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Veröffentlicht am 03.01.2020

Spannender Lesegenuss rund um eine integre Rechtsanwältin

Nebeljagd
1

Dr. Linn Geller ist Rechtsanwältin und erhält ein Mandat zur Pflichtverteidigung von Johann Haug. Dieser wuchs in einem kleinen schwäbischen Dorf in einer Pflegefamilie auf. Schon früh hatte sich die Dorfgemeinschaft ...

Dr. Linn Geller ist Rechtsanwältin und erhält ein Mandat zur Pflichtverteidigung von Johann Haug. Dieser wuchs in einem kleinen schwäbischen Dorf in einer Pflegefamilie auf. Schon früh hatte sich die Dorfgemeinschaft gegen den Außenseiter verschworen. Im aktuellen Fall geht es um den Tod von Haugs Pflegemutter. Gleichzeitig wird ein 20 Jahre zurückliegender Fall wiederaufgenommen, bei dem Haug damals ebenfalls verdächtigt, aber mangels Beweisen nicht verurteilt wurde.
Für Linn beginnt eine Zeit der Unsicherheit. Ist ihr seltsamer Mandant Opfer von Vorurteilen oder tatsächlich schuldig? Sie beginnt alle Indizien zusammenzutragen und darüber hinaus auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei kommt sie mehrfach in brenzlige Situationen.
„Nebeljagd“ ist ein spannender Krimi, der sehr komplex und gut durchdacht ist. Trotz der Komplexität hatte ich nie das Gefühl, den Faden zu verlieren. Auch musste ich nie zurückblättern, um Charaktere nachzulesen. Die Personen wurden stets ausreichend eingeführt, aber nie so, daß es langweilig wurde. Ich habe mich auch immer gut mitgenommen gefühlt, konnte mich leicht in die Protagonistin hineinversetzen, habe mit ihr ermittelt, habe sie zu Gesprächen und Verhandlungen begleitet und mitgerätselt und war dadurch mitten im Geschehen. Immer wenn ich dachte, jetzt hat Linn aber ein gutes Argument für die Unschuld ihres Mandanten gefunden, zauberte der leitende Staatsanwalt ein ebenso gutes Gegenargument aus dem Ärmel. Und so blieb die ganze Geschichte spannend und lebendig. Ich bewundere Linn immer noch für ihren Glauben an das Rechtssystem.
Die Autorin hat viele Wendungen eingebaut. Die meisten waren für mich nicht vorhersehbar. Nicht mit allen konnte ich mich anfreunden.
Schade finde ich, daß am Ende einige Fragen offen blieben.
Auch hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, man hätte den ersten Teil lesen sollen. Zwar konnte ich der Handlung stets gut folgen, aber es gab wohl einiges aus Linns Vergangenheit, das nur im ersten Teil behandelt und im zweiten nicht wiederholt wurde. Dem Lesefluß und Verständnis hat das aber keinen Abbruch getan, deshalb vergebe ich dafür auch keinen Punktabzug. Für mich hätte es die Geschichte von Linn nur noch etwas runder gemacht und wäre hilfreich gewesen, ein paar persönliche Dinge zu verstehen.
Wofür ich aber dann doch einen Punkt abziehen muss ist das Ende. Da fehlt mir mindestens ein Kapitel über Linns Meinung/Gefühle zum Ende des Gerichtsverfahrens/Mandats. Ihr Gewissen und ihre Rechtsvorstellungen sind essenzieller Bestandteil des Buches, aber am Ende kommt das zu kurz.
„Nebeljagd“ ist ein spannender, aufwendig ausgeklügelter, komplexer Krimi mit vielen unvorhersehbaren Wendungen, den ich am liebsten in einem Stück durchgelesen hätte. Ich gebe deswegen eine klare Leseempfehlung für diesen Lesegenuss.

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Veröffentlicht am 31.12.2019

Ein lebendiger, romantischer, gefühlvoller Roadtrip durch Frankreich

Fünf Tage mit Dir
0

Milla ist eine 30-jährige Grafikdesignerin aus Mainz, die nach einer beruflichen Veränderung sucht. Aus diesem Grund ist sie auf dem Weg nach Montpellier zu einem Vorstellungsgespräch der Firma ihrer ...

