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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2020

Die unvergleichliche Lust des Lesens

Wo Frauen ihre Bücher lesen
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Ein weiterer wunderschöner Band in der Reihe rund um das Thema „Frauen und…“ von Dörthe Binkert. Ich liebe diese Reihe!

Nein, es ist kein feministisches Buch, es ruft nicht zum Geschlechterkampf auf. ...


Ein weiterer wunderschöner Band in der Reihe rund um das Thema „Frauen und…“ von Dörthe Binkert. Ich liebe diese Reihe!

Nein, es ist kein feministisches Buch, es ruft nicht zum Geschlechterkampf auf. Wer diesen Anspruch vor sich herträgt, ist bei diesem Buch falsch. Und die „uralten“ Bilder, wie es eine Rezensentin ausdrückt, sind würdige künstlerische Vertreter ihrer Zeit, die beachtens- und bewundernswert sind, auch und gerade in ihrer Ausdrucksstärke. Und die in ihrem Kunstwerk genau das festgehalten haben, was Thema des Buches ist: Orte des Lesens. Nicht mehr und nicht weniger. Das Buch wünscht sich Leser/Betrachter mit Feingeist, mit Sinn für Ästhetik. Die Privatheit des Lesens in der Kunst eingefangen – das scheint mir perfekt in diesem Buch gelungen zu sein. Elke Heidenreich, selbst eine Lesebesessene, lässt uns in ihrem klugen Vorwort teilhaben an ihrer scharfen Beobachtungsgabe, aber auch an ihrem geistreichen Humor, wenn sie ihr Vorwort ausgerechnet mit Groucho Marx beendet.

Alle Bücher von Dörthe Binkert, die ich bislang genießen durfte, haben meinen Horizont stets erweitert, ganz nach dem Satz „Man sieht nur was man weiß“. Ihre Texte sind viel mehr als reine Bildbeschreibungen. Sie dringen tiefer, schauen oftmals geradezu hinter das offenkundig Sichtbare. Sie lassen uns im vorliegenden Buch anhand der ausgewählten Bilder teilhaben an der unvergleichlichen Lust des Lesens, an dieses Versinken in andere Welten, an geistige Fluchten, egal ob im Haus oder im Freien. Etwas, was Künstler aller Zeiten versucht haben festzuhalten, nämlich diese ganz besonderen Momente der selbstvergessenen Hingabe ans Buch. An das vorliegende Buch ebenso wie an Bücher generell. Wunderschön!

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Veröffentlicht am 06.01.2020

Mystisch-spannender Abenteuer-Pferde-Roman

Wolfspferd
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Von Kindheitstagen an stehe ich Tierbüchern zwiespältig gegenüber. Denn meist geschieht in den Büchern den Tieren erst etwas Schlimmes, bevor sich letztlich alles zum Guten wendet. Und genau dieses Leid ...


Von Kindheitstagen an stehe ich Tierbüchern zwiespältig gegenüber. Denn meist geschieht in den Büchern den Tieren erst etwas Schlimmes, bevor sich letztlich alles zum Guten wendet. Und genau dieses Leid hat mir als Kind Albträume verursacht und immer musste ich beim Lesen weinen – auch wenn ich letztlich wusste, dass das Gute siegen wird. Schließlich weigerte ich mich, noch jemals ein Tierbuch zu lesen… Jetzt viele, viele Jahre später im ü60-Alter begann ich tapfer das vorliegende Buch zu lesen. Und was soll ich sagen, es packte mich so intensiv wie zu Kinderzeiten.

Tala ist ein ungestümes Mädchen, mutig und eigenwillig. Es lebt mit seiner Familie in der Wildnis, auch im tiefsten Winter. Saphira, eine Albinostute, ist Talas beste Freundin. Doch Saphira hat im Herdenverbund keinen Platz. Odin, der riesige Hengst, schließt sie von der Herde aus, weil sie sich, ähnlich wie Tara, nicht unterordnen will. Taras Vater Pollo, der Anführer des Stammes, weigert sich, Tara mit auf die Jagd zu nehmen, obwohl sie sich das so sehr wünscht. Als jedoch eines Tages Räuber das Lager überfallen und alle Vorräte stehlen, erinnert sich Tara der Sage, dass, wer einen frei lebenden weißen Wolf fängt, mit einer großen Belohnung rechnen dürfe. Und so macht sich Tala unerschrocken zusammen mit Saphira auf den Weg…

„Wolfspferd“ ist eine Geschichte, die zwischen unserer vertrauten Realität und mystischen Ereignissen angesiedelt ist. Im Einklang mit der Natur frei und ungebunden zu leben und sich von Sagen und Mythen, die die Großmutter erzählt, leiten zu lassen, bildet den intensiv-eindrücklichen Hintergrund der erzählten Geschichte. In Zeiten, in denen es hitzige Diskussionen um das Thema Wölfe in unseren europäischen Wäldern gibt, hat dieses Jugendbuch zusätzlich zur gekonnt geschriebenen spannend-unterhaltsamen Geschichte noch eine weitere Dimension, nämlich die Frage, ob es uns gelingen könnte, uns mit unserer Tierliebe auch den Tieren anzunähern, die auf den ersten Blick bedrohlich und gefährlich wirken. Der Autorin gelingt dies meines Erachtens sehr, sehr gut, so wie sie überhaupt sehr feinfühlend auch die Passagen, in denen sie Saphira selbst berichten lässt, ausgestaltet hat. Tierliebe, die aus Tierverständnis gewachsen ist, nicht aus verkitschter Gefühlsduselei, Mut, eigenständiges Denken und Handeln, Respekt vor Anders-Sein – in diesem Jugendbuch steckt eine Menge an Botschaften. Genauso gut lässt sich das Buch aber auch als ein reines mystisch-spannendes Pferde-Abenteuer-Buch, verpackt in reichlich Winterzauber, lesen. Mir jedenfalls hat es ausnehmend gut gefallen.

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Veröffentlicht am 05.01.2020

"Das Alte neu denken"

Römische Tage
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Man könnte es sich als Leser einfach machen und das Büchlein betrachten als eine Autorengrätsche zwischen dem antiken Rom, dem Rom damals und dem lebendig-quirligen Rom, dem Rom heute. Ein junger Mann, ...


Man könnte es sich als Leser einfach machen und das Büchlein betrachten als eine Autorengrätsche zwischen dem antiken Rom, dem Rom damals und dem lebendig-quirligen Rom, dem Rom heute. Ein junger Mann, der Autor, lebt für einige Wochen in der ewigen Stadt, treibt durch Altes, erlebt Neues, trifft Menschen und schreibt es auf. Soweit so gut.
Und doch ist dieses kleine Büchlein so unendlich viel mehr. Ich habe mich als Leser vom Autor durch die Gassen treiben lassen, habe mit ihm feinste Beobachtungen bis ins Ameisenleben hinein geteilt, habe mit ihm die 6 Zehen auf dem Ludovisischen Thron entdeckt und in der Sonnenhitze sterbende Katzenkinder, habe mit ihm inmitten merkantiler Koordinaten der Stelle nachgespürt, an der Caesar ermordet wurde und habe mit ihm Kirchen als Schutzräume unserer aufgeriebenen Gemüter erlebt. Man wird als Leser mit weichen Worten wie auf einer philosophischen Sänfte durch die Gegend über die Zeiten hinweg getragen. Und immer, immer steht irgendwo hinter diesem Füllhorn an Erinnerungen und historisch Belegtem, an diesem ganzen Durcheinander von Heute und Gestern die Angst des Autors vor der eigenen Sterblichkeit. Das Stechen des Herzens treibt an innere Grenzen. Wenn der eigene Puls steigt, steigen die essentiellen Fragen aus dem Dunkel: Wer bist du? Wer willst du sein? Die Steine Roms, diese Großarchivare des Lebens über die Zeiten hinweg – diese ewige Konstante, das unausschöpfliche Rom – lässt den Autor schaudern einerseits und Trost finden andererseits. Denn irgendwie ahnt er durch alle Verwirrungen hinweg, dass es ohne das Vergangene nichts Gegenwärtiges gibt.
Eine schöne, eine eindrückliche, eine sprachlich subtile Reise durfte ich da mit Simon Strauss machen. Hat mir gut gefallen.

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Veröffentlicht am 03.01.2020

Bewegend, fesselnd, spannend, ernsthaft

Leas Spuren
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Bettina Storks war mir bislang nicht bekannt. Doch die Leseerfahrung des vorliegenden Buches hat mich überzeugt und weckt nachhaltig mein Interesse an dieser Autorin.

Die Handlung bewegt sich auf verschiedenen ...

Bettina Storks war mir bislang nicht bekannt. Doch die Leseerfahrung des vorliegenden Buches hat mich überzeugt und weckt nachhaltig mein Interesse an dieser Autorin.

Die Handlung bewegt sich auf verschiedenen Zeitebenen. Im Jahr 2016 erfährt die Stuttgarter Historikerin Marie von einem lukrativen Erbe, das jedoch erst mit Erfüllung einer Aufgabe anzutreten wäre. Sie soll gemeinsam mit dem französischen Journalisten Nicolas ein verschollenes Gemälde eines jüdischen Malers finden und es den möglichen Überlebenden einer jüdischen Pariser Familie zurückgeben. In Rückblicken erleben wir, wie um 1940 Victor Blanc seine Arbeit in der Botschaft aufnimmt, um sich um „herrenlose Objekte“ zu kümmern. Und wir werden 1947 mitten in die Besatzungszeit, in die Nachbeben des Zweiten Weltkrieges geführt und erfahren von der unerlaubten Liebe zwischen Charlotte, der Großtante von Marie, und Victor, dem Großvater von Nicolas, zwischen Kunstraub und Résistance. Die schwierigen Nachforschungen von Marie und Nicolas im Jahr 2016 scheinen an einer Mauer des Schweigens zu scheitern, führen aber letztlich immer tiefer in erschreckende Zusammenhänge.

„Nur Gefühle beeindrucken die Menschen“ – diesen Satz der von mir überaus geschätzten Autorin Gabriele Diechler scheint Bettina Storks auf perfekte Weise verinnerlicht zu haben. Denn das vorliegende Buch packt den Leser, fesselt ihn und lässt ihn nicht mehr los. Weil man sich jenseits des Geschehens intensiv mit den Protagonisten emotional verbunden fühlt. Weil man ihre geschilderten Empfindungen unmittelbar miterlebt. Auch versteht es Bettina Storks außerordentlich gut, innerseelische Prozesse anhand von äußeren Geschehnissen bildlich spürbar werden zu lassen. Viele Szenen bleiben sehr nachdrücklich im Gedächtnis, auch nach Beendigung der Lektüre. Insgesamt gesehen ist das Buch eine großartig gestaltete Mischung aus historisch Belegtem und romanhaft Erfundenem, spannend, lebendig, intensiv erzählt. Das Buch wirft Fragen auf, denen sich der Leser stellen sollte. Denn welche Verantwortung tragen nachfolgende Generationen für die Gräueltaten der Nazis? Und kann die Schuld des Wegsehens oder gar Mitmachens je getilgt werden?
Auf S. 455 steht vielleicht eine Antwort: „Eines der kostbarsten Geschenke ist, dass wir eine Wahl haben….Den inneren Kompass zu finden, ihm zu vertrauen und sich nach ihm als einziger Instanz zu richten, ist eine Lebensaufgabe“…

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Veröffentlicht am 29.12.2019

Von Oma-Weisheiten, Dackelpupsen und Regenbogenstiefeln

Käthe, Band 1: Der Gorilla-Garten
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Welch ein zauberhaftes Kinderbuch. Ich bin restlos begeistert.
Käthe muss mit ihren Eltern umziehen. Weg von Omas Apfelhof in Pommeranzen, weg von Natur, weg von Omas klugen Sprüchen, mitten hinein ins ...


Welch ein zauberhaftes Kinderbuch. Ich bin restlos begeistert.
Käthe muss mit ihren Eltern umziehen. Weg von Omas Apfelhof in Pommeranzen, weg von Natur, weg von Omas klugen Sprüchen, mitten hinein ins Großstadtgetriebe, hin zu viel Fremdem, zu ganz neuen Erfahrungen. „Stadtmenschen sind schnell und geübt im Ausweichen“, erfährt Käthe.
Ganz schön beängstigend eigentlich, solch ein Umzug. Doch Käthe schafft mit ihrer offenen und neugierigen Art, mit der sie unbefangen auf alles und jeden zugeht, sich diese neue Welt zu erobern. Man muss Käthe einfach gernhaben, denn sie ist freundlich, arglos, hat ein großes Herz und geht aufgeschlossen-offen mit allem um, was ihr begegnet. Man spürt, wie wertvoll es war, dass sie in der Natur aufgewachsen war, denn die Liebe zu den Pflanzen ist ihr Lebenskapital – und ja, sie versteht sogar, was Tiere plagt, wenn beispielsweise Dackel Ferdi sehr unter seiner Pupserei leidet, weil sein Frauchen ihm immer wieder Buttermilch zu trinken gibt. Käthe besitzt die wunderbare Gabe, alles Neue völlig wertfrei wahrzunehmen. „Anders-Sein ist eigentlich total normal.“ Zusammen mit Theo, ihrem neuen Freund in der Schule, entdeckt sie schließlich sogar ein Stückchen „Niemandsland“ mitten in der Stadt, einen Guerilla-Garten, und kann Bernadette helfen, die Läuseplage in den Griff zu bekommen – dank Oma-Wissen. Ein Schulgarten mit Schneckenbeet wird geplant, und wie man alte Gummistiefel bepflanzen kann, wird auch erzählt. Spaß bringt Kindern beim Vorlesen oder Selber-Lesen nicht nur die Oma-Weisheiten wie „Gut ist Gähnen erst mit allen Zähnen“, sondern auch die herrlichen ideenreichen Wortschöpfungen wie „Ziegelsteinhinterhofhäuschen“ oder „Spätstück“ für ein spätes Frühstück.
Die großartigen Illustrationen von Màriam Ben-Arab transportieren ausdrucksstark und direkt die Gefühle und Reaktionen der gezeichneten Personen. Schön, dass die Bilder im Buch allesamt bunt sind. Fröhlich und lebendig unterstreichen sie intensiv wirksam auf non-verbale Weise die erzählte Geschichte.
Ein wunderbar positives Kinderbuch, das gänzlich ohne pädagogischen Zeigefinger auskommt, mit einer Hauptperson, wie sie liebenswerter nicht sein könnte.

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