Profilbild von tigerbea

tigerbea

Lesejury Star
online

tigerbea ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tigerbea über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2020

Rabenschwarzer Humor

Das Fenster zum Gehöft
0

Steffi, die sich bei einem Unfall die Hüfte gebrochen hat, sitzt nun tagaus, tagein in ihrem Rollstuhl und beobachtet durch ihr Fernglas das Geschehen im Dorf. Als sie beobachtet, wie ihr Nachbar seine ...

Steffi, die sich bei einem Unfall die Hüfte gebrochen hat, sitzt nun tagaus, tagein in ihrem Rollstuhl und beobachtet durch ihr Fernglas das Geschehen im Dorf. Als sie beobachtet, wie ihr Nachbar seine Frau mit der Melkmaschine umbringt, kann sie es zunächst nicht glauben. Sie beginnt Fragen zu stellen, die sie letztlich selbst vor eine schwierige Frage stellen...

"Das Fenster zum Gehöft" von Rudi Jagusch ist eine rabenschwarzer Regionalkrimi. Hier wird ein Dorf in der Eifel mit allen abgrundtiefen Klischees dargestellt, die man sich nur vorstellen kann. Lug und Trug, ein Pfarrer, der gegen das Zölibat verstößt, eine Dorfratsche, vor der nichts geheim bleibt usw. In diesem Dorf hat einfach jeder sein Geheimnis aus der Vergangenheit und in der Gegenwart sowie seine Liebschaft. Die Charaktere sind dadurch sehr vielseitig. Sogar Steffi, mit der man zuerst Mitleid hat, zeigt zum Schluß, daß sie doch nicht so harmlos ist, wie es scheint. Rudi Jagusch schreibt hier in mehreren Zeitebenen. Die Vorfälle in der Gegenwart werden durch Rückblenden in die Vergangenheit erklärt, was für Abwechslung und Spannung sorgt. Aber er sorgt auch immer wieder für Situationskomik, die sehr gelungen ist. Er beschreibt das Dorf so gut, daß man meint, selbst über die Bürgersteige zu gehen und die Personen zu kennen.

"Das Fenster zum Gehöft" eignet sich für alle, die es etwas schwärzer im Humor mögen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.02.2020

Solider Thriller

Das Paulus-Labyrinth
0

Als im niederländischen Leiden die Arbeiten für versenkbare Müllcontainer beginnen, bricht plötzlich der Boden weg und ein Tunnel kommt ans Tageslicht, der wohl zu einem ganzen Tunnelsystem gehört. Der ...

Als im niederländischen Leiden die Arbeiten für versenkbare Müllcontainer beginnen, bricht plötzlich der Boden weg und ein Tunnel kommt ans Tageslicht, der wohl zu einem ganzen Tunnelsystem gehört. Der Historiker Peter de Haan begibt sich in diesen Tunnel und findet einen blutverschmierten Mann. Damit nicht genug, erhält er nun unheimliche Nachrichten. Was er zunächst für einen Scherz seiner Studenten hält, wird plötzlich zu einer großen Gefahr.

Jeroen Windmeijer legt mit "Das Paulus - Labyrinth" einen spannenden Thriller im Stile von Dan Brown vor. Außergewöhnlich ist der Schauplatz Niederlande. Dies empfand ich als gelungene Abwechslung - es muß nicht immer der Vatikan sein. Wie man hier sehr gut erklärt bekommt, hat auch die Niederlande einen Bezug zum frühen Christentum. Der Autor vermittelt sein Wissen auf sehr harmonische und gut zu verstehende Art. Man kann der Geschichte gut folgen, hat keinerlei Verständnisprobleme und wird gut unterhalten. Denn eines hat das Buch von Beginn bis Ende in hohem Maße: Spannung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2020

Ganz anders als erwartet

Das Knistern der Sterne
0

Stella steht vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Frisch getrennt von ihrem Mann übernachtet sie in einer Jugendherberge, als sie auf einer Parkbank dem 70jährigen Balthasar begegnet. Dieser macht ...

Stella steht vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Frisch getrennt von ihrem Mann übernachtet sie in einer Jugendherberge, als sie auf einer Parkbank dem 70jährigen Balthasar begegnet. Dieser macht ihr ein Angebot: Stella soll ihn auf seiner Kreuzfahrt begleiten. Zunächst lehnt Stella ab. Doch als sie am nächsten Tag auch ihren Job als Masseurin verliert, nimmt sie das Angebot an. Balthasar stellt allerdings folgende Bedingungen: keine Fragen zu seiner Vergangenheit und das Abendessen wird jeden Abend gemeinsam in seiner Kabine eingenommen. Er selbst verläßt diese nicht, Stella soll ihm täglich ihre Erlebnisse berichten. Stella lernt an Bord viel über ihr eigenes Leben und merkt, daß Balthasar nicht der ist, der er vorgibt zu sein.

