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Veröffentlicht am 25.04.2020

Gut verständlich, unterhaltsam, spannend und auf Augenhöhe

Wieso? Weshalb? Warum? ProfiWissen. Umweltschutz [26]
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Die vier von der Schülerzeitung, Finn, Jette, Lilli und Ben, kurz: die Wissensprofis, fragen sich, wie es kommt, dass mitten im Frühling so schwere Gewitter übers Land ziehen. Ob das wohl ein Anzeichen ...

Die vier von der Schülerzeitung, Finn, Jette, Lilli und Ben, kurz: die Wissensprofis, fragen sich, wie es kommt, dass mitten im Frühling so schwere Gewitter übers Land ziehen. Ob das wohl ein Anzeichen für den oft zitierten Klimawandel ist? Wobei, was ist eigentlich der Unterschied zwischen Klima und Wetter? Im Erdkundeunterricht bereiten sie die Teilnahme an einer Umweltdemo vor. Beim Besprechen der Sprüche für die Plakate wird einiges thematisiert, insbesondere die Zusammenhänge, wie Ursache und Wirkung. Auf der Demo lernen sie dann den ehemaligen Studienkollegen und Mitarbeiter einer Umwelt-NGO Alex kennen, der sich als Interviewpartner anbietet und gleich noch Verstärkung mitbringt. So können sie gut noch mehr verschiedene Themen insbesondere auch zum Thema Müll, Ernährung, und Meere ansprechen. Das wird ein sehr ausführlicher und gründlich recherchierter Artikel!

Das Thema Umweltschutz ist vor Corona in aller Munde gewesen, so dass es einem doch schon zu den Ohren herauskommt, oder? Nein, auch wenn meine Kinder bereits demonstrieren waren, wir Obst und Gemüse in Maßen selbst anbauen, fanden sie dieses Hörspiel dennoch sehr interessant. Klar kommt einem einiges davon bekannt vor, aber es ist sehr strukturiert präsentiert und führt einem nochmal ganz deutlich die Zusammenhänge vor Augen. Außerdem, seien wir ehrlich: die Sache mit Klima, Wetter etc., die vergisst man ja relativ schnell wieder, da ist eine Wiederholung gar nicht so schlecht. Um es anschaulicher zu gestalten, findet sich daher in der Hülle auch eine verständliche und eindrückliche Darstellung der Frage „Warum wird es immer wärmer?“ bzw. der Antwort auf diese Frage.

Natürlich gibt es auch zu diesem Wissensthema wieder ein Experiment, das man ganz einfach zu Hause nachmachen kann. Weil diesmal der Versuchsaufbau so einfach ist, wurde auf die grafische Darstellung zu Gunsten einer Abbildung zur Verrottungsdauer von Plastikmüll verzichtet. Um sich zu verdeutlichen, was der steigende Säuregehalt in den Meeren für dessen Bewohner zu bedeuten hat, lege man je eine Muschel in ein Glas mit Leitungswasser und eine in ein Glas Essigwasser oder Essig und beobachte was passiert... Ganz schön erschreckend, aber sehr eindrucksvoll.

Meine Älteste lernt mit den Wissensprofis immer wieder etwas Neues und nun auch ihre jüngere Schwester. Bisweilen geht es ganz nebenbei z.B. beim Marmeladekochen. Dadurch dass diese Reihe als Hörspiel mit echten Kindersprechern produziert ist, begibt es sich mit den Hörern auf Augenhöhe und sie fühlen sich direkt persönlich angesprochen, was ich besonders beim Thema Umweltschutz sehr wichtig finde. Es zeigt der Zielgruppe, dass das Thema sie unmittelbar betrifft, aber auch, dass sie selbst etwas unternehmen können und nicht nur Greta Thunberg. Ja, Greta war noch nicht einmal die Erste, auch vor ihr gab es schon ein Kind, das zum Thema Umweltschutz vor den Vereinten Nationen sprach und dem Thema treu geblieben ist. Das macht Hoffnung, dass sie nicht die Letzte sein wird, die den Verantwortlichen der Welt ins Umweltgewissen spricht und auf die Finger schaut.

