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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2020

Spannung auf psychologischer Basis

Wie tief ist deine Schuld
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Isa Wild erhält eine SMS. "Ich brauche euch". Mehr steht dort nicht. Isa macht sich nach 17 Jahren auf den Weg nach Salten. Dort lebte Isa nach dem Tod ihrer Mutter ein Jahr im Internat, freundet sich ...

Isa Wild erhält eine SMS. "Ich brauche euch". Mehr steht dort nicht. Isa macht sich nach 17 Jahren auf den Weg nach Salten. Dort lebte Isa nach dem Tod ihrer Mutter ein Jahr im Internat, freundet sich tief mit Thea, Fatima und Kate an. Diese Freundschaft hat bis in die Gegenwart bestand. Sie sind noch immer jederzeit füreinander da. Als nun am Flussufer eine Leiche gefunden wird, müssen die Freundinnen zusammenhalten wie noch nie in ihrem Leben....

Ruth Ware hat mit "Wie tief ist deine Schuld" einen grundsoliden Thriller geschrieben. Die Bedrohung, die über den Freundinnen schwebt, ist greifbar und auf psychologischer Basis ohne Schockelemente aufgebaut. Blutige Szenen sucht man vergeblich, was mir sehr gut gefällt. Gut beschrieben wird die intensive Freundschaft zwischen den vier Freundinnen. Man spürt die Vertrautheit, die sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart von großer Bedeutung ist. Man fragt sich, ob diese Vertrautheit nun zerstört wird, oder ob die Freundschaft tatsächlich so über allem steht, wie es scheint. Hier spielt die Autorin mit dem Leser richtiggehend. Auch hält sie den Spannungsbogen u. a. durch die Rückblicke in die Internatszeit konstant sehr hoch, bis die Handlung in den letzten Kapiteln vor Spannung fast explodiert.

Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und ich kann es sehr empfehlen!

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Veröffentlicht am 10.02.2020

Rabenschwarzer Humor

Das Fenster zum Gehöft
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Steffi, die sich bei einem Unfall die Hüfte gebrochen hat, sitzt nun tagaus, tagein in ihrem Rollstuhl und beobachtet durch ihr Fernglas das Geschehen im Dorf. Als sie beobachtet, wie ihr Nachbar seine ...

Steffi, die sich bei einem Unfall die Hüfte gebrochen hat, sitzt nun tagaus, tagein in ihrem Rollstuhl und beobachtet durch ihr Fernglas das Geschehen im Dorf. Als sie beobachtet, wie ihr Nachbar seine Frau mit der Melkmaschine umbringt, kann sie es zunächst nicht glauben. Sie beginnt Fragen zu stellen, die sie letztlich selbst vor eine schwierige Frage stellen...

"Das Fenster zum Gehöft" von Rudi Jagusch ist eine rabenschwarzer Regionalkrimi. Hier wird ein Dorf in der Eifel mit allen abgrundtiefen Klischees dargestellt, die man sich nur vorstellen kann. Lug und Trug, ein Pfarrer, der gegen das Zölibat verstößt, eine Dorfratsche, vor der nichts geheim bleibt usw. In diesem Dorf hat einfach jeder sein Geheimnis aus der Vergangenheit und in der Gegenwart sowie seine Liebschaft. Die Charaktere sind dadurch sehr vielseitig. Sogar Steffi, mit der man zuerst Mitleid hat, zeigt zum Schluß, daß sie doch nicht so harmlos ist, wie es scheint. Rudi Jagusch schreibt hier in mehreren Zeitebenen. Die Vorfälle in der Gegenwart werden durch Rückblenden in die Vergangenheit erklärt, was für Abwechslung und Spannung sorgt. Aber er sorgt auch immer wieder für Situationskomik, die sehr gelungen ist. Er beschreibt das Dorf so gut, daß man meint, selbst über die Bürgersteige zu gehen und die Personen zu kennen.

"Das Fenster zum Gehöft" eignet sich für alle, die es etwas schwärzer im Humor mögen!

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Veröffentlicht am 07.02.2020

Solider Thriller

Das Paulus-Labyrinth
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Als im niederländischen Leiden die Arbeiten für versenkbare Müllcontainer beginnen, bricht plötzlich der Boden weg und ein Tunnel kommt ans Tageslicht, der wohl zu einem ganzen Tunnelsystem gehört. Der ...

Als im niederländischen Leiden die Arbeiten für versenkbare Müllcontainer beginnen, bricht plötzlich der Boden weg und ein Tunnel kommt ans Tageslicht, der wohl zu einem ganzen Tunnelsystem gehört. Der Historiker Peter de Haan begibt sich in diesen Tunnel und findet einen blutverschmierten Mann. Damit nicht genug, erhält er nun unheimliche Nachrichten. Was er zunächst für einen Scherz seiner Studenten hält, wird plötzlich zu einer großen Gefahr.

