich ein Knaller. Das beginnt beim Cover, welches eine Farbexplosion ist, die man sehr gut mit einer ...

Ich habe das Buch „Abenteuer Geschmack“ zum Geburtstag geschenkt bekommen. Optisch ist das Buch sicherlich ein Knaller. Das beginnt beim Cover, welches eine Farbexplosion ist, die man sehr gut mit einer Geschmackexplosion in Einklang bringen kann. Auch die Fotographien der Lebensmittel sind farblich und im Arrangement wirklich toll gemacht. Ein Genuss fürs Auge.

Ich besitze viele Kochbücher und bin seit Jahrzehnten eine versierte Köchin. Deshalb kommt hier ein großes Aber. Das Buch hat mich trotz der Optik enttäuscht. Es sind sehr wenige Rezepte drin und die sind überhaupt nichts Neues, sondern einfach nur ein guter Grundstock. Es ist aber für meine Begriffe kein Einsteigerbuch, denn es hat zu wenig Facetten und ist mir zu einseitig auf wenige Produkte. Für Leute, die es gerne vielfältig und abwechslungsreich wollen ist hier wenig geboten.

Es wird viel erklärt über die acht thematisierten Gemüsesorten, die Zusammenhänge der Geschmacksrichtungen, die ein perfektes Geschmackserlebnis beim Essen geben können. Das ist nett zu lesen aber etwas langatmig. Es ist mehr ein Sachbuch denn ein Kochbuch.

Mich konnte das Buch nicht überzeugen. Meine Söhne auch nicht. Drei der vier Gemüsesorten stehen bei uns auf dem Familienindex, weil sie einer überhaupt nicht mag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 13.10.2019

sperriger Schreibstil

Die Hoffnung zwischen den Zeilen
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Wir befinden uns im Jahr 1949. Die Jahre nach Kriegsende sind in Schweden für Deutsche wie Uli nicht leicht. Sie werden als der ehemalige Feind noch immer verachtet und gefürchtet. Die junge Frau ist auf ...

Wir befinden uns im Jahr 1949. Die Jahre nach Kriegsende sind in Schweden für Deutsche wie Uli nicht leicht. Sie werden als der ehemalige Feind noch immer verachtet und gefürchtet. Die junge Frau ist auf dem Weg in den Norden Schwedens. Sie ist auf der Suche nach Spuren ihres verstorbenen Geliebten Hansi. Dort trifft sie Elsa und erfährt überraschendes.
Es fällt schwer, noch mehr zum Plot zu erzählen, ohne zu viel zu verraten.
Die Geschichte entwickelte sich so anders, als ich es mir nach dem Klappentext vorgestellt hatte. Das fand ich eigentlich erfrischend und spannend. Aber leider bin ich mit dem abgehakten, unterkühlten Schreibstil der Autorin von Anfang an nicht zurechtgekommen. Ich musste mich fast zwingen, das Buch weiter zu lesen. Für mich kam kein Bezug zu den Charakteren zu Stande. Sie blieben mir fremd und handelten oft unerklärlich oder sogar unlogisch. Es fehlte die Tiefe in der Geschichte. Wahrscheinlich sollte gerade durch den reduzierten Erzählstil dem Leser die Freiheit zu eigenen Gedanken gelassen werden. Bei mir hat das nur bedingt funktioniert. Es war mir auch viel zu wenig Lokalkolorit. Zu wenig Beschreibungen über Land und Leute und die damaligen An- und Einsichten.
Das Buch lässt mich ratlos und unzufrieden zurück.

Veröffentlicht am 12.06.2019

Durchschnitt reicht nicht

Cari Mora
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Nein, Durchschnitt ist bei einem Autor wie Thomas Harris einfach nicht genug. Nach seinen großartigen Thrillern und einer viel zu langen Schreibpause waren meine Erwartungen an diesen Altmeister der Spannung ...

Nein, Durchschnitt ist bei einem Autor wie Thomas Harris einfach nicht genug. Nach seinen großartigen Thrillern und einer viel zu langen Schreibpause waren meine Erwartungen an diesen Altmeister der Spannung hoch. Vielleicht zu hoch - zugegeben. Ich muss im Nachhinein an Cody McFadyen letzten "Die Stille vor dem Tod" denken. Auch da kam nach einer Schaffenspause ein Buch heraus, welches unausgegoren, überhastet und enttäuschend war.

Ich möchte mich gar nicht lange mit dem abstrusen Inhalt aufhalten. Der hat so viele Logiklöcher und Unwahrscheinlichkeiten, dass ich mich beim Rekapitulieren wieder drüber aufregen muss.

Die Ausgangslage lies mich schon den Kopf schütteln, denn wieso bitte liegt so viel Gold immer noch in diesem Haus rum? Und wieso kann man so ein Haus dann einfach mieten? Alle Erklärungen hierfür sind für mich fadenscheinig.

Dann die Charakterbildung. Bis auf Cari Mora, die zumindest am Anfang noch etwas undurchsichtig für den Leser ist, kommen alle Kerle sehr eindimensional gezeichnet daher. Gut, Hans Peter Schneider hatte durchaus Psychopathen-Potential. Aber wie sein Äußeres, blass und kühl, so blieb er für mich auch und um so ärger seine Phantasien und Pläne mit Cari Mora wurden, um so weniger fürchtete ich mich.

Es gibt eine Wendung im Plot, die man so nicht gleich herausgerochen hat - die Heldin betreffend - aber ansonsten konnte Harris mich nicht überraschen und er nimmt sich auch nicht die Zeit, um den Showdown wenigstens etwas auszuschmücken und logischer zu gestalten.

Da es ein Hörbuch war und der Vorleser Achim Buch sehr gut liest, habe ich das ganze Buch angehört. Hätte ich es lesen müssen, hätte ich es nach der Hälfte weggelegt.

Die drei Sterne hat sich vor allem Herr Buch verdient. Harris hat mich enttäuscht und ihm hätte ich höchstens 2 Sterne gegeben.