Profilbild von Hyperventilea

Hyperventilea

Lesejury Star
offline

Hyperventilea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hyperventilea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.01.2020

Die Wahrheit, so bitter sie auch sein mochte, war, dass seine Worte ihm nicht mehr gehörten, sobald sie einmal draußen in der Welt waren“

Alles, was wir sind
0

Diese Wahrheit bekommt Autor Boris Pasternak hart zu spüren: In der Sowjetunion der 50er Jahre arbeitet der Schriftsteller mit Leidenschaft an seinem ersten Roman „Doktor Schiwago“. Ein Roman, vor dem ...

Diese Wahrheit bekommt Autor Boris Pasternak hart zu spüren: In der Sowjetunion der 50er Jahre arbeitet der Schriftsteller mit Leidenschaft an seinem ersten Roman „Doktor Schiwago“. Ein Roman, vor dem sich die Sowjetregierung berechtigterweise fürchtet, weil sie vermutet, dass darin die politischen Verhältnisse und die Auswirkungen der Oktoberrevolution stark kritisiert werden. Das Regime versucht Pasternak also daran zu hindern, den Roman zu vollenden. Um den Autor unter Druck zu setzen, schrecken die Herrschenden auch nicht davor zurück, seine Geliebte und Muse Olga unter grausamen Bedingungen in einem Arbeitslager zu inhaftieren. Doch der Schriftsteller lässt sich nicht beugen, beendet den Roman und versucht, ihn in der Sowjetunion zu publizieren. Ein aussichtsloses Vorhaben. Im Westen erkennt währenddessen die CIA in den USA das Potenzial des Romans und möchte ihn als Waffe gegen das Sowjet-Regime einsetzen. Er soll heimlich wieder in die Sowjetunion geschmuggelt, dort unters Volk gebracht werden und Misstrauen der Regierung gegenüber schüren. Lara Prescotts Geschichte, spielt einerseits im Osten und beschreibt dort Olgas und Pasternaks Situation, andererseits im Westen, wo es um Mitarbeiter und Agentinnen geht, die an der Shiwago-Mission beteiligt sind.

Vor langer Zeit habe ich Doktor Schiwago gelesen, keine leichte Kost. Ich habe mit dem Buch gerungen, empfand es aber als eines jener seltenen besonderen Bücher, die einen für lange Zeit beschäftigen und von denen man das Gefühl hat, dass sie etwas ganz Großes, ein Meisterwerk, sind. Daher habe ich mich sehr auf Lara Prescotts Roman gefreut, deren Eltern es mit der Verfilmung des Buches anscheinend genauso erging. Schließlich benannten sie ihre Tochter gar nach der Hauptfigur. Ich hoffte in dem Buch etwas vom „Geist“ von Pasternaks Original zu finden, das mich damals so fasziniert hatte.

Schon die äußerliche Aufmachung fällt sehr positiv ins Auge, sie wirkt sehr hochwertig. Auch der Beginn des Romans schien meine hohen Erwartungen zu erfüllen. Die verschiedenen Perspektiven aus dem Osten und den Westen, der für mich schöne Erzählstil, das passte perfekt zusammen. Ich hoffte darauf, dass sich die verschiedenen Stränge im Verlauf des Romans zu einem harmonischen Runden Ganzen zusammenfügen würden und dass Pasternaks mit dem Nobelpreis prämierter Roman Doktor Shiwago, seine Entstehung, die Vorbilder der Protagonisten, sein Inhalt, seine Botschaft eine größere Rolle spielen würde.
Dies passierte aber nur bedingt.
Über lange Strecken konzentrierte sich die Handlung auf den Westen, also die Mission, Doktor Shiwago im Osten zu verbreiten, ohne dass sich mir dabei die wahre eigentliche Bedeutung des heiß umkämpften Buches erschloss. Die Handlung um die mit der Mission betrauten CIA- Mitarbeiterinnen Irina und Sally vermochte es leider nicht, mich zu fesseln und wirkte irgendwie hölzern. Überhaupt empfand ich für die Figuren des Romans wenig Sympathie. Pasternak wurde für mich in diesem Buch regelrecht entzaubert, wird er doch als eigensüchtiger, narzisstischer alter Mann dargestellt, der sich gerne im Selbstmitleid suhlt. Auch die anderen Protagonisten, ihre Gefühle und Beziehungen gingen mir nicht nahe.