Milla ist eine 30-jährige Grafikdesignerin aus Mainz, die nach einer beruflichen Veränderung sucht. Aus diesem Grund ist sie auf dem Weg nach Montpellier zu einem Vorstellungsgespräch der Firma ihrer Träume. Doch alles läuft schief. Zuerst verspätet sich der Zug, dann verpasst sie ihren Flug. Da sie keinen Führerschein hat, kann sie nicht einfach in einen Mietwagen steigen. Da trifft es sich gut, daß sie den offensichtlich weltenbummlerischen Jaro trifft, der das Leben nicht so eng zu nehmen scheint. Er bietet ihr eine Mitfahrgelegenheit an, die sie mangels Alternativen zögernd annimmt. Es beginnt eine Art Road Movie der besonderen Art. Milla und Jaro freunden sich an. Irgendwann sind dann auch mehr Gefühle im Spiel. Doch leider kommt es zu einigen Mißverständnissen, die die gemeinsame Reise verkomplizieren.
Das Buch wird sehr liebevoll und detailreich erzählt. Ich hab mich bei der Lektüre sehr wohlgefühlt. Zwar konnte ich mich mit Jaro besser identifizieren als mit Milla, aber das war nicht weiter schlimm, denn das Zusammenspiel der beiden Charaktere war für mich das essenzielle. Beide kämpfen auf ihre Art dafür, ihre Träume zu verwirklichen. Und beide gehen letztendlich ihren Weg. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion der Hauptpersonen haben mir sehr imponiert.
Die Liebesgeschichte habe ich als wunderschön empfunden. Zwar waren einige allzu vorhersehbare Wendungen vorhanden, aber darüber kann ich angesichts der Zärtlichkeit der Erzählung gerne hinwegsehen. Themen, die die Protagonisten beschäftigt haben, hätten mich in der Situation ebenfalls beschäftigt. Deshalb war die Lektüre für mich sehr realitätsnah und lebendig. Es gab auch witzige Dialoge, schöne Gesten und romantische, sowie erotische Momente. Die Kombination war mir sehr angenehm.
Ich habe mich in der Geschichte so wohl gefühlt, daß das Buch gerne noch ein paar Kapitel mehr hätte haben können.
Selbstverständlich gibt es die volle Punktzahl und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.12.2019

Ein Buch über den Mut, Chancen zu ergreifen und die Fähigkeit ehrlich zu sein

Friesenteetage
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Kerrin ist selbständige Bauingenieurin. Eine Lungenentzündung hat ihr finanzielles Polster empfindlich geschmälert. Und auch in der Liebe läuft es gerade nicht rund. Zu ihrer Mutter, die in Föhr lebt und ...

Kerrin ist selbständige Bauingenieurin. Eine Lungenentzündung hat ihr finanzielles Polster empfindlich geschmälert. Und auch in der Liebe läuft es gerade nicht rund. Zu ihrer Mutter, die in Föhr lebt und arbeitet, hat sie nie ein besonders gutes Verhältnis gehabt, unter anderem weil sie ihr zeitlebens ihren Vater verschwiegen und damit vorenthalten hat. Dennoch lässt sich Kerrin von ihren Freunden überreden, eine Auszeit auf der Insel zu nehmen. Dort trifft sie auf Lian, den Sohn des kürzlich verstorbenen Vermieters ihrer Mutter und freundet sich mit ihm an.
„Friesenteetage“ ist kein seichter Liebesroman. Er hat richtig Tiefgang. Die Protagonistin hat die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren und Situationen/Gefühle zu analysieren. Sowas imponiert mir immer. Zwar gelingt ihr kein entspanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, aber das macht sie umso menschlicher. Meinungsverschiedenheiten mit ihr endeten und enden in gegenseitigem Rückzug. Sicherheit, Geborgenheit und Liebe fehlen. Eine zurückliegende Lungenentzündung zeigt ihr, wie fragil ihre Existenz ist. Das alles hat die Autorin sehr gut transportiert.
Bei der Lektüre habe ich schöne Gesten und romantische Momente erlebt. Allerdings bin ich der Meinung, daß man die noch hätte ausbauen können. Stellenweise kamen mir manche Szenen zu kurz und einiges war mir zu traurig. Die Liebesbeziehung zwischen Kerrin und Lian hätte noch mehr Raum vertragen können. Gerne hätte ich auch mehr über Lians Gefühlsleben erfahren.
Da ich noch nie an der Nordsee war, habe ich mich über die landschaftlichen Beschreibungen gefreut. Dadurch hat die Autorin mir die Insel näher gebracht. Ich bin für einige Tage mit Kerrin nach Föhr verreist. Und obwohl dort das Klima im Winter ziemlich rau ist, hat sich in mir bei der Lektüre von „Friesenteetage“ ein wohlig-warmes Gefühl wie beim Genuss einer Tasse Apfel-Zimt-Tee breit gemacht.
„Friesenteetage“ ist ein Roman über Liebe, Eifersucht und Verrat, über Zugehörigkeit und Geborgenheit, über Freundschaft und Feindschaft, sowie den Mut, Chancen zu ergreifen und den Mut ehrlich zu sein.
Ich vergebe dafür die volle Punktzahl und eine unbedingte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.12.2019

Heiß und dreckig!

You Want Me, Wild Girl!
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Wie habe ich dieses Buch genossen. Es hätte doppelt so lang sein können und ich wäre trotzdem in einem Tag durch gewesen!
Die drei Schwestern Maria, Estelle und Serafina erben nach dem Tod ihrer Mutter ...

