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Veröffentlicht am 06.06.2020

Wichtige Themen kindgerecht aufgearbeitet

Was ist bloß mit Mama los?
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Mit meinen 35 Jahren bin ich noch in einer Zeit groß geworden, in der psychische Erkrankungen totgeschwiegen wurden, da sie nicht sichtbar waren. In eben dieser Zeit wurde auch mit Kindern nicht darüber ...

Mit meinen 35 Jahren bin ich noch in einer Zeit groß geworden, in der psychische Erkrankungen totgeschwiegen wurden, da sie nicht sichtbar waren. In eben dieser Zeit wurde auch mit Kindern nicht darüber gesprochen, wenn Erwachsene ein Problem hatten. Den Gedanken dahinter – das Kind schützen zu wollen – kann ich schon nachvollziehen, doch gerade Kinder sind so feinfühlige Wesen, die bekommen alles mit. Und noch viel schlimmer, sie beziehen es auf sich, sie glauben, sie hätten etwas falsch gemacht.

“Was ist bloß mit Mama los?” ist mir schon vor Jahren aufgefallen. Damals war ich selber noch nicht Mutter, ich hatte es für eine Freundin rausgesucht, mich dann aber nicht getraut es ihr ans Herz zu legen. Jetzt bin ich selber Mutter und brauche das Buch für mich und meine Tochter. Ich stecke in einer psychischen Krise und möchte es meiner Tochter kindgerecht erklären können, was mit mir los ist und ihr im gleichen Atemzug versichern, dass sie nicht Schuld daran ist.

Das Buch startet mit einem Vorwort von Jesper Juul – eine Instanz in Sachen moderne Kindererziehung. Er bringt es auf den Punkt wieso es so wichtig ist mit seinen Kindern über die eigenen Gefühle und Befindlichkeiten zu reden. Ein Kind spürt es, wenn das Lächeln nicht echt ist und fragt sich, wieso Mama nur auf dem Sofa liegt und nicht mitspielt. Dem Vorwort von Jesper Juul schließt sich ein Vorwort von Kronprinzessin Mary von Dänemark an. Anschließend erklärt die Autorin wie das Buch aufgebaut ist.
Neben zahlreichen Illustrationen, die gerade kleineren Kindern beim Verständnis helfen sollen, gibt es Texte, die explizit für Kinder gedacht und geschrieben wurden. Neben diesen einfachen, kindgerechten Texten gibt es noch Texte, die sich an Erwachsene und auch ältere Kinder richten – diese sind etwas komplexer.

In einfachen Worten werden verschiedene psychische Erkrankungen kindgerecht aufgearbeitet. Doch vorlesen alleine reicht nicht. Dafür geben die Texte nicht genug her, können sie auch gar nicht, denn die ganze Thematik ist sehr komplex. Das Vorgelesene muss besprochen werden, es muss durch eigene Worte ergänzt und erklärt werden. Fragen müssen gestellt und beantwortet werden.
Die Autorin rät auch dazu das Buch offen herumliegen zu lassen, so dass die Kinder immer wieder darin blättern können und es sich eigenständig angucken können.

Das Buch wird ab einem Alter von 3 Jahren empfohlen. Meine Tochter wird im Sommer 4 und selbst bei ihr bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob sie das Thema greifen kann. Wir werden es versuchen und sind froh darüber ein Buch zur Hand zu haben, dass für uns den Anfang macht – weitere Erklärungen müssen wir liefern und sie eventuell im Laufe der Jahre vertiefen.

Ich denke auch, dass das Buch prima für meine Arbeit als Erzieherin geeignet ist. So ein Buch zur Hand zu haben und den Kindern vermitteln zu können, dass sie nicht alleine sind, ist sehr viel wert.

Auch wenn die Illustrationen zur Thematik passen, gefallen sie mir persönlich nicht ganz so gut, doch das ist Geschmackssache. Der Inhalt gefällt mir, auch wenn ich es als etwas schwierig empfinde das Thema schon mit so kleinen Kindern zu besprechen.
Zum Schluss finden sich noch Übungen, die alleine oder zusammen als Familie gemacht werden können. Eine schöne Idee und ein runder Abschluss.

Fazit

Ein wichtiges Buch, das es schafft zu vermitteln wieso es so wichtig ist, mit Kinder über psychische Erkrankungen zu sprechen. Das Buch ist kindgerecht aufgemacht und hat gleichzeitig auch Texte für Erwachsene zur Hand. Auch wenn ich selber es als schwierig empfinde die Themen schon mit dreijährigen Kindern zu besprechen, muss das nicht für alle gelten. Ich persönlich halte das Buch ab dem Vorschulalter für sinnvoll.

Von mir gibt es gute 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 22.05.2020

Interessantes Buch, jedoch nicht immer ganz einfach zu lesen

Monkey Mind
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Mein Kopf ist so voll, ich muss meditieren.
Mein Kopf ist so voll, ich kann auf keinen Fall meditieren.

Kommt dir eine der beiden Aussagen bekannt vor? Ich kenne die zweite Aussage nur zu gut. ...



Mein Kopf ist so voll, ich muss meditieren.
Mein Kopf ist so voll, ich kann auf keinen Fall meditieren.

Kommt dir eine der beiden Aussagen bekannt vor? Ich kenne die zweite Aussage nur zu gut. Das war immer meine Argumentation, warum Meditation bei mir nie funktioniert hat oder warum ich mich erst gar nicht dran setzen wollte, um es zu probieren.

Ralph De La Rosa versucht mit seinem Buch “Monkey Mind: Was dein Verstand dir sagen will” mit dem Mythos aufzuräumen, dass man beim Meditieren seine Gedanken zum Schweigen bringen sollte. Vielmehr möchte er, dass Menschen, die sich in der Meditation üben, die nicht still stehenden Gedanken – den Monkey Mind – ganz bewusst dafür nutzt, um Achtsamkeit und Fokus zu üben.
Meine Ausrede, ich könne nicht meditieren, weil mein Kopf so voll ist, gilt also nicht mehr.
Monkey Mind: Was dein Verstand dir sagen will

Nach Beendigung dieses interessanten, jedoch nicht ganz einfachen Buches bin ich ein kleines Stück weiter in meiner persönlichen Weiterentwicklung. Ich konnte jede Menge interessanter Dinge aus dem Buch mitnehmen und setzte eine seiner Methoden sogar jeden Morgen um. Ob Meditation jedoch irgendwann mal etwas für mich sein wird, dessen bin ich mir immer noch nicht sicher. De La Rosa lässt keinen Zweifel daran, dass Meditation harte Arbeit ist, die nur dann die erhoffte Wirkung zeigt, wenn man sich intensiv damit beschäftigt und konstant übt.
Leider gehöre ich zu der Ungedulds-Fraktion und brauche recht schnell Ergebnisse, um weiterhin motiviert zu bleiben. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, dass ich lange genug motiviert bleiben würde, um die erhoffte Wirkung zu spüren, von der der Autor in seinem Buch schwärmt.

Ralph De La Rosa ist ein ehemaliger Junkie – ein Mensch, dem das Leben ziemlich zugesetzt hat. Er hat es mit Hilfe von Psychotherapie und verschiedensten Meditationstechniken geschafft, aus seinem eigenen Teufelskreis auszubrechen und ein anerkannter und erfolgreicher Meditationslehrer und Therapeut zu werden.

In seinem Buch teilt er seine Erfahrungen und sein Wissen mit uns. Zusätzlich zu den vielen Informationen und Denkanstößen, bietet er diverse Übungen an, die er sehr detailliert erklärt und die aufeinander aufbauen. Zusätzlich zum Buch gibt es eine Internetseite, auf der die Übungen von ihm eingesprochen wurden, so dass man sie gleich für eine geführte Meditation nutzen kann.
Komplexes Thema, nicht immer leicht zu lesen

Mir ist es nicht immer leicht gefallen dem Geschriebenen zu folgen. Ab und an ergaben einige Sätze für mich keinen Sinn, da sie klangen, als wären sie falsch zusammengesetzt oder nicht zu Ende geführt worden. Auch bei mehrmaligem Lesen der Sätze konnte ich ihnen keinen Sinn abgewinnen. Ich weiß nicht, ob es an einer fehlerhaften Übersetzung lag oder ob der Autor tatsächlich manchmal ein wenig Kauderwelsch von sich gegeben hat. Ich weiß nur, dass mich das beim Lesen irritiert und aus dem Lesefluss gerissen hat.