Zum Schluss läuft die Autorin noch einmal zur Hochform auf und gelangt meines Erachtens zu einem versöhnlichen und stimmigen Ende. Trotzdem kompensiert das die Schwächen des Mittelteils, die unnötigen langwierigen Passagen über die trockene „Mission Shiwago“ nicht. Der Funke sprang zu selten über, den Bezug zu Doktor Shiwagos und seinen Einfluss auf Prescotts Erzählung suchte ich über lange Strecken vergebens. Für mich wurde das große Potential der Geschichte leider nicht ganz ausgeschöpft. Vermutlich waren aber meine Erwartungen auch einfach viel zu hoch, denn selbstverständlich sind Pasternaks Fußstapfen eine Nummer zu groß für Prescott. Wer sonst bekommt schon für seinen ersten Roman gleich einen Literaturnobelpreis verliehen?
Betrachte ich diesen Roman weitgehend unabhängig von seinem großen „Vorbild“, bereue ich es aber keineswegs, ihn gelesen zu haben und empfehle den Lesern, dieses Buch zuerst zu lesen und sich dann anschließend an Shiwago in der Buch- oder Filmversion zu wagen.




  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.11.2019

Besinnlicher, aber leider etwas zu kurzer Hörgenuss

Skandinavischer Advent - Der Audiobuch-Adventskalender
0

Der Audiobuch- Adventskalender Skandinavischer Advent enthält zehn typisch skandinavische Geschichten und Gedichte rund um Weihnachten. Diese sind aufgeteilt auf 24 Hörausschnitte, für jeden Dezembertag ...

Der Audiobuch- Adventskalender Skandinavischer Advent enthält zehn typisch skandinavische Geschichten und Gedichte rund um Weihnachten. Diese sind aufgeteilt auf 24 Hörausschnitte, für jeden Dezembertag einen. Beate Rysopp und Frank Stieren lesen die Texte auf angenehme Weise, unaufgeregt und schön betont. Das CD-Cover stellt zusätzlich noch einen Adventskalender mit 24 Klappen dar. Dahinter verbergen sich winzige weihnachtliche Bilder, die auch Bezug auf die Texte nehmen.
Die Auswahl der Stücke finde ich gelungen. Hans Christian Andersen ist genauso vertreten wie Selma Lagerlöff und Hendrik Ibsen. Es geht recht traditionell und festlich zu und beim Lauschen stellte sich bei mir gleich ein weihnachtlich wohliges Gefühl ein. Der (deutsche) Hörer bekommt einen guten Eindruck, welche Bedeutung Weihnachten früher in den skandinavischen Ländern hatte und wie das Fest begangen wurde.
Mir sind die Stücke allerdings zu kurz. Nicht nur, dass einige Geschichten nur gekürzt vorgelesen werden und mir das Ende viel zu abrupt kam. Insgesamt sind pro Tag nur wenige Minuten vorgesehen. Für mich als Weihnachts- und Adventsliebhaber definitiv zu wenig, da lohnt es fast nicht, den CD Player einzuschalten.
Insgesamt ein schöner Hörgenuss, der ruhig etwas länger und umfassender hätte ausfallen können.

Veröffentlicht am 25.10.2019

Nettes kleines Bilderbuch, das aber nicht heraussticht

Mein erstes Papp-Bilderbuch: Rotkäppchen
0

Rotkäppchen ist zweifelsohne ein berühmter Märchen-Klassiker, der in keinem Bücherregal fehlen darf. „Mein erstes Papp-Bilderbuch Rotkäppchen“ stellt eine Variante des Märchens für Kinder ab zwei Jahre ...

Rotkäppchen ist zweifelsohne ein berühmter Märchen-Klassiker, der in keinem Bücherregal fehlen darf. „Mein erstes Papp-Bilderbuch Rotkäppchen“ stellt eine Variante des Märchens für Kinder ab zwei Jahre dar. Das Format ist recht klein und handlich, die Seiten sind nicht ganz so dick wie bei Babybüchern, aber trotzdem aus Pappe und damit etwas stabiler. Die hübsch gezeichneten Illustrationen kommen bei den kleinen Lesern gut an. Auch der Text ist altersgemäß in einfachen Sätzen formuliert. Einmal wird der Leser direkt angesprochen, das hat mir und meinen Kindern besonders gut gefallen. Dadurch wird Wichtiges noch einmal wiederholt und besonders betont. Dass der Wolf auf die allseits bekannte Frage: „Großmutter, warum hast du so große Augen ( Ohren, Zähne )?“, nicht mit dem klassischen „Damit ich dich besser sehen (hören, fressen) kann“, antwortet, hat uns ein bisschen irritiert. An dieser Stelle hätten wir gerne mitgesprochen.
Das Ende der Geschichte ist leicht abgewandelt, dadurch weniger grausam und tierfreundlicher. Mein fünfjähriger Sohn hat mehrmals betont, dass ihm das Ende so besser gefällt als im Original. Mein Mann hingegen hat die neue Version kritisiert.
Alles in allem ein nettes kleines Bilderbuch, das auch schon kleineren Kinder erste Erfahrungen mit einem klassischen Märchen ermöglicht

Veröffentlicht am 16.11.2024

Magisch-buntes Bilderbuch mit Wimmelseiten und etwas einfallsloser Geschichte - nur für Fans der Reihe zu empfehlen

Sternenschweif, Wimmelbuch, Abenteuer im Einhornland
0

Das Einhornfohlen Schimmerhorn ist traurig, weil es seinen Geburtstag nicht kennt. Wie soll es denn da an seinem zweiten Geburtstag auf die Erde fliegen, um eine Freundin zu finden? Laura und Sternenschweif ...

Das Einhornfohlen Schimmerhorn ist traurig, weil es seinen Geburtstag nicht kennt. Wie soll es denn da an seinem zweiten Geburtstag auf die Erde fliegen, um eine Freundin zu finden? Laura und Sternenschweif wollen ihm helfen, herauszufinden, wann sein Geburtstag genau genau ist. Sie reisen deshalb durch Arkadia. Ob sie am Ende mehr wissen?

In einfachen, leicht verständlichen Sätzen wird die Geschichte erzählt. Die Kinder können dank der dazugehörigen bunten Bilder genau nachvollziehen, was gerade passiert. Auf den Seiten sind recht viele Figuren abgebildet, so dass man immer ein bisschen suchen muss, welche Illustrationen zum gerade gelesenem Text gehören. Allen jüngeren Fans der Reihe werden die pastellfarbenen, im typischen Sternenschweif-Stil gezeichneten Bilder sicher gefallen. Das Buch richtet sich an Kinder ab vier Jahren.

Laura und Sternenschweif sind besondere Identifikationsfiguren. Viele Mädchen würden bestimmt gerne mit Laura tauschen und im magischen Arkadia Abenteuer erleben.

Das Wimmelbuch ist mit einer Geschichte verknüpft, die recht unspektakulär und einfallslos daherkommt. Vor allem das Ende überzeugte uns überhaupt nicht.
Besonders wimmelig und wuselig geht es auf den Seiten nicht zu. Hauptsächlich sind auf den Bildern viele, recht ähnlich aussehende und kaum individuelle Figuren zu sehen. Es werden zudem wenige unterschiedliche Aktivitäten und kaum besondere Details gezeigt. Treue Sternenschweif-Fans kommen dabei dennoch sicher auf ihre Kosten. Andere Wimmelbuchliebhaber werden aber von den kaum abwechslungsreichen Bildern möglicherweise ein wenig enttäuscht sein. Da ist in anderen Wimmelbüchern deutlich mehr los.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2024

Schöne Gestaltung, recht einfältige Geschichte mit verbesserungsbedürftigem Ende

Emily Meermädchen, Band 4 - Rettung für die Delfine
0

Emily und ihre Freunde beobachten beim Spielen im Meer ein geheimnisvolles Schiff. Kurz darauf treffen sie auf Delfine, die in einem Netz gefangen wurden. Was ist da los?

Der Text ist klar und kindgemäß ...

Emily und ihre Freunde beobachten beim Spielen im Meer ein geheimnisvolles Schiff. Kurz darauf treffen sie auf Delfine, die in einem Netz gefangen wurden. Was ist da los?

Der Text ist klar und kindgemäß in der Vergangenheit formuliert. Satzbau und Wortwahl sind sehr einfach gehalten. Dank der großen Schrift und einem weiten Zeilenabstand lässt sich die Geschichte auch von Leseanfängern leicht lesen. Auf jeder Seite findet sich nur wenig Text, so dass sich Leseanfänger nicht überfordert fühlen. Die Geschichte ist in sechs Kapitel mit lesefreundlicher Länge eingeteilt. Das Buch enthält viele bunte, hübsche Bilder, bei denen Blautöne dominieren. Die äußere Gestaltung finde ich ansprechend und gelungen. Das glitzernde Cover sticht sofort ins Auge. Das Buch richtet sich an Erstleser, vermutlich eher an Mädchen ab sechs Jahren.

Mit Emily und ihren Freunden können sich Kinder bestimmt gut identifizieren. Viele Mädchen wären sicher gerne eine Meerjungfrau und könnten sich frei im Ozean bewegen. Die Personenauswahl ist multikulturell.

So interessant das Szenario und der Schauplatz, so einfallslos und einfältig finde ich die Handlung. Freilich sind die Möglichkeiten für Erstlesebücher begrenzt, da die Geschichte verständlich und nachvollziehbar in einfacher Sprache erzählt werden muss, da darf es nicht zu kompliziert werden. Aber ein wenig mehr Mühe hätte sich die Autorin schon geben können. Vor allem die Wendung am Ende war für mich überhaupt nicht überzeugend und unglaubwürdig. Ich empfand den Gedanken dahinter als recht naiv und und die Lösung des Problems als wenig nachhaltig. Schade!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere