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Veröffentlicht am 31.05.2020

Macht Lust auf die gesamte Reihe

Truly
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Obwohl ich jahrelang schon viel Gutes über Ava Reed gehört und gelesen habe, hatte ich bisher noch kein einziges Buch von ihr gelesen. Ich habe mir oft genug gedacht, dass das eine Schande ist, denn sie ...

Obwohl ich jahrelang schon viel Gutes über Ava Reed gehört und gelesen habe, hatte ich bisher noch kein einziges Buch von ihr gelesen. Ich habe mir oft genug gedacht, dass das eine Schande ist, denn sie scheint nachdenklich zu schreiben, tiefer zu gehen, wo andere schon längst stoppen, weil es ihnen zu intensiv wird. Das sind eigentlich Eigenschaften, die ich in Büchern unheimlich gerne sehe, aber trotzdem kommt nicht immer das zusammen, was zusammengehört. Als nun „Truly“ bei Lyx angekündigt wurde, habe ich das als Zeichen empfunden, denn bekanntlich ist NA in den letzten Jahren mein Genre geworden. Aber dennoch habe ich eigentlich nichts von „Truly“ erwartet, da ich Reed ja stilistisch gar nicht kenne, während andererseits aber dennoch Erwartungen dabei waren, die ich gar nicht richtig mit Worten fassen konnte.

Ich habe unheimlich gut in die Geschichte hineingefunden. Es war direkt eine Verbindung zum Setting da, sowie eine Verknüpfung zu den wichtigsten Figuren. Es ist auch eher selten, dass man sich zunächst in eine Freundschaftsbeziehung verliebt und dann erst in die Liebesbeziehung, aber Andie und June waren wirklich herrlich miteinander. Zwei Gegenpole, die sich gegenseitig brauchen und einander zu besseren Menschen machen, das hat mich wirklich sehr berührt. Ich konnte auch schnell nachvollziehen, was Ava Reed sonst zu einer beliebten Erzählerin macht, denn der Stil ist wirklich unheimlich ansprechend und wirklich tiefergehend. Wo bei anderen gewisse Gedanken wie hohle Phrasen wirken, merkt man hier, dass diese Worte wirklich mit semantischem Inhalt gefüllt wurden. Dennoch bedeutet dieser Stil für mich auch, dass die ganze Erzählung an einem schmalen Grat entlangschrappt. In wirklich spannenden Dialogen, wo man unbedingt wissen will, was antwortet der andere nun, wird die Antwort durch längere Gedankengänge noch einmal unterbrochen. Das sieht man wirklich nicht selten in Büchern, das ist mir bewusst, aber diese Abschnitte können durchaus nochmal verschiedene Längen haben und hier war es an meiner persönlichen Grenze. Ich habe mich im Laufe der Geschichte aber auch daran gewöhn, später fiel es mir nicht mehr so auf.

Ich habe „Truly“ unheimlich schnell gelesen, weiß aber noch auch nach mehreren Abwägen immer noch nicht, ob ich das positiv oder negativ bewerten soll. Vermutlich trifft es beides. Natürlich ist es super, wenn sich das Lesen wie im Rausch anfühlt, aber andererseits ging es auch so schnell, dass es sich nicht auserzählt anfühlte, obwohl diese Wertung absurd wirkt, wenn ich daran denke, dass Reed sich ja allerlei Zeit für ruhige Momente nimmt. Vielleicht kommt hier auch zum Tragen, dass ich so viel im NA-Genre lese, dass ist bestimmte Muster erwarte. Ich betone zwar auch immer, dass ich gerne neue Impulse erlebe, aber dennoch verstrickt man sich manchmal im Altbekannten ohne es zu merken. Vermutlich habe ich hier gewisse Momente erwartet, die ich aber nicht bekommen habe. Musste ich sie haben? Vermutlich nicht, denn die Handlung ist rund und man weiß, dass sich Nebenschauplätze auch in den weiteren beiden Bänden erklären lassen.