De La Rosa befasst sich mit einem sehr komplexen Thema, dem man sich jahrelang widmen muss, um es zu meistern. Es in ein, nicht mal 300 Seiten langes Buch zu pressen, macht es auch nicht gerade einfacher. Daher war es für mich nicht immer ganz schlüssig, was der Autor geschrieben hat bzw. mit dem Geschriebenen gemeint hat.
Ich denke allerdings, dass das Buch eine gute Grundlage bietet, wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte oder schon Wissen hat und das noch vertiefen möchte.

Fazit

Ein sehr interessantes, jedoch nicht ganz so einfach zu lesendes Buch, das mir den ein oder anderen Aha-Moment verschafft hat. Ich habe einige Dinge für meine persönliche Weiterentwicklung mitgenommen. Ob ich jedoch wirklich irgendwann zur Meditation finden werde, das vermag ich momentan nicht zu sagen. Der Autor lässt nämlich keinen Zweifel daran, dass Meditation sehr harte Arbeit ist und viel Übung bedarf. Dessen muss man sich bewusst sein und sich drauf einlassen können. Kann man das, passieren ganz wunderbare Dinge.

Wer sich näher mit dem Thema Meditation und dem eigenen Monkey Mind beschäftigen oder bereits vorhandenes Wissen vertiefen und auffrischen möchte, der findet in diesem Buch sicher einige interessante Aspekte, über die es sich nachzudenken lohnt.

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Der Escape-Room für Zuhause macht sehr viel Spaß, die Rätsel könnten gerne etwas schwerer sein

Pocket Escape Book (Escape Room, Escape Game)
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Der Ehemann und ich wollen eigentlich schon seit einer gefühlten Ewigkeit in einen waschechten Escape-Room. Wir sind beide große Adventure-Game Fans und lösen sehr gerne Rätsel. Was liegt da näher als ...

Der Ehemann und ich wollen eigentlich schon seit einer gefühlten Ewigkeit in einen waschechten Escape-Room. Wir sind beide große Adventure-Game Fans und lösen sehr gerne Rätsel. Was liegt da näher als sich so einem Escape-Game zuzuwenden. Als mir die neuen Pocket Escape Books von Ullmann Medien vorgestellt wurden, war ich sofort Feuer und Flamme und habe mir zwei dieser Bücher geordert, quasi der Escape-Room für Zuhause. Eins davon ist “Das Mega Game”.
Wie gesagt, wir spielen beide sehr gerne Computer- und Konsolen-Spiele, daher hat uns der Inhalt dieses Buches gleich angesprochen.

Tom ist seit 24 Stunden spurlos verschwunden. Seine Eltern haben bereits die Polizei informiert und es wird fieberhaft gesucht. Bevor er jedoch von der Bildfläche verschwunden ist, hat er uns (dem Leser/Spieler) einige merkwürdige SMS geschickt. Es ging um eine alte Konsole, die er auf dem Dachboden gefunden hat (Jumanji lässt grüßen). Eben diese Konsole steht noch angeschaltet in seinem Zimmer, als wir es betreten. Und schon sind wir im ersten Raum und müssen uns den ersten Rätseln stellen.
Wie funktioniert der Escape-Room für Zuhause?

Die Pocket Escape Book Reihe ist so ausgelegt, dass sie entweder mit oder ohne Smartphone gespielt werden kann. Spielt man ohne, müssen alle Aktionen und Hinweise per Hand im hinteren Buchteil gesucht werden. Nimmt man sein Smartphone zu Hilfe, erledigt dies die mühselige Suche für einen und man ist schneller. Außerdem gibt es gleich einen Timer obendrauf, der die Zeit für einen stoppt. Anreiz des Spiel ist, allen Räumen in nur 60 Minuten zu entkommen und dabei alle Rätsel zu lösen.
Der Vorteil, mit Smartphone zu spielen, liegt demnach auf der Hand. Man spart Zeit. Wir wollten allerdings das echte Feeling und haben uns dafür entschieden, für das erste Pocket Escape Book, kein Handy zu nutzen, sondern alles händisch zu suchen. Wir haben dadurch und weil wir uns laut vorgelesen haben auch über 60 Minuten gebraucht, doch für uns stand der gemeinsame Spielspaß im Vordergrund.