Wie habe ich dieses Buch genossen. Es hätte doppelt so lang sein können und ich wäre trotzdem in einem Tag durch gewesen!
Die drei Schwestern Maria, Estelle und Serafina erben nach dem Tod ihrer Mutter ein heruntergekommenes und zwielichtiges Hotel im kalifornischen San Colina, einem bekannten Drogenumschlagplatz der mexikanischen Mafia.
Im ersten Teil der Reihe wird die Geschichte der prüden und zugeknöpften Maria erzählt, die seit ihrer Jugend von ihrem Vater (Priester) großgezogen wurde. Im Hotel trifft sie auf ihr komplettes Gegenstück, den Ex-Mafioso Diego: verwegen, tätowiert, anzüglich und gefährlich. Bald gehen die beiden eine Beziehung ein, die dem Leser die Schamesröte ins Gesicht treibt. Diego lässt Marias ungezügelte Seite zum Vorschein treten. Wer jetzt denkt, es reiht sich eine eindeutige Szene an die nächste, der liegt falsch. Den Reiz des Buches macht eine Mischung aus eindeutigen Szenen und Wortwitz aus.
Die Dialoge der beiden sind zum Teil herrlich dreckig, von Diegos Gedanken ganz zu schweigen, aber auch richtig witzig. Beim Schlagabtausch begegnen sie sich auf Augenhöhe, im Bett ist Diego Marias Lehrer.
Bei Sätzen wie „Er hätte sich heute Morgen nicht die Haare kämmen sollen. Offenbar hatte ihn das zu zahm aussehen lassen.“ und „Diego fand nicht, dass er mörderisch guckte. Er guckte halt so, als würde er jedem Menschen, der ihm grundlos auf den Sack ging, das Gehirn wegpusten. Normal eben“ habe ich mich köstlich amüsiert. Das hatte ich in dem Buch gar nicht erwartet. Schnell war mir klar, daß man das Buch nicht ernsthaft nach Sinn und Unsinn, Realität und Fantasie beurteilen kann. Natürlich ist es völlig überzogen und klischeehaft, aber das hat mich gar nicht gestört. Niemand sollte den Anspruch haben zu beurteilen, ob die Geschichte nun so passiert sein könnte und ob man der Mafia tatsächlich entkommen kann. Darum geht es hier nicht. Ich denke, der Anspruch des Buches ist schlicht und einfach Amüsement des Lesers. Bei mir ist das jedenfalls wunderbar gelungen. Es hat mich einfach von der ersten bis zur letzten Seite mitgenommen und amüsiert.

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Veröffentlicht am 22.12.2019

Witzige Dialoge und eine heiße Liebesgeschichte im idyllischen Eden Bay

Ein bisschen Abenteuer, bitte!
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Maya strandet nach einer aufregenden Familienszene im idyllischen Eden Bay in Maine. Sie lässt die Familie in Boston zurück und verrät keinem, wo sie sich die nächsten 4 Wochen von der Katastrophe erholen ...

Maya strandet nach einer aufregenden Familienszene im idyllischen Eden Bay in Maine. Sie lässt die Familie in Boston zurück und verrät keinem, wo sie sich die nächsten 4 Wochen von der Katastrophe erholen will. In Eden Bay wird sie von allen freundlich empfangen und macht gleich am ersten Tag die Bekanntschaft mit Nathan, dem örtlichen Feuerwehrmann und Sanitäter.
Zunächst sind sie regelrechte Streithähne, aber dann entdecken sie, daß sie einander besser verstehen als die eigene Familie und Freunde.
Obwohl anfangs relativ viele Personen vorgestellt wurden, hatte ich die Charaktere schnell im Kopf. Ich musste kein einziges Mal zurückblättern. Mir waren alle Personen dieses idyllischen Küstenortes sofort sympathisch und sind mir nach wenigen Kapiteln regelrecht ans Herz gewachsen. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, mit Maya in Eden Bay zu sein und war schnell mitten im Geschehen. Mir gefielen besonders die witzigen Dialoge voller bissigem Humor. Nicht nur Maya und Nathan duellieren sich ständig. Irgendwie sitzt jedem Bewohner von Eden Bay die Zunge locker. Und damit bin ich schon beim Schreibstil, den ich bereits aus einem anderen Buch der Autorin kenne und sehr mag. Er ist so erfrischend und lebendig, und er lädt immer zu einem Schmunzeln ein.
Die Liebesgeschichte zwischen Maya und Nathan ist toll. Die beiden harmonieren so gut, daß das Ende nicht überraschend kommt. Der Weg da hin ist herrlich zu lesen. Auch einige deftigere Szenen gibt es zwischen den beiden, die mir ebenfalls gefallen haben, weil sie Leidenschaft und Gefühl transportiert haben. Es gab zwar einige vorhersehbare Wendungen, aber das hat mich nicht weiter gestört, weil es zum großen Ganzen gepasst hat.
Während des Lesens schaute ich ständig auf die Seitenzahlen und dachte, ach Mensch schade, ich will noch ein bißchen in Eden Bay bleiben. Ich will die Geschichten der anderen noch kennenlernen. Wie gut, daß dies der erste Band einer Reihe ist!
Natürlich vergebe ich die volle Punktzahl und eine klare Leseempfehlung.

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