Ein Märchen neu interpretiert:)
Cinder & EllaKlappentext:
Nach einem schweren Autounfall hat Ella ein Jahr voller OPs und Rehas hinter sich. Und nun muss sie auch noch zu ihrem Vater und dessen neuer Familie ziehen, die sie überhaupt nicht kennt. ...
Klappentext:
Nach einem schweren Autounfall hat Ella ein Jahr voller OPs und Rehas hinter sich. Und nun muss sie auch noch zu ihrem Vater und dessen neuer Familie ziehen, die sie überhaupt nicht kennt. Ella will nur eins: ihr altes Leben zurück. Deshalb beschließt sie, sich nach langer Zeit wieder bei ihrem Chatfreund Cinder zu melden. Er ist der Einzige, der sie wirklich versteht, und obwohl sie ihn noch nie getroffen hat, ist Ella ist schon eine halbe Ewigkeit heimlich in ihn verliebt. Was sie nicht weiß: Auch Cinder hat Gefühle für sie. Und er ist der angesagteste Schauspieler in ganz Hollywood.
Das Cover:
Ich mag diese schlichten Cover, die dennoch so kraftvolle Farben besitzen. Einfach schön und im Regal gut anzusehen:)
Der Schreibstil:
Das Buch ließ sich super schön lesen. Wie so oft lesen wir aus den Perspektiven beider Hauptprotagonisten.
Ich kann ansonsten gar nicht so viel dazu sagen, da mir im positiven wie im negativen nichts aufgefallen ist. Man liest einfach, es gibt keine Logiklücken und auch keine Verständnisprobleme. Stattdessen kann man sich als Leser einfach mitziehen lassen.
Zu den Charakteren:
Ich freue mich jetzt im Nachhinein wirklich, dass ich Ella kennenlernen durfte. Die Autorin hat sie super hingekriegt. Obwohl es so viele Hindernisse gibt und so viel drumherum passiert, geht Ellas Entwicklungsgeschichte ihren eigenen Weg und den kann der Leser wunderbar miterleben. Tatsächlich hatte ich an keiner Stelle das Gefühl, Ellas Taten nicht nachvollziehen zu können. Da ist einfach dieses Mädchen, dass ein total glückliches Leben geführt hat und auf einmal ändert sich alles. Zunächst ist sie verbittert, traurig natürlich und auch oft wütend, aber gleichzeitig eine witzige, eigentlich lebensfrohe Person, die einfach nur wieder ins Leben zurückfinden muss und das schaft sie nicht alleine, wie sie lernt. Dieser Verlauf ist sehr gut dargestellt und machte Ella für mich sehr authentisch. Jedes Mal, wenn sie wieder einen Schritt nach vorne machte, war ich geradezu stolz und konnte auch verstehen, wenn es dann wieder zwei zurück ging.
Ella ist einfach eine Protagonistin, die keine Logikfehler besitzt und keinerlei Überdramatisierung benötigt. Sie ist einfach Ella und muss sich in ihrem neuen Leben erst finden und genau das ist es, was der Leser hier liest.
Cinder ist dagegen ein Kerl, dem man gerne Klischees überstülpen will und teilweise wurde dieses auch gemacht. Mir hat an ihm aber gefallen, dass er in seinen Gefühlen stets aufrichtig wahr und sich generell nicht davor scheute, die Wahrheit zu sagen, wenn es drauf ankommt. Jetzt werden bestimmt ein paar Leser protestierend aufschreien, aber meiner Meinung nach muss man letztlich jedem Menschen Fehler zugestehen und auch ein berühmter Schauspieler darf Ängste haben. Das kam bei mir genauso rüber und dadurch habe ich ihm seinen Charakter abgenommen.
Im Vergleich zu Ella ist Cinder jedoch nur ein kleiner Teil der Geschichte, denn letztlich zählen seine Worte für diese Geschichte sehr viel mehr.
Zur Geschichte allgemein:
Wieder einmal habe ich zuvor nicht den Klappentext gelesen. Worum es in dem Buch geht, wird dennoch sehr schnell deutlich, denn es beginnt sofort mit dem Autounfall. Man ist zu dem Zeitpunkt direkt bei Ella, was es unglaublich eindrücklich macht. Danach beginnt dann ihr neues Leben, während Cinder seines schon lebt.
Wie ich oben bereits erwähnte, hat mir die Charakterentwicklung von Ella sehr gut gefallen. Die ist es auch, die einen Großteil der Geschichte ausmacht. Das mag jetzt vielleicht etwas langweilig klingen, aber das ist es nicht, denn in Ellas Leben passiert so vieles: neue Familie, neue Umgebung, neue Freunde, der Unfall, Cinder…
Alles trägt seinen Teil dazu bei, dass Ella wieder zu ihrem alten Selbstbewusstsein findet und das ist wirklich schön gemacht worden.
Als positiv empfand ich auch, dass zwar der Märchenbezug durch die Namen hergestellt wurde (für unwissende Leser ist das durchaus der Fall, alle anderen werden den Grund für die Namen kennen. Dennoch hat die Autorin diesen meiner Meinung nach bewusst hergestellt.), es aber kein 1 zu 1 Abklatsch des Märchens oder neuerer Filmproduktionen war. Es gibt zwar das „Aschenputtel“, einen Prinzen und die Stiefschwestern, aber das Ganze wurde dann doch einfach sehr realistisch gehalten. So wie man nicht schwarz weiß denken soll, kann man Stiefschwestern auch nicht einfach als „böse“ betiteln. Das lernt man spätestens in diesem Buch.
So und weiter hat mir gefallen, dass Cinders Berühmtheit hier eine große Rolle spielt und auch ein Problem darstellt. Das ist für mich einfach ein Muss, wenn es real sein soll. Und so läuft gegen Ende des Buches eben nicht alles ab wie im Märchen, sondern so, wie es eben manchmal läuft, wenn man den letzen Satz nicht vorziehen möchte:)
Da fällt mir ein, die Autorin hat das Märchenthema noch an anderer Stelle ganz explizit aufgenommen. Diese Stelle fand ich wirklich grandios. Vielleicht entdeckt ihr sie, falls ihr das Buch lest;)
Fazit:
Eine super schöne und süße Geschichte, die sich nicht scheut, die Realität zuzulassen und die sich wirklich sehr viel mit der Entwicklung der Protagonistin auseinandersetzt, was mir gut gefallen hat. Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar und für die Märchenfans unter euch: ihr werdet auf eure Kosten kommen:)
Einfach ein gelungenes Jugendbuch.
5 von 5 Sterne von mir.