Zudem stimmten einfach die Grundzutaten und das sollte am meisten zählen. Ich fand Andie und Cooper als Figuren nämlich beide super. Anfangs waren Coopers Kapitel sehr mysteriös, um so lange wie möglich sein Geheimnis zu bewahren, aber dennoch habe ich schnell Sympathien für ihn entwickelt, denn seine raue, aber dennoch so weiche Aura haben mich einfach überzeugt. Mit Andie habe ich so viele Aspekte geteilt, weswegen ich es großartig fand, dass sie ein Widerspruch in sich ist, denn der Mensch ist nicht immer logisch. Eigentlich schüchtern, aber dennoch stark und vor allem für andere und dann sich selbst einstehend. Ich fand es auch großartig, dass hier die Rollenverteilung etwas umgedreht wurde. Wo sonst häufig der Mann am Ende die große Geste machen muss, ist es diesmal die Frau, die den entscheidenden Schritt tut. Auch ansonsten war sie sehr aktiv und hat nicht immer gewartet, bis der Mann der nächste Schritt macht. Das fand ich sehr ermutigend. Ich fand es auch gut, dass es im Endeffekt nur eine Sexszene gab, die aber aus zwei Perspektiven beschrieben wurde. Das reichte, denn von zwei Seiten wurde alles abgedeckt, was diese intimen Szenen an Mehrwert bieten können.

Fazit: „Truly“ war für mich definitiv ein Lesevergnügen und der Beweis, dass Ava Reed definitiv eine gute Erzählerin ist. An ihre Stilistik muss ich mich in einigen Momenten noch gewöhnen, aber vielleicht hat sich das bereits in Band 2 vollends aufgelöst. Für „Truly“ wurden sehr viele gute Entscheidungen getroffen, vor allem in Bezug auf die Charaktere und die etwas modernere Rollenverteilung. Ich haben jedenfalls richtig Bock auf die gesamte Reihe!

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Veröffentlicht am 27.05.2020

Welt, die mehr Geschichten verdient hätte

Das Flüstern der Magie
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Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor ein paar Jahren „Herz aus Schatten“ von Laura Kneidl las, das damals bei Carlsen veröffentlicht wurde. Es war ein gutes Buch mit einer faszinierenden Welt, ...

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor ein paar Jahren „Herz aus Schatten“ von Laura Kneidl las, das damals bei Carlsen veröffentlicht wurde. Es war ein gutes Buch mit einer faszinierenden Welt, in die ich weiterhin eintauchen wollte, doch zu meiner Überraschung gab es kein mehr. „Herz aus Schatten“ war ein Einzelband, der für sich ganz alleine stehen sollte und ich habe es ehrlich nicht verstanden. Andere Autoren ziehen Reihen auf, wo es eigentlich nach zwei Bänden schon hätte genug sein müssen und Laura Kneidl erschafft Geniales, macht aber zu wenig daraus. Warum wundert es mich also, dass es bei „Das Flüstern der Magie“ ganz genauso ist?

Magische Welten erfordern immer eine gewisse Komplexität, die sich Kneidl hier ein wenig spart. Es ist nicht zu wenig, aber sie stellt definitiv einiges als selbstverständlich dar, ohne sich in langen, ausschweifenden Erinnerungen zu verlieren. Für dieses Buch würde ich das als genau passend einstufen, denn wir gesagt, nach dem einen Band ist schon wieder Schluss. Es muss also keine Welt präsentiert werden, die einen lange begleitet, man muss sich also nicht zuhause fühlen, sondern sich einfach unterhalten lassen. Hätte sie sich nun in Erklärungen verloren, dann hätte dieses Buch am Ende keinen Inhalt gehabt und dann wäre es definitiv für die Tonne gewesen. Aber Kneidl hat sich nicht aufhalten lassen, aber warum man eine so spannende Welt erfährt, um diese dann aber schon nach 300 Seiten wieder loszulassen, wundert mich doch extrem.

Ich hake diese Enttäuschung aber nun ab und konzentriere mich nur auf den Inhalt. Gerade am Anfang hatte ich etwas Probleme, den Gedanken abzuschütteln, dass diese präsentierte magische Welt, die auch in bestimmten Gegenständen repräsentiert war, so gegensätzlich zu unserer modernen Welt wirkte, in die Handlung eigentlich stattfindet. Wenn von Schreibfedern, großen Standspiegeln und Dolchen die Rede ist, dann fühle ich mich in der Welt zurückgesetzt, aber auf der anderen Seite laufen die Hits aus dem Radio. Dieser Eindruck hat sich später verloren, weil es nur noch um die Geschichte ging und auch Schottland ist für mich eine Landschaft, die einen gut in die Zeit zurückversetzt. Das Setting war also stimmig und das war am Ende entscheidend.

Die eigentliche Handlung fand ich sehr rund. Anfangs hatte ich ein paar mal die Überlegung, wohin diese Geschichte nun will und ob sie sich nicht in Kurzgeschichten verliert, aber am Ende hat sich ein absolut rundes Ende ergeben, das in jeder Faser durchdacht war und mich auch überraschen konnte. Die Lösungen lagen zwar alle auf der Hand, aber dennoch hat es mich begeistert, wie die losen Enden perfekt miteinander verknüpft wurden. Es gab auch viel Spannung, die immer gekonnt durch ruhige Abschnitte unterbrochen und damit angeheizt wurde. Ebenso begeistert äußere ich mich zu den Charakteren. Natürlich konnte die Autorin nicht in die Tiefe gehen, weil die Handlung ebenso wichtig war, aber Fallon als Protagonistin und Reed und Jess als ihre Ergänzungen war ein sehr stimmiges Trio. Das mit Fallon und Reed ging insgesamt etwas zu schnell, aber auch hier wieder scheint es sinnvoll zu Gunsten des Rests. Es war eben vorrangig keine Liebesgeschichte, sondern eine Abenteuer- und Fantasygeschichte und dafür wurden die Anforderungen erfüllt.

Fazit: Ich bin immer noch erstaunt, dass eine so talentierte Autorin wie Laura Kneidl potenzialreiche Ideen nach einem Einzelband schon wieder loslassen kann, denn es wirkt so vergeudet. „Das Flüstern der Magie“ wirkt wie der Auftakt einer abenteuerlichen Reihe, aus der man noch so viel mehr machen könnte. Wir haben einen Einzelband, der auch funktioniert, weil sich nicht an Details aufgehalten wird, sondern eine spannende Geschichte stetig vorangetrieben wird, dazu sympathische, mutige und aufgeweckte Figuren und fertig ist eine gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 09.05.2020

Recht brutale, aber spannende Neuinterpretation der Artussage

Cursed - Die Auserwählte
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Als Germanistikstudentin war die Artussage Teil meines Studiums, da diese in der Mediävistik in der mittelhochdeutschen Fassung eine große Rolle gespielt hat. Zwar habe ich mich immer um die ältere deutsche ...

Als Germanistikstudentin war die Artussage Teil meines Studiums, da diese in der Mediävistik in der mittelhochdeutschen Fassung eine große Rolle gespielt hat. Zwar habe ich mich immer um die ältere deutsche Sprache gedrückt, um lieber die neuhochdeutsche Fassung zu lesen, aber so oder so, die Artussage mit all ihren Facetten, unterschiedlichen Rittern und sonstigen Figuren war immer schon eine gewisse Faszination, die sich auch daran zeigt, wie oft dieser Stoff bis heute adaptiert wurde. Sei es für Bücher, Film und Fernsehen, aber natürlich auch in der Kunst. Eine weitere Neuinterpretation kommt nun mit "Cursed" hinzu, die in Buchform aber auch in Serienform (Start im Sommer bei Netflix) mehr oder weniger parallel entstand. Autor Tom Wheeler hatte die Idee hierzu, die sofort begeisterte Anhänger gefunden hat, so dass der Deal mit Netflix schon sehr früh abgeschlossen werden konnte. Comiczeichner Frank Miller, der eine große Reputation genießt, hat die Zeichnungen beigesteuert.

Buch und Serie "Cursed" haben ihren Schwerpunkt auf der Sagengestalt Nimue, die hier eine Hauptrolle zugeteilt bekommt. Sie bekommt von ihrer Mutter ein besonders Schwert übergeben, das sie Merlin bringen soll und das schnell als Excalibur zu erkennen ist. Von dieser Ausgangslage aus entwickelt sich eine Geschichte, die noch recht wenig mit der eigentlichen Artussage gemein hat, aber doch zig daraus bekannte Figuren in ihren vermeintlichen Anfängen begleitet. Zudem steht dahinter die Idee, dass es "Kirche gegen Fey" heißt. Fey sind hier als mythologische Wesen gemeint, die menschenähnlich sind, aber doch ganz anders sind und sich noch einmal in verschiedene Gattungen aufteilen. Hiermit steht das fantastische Grundkorsett, das man sich vorher durchaus bewusst machen sollte, denn die Geschichte hält sich nicht wirklich damit auf, den Leser behutsam in die Gegebenheiten einzuführen.