Die Rätsel haben wir als nicht zu schwierig empfunden – nur einmal mussten wir einen Hinweis zu Hilfe nehmen, da wir partout nicht weiterkamen. Ich denke, dass man daher das Spiel auch gut mit Kindern ab 10 Jahren spielen kann.
Angelehnt sind die Rätsel an literarische Werke – Die geheimnisvolle Insel von Jules Verne, Dracula von Bram Stoker und Roboter-Geschichten von Isaac Asimov. Die Werke zu kennen, bringt einem allerdings keinen Vorteil bei den Rätseln. Mir als Büchernerd hat es einfach nur gefallen, dass nicht nur ein Computergame im Vordergrund steht, sondern auch Klassiker eine Rolle spielen.
Ein einmaliges Vergnügen?

Die Bücher sind dazu ausgelegt, nur ein Mal gespielt zu werden. Macht ja auch Sinn. Beim zweiten Mal kennt man die Lösung der Rätsel ja bereits. Demnach wird auch davon ausgegangen, dass einige der Rätsel im Buch selber gelöst werden. Wir haben dafür extra Zettel benutzt, damit noch Andere etwas von dem Buch haben können.

Ich muss sagen, dass ich das Spielen ohne Smartphone und damit das viele Hin- und Herblättern im Buch als anstrengend empfunden habe. Nichtsdestotrotz hat es mir unheimlich viel Spaß gemacht mit meinem Mann zusammen alle Rätsel zu lösen. Natürlich wollten wir vor Ablauf der 60 Minuten fertig werden, haben es aber nicht ganz geschafft.
Auf uns wartet noch ein Pocket Escape Book, das wir dann mit Hilfe des Handys lösen wollen. Mal schauen, ob das einen Unterschied macht.

Fazit

Insgesamt hat mir das “Das Mega Game” sehr gut gefallen und das Lösen der Rätsel hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich denke, wenn man eine Affinität zu Computern hat, macht einem dieses Buch ein wenig mehr Spaß, als ohne.
Das Spiel ohne Smartphone habe ich als ein wenig anstrengend empfunden und für meinen Geschmack könnten auch die Rätsel ein wenig schwerer ein, daher einen Stern Abzug.

Für uns wird es aber definitiv nicht das letzte Pocket Escape Book gewesen sein, daher kann ich es guten Herzens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 21.04.2020

Ein wichtiges Buch, das viel Aufmerksamkeit bekommen sollte!

Prinzessinnenjungs
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Kommt euch das Bild auf dem Cover bekannt vor? Es ist zwar nachgestellt, doch ich kannte das Ursprungsbild vor dem Lesen dieses Buches auch noch nicht. Ebenso wenig wie ich den Namen “Nils Pickert” zuordnen ...

Kommt euch das Bild auf dem Cover bekannt vor? Es ist zwar nachgestellt, doch ich kannte das Ursprungsbild vor dem Lesen dieses Buches auch noch nicht. Ebenso wenig wie ich den Namen “Nils Pickert” zuordnen konnte. 2011 ging das Bild von Nils und seinem damals fünfjährigen Sohn viral, über Nacht. Das Bild und sein Name wurden kurzzeitig berühmt. Ein Mann und ein Junge, die barfuß in Rock und Kleid durch eine Kleinstadt laufen. Für die Einen der Aufreger schlechthin, für die Anderen der Beginn einer notwendigen Revolution, was den Begriff “Männlichkeit” angeht.

Wie gesagt, ich kannte weder das Bild noch den Namen, fand aber sowohl das Cover als auch den Buchtitel großartig. Es wurde dadurch zu einem Must-Read für mich.
Als ich noch ganz frisch im Erzieherberuf unterwegs war, ist mir ein kleiner Junge begegnet, der täglich mit Kleidern, Glitzer, Haarspangen oder Nagellack herumlief und sowohl seine Eltern als auch seine damaligen Erzieherinnen ließen ihn und machten kein Thema daraus. Das ist nun bereits fast 10 Jahre her. Damals war das weit entfernt von selbstverständlich und ist es leider heute immer noch.
Jungs tragen keine Kleider, spielen nicht mit Puppen und haben gefälligst Fußball zu mögen. Kommt euch das vielleicht bekannt vor? Mir leider schon. In meinem Beruf und auch privat begegne ich immer wieder starren stereotypischen Geschlechterrollen. Mädchen sind süß, ruhig, spielen mit Puppen und mögen Glitzer und rosa. Jungs hingegen raufen sich, sind wild, spielen mit Autos und finden blau toll. Was aber, wenn ein Junge pink mag, mit Puppen spielt und Glitzer auf seinem Gesicht tragen möchte? In den meisten Fällen wird dies abgelehnt und zwar leider nicht immer vorsichtig und sanft, häufig sogar sehr rabiat. Aber egal wie es abgelehnt wird, Ablehnung bleibt Ablehnung und tut den kleinen Prinzessinnenjungs gar nicht gut. Zu keinem Zeitpunkt und bei keiner Sache. Farben und Gegenstände haben kein Geschlecht. Rosa ist nicht automatisch weiblich und Puppen machen niemanden schwul. Exakt das ist nämlich einer der Gründe wieso unseren Jungs das Spiel mit Puppen verwehrt wird.

