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Veröffentlicht am 30.09.2020

Düster, nervenaufreibend, heiß

Dark side of my heart
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Anna ist die Tochter eines Waffenhändlers. Nachdem ihr Vater von einer kriminellen Organisation hingerichtet wird, schwört sie Rache an seinem Mörder. Allerdings haben die beiden vor seinem Tod einen Deal ...

Anna ist die Tochter eines Waffenhändlers. Nachdem ihr Vater von einer kriminellen Organisation hingerichtet wird, schwört sie Rache an seinem Mörder. Allerdings haben die beiden vor seinem Tod einen Deal geschlossen, in Folge dessen Fabricio die Tochter seines Opfers beschützen soll. Anna merkt schnell, dass der Untergang ihres größten Feindes auch ihr eigener wäre.

Die Geschichte ist aus den beiden Perspektiven der Protagonisten geschrieben. Ich kann mich gar nicht entscheiden, wen von beiden ich mehr in mein Herz geschlossen habe. Nach den katastrophalen Ereignissen des Prologs ist Fabricios Familie gezwungen Miami zu verlassen. Sein Vater ist der Boss der oben genannten Organisation und alles andere als zufrieden mit seinem Sohn. Dieser will endlich beweisen, was in ihm steckt und nimmt neue Befehle entgegen. Dass diese ihn in Schwierigkeiten bringen könnten, ahnt er direkt. Fabricio ist ziemlich arrogant, von sich selbst überzeugt, dominant, aufbrausend, impulsiv und nicht unbedingt besonders nett zu Frauen. Seit jener verhängnisvollen Nacht geht ihm die Tochter seines Opfers nicht mehr aus dem Kopf. Im Verlauf des Buches riskiert er alles nur um seine Anjo, seinen Engel zu beschützen.

Auf der anderen Seite ist Anna, die niemals eine richtige Kindheit erlebt hat. Sie hat zwar gelernt sich zu verteidigen, aber sie muss schnell einsehen, dass sie auf Fabricios Hilfe angewiesen ist. Sie ist ein zwiegespaltener Charakter: tough, mutig, kämpferisch und das Herz am rechten Fleck. Doch andererseits hat sie nie gelernt zu leben, sodass sie jetzt völlig verloren und hilflos wirkt. Sie versucht ihren Gefühlen zu entfliehen und reißt sich damit beinahe selber in den Abgrund. Ich finde es gut, dass sie sich nicht direkt und völlig unbegründet in Fabricio verknallt und damit all ihre Prinzipien schon auf den ersten Seiten über Bord wirft. Sie macht im Verlauf eine enorm große Entwicklung durch, die ich sehr mag.

Ein weiterer Charakter, den es besonders hervorzuheben gilt, ist Izabel. Sie ist Fabricios Schwester und weiß genau was sie will und was nicht. Wo man vielleicht nur eine oberflächliche und naive Tochter aus reichem Hause erwarten würde, wird man mit viel mehr Tiefgang und größeren Plänen überrascht. Doch zurück in Miami steht sie unter der Fuchtel ihres Bruders. Ob sie sich gegen ihn behaupten kann?

Der Schreibstil von „Dark side of my heart“ ist sehr lebendig und spannungsgeladen. Man wird direkt in die Geschichte geworfen und es geht sofort hoch her. Action- und Erotikelemente heizen dem Leser ganz schön ein. Man erhält einen guten Einblick in die kriminellen Machenschaften der Clans, die Miami beherrschen. Es herrscht oft eine bedrohliche Atmosphäre, weil man weiß, dass ständig alles auffliegen kann. Es kommt zu einigen Zeitsprüngen, die sich auch über Jahre ziehen, so dass keine einzige Szene langweilig ist oder die Handlung unnötig in die Länge zieht. Das Ende kam für mich völlig unerwartet und macht eigentlich alles richtig, auch wenn Bonnie Sharp bestimmt nicht alle Leser damit glücklich macht.

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Veröffentlicht am 19.08.2020

Nicht nur lesenswert für Pflegekräfte oder solche, die es werden wollen

I'm a Nurse
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Franziska Böhler arbeitet auf der Intensivstation. In ihrem Buch "I'm a Nurse" gibt sie Einblick in die Ausbildung, den Pflegealltag und die Kompetenzen einer Krankenschwester. Dabei weist sie immer wieder ...

Franziska Böhler arbeitet auf der Intensivstation. In ihrem Buch "I'm a Nurse" gibt sie Einblick in die Ausbildung, den Pflegealltag und die Kompetenzen einer Krankenschwester. Dabei weist sie immer wieder auf Missstände hin, die beispielsweise durch Personalmangel oder Geldeinsparungen entstehen. Dies wirkt sich natürlich vor allem auf die Patienten und deren Versorgung aus. Weniger Personal bedeutet eine höhere Patientenanzahl, die jede Pflegekraft zu betreuen hat. Dementsprechend hat diese also auch weniger Zeit für jeden Einzelnen und muss Prioritäten setzen, wer jetzt akut zuerst Hilfe benötigt, obwohl jemand anders sie wahrscheinlich auch grade bräuchte. Sie spricht sich klar dafür aus, dass sich etwas ändern muss und hat dabei ganz konkrete Vorschläge.

Obwohl das alles erstmal eher negativ klingt, betont die Autorin immer wieder, wie sehr sie ihren Job (trotz allem) liebt und dass sie sich auch heute noch für ihn entscheiden würde. Denn es ist nicht alles immer schlecht, es gibt auch viele schöne Momente. Doch die Umstände machen es den Pflegenden unnötig schwer.

Dabei ist die Pflege ein wichtiger Beruf, der immer gebraucht wird, denn es wird immer kranke und alte Menschen geben. Leider wird er oft abgewertet, obwohl er soviel mehr beinhaltet als Essen anreichen und Ausscheidungen wegwischen. Ganz im Gegenteil: Krankenschwestern verfügen unter anderem über viel Wissen über Anatomie, Krankheitslehre, Krankenbeobachtung und Medikamente.

Das Buch ist in verschiedene Kategorien eingeteilt, beginnend mit der Geburt und Kindheit, über den (plötzlichen) Krankheitsfall und eine mögliche Heilung bis hin zum Sterben und dem Tod. Sie nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, sondern spricht aus, wie die Problematiken sind und was deren Auswirkungen auf Pflege, Versorgung, Wohlergehen und Psyche sowohl von Patient als Pflegekraft sein können.

Sie erzählt von ihren eigenen Erlebnissen, greift aber auch auf andere Fallbeispiele und Erfahrungsberichte zurück. Dabei kommen Patienten, Pfleger, Hebammen, Ärzte und Angehörige zu Wort. Die Geschichten sind teilweise tragisch, traurig, aufwühlend, also sehr emotional. Mich hat jede davon sehr bewegt und zum Nachdenken angeregt. Oft wurde ich an Situationen erinnert, die ich selber machen durfte/ musste.

"I'm a nurse" ist nicht nur lesenswert für Pflegekräfte oder solche, die es werden wollen, sondern für alle, die sich näher informieren und einen Einblick in den Job, seine Anforderungen und Missstände erhalten möchten.

Übrigens findet man die Autorin auch auf Instagram unter @thefabulousfranzi. Dort postet sie regelmäßig Geschichten aus dem Klinikalltag oder weißt auf Problematiken hin!

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Veröffentlicht am 29.06.2020

Herrlich humorvoll mit grandiosen Charakteren

Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe
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Nach einer katastrophalen Präsentation wird Leena ein zweimonatiger Zwangsurlaub auferlegt. Was für andere wie der Himmel auf Erden klingt, ist für den Workaholic ein Alptraum. Nach dem Tod ihrer Schwester ...

Nach einer katastrophalen Präsentation wird Leena ein zweimonatiger Zwangsurlaub auferlegt. Was für andere wie der Himmel auf Erden klingt, ist für den Workaholic ein Alptraum. Nach dem Tod ihrer Schwester hat sie sich in die Arbeit gestürzt, um ihren Schmerz zu verdrängen. Zuflucht findet sie nun bei ihrer Großmutter Eileen. Diese wünscht sich mit Ende 70 einen neuen Mann an ihrer Seite. Doch in ihrem beschaulichen Dorf ist die Auswahl doch sehr dürftig. Schließlich beschließen die beiden ihre Leben zu tauschen. Leena kümmert sich während Eileens Abwesenheit um deren Projekte zu denen beispielsweise die Nachbarschaftswache oder die Planung des Maifestes gehören. Ihre Großmutter hingegen stürzt sich in London ins Online-Dating und mischt noch zusätzlich die ganze Nachbarschaft auf.

Leena führt genau das Leben, dass ich niemals führen wollen würde. Sie lebt in der Großstadt, arbeitet Tag und Nacht, führt eine Beziehung, die scheinbar nicht besonders innig ist. Sie hat zwar einige gute Freundschaften, aber ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Mutter. Obwohl sie sich wirklich Mühe damit gibt in die Fußstapfen ihrer Großmutter zu treten, tapst sie dabei doch eher in jedes verfügbare Fettnäpfchen. Zunächst wirkt sie auch ein bisschen überheblich und besserwisserisch, aber das gibt sich schnell. So ist es jedoch kein Wunder, dass die Senioren sie anfangs mit Argus-Augen beobachten und sie sich erstmal beweisen muss.

Eileen und das Dorfleben finde ich klasse, sie ist noch so schön fit und jung geblieben, selbstständig, humorvoll und neugierig, aber man merkt doch manchmal, dass sie eben schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Generell finde ich die ältere Generation lustig. Wie die Senioren auf ihre Angewohnheiten bestehen oder sich einfach überall einmischen. Klatsch und Tratsch ist eine ihrer liebsten Beschäftigungen. Mir gefallen aber sowieso sämtliche Nebencharaktere total gut. Fitz, Martha, Bee (Freunde/ Mitbewohner von Leena) in London oder eben sämtliche Charaktere aus dem Dorf - sie sind alle etwas besonderes und einfach klasse! Man würde gerne über jeden einzelnen so viel mehr erfahren!

Geschrieben ist das Ganze abwechselnd aus der Sicht von Leena und Eileen, so erfährt man genau, was den beiden Frauen während ihrer Abenteuer passiert. Das macht den Lesefluss herrlich kurzweilig und interessant. Letztendlich ist die Geschichte zwar ziemlich vorhersehbar, die Art und Weise wie es allerdings zu diesem Ende kommt, ist doch eher unerwartet, sehr amüsant, teilweise dramatisch und natürlich auch emotional.

Für mich ist das Buch jedoch eigentlich keine richtige Liebesgeschichte, sondern es geht eher um Freundschaft, Familie, Trauer und neue Chancen. Es ist nie zu spät sein Leben zu ändern und glücklich zu werden. "Time to love" ist für mich ein humorvolles Wohlfühlbuch, das aber auch ernstere Themen beinhaltet und zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 11.04.2020

Emotionale, tragische und herzzerreißende Geschichte über Familie, Freundschaft, Vertrauen, Verrat sowie zweite Chancen

Das Schicksal weiß schon, was es tut
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Maegan und Rob haben eines gemeinsam: sie sind Außenseiter. Seit Maegan einen Fehler gemacht hat ist die Schule für sie die Hölle. Rob hingegen büßt für etwas, das sein Vater getan hat. Beide ziehen sich ...

Maegan und Rob haben eines gemeinsam: sie sind Außenseiter. Seit Maegan einen Fehler gemacht hat ist die Schule für sie die Hölle. Rob hingegen büßt für etwas, das sein Vater getan hat. Beide ziehen sich in sich selbst zurück, schließlich hat sich sowieso schon jeder seine Meinung über die beiden gebildet. Doch dann sollen sie zusammen an einem Projekt arbeiten und das verändert alles.

Dieses Buch ist eines meiner Highlights aus dem März. Wie auch in ihren anderen Romanen erschafft Brigid Kemmerer sehr liebenswürdige und authentische Charaktere. Beide tun einem unheimlich Leid. Sie haben nicht verdient wie sie behandelt werden. Doch man schließt nicht nur Maegan und Rob in sein Herz, sondern auch ihre Schwester Samantha und besonders Owen (wer das genau ist wird aus Spoilergründen nicht verraten 😉)

Es ist eine emotionale, tragische und herzzerreißende Geschichte über Familie, Freundschaft, Vertrauen, Verrat sowie zweite Chancen. Sie reißt den Leser mit und regt zum Nachdenken an. Man leidet, liebt und verzweifelt mit den Protagonisten. .

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Veröffentlicht am 29.03.2020

Die beste Adaption von Alice im Wunderland, die ich bisher gelesen habe

Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland
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Alice vegetiert seit 10 Jahren in einem Krankenhaus beziehungsweise einer Irrenanstalt vor sich hin. Verlassen von ihrer Familie, ist ihr einziger Lichtblick Hatcher. Dieser bewohnt die Zelle neben ihr ...

Alice vegetiert seit 10 Jahren in einem Krankenhaus beziehungsweise einer Irrenanstalt vor sich hin. Verlassen von ihrer Familie, ist ihr einziger Lichtblick Hatcher. Dieser bewohnt die Zelle neben ihr und sie kommunizieren durch ein Mauseloch in der Wand miteinander. Schließlich gelingt den beiden durch einen Zufall die Flucht. Was allerdings erstmal nur sie beide wissen: auch eine dunkle Kreatur, die im Keller eingesperrt war, kann in die Freiheit entfliehen. Diese dürstet nach Blut, Tod und Rache. Es scheint so, dass nur Alice und Hatcher sie aufhalten können und so begeben sie sich auf die Suche nach Informationen und Unterstützung in einem unausweichlichen Kampf.

Zu Anfang wirkt Alice ein wenig naiv, hilfsbedürftig und ängstlich. Sie kämpft mit Erinnerungslücken, Flashbacks und Träumen, in denen ein Mann mit Kaninchenohren vorkommt. Man merkt, dass in der Vergangenheit schreckliches passiert sein muss, mit dem sie heute noch Probleme hat. Zugegebenermaßen wäre sie ohne Hatcher wahrscheinlich ziemlich aufgeschmissen gewesen. Doch in der wirklichen Welt muss sie eine relativ schnelle Entwicklung durchmachen, sie muss zu sich und ihrer Stärke finden, sich klar werden, was und wer ihr wichtig ist und schließlich Entscheidungen treffen beziehungsweise einfach handeln. So wandelt sie sich schnell vom ängstlichen Mäuschen zu einer anderen und mutigeren Version ihrer selbst. Hatcher auf der anderen Seite ist als verrückter Axtmörder in der Stadt bekannt. Obwohl er ein gefährlicher Mann ist, hat er auch eine weiche und liebevolle Seite. Doch er kämpft ständig mit seinen inneren Dämonen. Ich mochte ihn, ebenso wie Alice, unheimlich gerne.

Beide kommen aus unterschiedlichen Welten: Hatcher kennt die sogenannte Alte Stadt wie seine Westentasche. Hierbei handelt es sich um eine Art Ghetto, das unter verschiedenen Bandenchefs wie dem Grinser, der Raupe, des Kaninchens oder des Walrosses aufgeteilt ist. Man erkennt natürlich welche Charaktere aus dem Klassiker Vorbilder für diese Personen sein könnten. Alice stammt ursprünglich aus der Neuen Stadt, in der die Oberschicht und die Regierung leben. Diese wollen die Alte Stadt und ihre Einwohner am liebsten vergessen und überlassen sie nahezu sich selbst. Früher gab es sogar Zauberer, allerdings wurden diese vertrieben, eingesperrt oder getötet. Man merkt jedoch schnell, dass nichts und niemand ist wie es scheint und dass die Magie offensichtlich doch nicht komplett ausgelöscht wurde.

Neben dieser phantastischen und magischen Welt, dem düsteren Szenario und den spannenden Charakteren hat mich besonders der Schreibstil fasziniert. Dieser ist sehr metaphorisch und dementsprechend bildgewaltig. Er erschafft eine dunkle, bedrohliche und teilweise beängstigende Atmosphäre, die einem unter die Haut geht. Dazu muss man sagen, dass das Buch eine unterschwellige Brutalität und Gewalt aufweist. Es ist aber nicht so, dass bestimmte Szenen total detailliert, blutig und splashermäißg beschrieben werden. Es wird eher ein Zustand oder Ergebnis einer Gewalttat dargestellt und als Leser weiß man, dass etwas schreckliches passiert sein muss, damit es zu einer solchen Situation kommt. Dennoch ist diese Geschichte wahrscheinlich nichts für schwache Nerven. Wer ein Problem damit hat, etwas über Gewalt zu lesen, insbesondere auch gegenüber Frauen, der sollte nochmal überdenken, ob er sich dieses Buch wirklich zu Gemüte führen möchte.

Für mich ist "Finsternis im Wunderland" die beste Adaption von Alice im Wunderland, die ich bisher gelesen habe. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil, der im Herbst 2020 erscheinen wird!

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