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Veröffentlicht am 07.01.2020

Eine schlaue Fastzwölfjährige und Wittgenstein

Der Tote im Moor
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Wenn ein fast zwölfjähriges Mädchen den Philosophen Wittgenstein als imaginären Freund hat, dann muss es sich wohl um ein besonderes Kind handeln. Und Alice ist tatsächlich besonders. Überdurchschnittlich ...

Wenn ein fast zwölfjähriges Mädchen den Philosophen Wittgenstein als imaginären Freund hat, dann muss es sich wohl um ein besonderes Kind handeln. Und Alice ist tatsächlich besonders. Überdurchschnittlich intelligent, widerspenstig und mit einem Gespür für Unrecht, ist sie sich sicher, dass ihre Klassenkameradin Lisa nicht schuld am Tode ihres Vaters ist. Da außer ihr niemand an Lisas Unschuld glaubt, macht sie sich mit Hilfe ihres Freundes Tom und natürlich Wittgenstein auf die Suche nach dem wahren Täter.
Zu Beginn wirkte der Krimi auf mich etwas durcheinander, da ich keinerlei Zusammenhänge erkennen konnte zwischen dem Busunglück im Prolog (der zwar kurz, aber vergleichsweise blutrünstig ausfällt), dem Fund einer Moorleiche und dem Tod von Lisas Vater. Doch nachdem sich die beiden letztgenannten Geschehnisse langsam einander annäherten, wurde es besser - nur der Prolog geriet fast in Vergessenheit. Es ist vergleichsweise lange unklar, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt, da Alices Privatleben (und natürlich ihre Gespräche mit Wittgenstein) relativ viel Raum einnehmen. Doch nicht zum Nachteil! Denn der Schlagabtausch mit ihrer 'Tussi'schwester Amalia hat durchaus Unterhaltungswert und auch sonst ist die Zwölfjährige weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen.
Der Fall und seine Lösung sind eher abstrus und bergen einige Unlogiken, doch weil das Ganze unterhaltsam und stellenweise wirklich witzig geschrieben ist, lässt sich locker darüber weglesen. Mir hat es alles in allem Vergnügen bereitet, Alice in ihrem zweiten Fall zu begleiten und ich könnte mir dieses Buch gut als Film vorstellen, in dem man fast nebenbei einen der großen Philosophen der Allgemeinheit näher bringt.

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Veröffentlicht am 01.01.2020

Der bisher schwächste Band der Reihe

Bittere Schokolade
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Ich habe alle Bücher mit Xavier Kieffer, dem luxemburgischen Koch, mit Vergnügen gelesen und seither ist Luxemburg und seine Küche fest auf meinem Reiseplan Deshalb war ich voller Vorfreude auf den nächsten ...

Ich habe alle Bücher mit Xavier Kieffer, dem luxemburgischen Koch, mit Vergnügen gelesen und seither ist Luxemburg und seine Küche fest auf meinem Reiseplan Deshalb war ich voller Vorfreude auf den nächsten Fall, in dem er sicherlich wieder wider Willen ermitteln wird. Und so ist es auch.
Dieses Mal lernt er durch seine längst vergangene Jugendliebe Ketti, eine erfolgreiche Patisseurin, das schmutzige Geschäft um und mit dem Kakao kennen. Als Ketti ermordet wird und in seinen Armen stirbt, macht er sich auf die Suche nach ihrem Mörder, der offensichtlich Einiges zu verbergen hat.
Auch in diesem sechsten Band der kulinarischen Krimireihe erfährt man Vieles über einen bestimmten Lebensmittelbereich; dieses Mal über die Herstellung von Kakao und der Produktion von Schokolade, die einen vielleicht (mich auf jeden Fall) zukünftig kritischer ins Regal greifen lässt. Tom Hillenbrand hat gut recherchiert und klärt seine Leserinnen und Leser über die Pflanzenvielfalt, schwierige Anbau- und Produktionsbedingungen in den Herkunftsländern sowie den Wirtschaftsfaktor Kakao in Europa auf. Wie in vielen armen Ländern, die für reiche Staaten landwirtschaftliche Produkte liefern, sind die Arbeitsbedingungen auch im Kakaobereich häufig katastrophal: Kinderarbeit, fehlende Schutzbestimmungen, miserable Bezahlung. Wer denkt schon an so etwas, wenn man sich genüsslich ein zart schmelzendes Schokoladenstück in den Mund schiebt? Tom Hillenbrands Verdienst ist es auf jeden Fall, sich dessen bewusst zu werden und eventuell beim nächsten Schokoladenkauf etwas genauer hinzuschauen, wo die Ware herkommt.
Doch so gut diese Absicht sein mag, so sehr fällt leider der Krimi dagegen ab. Statt einem einzigen Handlungsstrang gibt es statt dessen derer gleich drei und für mich war das mindestens einer zuviel. Beispielsweise wirkten die Russen völlig fehl am Platz und dieser Eindruck hielt sich bis zum Ende (auch wenn dadurch eine herrliche Lösung für den Gabin herbeigezaubert wurde). Dafür fiel mir der 'Essensanteil' in diesem Buch viel zu klein aus - dieses Mal bekam ich beim Lesen nicht ein einziges Mal richtig Appetit auf etwa den Huesenziwwi.
So bin ich etwas unentschlossen: sehr lesenswerte Informationen in einem eher lauen Krimi - 3,5 Sterne, müssen reichen.