Gerade Wetterphänomene und Klimafragen sind immer etwas heikel in ihrem Ineinandergreifen und gar nicht so einfach. Hier ist es sehr gut aufbereitet und daher sehr verständlich.

Beim Thema ökologischer Fußabdruck, steht einem im Booklet sogar ein Test zur Berechnung des eigenen Abdrucks zur Verfügung. Das macht dieses Thema noch gleich persönlicher. Damit eng verbunden ist natürlich auch die Ernährung. Neben dem Plädoyer für artgerechte Tierhaltung und Biofleisch, wird aber ganz klar Position für eine vegetarische Ernährung bezogen, ohne jedoch Fleischkonsum zu verteufeln, was ich sehr wichtig finde, da Kinder nur begrenzt kontrollieren können, was auf den Familientisch kommt. Es ist aber sehr sensibel, zeigt, dass auch die Reduktion des Fleischkonsums hilft und wird nicht ideologisch.

Fazit: Viel verständlicher und einprägsamer als vieles, was die Kinder im Homeschooling seitens der Schule machen sollen. Durch das Hörspielformat mit Kinderforschern ist es kurzweilig und wird immer wieder gerne angehört. Dank der Wiederholung bleibt so eine Menge haften und geht damit hoffentlich in ein verändertes Alltagsverhalten über! Ein überzeugender neuer Band der Wissensprofis!

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Veröffentlicht am 22.04.2020

Ein Freund, ein guter Freund....

Völlig hundelos
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Becca (10) wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Emily spielt sie immer Hundesalon. Ihr Hundelexikon kann sie schon fast auswendig. Sie ist ganz klar eine Hundeexpertin. ...

Becca (10) wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Emily spielt sie immer Hundesalon. Ihr Hundelexikon kann sie schon fast auswendig. Sie ist ganz klar eine Hundeexpertin. Aber ihre Eltern verstehen sie einfach nicht, oder wollen sie einfach nicht verstehen. Ihre Mutter ist mit dem dritten Kind hochschwanger, ihr kleiner Bruder Stevie nervt sie nur und Papa scheint völlig überfordert zu sein. Als wäre das noch nicht schlimm genug, geht ihre beste Freundin Emily nun in die Theater AG und freundet sich dort ausgerechnet mit der eingebildeten Lily an, mit der Becca nichts zu tun haben will. Immer mehr drängt sich Lily zwischen sie und Emily. Ganz klar, wird das das blödeste Weihnachtsfest aller Zeiten! Alles dreht sich nur um die Schwangerschaft und das kommende Baby, Stevie gibt mit seinem neuen Wunschspielzeug an und nur sie bekommt nicht, was sie sich gewünscht hat: einen besten Hundefreund für immer (BHFFI)! Bei dem Weihnachtstreffen im Kreise der Großfamilie geht es ihrem großen Cousin Tim auch nicht besser. Gemeinsam einsam gehen sie an die Tür, als Tims seit Jahren heimlich angeschmachteter Schwarm dort steht. Sie bittet Tim, für eine Woche auf ihren Hund aufzupassen und verschwindet. Als Becca anbietet ihm zu helfen, zieht der riesige Monty plötzlich bei ihnen ein – sehr zum Leidwesen aller übrigen Familienmitglieder!

Welche Familie kennt das nicht? Die Kinder wünschen sich nichts sehnlicher als einen Hund und die meisten Eltern sind dagegen! Dabei haben die Eltern ja noch nicht einmal genügend Zeit für ihre Kinder, da wäre doch der Hund ein super Ausgleich!
Becca geht es genauso und statt Freundschaft hat sie noch dazu ein nutzloses Tagebuch mit Katzencover letztes Jahr geschenkt bekommen. Doch als es ihr so richtig mies geht und ihr niemand ihr zuhören will (denn einen Hund, der ihr immer sein Ohr leihen würde, bekommt sie ja nicht!), beginnt sie in dieses Tagebuch zu schreiben. Darin wird auch stets ihr Hundestatus festgehalten, der zumeist „völlig hundelos“ und damit: erbärmlich! lautet. Diese kurzen Einträge sind eine witzige Abwechslung und ganz ehrlich, wer schreibt mit 10 Jahren schon viel in sein Tagebuch? Es sind wirklich die absoluten Notgedanken! Im Übrigen ist der Roman zwar in Ich-Form erzählt, rein aus Beccas ungeschönter Sicht, aber eben nicht als Tagebuch. Das hat ein sehr angenehmes Schriftbild und wohltuende Schreibweise zur Folge, die einen schnell auf Beccas Seite zieht. Dennoch beginnt es wohl kaum so, wie sie es sich vorstellt, nämlich für den Leser durchaus nachvollziehbar, warum ihre Eltern keinen Hund möchten. Da ich in Beccas Alter aber auch ein neues Geschwisterchen bekam und keinen Hund, kann ich sie super gut verstehen. Nee, liebe Eltern: Babys sind wirklich für über Zehnjährige kein angemessener Ersatz für einen Hund! Babys sind was für Eltern, nicht für Kinder. Die machen das Spielzeug kaputt und man muss immer aufpassen, dass man nichts rumliegen lässt! Irgendwie schon ein bißchen wie ein Hund ;) Ich musste bei der Lektüre sehr schmunzeln, während meine Tochter, absolut auf Beccas Seite stand! Man kann sich sehr gut in sie hineinfühlen. Es ist sehr emotional geschrieben und weil bei ihr wirklich alles schief zu gehen scheint, irgendwie auch ein bisschen traurig. Das fand meine Tochter aber gar nicht schlimm, denn sie hatte das Buch zuvor schon durchgeblättert und dabei gesehen, dass alles gut ausgeht und so konnte sie den Schmerz der jungen Heldin besser verkraften. Das Ende ist sehr süß, sehr turbulent und ganz schön aufregend, mit einem verschmitzen Augenzwinkern, was uns sehr gut gefiel. Allgemein konnten wir trotz der Ungerechtigkeiten, die unserer Heldin immer wieder widerfahren sind, doch auch wirklich oft kichern.

Die Illustrationen von Cathy Ionescu sind sehr schön. Sie passen stets genau zum Text und sind auch immer an der richtigen Stelle abgedruckt. Meine Tochter stört sich nämlich extram an Ungenauigkeiten bei Illustrationen, oder Abbildungen an der falschen Stelle. Hier passt es genau! Die Illustratorin hat das Buch offensichtlich gründlich gelesen und ihre Liebe zur Geschichte spürt man den kleinen Zeichnungen und Pfotenabdrücken an.

Ein wirklich schönes Buch, für junge Hundefreundinnen, das es den Eltern aber noch schwerer machen dürfte, sich gegen die Anschaffung eines Hundes zu wehren. Wobei, es wird auch ganz deutlich, wie viel Verantwortung so ein Hund mit sich bringt, wie viel Arbeit und Erziehung und er ganz sicher nicht unbedacht verschenkt werden sollte, denn er lebt und hat Gefühle und wird nicht mal eben an der Steckdose aufgeladen! Vieles über das Leben mit Hund lernt man eben doch erst im Selbstversuch und das kann bisweilen desillusionierend sein, mangels Ausknopf fürs Tier. Es ist wirklich sehr empfehlenswert: lustig und emotional, regt es doch auch zum Nachdenken an.

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Veröffentlicht am 19.04.2020

Tauche ein in die Magie der Zeit!

Meridian Princess 1. Die Clockmakers Academy
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Jades Eltern sind kurz nach ihrer Geburt verstorben und sie wächst in Schottland bei Sir Arthur Graham auf, der sie wie seine Enkeltochter behandelt. Doch als Jade fünf Jahre alt wird, geht es ihm gesundheitlich ...