"Das Knistern der Sterne" von Claire Hoffmann ist so ganz anders, als man erwartet. Es ist kein einfacher, humorvoller Roman über eine Kreuzfahrt, sondern ein sehr intensiver Roman, der nachdenklich macht. Man erlebt hier zwei Charaktere, die beide ihre speziellen Eigenarten aufweisen, bei denen man überlegt, ob man sie mag oder nicht. Im Laufe der Zeit freundet man sich jedoch mit ihnen an. Beide Charaktere verheimlichen sich gegenseitig etwas und es ist interessant zu verfolgen, wie sie damit umgehen. Stellas Erlebnisse an Bord und ihr Umgang mit den Mitreisenden macht einfach nachdenklich. Sie findet hier zu sich selbst. Balthasar macht das Buch mit seiner heimlichen Identität spannend und man fiebert jedem Abendessen entgegen in der Hoffnung, mehr über ihn zu erfahren. Das Buch lässt sich sehr schön lesen und man fliegt durch die Tageskapitel nur so hindurch.

Dieses Buch ist etwas Besonderes und sehr zu empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.01.2020

Spannend, aber nicht überragend

Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
0

Als ein Flugzeug über den Rocky Mountains abstürzt, überlebt nur Ally schwer verletzt. Sie kämpft sich durch die Wildnis - auf der Flucht vor einem Mörder. Allys Mutter Maggie kann sich mit dem Tod ihrer ...

Als ein Flugzeug über den Rocky Mountains abstürzt, überlebt nur Ally schwer verletzt. Sie kämpft sich durch die Wildnis - auf der Flucht vor einem Mörder. Allys Mutter Maggie kann sich mit dem Tod ihrer Tochter nicht abfinden. Beide hatten seit dem Tod von Allys Vater keinen Kontakt mehr. Als Maggie in Allys Leben nach dem Grund für ihren Tod sucht, entdeckt sie eine bisher unbekannte Seite ihrer Tochter.

"Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod" ist das Debüt von Jessica Barry. Das Buch beginnt mit Allys Flucht von der Unglücksstelle. Dies wirft zunächst Fragen auf - denn warum will Ally nicht gefunden werden? Normal hofft man doch auf schnelle Rettung. Dies klärt sich nach und nach auf. Ally wird hier als Heldin dargestellt, die auch in dieser Situation die Nerven und den Überblick behält und überlegt handelt. Jedoch wird dieser Eindruck in den Rückblicken aus ihrer Sicht zerstört. Denn in der Vergangenheit erschien sie mir einfach nur als gutgläubig und naiv. Maggie ist hier die sympathischere der Beiden. Sie gibt alles, um hinter Allys Geheimnisse zu kommen, gesteht Fehler ein und nimmt Hilfe an. Übrigens empfand ich die Szene, als jeder im Dorf zum Trost einen Auflauf schickte, irgendwie belustigend. Die Geschichte ist aus zwei Perspektiven geschrieben, so daß sich Allys Leben wie ein Puzzle Stück für Stück zusammensetzt und man dem nächsten Kapitel entgegenfiebert. Die Autorin hat nämlich eine geschickte Taktik: Die Fragen, die Maggie aufwirft, beantwortet Ally im nächsten Kapitel. Allerdings erschien mir das Ende nun doch etwas sehr konstruiert und hatte den "Zu-viel-gewollt"-Touch.
Insgesamt betrachtet ist das Buch spannend, nicht überragend - aber für ein Debüt schon richtig gut.

Veröffentlicht am 14.01.2020

Ich hatte anderes erwartet

The Wonderful Wild
0

Gesa Neitzel machte vor vier Jahren in Südafrika eine Ausbildung zur Rangerin startete ihr Leben neu. In ihrem Buch "The Wonderful Wild" erzählt sie nun, was die Natur sie lehrte.
Hier erfährt der Leser ...

Gesa Neitzel machte vor vier Jahren in Südafrika eine Ausbildung zur Rangerin startete ihr Leben neu. In ihrem Buch "The Wonderful Wild" erzählt sie nun, was die Natur sie lehrte.
Hier erfährt der Leser nun von ihrem neuen Leben als Rangerin. Wer, so wie ich, ein Buch über Erlebnisse mit Wildtieren erwartet, wird zunächst enttäuscht sein. Man erhält eher einen Ratgeber zur Lebensgestaltung. Man bekommt Anregung, sein Leben zu überdenken und nach Möglichkeit neu zu gestalten, was sich jedoch nicht unbedingt so umsetzen läßt. Gesa Neitzel vermittelt hier jedoch auch, daß man die Natur genießen soll und sie nicht als selbstverständlich ansehen sollte. Dabei schreibt sie ohne erhobenen Zeigefinger, sondern auf unterhaltsame, lockere Art. Im Mittelteil des Buches findet sich ein Bildteil mit wunderschönen Farbbildern von Tier und Natur Afrikas.
Auch wenn ich anderes erwartet hatte, habe ich das Buch nach einer Eingewöhnungszeit gern gelesen und kann es empfehlen. Man nimmt doch etwas für sich mit und kommt schon während des Lesens zur Ruhe.