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Veröffentlicht am 01.01.2020

Phantasievolle Geschichte mit starkem Gegenwartsbezug

Das flüssige Land
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Als die promovierte Physikerin Ruth nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern sich auf der Suche nach deren früherem Leben macht, landet sie in Groß-Einland, wo die beiden aufgewachsen sind. Eine völlige Idylle, ...

Als die promovierte Physikerin Ruth nach dem plötzlichen Tod ihrer Eltern sich auf der Suche nach deren früherem Leben macht, landet sie in Groß-Einland, wo die beiden aufgewachsen sind. Eine völlige Idylle, in der die Menschen praktisch unbemerkt vom Rest der Welt leben, da die Gemeinde nirgendwo verzeichnet und nur schwer zugänglich ist. Dennoch verlängert Ruth ihren Aufenthalt dort eher widerwillig und fühlt sich überraschenderweise jedoch nach kurzer Zeit heimisch. Schnell ist sie Teil der Dorfgemeinschaft und die über allem thronende Gräfin gibt ihr zudem eine gute Arbeitsstelle. Doch es liegt Unheil über dem Dorf - Gegenwärtiges und Vergangenes. Ein riesiges Loch in der Erde droht Alles zu verschlingen, auch die Untaten während der Zeit des Dritten Reiches. Während Ruth versucht das Dorf zu retten, forscht sie gleichzeitig nach, was damals geschah.
Was für eine verrückte Geschichte! In der Zusammenfassung mag sich dies nicht so lesen, doch es sind die Details des Ganzen, die einen ungläubig den Kopf schütteln, gleichzeitig aber gebannt weiterlesen lassen. Ein ganzer Ort versinkt mehr und mehr im Untergrund, aber das Leben geht sogar trotz Todesfällen weiter wie gewohnt. Es wirkt wie ein potemkinsches Dorf, das von einer mysteriösen Gräfin für die BewohnerInnen aufrecht erhalten wird. Sie selbst bestimmt über die gesamte Gemeinde, sogar der Bürgermeister hält bei Allem still.
Literarisch gebildeten LeserInnen fällt natürlich bald auf, dass es sich hier um eine Parabel handelt. Wie im wahren Leben werden unschöne Dinge hier zwar nicht unter den Teppich, dafür aber in das Loch gekehrt - insbesondere Geschehenes während des II. Weltkrieges. Es wird geschwiegen um des lieben Friedens willen, denn wer hat schon etwas davon, wenn man die alten Dinge wieder hervorholt? Die Wahrheit ist zwar bekannt, doch hören geschweige denn aussprechen will sie niemand. Der Mensch an sich ist zudem bequem, weshalb also aufbegehren gegen etwas was einen nicht betrifft, solange man selbst es gut hat? Auch gegen die Gräfin, die trotz Abschaffung der Aristokratie über die gesamte Gemeinde bestimmt (auch, was es im Supermarkt zu kaufen gibt), gibt es keinen Widerstand, denn sie kümmert sich ja um Alle.
Ruth ist die Einzige, die Fragen stellt und zweifelt, doch je mehr sie Teil der Gemeinde wird, umso schwieriger fällt es ihr, ihre Nachforschungen weiter zu betreiben. Als Lesende fühlt man mit ihr und ihren widerstrebenden Gefühlen, zwischen der Suche nach der Wahrheit und der Zuneigung zu den Menschen, die sie mit dieser Suche verletzt.
Die Autorin packt eine Menge in diese Geschichte und gegen Ende ist es mir fast ein bisschen zu viel. Während ich mich zu Beginn noch völlig von den teils abstrusen Gegebenheiten faszinieren und unterhalten ließ, wurden die Andeutungen auf Konkretes jedoch ständig stärker und zahlreicher (zumindest kam es mir so vor), so dass das Faszinierende zusehends abnahm. Schade drum!

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Sachen zum Lachen ;-)

Als ich in meinem Alter war
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Über 50 Texte sind in diesem 224 Seiten starken Taschenbuch versammelt, jeweils zwei bis zwölf Seiten lang. Manches mag einem bekannt vorkommen, denn einige Beiträge waren auch bereits im Fernsehen zu ...

Über 50 Texte sind in diesem 224 Seiten starken Taschenbuch versammelt, jeweils zwei bis zwölf Seiten lang. Manches mag einem bekannt vorkommen, denn einige Beiträge waren auch bereits im Fernsehen zu hören bzw. zu sehen. Die Mischung ist kunterbunt und reicht vom Ruhrgebiet und Fussball (auch ausserhalb ) über Politik bis hin zu gesellschaftlich wichtigen Themen wie Darmspiegelung und Fleischwurst.
So unterschiedlich die Themen, so verschieden auch die Qualität der Texte (zumindest nach meinem Geschmack). Manches ist der reine Nonsense (Zombies ergreifen die Macht oder Sträters Auftritt mit Senf im Gesicht), Anderes hat oder hatte durchaus Bezug zu bestimmten gesellschaftlichen Geschehnissen oder Verhältnissen. Wer was gut findet, ist natürlich Geschmackssache. Ich mag Sträters Humor sehr und so gefielen mir ca. zwei Drittel der Texte richtig gut, auch wenn es sich teilweise um völlig sinnfreies Geschreibsel handelt Der Rest war so naja, aber auch 'Ne, dass musste jetzt nicht sein' war dabei.
Alles in Allem ein schönes Potpourri für Menschen, die auch über völligen Blödsinn lachen können

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Veröffentlicht am 23.09.2019

Spannend und überraschend mit ein paar kleinen Schwächen

Die Stille vor dem Sturm
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Ein Segeltörn in die Karibik auf einer Luxusjacht - es verspricht ein herrlicher Urlaub zu werden. Von Gran Canaria aus soll es losgehen, drei Brüder aus reichem Haus und ein Freund mit ihren jeweiligen ...

Ein Segeltörn in die Karibik auf einer Luxusjacht - es verspricht ein herrlicher Urlaub zu werden. Von Gran Canaria aus soll es losgehen, drei Brüder aus reichem Haus und ein Freund mit ihren jeweiligen Freundinnen. Doch gleich der Start verläuft anders als geplant: Der jüngste Bruder lässt sich aus beruflichen Gründen plötzlich entschuldigen und schickt seine neue Freundin allein. Kurz danach auf hoher See nehmen sie einen schiffbrüchigen jungen Mann auf und als am nächsten Morgen eine Leiche aufgefunden wird, scheint alles klar zu sein. Doch als noch jemand stirbt, ist jeder verdächtig.

Der Großteil der Handlung spielt auf der Jacht und die Autorin vermittelt überzeugend die immer bedrückendere und spannungsgeladenere Atmosphäre, die bereits von Beginn an herrscht. Hahnenkämpfe und Zickenkrieg sind allgegenwärtig und als klar wird, dass es einen Mord gab, liegen die Nerven blank. Motive gibt es zuhauf und so könnte jede und jeder der bzw. die MörderIn sein. Ein zweiter Handlungsstrang beschreibt die Leiden eines Entführten und Gefangenen, wobei bis kurz vor Ende völlig unklar ist, welchem Zweck dieser Mensch dient.

Spannung ist somit garantiert, aber ein paar Dinge fand ich nicht so toll. Klar, die Geschichte spielt auf einer Segeljacht, sodass Fachausdrücke durchaus ihre Berechtigung haben. Aber über ein, zwei Seiten lang? Und in Sätzen, dass ich nur noch Bahnhof verstehe wie beispielsweise "Henning, wenn der Präser über dem Gennacker ist, luv ich an, du holst das Großsegel mit der Hydraulikwinsch dicht.". Glücklicherweise legt sich das in der zweiten Hälfte des Buches wieder, aber es hätte trotzdem nicht sein müssen.
Mein zweiter Kritikpunkt ist die Gefühlsduselei mancher Figuren und ihre Klischeehaftigkeit. Bereits auf den ersten hundert Seiten ist klar, wer zu wem gehört bzw. zu wem findet und damit als TäterIn ausgeschlossen wird. Und dass bei all dem Grauen und Entsetzlichen was geschieht, tatsächlich noch jemand auf die Schnelle die Liebe seines Lebens und sein/ihr wahres Ich entdeckt, fand ich völlig überzogen.
Der Schluss dann gipfelte in einem Showdown (!), der selbst Hollywoodmaßstäben gerecht werden würde. Ist schon an eine Verfilmung gedacht ? Action, Herz, Schmerz - für mich war das doch ein bisschen viel des Guten.

Nichtsdestotrotz: Spannend war das Buch bis zum Schluss!