Jeroen Windmeijer legt mit "Das Paulus - Labyrinth" einen spannenden Thriller im Stile von Dan Brown vor. Außergewöhnlich ist der Schauplatz Niederlande. Dies empfand ich als gelungene Abwechslung - es muß nicht immer der Vatikan sein. Wie man hier sehr gut erklärt bekommt, hat auch die Niederlande einen Bezug zum frühen Christentum. Der Autor vermittelt sein Wissen auf sehr harmonische und gut zu verstehende Art. Man kann der Geschichte gut folgen, hat keinerlei Verständnisprobleme und wird gut unterhalten. Denn eines hat das Buch von Beginn bis Ende in hohem Maße: Spannung!

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Veröffentlicht am 05.02.2020

Ganz anders als erwartet

Das Knistern der Sterne
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Stella steht vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Frisch getrennt von ihrem Mann übernachtet sie in einer Jugendherberge, als sie auf einer Parkbank dem 70jährigen Balthasar begegnet. Dieser macht ...

Stella steht vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Frisch getrennt von ihrem Mann übernachtet sie in einer Jugendherberge, als sie auf einer Parkbank dem 70jährigen Balthasar begegnet. Dieser macht ihr ein Angebot: Stella soll ihn auf seiner Kreuzfahrt begleiten. Zunächst lehnt Stella ab. Doch als sie am nächsten Tag auch ihren Job als Masseurin verliert, nimmt sie das Angebot an. Balthasar stellt allerdings folgende Bedingungen: keine Fragen zu seiner Vergangenheit und das Abendessen wird jeden Abend gemeinsam in seiner Kabine eingenommen. Er selbst verläßt diese nicht, Stella soll ihm täglich ihre Erlebnisse berichten. Stella lernt an Bord viel über ihr eigenes Leben und merkt, daß Balthasar nicht der ist, der er vorgibt zu sein.

"Das Knistern der Sterne" von Claire Hoffmann ist so ganz anders, als man erwartet. Es ist kein einfacher, humorvoller Roman über eine Kreuzfahrt, sondern ein sehr intensiver Roman, der nachdenklich macht. Man erlebt hier zwei Charaktere, die beide ihre speziellen Eigenarten aufweisen, bei denen man überlegt, ob man sie mag oder nicht. Im Laufe der Zeit freundet man sich jedoch mit ihnen an. Beide Charaktere verheimlichen sich gegenseitig etwas und es ist interessant zu verfolgen, wie sie damit umgehen. Stellas Erlebnisse an Bord und ihr Umgang mit den Mitreisenden macht einfach nachdenklich. Sie findet hier zu sich selbst. Balthasar macht das Buch mit seiner heimlichen Identität spannend und man fiebert jedem Abendessen entgegen in der Hoffnung, mehr über ihn zu erfahren. Das Buch lässt sich sehr schön lesen und man fliegt durch die Tageskapitel nur so hindurch.

Dieses Buch ist etwas Besonderes und sehr zu empfehlen!

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Veröffentlicht am 20.01.2020

Spannend, aber nicht überragend

Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
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Als ein Flugzeug über den Rocky Mountains abstürzt, überlebt nur Ally schwer verletzt. Sie kämpft sich durch die Wildnis - auf der Flucht vor einem Mörder. Allys Mutter Maggie kann sich mit dem Tod ihrer ...

Als ein Flugzeug über den Rocky Mountains abstürzt, überlebt nur Ally schwer verletzt. Sie kämpft sich durch die Wildnis - auf der Flucht vor einem Mörder. Allys Mutter Maggie kann sich mit dem Tod ihrer Tochter nicht abfinden. Beide hatten seit dem Tod von Allys Vater keinen Kontakt mehr. Als Maggie in Allys Leben nach dem Grund für ihren Tod sucht, entdeckt sie eine bisher unbekannte Seite ihrer Tochter.

"Freefall - Die Wahrheit ist dein Tod" ist das Debüt von Jessica Barry. Das Buch beginnt mit Allys Flucht von der Unglücksstelle. Dies wirft zunächst Fragen auf - denn warum will Ally nicht gefunden werden? Normal hofft man doch auf schnelle Rettung. Dies klärt sich nach und nach auf. Ally wird hier als Heldin dargestellt, die auch in dieser Situation die Nerven und den Überblick behält und überlegt handelt. Jedoch wird dieser Eindruck in den Rückblicken aus ihrer Sicht zerstört. Denn in der Vergangenheit erschien sie mir einfach nur als gutgläubig und naiv. Maggie ist hier die sympathischere der Beiden. Sie gibt alles, um hinter Allys Geheimnisse zu kommen, gesteht Fehler ein und nimmt Hilfe an. Übrigens empfand ich die Szene, als jeder im Dorf zum Trost einen Auflauf schickte, irgendwie belustigend. Die Geschichte ist aus zwei Perspektiven geschrieben, so daß sich Allys Leben wie ein Puzzle Stück für Stück zusammensetzt und man dem nächsten Kapitel entgegenfiebert. Die Autorin hat nämlich eine geschickte Taktik: Die Fragen, die Maggie aufwirft, beantwortet Ally im nächsten Kapitel. Allerdings erschien mir das Ende nun doch etwas sehr konstruiert und hatte den "Zu-viel-gewollt"-Touch.
Insgesamt betrachtet ist das Buch spannend, nicht überragend - aber für ein Debüt schon richtig gut.