Die Abwertung von Homosexualität und Weiblichkeit nimmt in diesem Buch viel Raum ein. Aspekte, die dem Autor scheinbar sehr wichtig sind. Zurecht! Männlichkeit, wie sie heutzutage noch von viel zu vielen Menschen definiert wird, hat ihren Kern in der Abwertung alles Weiblichen und der männlichen Homosexualität. Nils Pickert geht sehr detailliert darauf ein und bringt auch viele persönliche Beispiele, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Das hat die angesprochenen Themen greifbarer und weniger abstrakt gemacht.

Aber auch Gewalt, vermeintliche Coolness, Liebe, Sex und anerzogene Unselbstständigkeit spielen eine große Rolle in diesem Buch. Vieles war für mich nicht neu, doch so geballt, so schonungs- und kompromisslos, so ehrlich und direkt habe ich es bisher noch nicht gesehen. Im Geschriebenen merkt man, wie es in Pickert arbeitet. Wie das ganze Thema ihn umtreibt und ihn nicht mehr loslässt.
Einige Kapitel waren für mich klar, flüssig und gut strukturiert geschrieben. Diesen Kapiteln konnte ich gut folgen und meine Gedanken sind während des Lesens nicht abgeschweift. Es gab aber leider auch die Kapitel, die auf mich weniger strukturiert wirkten und in denen es viele Wiederholungen gab. In diesen Kapitel ist mir leider aufgefallen, dass meine Gedanken immer wieder abgedriftet sind und ich ganze Abschnitte ein zweites Mal lesen musste.

Nichtsdestotrotz halte ich das Buch für ein sehr wichtiges Buch. Besonders für Pädagog*innen und Eltern eines (Prinzessinnen-)Jungen. Aber auch allen anderen möchte ich dieses Buch ans Herz legen. Lasst euch bitte nicht davon abschrecken, dass der Autor euch einen Spiegel vorhält. Dieser Spiegel und die eigene Selbstreflexion sind wichtig, damit ein Umdenken stattfindet und sich die gesamte Gesellschaft entspannen und wertschätzender miteinander umgehen kann. Doch am Wichtigsten ist dieses Umdenken für all die kleinen Prinzessinnenjungs, die ohne Wenn und Aber sie selbst sein können.

Noch eine Sache zum Schluss: Das Buch ist kein Erziehungsratgeber. Auch wenn der Autor zum Ende hin noch ein paar Tipps geben möchte, fallen diese eher mager aus. Das Buch ist keine Anleitung zu: “Wie mache ich es ab jetzt richtig.”. Das Buch schenkt Impulse, lädt zur Selbstreflexion ein und lässt Unbewusstes bewusst werden.

Fazit

Ein wichtiges Buch, das meiner Meinung nach ganz viel Aufmerksamkeit benötigt. Es wird nicht jedem gefallen. Ich würde sogar fast behaupten, dass es Potenzial hat zu polarisieren. Nils Pickert adressiert Themen, die nicht unbedingt angenehm sind. Schon gar nicht, wenn der vorgehaltene Spiegel zeigt, dass man sich selber nicht ganz “einwandfrei” verhalten hat.
Ich kann gar nicht richtig in Worte fassen wie viel Inhalt in diesem Buch steckt. Wer sich auch nur ansatzweise für die angesprochenen Themen interessiert, der sollte zu dem Buch greifen und sich selber ein Bild machen.
Volle fünf Sterne kann ich leider nicht vergeben, obwohl ich es gerne getan hätte. Dafür war mir das Buch stellenweise zu unstrukturiert, der Schreibstil zu verschachtelt und die Rate an Wiederholungen doch etwas zu groß.

Es erhält jedoch gute vier Sterne und die klare Empfehlung es zu lesen und darüber nachzudenken.

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Veröffentlicht am 28.03.2020

Gemächliches, gut geschriebenes Buch mit authentischen Charakteren

Verbena
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Wisst ihr wieso ich Bücher aus dem Fabulus Verlag so mag? Nein, nicht nur wegen der wunderschönen Buchschnitte, die immer farbig gestaltet sind. Auch, weil sich hinter den eher unscheinbaren Cover zumeist ...

Wisst ihr wieso ich Bücher aus dem Fabulus Verlag so mag? Nein, nicht nur wegen der wunderschönen Buchschnitte, die immer farbig gestaltet sind. Auch, weil sich hinter den eher unscheinbaren Cover zumeist ganz wundervolle Geschichten verbergen.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich “Verbena” fast keinen zweiten Blick gewidmet hätte, da das Cover leider nicht ganz meinem Geschmack entspricht. Glücklicherweise kenne ich ja nun bereits das ein oder andere Buch aus dem Verlag und habe mir daher den Klappentext gründlich durchgelesen.

Seit “Charmed”, damals Ende der 90er, bin ich großer Hexen-Fan. Ich lese super gerne Bücher oder schaue Serien in denen es um dieses Thema geht, daher passte “Verbena” ziemlich gut in mein Beuteschema.

Das Buch beginnt eher gemächlich und nimmt nur langsam Fahrt auf. So ‘richtig’ rasant und spannend wird es nicht. Das muss man schon mögen. Wenn man eher in der Stimmung für einen Pageturner ist, sollte man sich zunächst woanders umschauen.
Die Autorin führt den Leser in eine eher mittelalterliche Welt, berichtet viel über den damaligen Heilerberuf und lässt uns die Protagonistin Verbena näher kennenlernen. Neben Verbena lernen wir auch ihre Ziehmutter und Lehrmeisterin Alraune, ihre beste Freundin Fria und Verbenas Schwarm Finn kennen. Selbst über den mysteriösen Fremden, dem Alraune und Verbena nach einem Raubüberfall das Leben retten, erfahren wir nach und nach ein paar interessante Einzelheiten. Auch den Nebencharakteren haucht Ruth A. Byrne gekonnt Leben ein. Keiner kommt zu kurz oder bekommt unnötig viel Raum, den er gar nicht bräuchte. So etwas mag ich sehr.

Ich habe der Autorin jeden einzelnen Charakter “abgekauft”. Alle waren sie authentisch und realistisch gezeichnet. Genau so stelle ich es mir vor, würde ich Menschen aus dem Mittelalter begegnen. Ich mochte alle Figuren auf ihre Art und Weise, auch wenn einige von ihnen tendenziell eher unsympathisch waren. Aber die muss es in einem guten Buch ja auch geben.

Dank der Karte, die vorne und hinten im Buch zu finden ist und den Beschreibungen der Autorin konnte ich mir Verbenas Zuhause ebenfalls gut vorstellen. Einen ganz besonderen Charme hatten die Abschnitte, die “aus Sicht” des kleinen Maders geschrieben wurden. Das ist ihr wirklich gut gelungen.

Bei dem Buch handelt es sich um Low-Fantasy, was auch prima für Leser geeignet ist, die sich sonst eher nicht in dieses Genre wagen. Ja, es gibt ein wenig Magie, aber ansonsten verläuft alles ziemlich “normal”.

Auch wenn das Buch zu Beginn etwas länger brauchte um Fahrt aufzunehmen, habe ich mich nicht gelangweilt, sondern fand es sehr interessant, was die Autorin zu berichten hatte. Ab etwa der Mitte wird es etwas schneller und es passiert auch mehr. Das Ende lässt natürlich Fragen offen – immerhin ist es der erste Band einer Trilogie – und macht dadurch neugierig auf den Folgeband, doch es lässt den Leser nicht am ausgestreckten Arm verhungern. Ich konnte mit einem guten Gefühl das Buch zuklappen und mich auf den nächsten Band freuen.

Fazit

Ein eher langsames, gut geschriebenes Buch mit gut ausgearbeiteten und authentischen Charakteren. Ich habe es gerne gelesen und war Teil von Verbenas Welt. Nun bin ich schon gespannt darauf wie es im zweiten Band weitergeht und was es mit den sogenannten Begabten alles auf sich hat.

Von mir gibt es 4 von 5 Sternen, da mir das Buch gut gefallen hat, mich aber nicht vollständig mitreißen konnte.

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