Die Geschichte beginnt mittendrin und das auch wahrlich nicht zimperlich. Man hat sich noch gar nicht richtig an alles gewöhnt, da stapeln sich bereits die Leichen, deren Tötung in aller epischer Breite ausgeführt wird. Auch im weiteren Verlauf wird deutlich, dass brutale Darstellungen Teil des Stils sind. Möglicherweise ist das auch der Tatsache geschuldet, dass Serie und Buch nahezu parallel entstanden sind, denn das sind eben die Momente, die auf dem Bildschirm ihre größte Wirkungskraft entfalten werden. Ein solcher Einstieg ist sicherlich ein Paukenschlag, andererseits macht es das doch schwierig, sich in die Geschichte wirklich hineinzubegeben und ein Gefühl für die Charaktere zu bekommen. Anfangs war ich somit als Leserin ganz schön aufgeschmissen.

Je mehr die Geschichte aber voranschreitet, je mehr bekannte Figuren auftauchen, je mehr verschiedene Erzählperspektiven vorangetrieben werden, umso mehr kristallisieren sich die tatsächlichen Charakteristika von "Cursed" heraus. Es ist kein Fantasyepos, der in die Tiefe gehen will, der Charakterstudien anbieten will, stattdessen ist es eben eine richtige Unterhaltung, in der sich eine spannende Szene und Enthüllung an die andere reiht, denn man soll als Leser und als der Zuschauer den Mund offen stehen haben. Zudem wird auffällig auf starke, weibliche Figuren gesetzt. Sei es Nimue selbst, aber auch ihre treuste Anhängerin Morgan, eine Kämpferin namens Kaze, die bekannte Guinevere, aber auch die weibliche Antagonistin Ines. Da sich hier nicht an der Vorlage entlanggehangelt wird, ist das sicherlich ein Ansatz, der dem Trend der heutigen Zeit nachgeht und der in dieser Version auch funktioniert, weil alles in sich schlüssig ist.

Die Frage ist nur, wie es mit "Cursed" weitergehen wird. Es ist klar, dass es bei diesem einen Buch nicht bleiben wird, vor allem der Serie wird man bei einem Erfolg möglichst viele Staffeln mitgeben. Irgendwann wird man dann aber an der eigentlichen Artussage ankommen, die eben männlich durch und durch ist. Ob hier die Grenzen der weiblichen Perspektive unendlich ausgeweitet werden können, wird sich dann erst noch zeigen müssen, aber für diese Geschichte ist es ein wahrer Hit und ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Es war spannend, wenn nach und nach die bekannten Figuren auftauchen und andere Geschichten bekommen, die aber dennoch an den Ursprung erinnern und kreativ zum Bekannten zusammengeführt werden können.

Fazit: Vom Beginn mal abgesehen hat sich "Cursed" als eine extreme spannende und brutale Geschichte herausgestellt, die durch ein brachiales Erzähltempo vorangetrieben wird. Die weibliche Perspektive passt hier hervorragend, weil es die Geschichte, die zur bekannten Artussage erst noch hinsteuert, flexibel, aber auch wirklich neu macht. Dann als Vertraute der Artussage so viel Bekanntes in doch anderem Gewand zu entdecken, ist ein großer Spaß. Zudem ist das Buch insgesamt so geschrieben, dass man die gleichnamige produzierte Netflix-Serie bereits vor Augen sehen kann.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Handlungstechnisch viel besser als Band 1

Never Too Late
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Ich fand es im letzten Jahr schön, mit Morgane Moncamble und „Never Too Close“ mal eine französische Vertreterin im New Adult Genre zu haben. Ich fand es sehr interessant, dass es sich trotz des gänzlich ...

Ich fand es im letzten Jahr schön, mit Morgane Moncamble und „Never Too Close“ mal eine französische Vertreterin im New Adult Genre zu haben. Ich fand es sehr interessant, dass es sich trotz des gänzlich anderen Settings dennoch so vertraut anfühlte. Offenbar sind unsere Nachbarländer kulturell doch nicht so weit voneinander entfernt, wie es oft suggeriert wird. Dennoch hat mich „Never Too Close“ nicht restlos überzeugt, denn vor allem inhaltlich hat mich dieser Auftakt zu einer Dilogie echt an eine Grenze gebracht, denn die Beziehung von Vio und Loan hat Grenzbereiche ausgetestet, die ich in solchen Geschichten nicht so gerne erlebe. Dennoch hat man gemerkt, dass die junge Französin erzählen kann und das ist nach einem Debüt ohnehin die wichtigste Nachricht.

Mit „Never Too Late“ steht nun also die Fortsetzung und gleich auch wieder der Abschluss an. Ich bin doch etwas skeptisch an die Lektüre gegangen, denn die Hauptfiguren Jason und Zoe kennen wir schließlich schon. Meistens freue ich mich darauf, den eventuellen Paarungen wieder zu begegnen, da über sie meist so viel schon verraten wurde, dass man einfach Lust hat, die Figuren einmal näher zu erleben. Jason und Zoe dagegen wirkten in „Never Too Close“ aber sehr dramatisch, überdreht und ich habe mich echt gefürchtet vor dem, was dort vielleicht passieren könnte. Das war aber völlig zu Unrecht, denn Jason und Zoe haben mich völlig überrascht und im Sturm mein Herz erobern können. Vor allem Jason war ein echtes Goldstück, der auch in seinen Fehlern und seiner ganzen Art, die ich mir für persönlich nicht vorstellen könnte, so echt und lebendig wirkte. Dennoch wirft das natürlich Fragen auf, warum die die Außen- und Innenwahrnehmung der Figuren so gravierend voneinander abweicht. Auch Vio und Loan habe ich hier nicht wirklich als die beiden Figuren wiedererkannt, die ich in „Never Too Close“ kennengelernt habe.

Zurück nun aber zu Jason und Zoe, deren Geschichte wirklich ungewöhnlich angegangen wird. Gleich zu Beginn landen sie im Bett, aber dennoch war es für beide nicht die Nacht ihres Lebens, da sich eine Panne an die andere gereiht hat. Das war so herrlich authentisch, dass man beim ersten Sex nicht gleich alle in himmlische Sphären entschweben. Daher war ich sofort bei den beiden drin, denn mir war klar, es wird nicht die typische Liebesgeschichte werden und das war mit den beiden außergewöhnlichen Figuren auch gar nicht möglich. Zudem muss man hervorheben, dass trotz der Figuren, die viele Dinge oftmals nicht ernstgenommen haben, dennoch eine Geschichte mit vielen wichtigen Themen entstanden ist. Häuslicher Missbrauch, Essstörungen und die unterschiedlichen Facetten von Sexualität wurden interessant angepackt. Es war vielleicht nicht gerecht gewichtet, da Zoe alles auf ihren Schultern tragen muss, während Jason vermeintlich das perfekte Leben führt, aber dass die Themen überhaupt da waren, ist mir da doch wichtiger.

Die Chemie zwischen Jason und Zoe war wie angedeutet hervorragend und es hat viele echte Hinschmelzmomente gegeben, die ich genauso mir auch gewünscht habe. Dennoch ist die Geschichte auch hier wieder nicht perfekt, diesmal aber weniger auf der inhaltlichen Ebene als viel mehr vom technischen Handwerk her. „Never Too Late“ läuft zeitlich parallel zu „Never Too Close“, was ich nicht ganz so ideal finde. Man wusste an vielen Stellen schon, was passieren würde und ich hatte auch den Eindruck, dass die Geschichte viel mit Zeitsprüngen gearbeitet hat, um schnell an die entscheidenden Momente zu kommen. Und ob die beiden Geschichten wirklich kongruent miteinander sind, ist die andere Frage. Diese enge Zusammengehörigkeit schadet dem Eindruck leider etwas, da „Never Too Late“ inhaltlich besser alleine dagestanden hätte.

Fazit: „Never Too Late“ ist mein persönlicher Favorit bei der Dilogie von Moncomble, da sie es geschafft hat, aus den verrückteren Figuren die bessere Liebesgeschichte mit vielen ungewöhnlichen Aspekten und mehr Tiefgang zu erschaffen. Vor allem Jason wird mir als Figur noch lange in Erinnerung bleiben. In den handwerklichen Aspekten ist diese Dilogie leider zu gewollt aneinander angepasst worden, aber das Lesevergnügen ist dennoch mehr als da.

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Veröffentlicht am 27.03.2020

Für Hoovers Debüt im Bereich Thriller beachtenswert

Verity
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Wenn ich an die letzten Romane von Colleen Hoover denke, muss ich doch schmunzeln. Während wir uns bei den ersten zwei Dritteln wohl alle einig sind, dass diese zwar unterschiedlich, aber doch alle grob ...

Wenn ich an die letzten Romane von Colleen Hoover denke, muss ich doch schmunzeln. Während wir uns bei den ersten zwei Dritteln wohl alle einig sind, dass diese zwar unterschiedlich, aber doch alle grob gleich waren, haben sich bei den letzten Neuerscheinungen doch eher die Leserstimmen gehäuft, dass Hoover mehr und mehr andere Seiten von sich zeigt. Dem konnte ich nur zustimmen und dennoch habe ich sie immer als Autorin wiedererkennen können. Völlig unmöglich ist das aber nun bei ihrem allerneusten Werk „Verity“, das vollkommen richtig bei bold erschienen ist, denn in einer Reihe mit ihren anderen DTV-Büchern wäre die Gefahr zu groß gewesen, die falsche Zielgruppe anzulocken, denn „Verity“ ist wirklich so gar nicht mit ihren anderen Büchern zu vergleichen.

Natürlich war ich schon als Kind Fan von Büchern, aber das Genre, was mich erst so richtig mit diesem Medium vertraut gemacht hat, ist tatsächlich der Krimi, mit leichten Tendenzen zum Thriller. Seitdem hat sich viel getan, denn auch Liebesgeschichten, vor allem NA und nach wie vor Jugendbücher können mein Herz erobern. Aber gute Krimis und Thriller lösen bei mir immer noch ein wohliges Gefühl aus. Da ich mit ihnen so vertraut bin, bin ich natürlich abgehärtet und mich kann in dem Bereich kaum etwas schocken. Dennoch habe ich großen Respekt vor allen Autoren, die sich in diesen Genres versuchen, denn es ist schon eine große Kunst, hier herauszustechen und für die wichtigste Prämisse zu sorgen: Spannung bis zum bitteren Schluss.

Hoover hat es nun versucht mit „Verity“ und auch wenn mich der Inhalt mich nicht schocken oder gruseln konnte, ist es ohne Frage ein guter Thriller, der so auf Anhieb auch erstmal überzeugen muss, daher Hut ab, Frau Hoover! Sie hat sich sogar so überzeugend eine neue Schreibart angelegt, dass ihr das Buch nachher auch nicht mehr eindeutig zuzuordnen ist, denn so klassische Hoover-Merkmale sind für mich nicht eindeutig zu erkennen. So hat sie wirklich mal eine ganz andere Seite an sich gezeigt. Das fängt schon damit an, dass sie Charaktere geschaffen hat, die man nicht lieben kann. Alle drei Hauptfiguren entwickeln nach und nach Gewohnheiten, die so abstoßend machen. Aber für einen solchen Thriller ist das genau richtig, denn da man die Figuren nicht mag, kann man fleißig an ihnen zweifeln und ist gewarnt, dass alles passieren kann. Zudem ist somit von Anfang an klar, dass nach ethischer Moral gar nicht gefragt werden darf, hier geht es menschliche Abgründe, für die keine Entschuldigung gefunden werden sollen.

Ich kann mir jedenfalls bildlich vorstellen, mit was für einer Freude Hoover am Schreibtisch gesessen hat, um diesen Inhalt abzutippen, denn sie durfte alle verrückten Ideen rauslassen und hat dabei dennoch etwas entstehen lassen, was auch noch echt gut unterhalten kann. Es ist vor allem die Spannung, die hier zieht. Was ist die Wahrheit, wer ist böser als der andere und kann man überhaupt etwas von dem glauben, was da passiert? Die Fragen hatte ich ständig im Kopf und sie haben den entscheidenden Reiz ausgemacht.

Dennoch ist es nicht die perfekte Lektüre, denn gerade die derben und ausschweifenden Sexszenen hätte dieses Buch nicht in dieser Fülle gebraucht. „Verity“ ist kein Erotikroman und somit waren die entsprechenden Szenen nur Mittel zum Zweck, aber ich bezweifle, dass es ausgerechnet dieses Mittel gebraucht hätte. Jetzt ist Hoover ja großer E. L. James, vielleicht deswegen. Auch ansonsten muss man sagen, dass gewisse Aspekte an der Oberfläche verharren. Das ist bei diesem Genre zu verkraften, aber dennoch hätte man dieses Buch qualitativ noch mehr auf die Spitze treiben können. Für ein Debüt im Thrillergenre aber herausragend.

Fazit: Mit „Verity“ betritt Colleen Hoover nun auch die Bühne Thriller und meistert dies mit Bravour. Diese Frau ist einfach eine Erzählerin durch und durch und kann somit nichts Schlechtes abliefern. Zudem beweist sie dadurch Wandlungsfähigkeit, die erst recht nicht hoch genug anerkannt werden kann. Es ist vielleicht nicht der perfekte Thriller, aber doch auch nicht weit entfernt.

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