Profilbild von Sanne

Sanne

Lesejury Star
offline

Sanne ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Sanne über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.06.2020

Nicht das Erwartete

Der Gepäckträger
0

Drei Personen am Flughafen, in Eile. Alle haben schwarze Koffer und greifen am Gepäckband jeweils den, der nicht der eigene ist.
Da ist Gillian Short, voller Selbstzweifel, findet sich häßlich, ihr Haus ...

Drei Personen am Flughafen, in Eile. Alle haben schwarze Koffer und greifen am Gepäckband jeweils den, der nicht der eigene ist.
Da ist Gillian Short, voller Selbstzweifel, findet sich häßlich, ihr Haus schäbig, ihre drei Kinder ungezogen. Die Schwester, die sie besuchen wird, ist dagegen in allen Belangen perfekt.
Da ist David Byrne. Sowohl sein Job als auch seine Ehe sind gefährdet. Seine Verkaufszahlen sind mies, seine Frau hat seinen besten Freund geküsst.
Und da ist Michael Downer. Er soll ein Sportstudium antreten und möchte nebenbei Kunst studieren. Wird er nicht zugelassen, droht ein öder Baumarktjob.
So weit, so neugierig machend. Welche Situationen ergeben sich, wie werden die drei mit den falschen Sachen umgehen, gibt es kreative Ideen? Gelingt ein Rücktausch, haben die drei spannende Erlebnisse?
Nein, sie werden einem Analyse- und Motivationscoaching unterzogen.
Laut Untertitel „Eine Erzählung über die Kunst, unbeschwert zu leben“.
Nicht das von mir Erwartete. Ratschläge, die mir zum großen Teil unglaubwürdig erscheinen. Nicht jeder ist schön, nicht jeder kann seine Träume verwirklichen, auch ungeliebte Dinge wie simpler Broterwerb müssen durchgezogen werden. Aber vielleicht gibt es manchen Lesern brauchbare Anregungen, bestimmte Dinge einmal mit anderen Augen zu sehen und Verhaltensweisen zu hinterfragen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2020

Literaturkritik anders

SoKo Heidefieber
0

Je mehr Mord, Totschlag und Blut nicht nur im Titel, sondern auch im Text, desto umsatzfördernder. Dazu ein wenig Lokalkolorit, unglaubliche Grausamkeiten, gern auch mal die Einbeziehung internationaler ...

Je mehr Mord, Totschlag und Blut nicht nur im Titel, sondern auch im Text, desto umsatzfördernder. Dazu ein wenig Lokalkolorit, unglaubliche Grausamkeiten, gern auch mal die Einbeziehung internationaler Verbrechergrößen - das macht gewisse Krimiautoren erfolgreich und überheblich. Immer abstrusere Szenarien werden entwickelt, einige dieser literarischen Auswüchse werden dem Leser zur Kenntnis gegeben.
Gerhard Henschel übertrifft sich selbst: schwülstige, mit Stilblüten gespickte, doppelt gemoppelten Passagen und Klischees gibt er zum Besten. Menüfolgen werden derart detailreich geschildert, dass sie ins Absurde abgleiten.
Sind die Werke dieser Autoren der Anlass für die Morde an deren Verfassern, ist es Konkurrenzkampf oder steckt Anderes dahinter? Das zu klären, wird die titelgebende Soko Heidefieber gebildet. Kommissar Gerold Gerold ( kein Schreibfehler) und die attraktive Kommissarin Ute Fischer sind recht bodenständig, sie hegt eine große Vorliebe für den norddeutschen Dialekt. Auch weitere Personen verraten durch heimische Mundart ihre Herkunft. Es gibt so kreative Namen wie Riesenbusch, Kniepholz, Unaussprechliches, die Kneipe Schlawinchen.
Besonders vielfältig und kreativ sind nicht nur die durchgeführten Morde, sonder auch die Qualen, die einer der Schreiberlinge er- und erstaunlicherweise überlebt. Das würde nicht einmal ein Katze mit ihren sprichwörtlichen sieben Leben überstehen.
Dieser Krimi lebt von Überspitzungen, Schwülstigkeiten, Überzogenem.
Für einen irrsinnigen Handlungsstrang wurden klamaukige Situationen und überhebliche Deppen geschaffen, Situationen bis ins Letzte ausgereizt, der Leser durch skurrile Episoden geführt.
Mal was Anderes von Hoffmann und Kampe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2020

Schönes Thema

Das Lavendelzimmer
0

Jean Perdu, Pariser Buchhändler, verkauft Bücher fast nur an Leute, die seiner Meinung nach ein ganz bestimmtes Buch für ihre derzeitige Seelenlage brauchen. Dabei verzichtet er auch schon mal auf ein ...

Jean Perdu, Pariser Buchhändler, verkauft Bücher fast nur an Leute, die seiner Meinung nach ein ganz bestimmtes Buch für ihre derzeitige Seelenlage brauchen. Dabei verzichtet er auch schon mal auf ein Geschäft. Das Besondere an seiner Buchhandlung: sie befindet sich auf einer alten Peniche (eine Art Flussboot), die er zu einem originellen Bücherschiff umgebaut hat und die am Flußufer eine Oase der Ruhe bietet.
Privat ist er unglücklich wegen einer Frau, die ihn vor über 20 Jahren verlassen hatte. Eine Frauenbekanntschaft und ihre Folgen lassen ihn zu einer Suche nach dem Glück aufbrechen. Begleitet wird er von einem jungen, etwas verschrobenen Autoren, der mit dem Erfolg seins Erstlingswerks und mit seinen Eltern nicht klarkommt.
Die besten Stellen hat das Buch, wenn Perdu seinen Begegnungen erklärt, was sie tief im Innersten bewegt. Das Leben seiner Mitbewohner wird liebevoll und lebendig beschrieben. Ansonsten finde ich, ist viel Potenzial verschenkt und die Handlung zieht sich unnötig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2020

Zu viel erwartet

Götter
0

Göttinnen beherrschen ein Reservat, in dem ein wissbegieriges Mädchen die herrschende mittelalterlich anmutende Ordnung infrage stellt; ein renitenter Gymnasiast der Jetztzeit, ein aufmerksamer Marktverkäufer. ...

Göttinnen beherrschen ein Reservat, in dem ein wissbegieriges Mädchen die herrschende mittelalterlich anmutende Ordnung infrage stellt; ein renitenter Gymnasiast der Jetztzeit, ein aufmerksamer Marktverkäufer. Das war die Leseprobe. Gespannt wartete ich auf ...
das Buch: das Mädchen Agnes entwischt den Göttinnen. Der Gymnasiast übernimmt freudig das perverse Erbe seines Vaters, das mit den Reservaten zu tun hat, der Marktverkäufer hat eine mörderische Sektenvergangenheit und eine Beziehung mit einer Bundesagentin hinter sich.
Im Mittelpunkt steht Agnes, die schlau wie ein Fuchs autark in der Wildnis überlebt und im Schnelldurchlauf alle Erkenntnisse der Jungsteinzeit annimmt: sie jagt, erlernt Ackerbau, handwerkt, seziert oder domestiziert Tiere. Zeitsprung: nach drei Jahren fängt sie sich Günther, einen Entflohenen aus einem Männerreservat. Den klärt sie auf und gründet mit ihm eine Familie, bekommt fünf Kinder. Beide erkunden ihre Umgebung, gelangen in ein kleines deutsches Städtchen und wundern sich nur wenig über die Errungenschaften der Neuzeit. Agnes lernt autodidaktisch an einem Tag lesen, nur wenig länger braucht sie, um sich in der Marktwirtschaft zurecht zu finden. Zudem bekommen die beiden leicht vielfältige Hilfe und planen die Befreiung der im Reservat verbliebenen Menschen, die noch nicht einmal die Unterschiede zwischen Männern und Frauen kennen, in Unwissenheit gehalten und als Sexsklaven missbraucht werden.
Der Gymnasiast hat sich zu einem menschenverachtenden Offizier entwickelt, der Marktverkäufer hat nach der Bestrafung abtrünniger Sektenmitglieder ein Gewissen entwickelt. Irgendwie fügt sich jetzt alles zusammen.
Dieses sehr fantasievolle Buch zu lesen, war zunächst verwirrend. Erstaunt war ich über längere kleinkindangemessene Erklärungen, moralische Wertvorstellungen der doch eigentlich "Guten", hoffentlich nur im E-Book fehlende Worte, konstruierte Verträge zwischen Königen und Adligen.
Durchaus interessante Passagen haben auch meine Phantasie angestachelt, irritiert hat mich aber, dass das anfänglich gute Schreibniveau doch sehr abgeflacht ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2020

In der Welt der fünf Monde

Shadow Tales - Das Licht der fünf Monde
0

Lelani beobachtet häufig die fünf Monde am nächtlichen Himmel. An ihrem 18. Geburtstag öffnet sich endlich das geheimnisvolle Silberamulett, welches sie schon trug, seitdem sie als Baby einer Kräuterfrau ...

Lelani beobachtet häufig die fünf Monde am nächtlichen Himmel. An ihrem 18. Geburtstag öffnet sich endlich das geheimnisvolle Silberamulett, welches sie schon trug, seitdem sie als Baby einer Kräuterfrau in einem winzigen Dorf übergeben wurde. In einer Vision sieht sie eine wunderschöne Dame, die sie zu sich ruft. Ihr bester Freund Haze wird sie auf ihrer Reise begleiten. Jedoch nicht nur er, sondern ein wunderschöner Jüngling gesellt sich ungefragt zu ihnen. Dass er damit einen Auftrag ausführt, verrät er nicht.
Auf der zweiten Erzählebene erfährt man die Gedanken der High Lady, der skrupellosen Herrscherin. Diese Abschnitte sind schwülstig und langweilig.
Abenteuerlich geht die Reise von Lelani, Haze und Kyran voran. Egal, ob Blutwölfe, Räuber, Kelpies - gefährliche Situationen müssen gemeistert werden. Wer erweist sich als Freund, wer als Feind? Wer verfügt über Sonnen- und wer über Mondmagie? Und wie wird sie genutzt?
Isabell May hat eine teils märchenhafte Fantasy geschrieben. Die kursiven Abschnitte hätten gern weniger Raum einnehmen können, dafür würde mehr eingesetzte Magie und weitere Prüfungen der Helden die Geschichte belebt haben. Alles deutet auf eine Fortsetzung der Story hin. Schön wären neue, interessante Charaktere und weniger romantisierender Schmäh.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere