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Veröffentlicht am 03.04.2020

Buch über Liebe und Freundschaft, über Eifersucht und Verrat und verpasste Chancen. Schade, dass der Kern der Geschichte so banal war

Unsere glücklichen Tage
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Lenica, Marie, Fanny und Elsa sind beste Freundinnen und verbringen die Sommer jedes Jahr gemeinsam an der französischen Atlantikküste. Als Lenica in ihrem letzten gemeinsamen Sommer einen alten Freund ...

Lenica, Marie, Fanny und Elsa sind beste Freundinnen und verbringen die Sommer jedes Jahr gemeinsam an der französischen Atlantikküste. Als Lenica in ihrem letzten gemeinsamen Sommer einen alten Freund mitbringt, verändert die Anwesenheit von Sean alles. Elsa verliebt sich auf den ersten Blick in den tätowierten Iren und verbringt einen ausgelassenen Sommer voller Liebe und Leidenschaft, bis sie am Tag ihrer Abreise mit einer unschönen Wahrheit konfrontiert wird.
30 Jahre später trifft Elsa zufällig wieder auf Marie. Sie treffen sich mit Fanny und verbringen wieder entspannte Tage in dem Ferienhaus in Frankreich. Ihre Freundschaft zueinander erwacht neu, als wären sie nie getrennt gewesen. Doch dann werden sie von der Vergangenheit eingeholt.

Der Roman erzählt abwechselt die Gegenwart, den Sommer, in dem sich die Freundinnen wieder begegnen und die Vergangenheit, den Sommer, nach dem die jahrelange Trennung erfolgte.
Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Elsa erzählt, die vor dreißig Jahren so unsterblich in Sean verliebt war und deren Leben sich mit seinem Kennenlernen für immer verändert hat. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart kann man sich gut in sie und ihr Gefühl der Sehnsucht hineinversetzen. Man spürt die innige Freundschaft zu den drei jungen Frauen und die schon fast wahnhafte Liebe zu einem jungen Mann, den Elsa kaum kennt, aber für den sie alles - Freundschaften und ihren Stolz - opfern würde. Dabei ist sie ein sehr emotionaler Mensch, schafft es aber nicht ihre Gefühle zu äußern und ist sich unsicher, ob eine Beziehung zu Sean eine Zukunft haben kann. Auch ich wäre an ihrer Stelle verunsichert gewesen, denn Sean ist ein wankelmütiger Charakter, schwankte stets zwischen besitzergreifender Liebe und einem distanzierten Verhalten.

"Unsere glücklichen Tage" handelt von einem zunächst unbeschwerten Sommer, der unglücklich mit dem Bruch der Freundschaft der vier Frauen endet. Der Roman beginnt spannend und man möchte unbedingt erfahren, was sich in dem Sommer vor dreißig Jahren ereignet hat. Der Wechsel aus Gegenwart und Vergangenheit steigert dabei den Spannungsbogen und umso enttäuschter war ich, dass das Ereignis letztlich nicht banal, aber doch wenig überraschend war. Kaum nachvollziehbar war für mich, dass damit diese lange und sehr innige Freundschaft der so toughen Frauen endete.

Es ist ein Roman, der zeigt, auf was es im Leben ankommt und dass man sein Leben nicht mit Nichtigkeiten verschwenden sollte, weil es viel zu schnell vorbei sein kann. Es ist ein Buch über Liebe und Freundschaft, über Eifersucht und Verrat und verpasste Chancen. Es appelliert an das Verzeihen können und zeigt letztlich, dass Freundschaften beständiger sind als Liebe.

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Veröffentlicht am 30.03.2020

Sehr unterhaltsames Buch über Familie, über Zusammenhalt, Toleranz und Freundschaft, das zeigt wie bunt und vielfältig das Leben ist

Mit Burka und Bikini
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Am Valentinstag wird Kari gleich mit zwei schlechten Nachrichten konfrontiert, die ihr Leben aus der Bahn werfen: Ihr Mann Dirk beichtet ihr verzweifelt, dass er sie mit einer Kollegin betrogen hat und ...

Am Valentinstag wird Kari gleich mit zwei schlechten Nachrichten konfrontiert, die ihr Leben aus der Bahn werfen: Ihr Mann Dirk beichtet ihr verzweifelt, dass er sie mit einer Kollegin betrogen hat und am selben Tag stirbt Karis Großmutter, eine gläubige Muslima. Ihr Bruder Dzhamal bittet Kari, nicht nur zum letzten Geleit der Ouma zu kommen, sondern für die nächsten sechs Wochen in ihr Elternhaus zurückzukehren, um ihre schwangere Schwägerin und ihre kranke Mutter zu unterstützen.
Kari verschleiert sich, wird wieder zu Karima und passt sich den islamischen Konventionen an. Zehn Jahre hatte sie ihre Familie nicht mehr gesehen, nachdem sie in Schande geflüchtet war. Zuhause trifft sie ihren Exfreund Rafiq wieder, der ganz offen sein Interesse an ihr signalisiert, während Dirk versucht ihre Ehe zu retten.

"Mit Burka und Bikini" ist ein sehr unterhaltsames Buch, das in Kapstadt handelt und den Gegensatz von Tradition und Moderne, von einem weltlichen, freiheitsliebenden Leben und einem gottesfürchtigen, streng islamischen Leben anschaulich darstellt.
Kari hatte vor zehn Jahren Burka gegen Bikini getauscht und aus Scham vor einem Fehler nie wieder zurückgeblickt. Reumütig kehrt sie zurück und passt sich bereitwillig den Vorstellungen ihrer Familie an, unterwirft sich gar den Anweisungen ihres patriarchalischen Bruders. In der Ausnahmesituation, der Trauer um die geliebte Ouma und der Enttäuschung über den Vertrauensbruch des Ehemannes gibt ihr das traditionelle Zuhause und die Geborgenheit der Familie Halt.

Als westlich geprägter Leser erhält man einen guten Einblick in die muslimische Lebenswelt, die authentisch und weitgehend ohne Klischees beschrieben wird. Insbesondere die Darstellung der Muslima überzeugt dabei, die beweist, dass unter dem Schleier starke Frauen stecken können, die die Familie zusammenhalten.

"Mit Burka und Bikini" ist ein Buch über Familie, über Zusammenhalt, Toleranz und Freundschaft, das zeigt wie bunt und vielfältig das Leben ist und das eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen möglich ist.

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Veröffentlicht am 27.03.2020

Spannende Fortsetzung, in der man endlich mehr über Carolin und ihre Vergangenheit erfährt

VANITAS - Grau wie Asche
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Von München ist Carolin zurück in Wien, wo sie ihre Arbeit in der Blumenhandlung am Zentralfriedhof wieder aufnimmt. Sie lebt zurückgezogen und meidet soziale Kontakte, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit ...

Von München ist Carolin zurück in Wien, wo sie ihre Arbeit in der Blumenhandlung am Zentralfriedhof wieder aufnimmt. Sie lebt zurückgezogen und meidet soziale Kontakte, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit niemandem trauen kann.
Als der Friedhof mehrmals nachts von Grabschändern aufgesucht wird, die Leichen exhumieren und satanische Symbole auf den Grabsteinen zurücklassen, glaubt Carolin zwar nicht daran, dass diese Vorfälle etwas mit ihr zu tun haben könnten, fühlt sie aber dennoch nicht mehr sicher. Der Fund einer Leiche auf einem der geschändeten Gräber lässt Carolin keine Ruhe. Auch wenn sie riskiert, die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zu ziehen, beginnt sie mit eigenen Recherchen. Je mehr sie sich mit den Vorfällen beschäftigt, desto größer wird ihre Paranoia.

"VANITAS - Grau wie Asche" ist die Fortsetzung von "VANITAS - Schwarz wie Erde" um Carolin Bauer, die unter einer anderen Identität in Wien ein neues Leben als Blumenhändlerin angefangen hat.
Die Sprache der Blumen spielt zwar wieder nur eine untergeordnete Rolle, dafür ist Band 2 der Reihe deutlich spannender geschrieben als der Auftakt der Reihe. Man erfährt endlich die genauen Hintergründe von Carolins neuer Identität und was sie in der Vergangenheit erlebt hat. Ihre Angstzustände und ihr furchtsames Verhalten, das sich zu einem regelrechten Wahn steigert, werden nachvollziehbar. Die rätselhaften Grabschändungen tragen zur Unsicherheit bei, so dass man sich auch als Leser fragt, ob Carolin durch diese tatsächlich von ihren Peinigern der Vergangenheit bedroht wird oder ob sie sich dies, blind vor Paranoia, nur einbildet. Durch ihr aufgeregtes Verhalten gerät sie jedoch immer stärker ins Visier der Polizei und macht sich auf fatale Weise sichtbar, was sie aus Sicherheitsgründen und als Lehre aus ihrer Zeit in München tunlichst vermeiden hätte sollen.
Die Ermittlungen der Polizei stehen in diesem Thriller nicht im Vordergrund, da der Roman aus der Perspektive von Carolin geschildert ist. Die Frage, was sich hinter den Grabschändungen verbirgt, ist dabei nur halb so interessant wie Carolin verzweifelt versucht, ihre Tarnung aufrecht zu erhalten und dabei einen Fehler nach dem nächsten begeht. Dieser Erzählstrang ist aufregend und packend und macht durch das offene Ende neugierig auf einen weiteren Teil der VANITAS-Reihe.

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Veröffentlicht am 23.03.2020

Fiktionale Geschichte vor historischem Hintergrund über eine junge Frau, die trotz aller Hürden ihren Weg mutig und ehrgeizig geht

Die Farben der Schönheit – Sophias Hoffnung (Sophia 1)
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Sophia ist 20 Jahre alt, Tochter eines Drogisten, die bei ihren Eltern wohnt und Chemie studiert. Auf der Suche nach Liebe und Anerkennung geht sie ein Verhältnis mit ihrem Dozenten ein, in dem Glauben, ...

Sophia ist 20 Jahre alt, Tochter eines Drogisten, die bei ihren Eltern wohnt und Chemie studiert. Auf der Suche nach Liebe und Anerkennung geht sie ein Verhältnis mit ihrem Dozenten ein, in dem Glauben, er würde sich von seiner Ehefrau scheiden lassen. Als Sophia schwanger wird, entzieht er sich der Verantwortung und auch Sophias Eltern verstoßen ihre einzige Tochter. Mittellos zieht sie bei ihrer besten Freundin Henny ein, die als Tänzerin beim Theater arbeitet und kann sie wenig später nach Paris begleiten, als Henny dort ein Engagement erhält.
Schwanger, ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ist es für Sophia zunächst schwierig, Fuß zu fassen. Doch als sie die Schönheitsinstitute in den teuren Pariser Straßen entdeckt, entwickelt sie einen Ehrgeiz, weiter an ihrer Passion für Cremes zu arbeiten und kann damit Helena Rubinstein von ihrem Ausnahmetalent überzeugen. Diese gibt ihr die Chance, auch ohne abgeschlossenes Studium in einem ihrer Labors zu arbeiten und nimmt sie dazu 1927 mit nach New York, wo Sophia die Möglichkeit erhält, ihren Traum zu leben.

"Sophias" Hoffnung" ist der erste Band einer Trilogie um die junge Chemiestudentin Sophia Krohn und den "Puderkrieg" zwischen Helena Rubinstein und Elizabeth Arden. Es ist eine fiktionale Geschichte, die auf historischen Fakten beruht.

Der Roman schilder die Jahre 1926 bis 1930. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, die Geschichte ist durch die Ortswechsel und die Entwicklungen in Sophias Leben abwechslungsreich, auch wenn Spannungsmomente fehlen. Die Handlungsorte sind dagegen nur zurückhaltend geschildert, so dass ich beim Lesen nicht wirklich das Gefühl hatte, mich im Goldenen Zeitalter der 1920er-Jahre in Berlin, Paris oder New York zu befinden.

Sophia ist eine sympathische junge Frau, deren Gefühle und Handlungen nachvollziehbar dargestellt sind. Nach einem Schicksalsschlag ist sie ganz auf sich allein gestellt, resigniert jedoch nicht, sondern geht ehrgeizig und mutig ihren Weg. Von den Männern enttäuscht, konzentriert sie sich dabei ganz auf ihr Talent für die Entwicklung von Pflegeprodukten und ist von Stolz erfüllt, als Helena Rubinstein ihr Geschick erkennt.


Das Thema Kosmetik bildet einen sprichwörtlich schönen Rahmen für die Geschichte, steht jedoch nicht im Vordergrund des Geschehens. Vielmehr geht es um die Entwicklung von Sophia von einer etwas naiven Studentin zu einer starken, eigenständigen Frau, die trotz aller Hürden, die sich ihr in den Weg stellen, ihren Weg geht und ihren Traum lebt.

Der Auftakt der Trilogie und das offene Ende mit einem erneuten Aufbruch Sophias machen neugierig auf die Fortsetzung "Sophias Träume", die schon am 1. Juni 2020 erscheint. Den Klappentext würde ich allerdings nicht lesen, wenn man Teil 1 noch nicht gelesen hat, da dieser bereits zu viel verrät.

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Veröffentlicht am 20.03.2020

Geschichte über Künstliche Intelligenz, aber auch über Abschiednehmen, Verlust und Trauer - bewegend und hoffnungsvoll für die Zukunft

iRachel
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Rachel ist Anfang 40, als sie für ihren Ehemann Aiden und ihre 15-jährige Tochter Chloe überraschend an einem Aneurysma stirbt. Rachel war eine ehrgeizige und begnadete Wissenschaftlerin. Zusammen mit ...

Rachel ist Anfang 40, als sie für ihren Ehemann Aiden und ihre 15-jährige Tochter Chloe überraschend an einem Aneurysma stirbt. Rachel war eine ehrgeizige und begnadete Wissenschaftlerin. Zusammen mit ihrem Kollegen Luke hat sie an einem geheimen Projekt gearbeitet und dabei iRachel geschaffen, den Prototyp eines Roboters, der im Gesundheitswesen als Pflegekraft eingesetzt werden sollte.
iRachel wurde nach dem Abbild von Rachel geschaffen und so programmiert, dass sie menschliche Interaktionen verstehen und darauf reagieren kann. Rachels Wunsch war es , dass iRachel nach ihrem Tod bei Aiden und Chloe einzieht und ihre Empathie unter Beweis stellen und durch den direkten Umgang mit Menschen weiter verbessern kann.
Aiden und Chloe sind aufgrund der Trauer um die geliebte Ehefrau und Mutter zunächst wenig begeistert, als ihr Ebenbild bei ihnen einzieht, lernen ihre Kompetenzen, aber auch ihr Wesen bald zu schätzen.

iRachel ist kein Ersatz für Rachel. Aber sie ist mehr als ein Gynoid, denn sie ist ein empathischer Roboter, kann den Menschen durch seine Vitalwerte einschätzen, seine Gefühle und Verhalten verstehen und darauf reagieren. Sie ist ein millionenschweres Projekt, das die Zukunft der Menschen verändern könnte.

Der Roman ist abwechslungsreich und unterhaltsam geschrieben und beweist bereits durch den Schreibstil die Menschlichkeit des Roboters. Die Kapitel aus Sicht von iRachel sind in der Ich-Perspektive geschrieben, während die Kapitel aus Sicht von Aiden und Chloe in der dritten Person verfasst sind. Er beginnt mit dem Tod von Rachel, zeigt aber durch Rückblenden auf, was für eine geniale Forscherin sie war und wie ihr Verhältnis zu Aiden und Chloe war. Rachel war alles andere als perfekt, denn für sie stand ihr Beruf stets an erster Stelle. iRachel dagegen wurde geschaffen, einzig für das Wohlergehen der Menschen da zu sein.

Es ist eine Geschichte, die die zukünftigen Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz aufzeigt und dabei so realistisch wirkt, dass man sich wirklich vorstellen kann, dass solche Roboter in Pflegeberufen eingesetzt werden könnten. Die Idee ist dabei nicht erschreckend oder unethisch, stellt die KI ausschließlich eine Hilfestellung dar, ohne pflegebedürftige Menschen zu entwürdigen oder den Menschen als Arbeitskraft zu ersetzen.

Der Roman handelt von Verlust, Trauer, Demenz und Abschiednehmen, hat aber dennoch viele humorvolle Momente zu bieten, die sich durch das Zusammenleben mit einem fast menschlichem Roboter ergeben. Es ist eine bewegende, hoffnungsvolle Geschichte, die einen Blick in die Zukunft wirft und damit zum Nachdenken anregt.

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