Jades Eltern sind kurz nach ihrer Geburt verstorben und sie wächst in Schottland bei Sir Arthur Graham auf, der sie wie seine Enkeltochter behandelt. Doch als Jade fünf Jahre alt wird, geht es ihm gesundheitlich immer schlechter und er schickt sie auf das nahegelegene Internat St. Creakles, wo sie die nächsten neun Jahre, sogar über die Weihnachtsferien bleibt. Der Bibliothekar Mr. Darwy ist ihre Gesellschaft über die Feiertage und als sie nach neun Jahren zu den Sommerferien nach Graham Hall zu Sir Arthurs Witwe aufbricht, wird es unheimlich. Auf Höhe des Friedhofs, kurz vor der Bushaltestelle wird sie von einem Hund aus schwarzem Rauch angegriffen, in ihrer Not scheint sich aus ihrer Hand ein helles Licht zu materialisieren, das den Hund auflöst. Mr. Darwy bringt sie nach Graham Hall, wo Jade erfährt, dass sie die rechtmäßige Eigentümerin ist. Außerdem eröffnet ihr der Verwalter ihres Großvaters Master Gridlock, dass sie eine Zeiterbin ist und sie zu ihrem 15. Geburtstag in der Clockmakers Academy in London zur Unterrichtung in den Gaben und Talenten der geheimen Gilde der Zeiterben antreten soll. Mr. Darwy wird sie mit der Timeless Sleeper sicher dorthin bringen, doch sie sollen vorsichtig sein, sie sei in Gefahr. Jade, weiß nicht wie ihr geschieht, als ihre Welt von jetzt auf gleich auf den Kopf gestellt wird.

Es beginnt mit einem geheimnisvollen, ahnungsschwangeren Prolog, der im Laufe der Geschichte immer verständlicher wird. Man ahnt schon früher als Jade, welchen Schatz sie dort um den Hals trägt, der sie allerdings auch in Gefahr bringen kann. Als man Jade kennenlernt ist alles sehr mysteriös und jenseits all dessen, was man selbst aus seiner Kindheit gewohnt ist, dennoch kommt man wie Jade nicht aus dem Staunen heraus. Gerade deshalb freut man sich mit ihr, dass ihr bester Freund Mat ebenfalls auf die Clockmakers Academy wechseln wird. Wusste er etwa die ganze Zeit Bescheid? Mat ist allerdings nicht weniger erstaunt als sie. Die Reise mit dem legendären Timeless Reeper reicht nicht aus, sie aus dem Staunen herauszubringen. Zu magisch sind die Gestalten um sie herum, zu viel Neues gibt es zu Verdauen. Es gibt Schutzgeister, die in Galeonen wohnen? Und wer ist diese bedrohliche alte Frau, die ihr nun wieder begegnet, war sie nicht bereits auf dem Friedhof? Aber außer Jade scheint sie niemand wahrzunehmen und Jade beginnt immer mal wieder an ihrem Verstand zu zweifeln. Dieses Gefühl bleibt dem Leser, der aus dem Staunen mit Jade nicht herauskommt, noch lange erhalten, ebenso wie die dumpfe Gefühl von Gefahr, die überall zu lauern scheint. Eine Lehrerin scheint es regelrecht auf sie abgesehen zu haben, doch Master Gridlock schreitet gar nicht ein! Da Jade immerhin schon fünfzehn ist, gerät natürlich auch ihr Herz ins Flattern und es kribbelt überall. Diese Szenen finde ich sehr sensibel und authentisch geschrieben, ebenso wie den Neid, den die rothaarige Ausnahmeschülerin immer wieder auf sich zieht. Bei ihrer Vorgeschichte würde man ihr ein wenig Liebesglück von Herzen gönnen! Doch der Unterricht und die Gefahren halten sie auch so auf Trab. Das ist sehr geheimnisvoll und nimmt immer mehr an Tempo auf. Am Ende fliegt man geradezu durch die Seiten, nur um am Ende seufzend das Buch zu zuschlagen und zu murmeln: noch ein halbes Jahr bis zum Erscheinen von Meridian Prince! Das ist übrigens keine Person, ebenso wenig wie die Prinzessin, sondern... nee, zu viel will ich nicht verraten. Lasst Euch von diesem spannenden Zeiterbenabenteuer um Gut und Böse und die Geheimnisse der Zeit packen, und mit ihm in die geheimen Wege und Tunnel Londons entführen! Dort ist es bisweilen nicht minder unheimlich, als auf dem nebeligen schottischen Friedhof. Aber natürlich widerfährt Jade auch Gutes, nicht nur zarte Liebesbande. Sie findet neben Mat noch zwei weitere verlässliche Freunde, die sie auch bitter nötig hat. Diese Freunde sind nicht alle ganz unumstritten, aber bisweilen für Jade ist Charakter zum Glück wichtiger als das Image einer Familie. Wer kann ihr das verdenken?

Die Klappbroschur finde ich eine sehr schöne Fortsetzung des Covers und sie hat den Vorteil des taschengeldfreundlicheren Preises gegenüber einem wohl kaum schöneren Hardcover. Dieses Buch ist ein echter Hingucker und wer es tut, findet ganz viele Elemente der Geschichte darin vereint.

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Veröffentlicht am 17.04.2020

Ein exzellenter Beobachter

Lange Schatten. Der vierte Fall für Gamache
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Wie jedes Jahr zu ihrem Hochzeitstag am kanadischen Nationalfeiertag 1. Juli fährt Armand Gamache, Leiter der Mordkommission der Sûreté du Québec mit seiner geliebten Ehefrau Reine-Marie in das Manoir ...

Wie jedes Jahr zu ihrem Hochzeitstag am kanadischen Nationalfeiertag 1. Juli fährt Armand Gamache, Leiter der Mordkommission der Sûreté du Québec mit seiner geliebten Ehefrau Reine-Marie in das Manoir Bellechasse. Das Luxushotel von zurückhaltender Eleganz und Solidität, das einst eine riesige Jagdhütte inmitten der kanadischen Wildnis war, ist ein Geheimtipp, und trotz seiner Vergangenheit das Töten streng verboten. Dieses Jahr ist es leider nicht so idyllisch wie in den 25 Jahren zuvor. Bis auf ihr Zimmer, sind alle anderen mit Mitgliedern der seit Jahren zerstrittenen Familie Finney belegt. Zu Ehren des verstorbenen Patriarchen soll eine Statue mit seinem Konterfei im Garten errichtet und eingeweiht werden. Die Einweihung fällt leider aus, da die Gärtnerin unter ihr begraben, eine von der Statue erschlagene Tochter der Familie findet. Doch es war kein Unfall, sondern Mord. Die Stimmung kippt und wird nun alles andere als gemütlich. Auch Gamache wird offen angefeindet, ihn wurmt vor allem, wie denn eine so schwere Statue überhaupt hatte umkippen können. Ohne schwere Geräte, war dieser Koloss nicht zu bewegen, oder? Gamache tappt im Dunkeln und fürchtet, das das Motiv für diese Tat schon Jahrzehnte zurückliegt.

Ein schier unmöglicher Mord und das auch noch außerhalb von Three Pines! Ich hatte ja zu Beginn befürchtet, dass dieser Fall ganz ohne die liebgewonnen, sehr eigenwilligen Charaktere aus dem verborgenen Dörfen auskommen muss, aber nein, dem ist nicht so. Wer gründlich gelesen hat, bemerkt, dass sowohl das Hotel, als auch Three Pines tief in den Wäldern von Québec liegen und somit gar nicht so weit von einander entfernt. Dennoch spielt der Ort mit den meisten seiner Bewohner eine untergeordnete Rolle, allerdings bringt der Briefträger schweren Herzens eine Einladung für die ungeliebte Familienfeier im Manoir Bellechasse in eines der Häuser im Ort, ohne zu verraten, an wen diese adressiert ist. Dies ist einer der schriftstellerischen Kniffe der Autorin. Sie streut kleine Hinweise, die einen ins Grübeln bringen, wenn man sie aufschnappt und auf deren Auflösung man gespannt ist. Andere vergisst man im Laufe des Hörens wieder, nur um am Ende festzustellen, dass sie doch relevant für die Lösung des Falles waren.

Die Stärke der Reihe liegt ganz eindeutig in den Charakterbeobachtungen. So gibt es in der versammelten Familie lediglich 1 Kind. Bean, 10 Jahre alt, über das ein scharfer Beobachter bemerkt: „Bean kann nicht hüpfen“. Gamache trifft diese Bemerkung, seine rechte Hand versteht sie nicht. Ein Gedanke an meine zehnjährige Tochter und ich bin geschockt, denn selten gehen Kinder in dem Alter, sie springen, hüpfen, tänzeln, schleichen..... Solche Beobachtungen führen Gamache auch letztlich zur Lösung einer scheinbar unmöglichen Tat. Wie um alles in der Welt sollte es ein Mensch mit bloßen Händen schaffen, einen so schweren Stein zum Kippen zu bringen? Die Familie ist viel zu zerstritten, um die Tat gemeinsam zu begehen und warum ausgerechnet sie? Je mehr Gamache nachdenkt und in der Vergangenheit wühlt, desto mehr Gründe für einen Mord entdeckt er, wenn auch nicht an diesem Opfer, sondern an den noch Lebenden.
Doch das ist nicht alles was ihn beschäftigt. Sein Sohn Daniel wird erneut Vater und teilt ihm den Namenswunsch mit, falls es ein Sohn würde. Gamache ist entsetzt und muss sich seiner eigenen Vergangenheit und Ängste stellen. Dabei tritt ein weiterer Gast als Katalysator auf, denn er ist seinem Vater begegnet und erzählt von dieser Bekanntschaft. Das führt nicht unbedingt dazu die Stimmung zwischen dem Ermittler und den Gästen zu entspannen und vermag scheinbar den Leiter der Mordkommission zu sehr von der Aufgabe vor Ort abzulenken.
Es ist ein ruhiger Krimi, fernab von Handynetzen, in einer Art Zeittunnel zurück in der Vergangenheit. Denn auch wenn das Manoir Bellechasse mit jeglichem analogen Komfort ausgestattet ist, so sind die Wälder doch ein einziges Funkloch, der digitale Fortschritt ein Fremdwort. Das entschleunigt und bringt Zeit zum Nachdenken, dabei drängt die Zeit, sollte der Täter sich in die Enge gedrängt fühlen.
Denken ist das zentrale Motiv der Reihe, keine minutiöse forensischen Analysen, keine ausführliche Leichenbeschau, keine unappetitlichen Szenen, die man nicht unbedingt beim Kochen hören möchte.... Kultiviert und gebildet, mag der aufmerksame Hörer eventuell noch einiges lernen. Ich mag die Reihe mit jedem Fall mehr, je mehr ich von Familie Gamache erfahre und die Arbeit der Mordkommission kennenlerne...

Hans-Werner Meyer höre ich sehr gerne. Er klingt gepflegt, besonnen, kultiviert und unaufgeregt, genau wie Gamache. Interessanterweise sind es nicht die weiblichen Interpretationen, die ich bei ihm nicht so mag, sondern die einiger Männer. Beauvoir, die rechte Hand des Chefinspektors klingt immer leicht näselnd und überheblich, dabei ist er kein übler Kerl. Pierre Pattenod der Maître de mit seiner zurückhaltenden Eleganz eigentlich sympathisch, aber auch er klingt bisweilen etwas ältlich trottelig, obwohl er doch stets fast alles im Griff zu haben scheint. Wirklich stören tut mich aber Peter und das wird mit uns beiden wohl nichts mehr werden. Bislang sollte er wohl ein sympathischer Charakter sein, auch wenn er Gamache hin und wieder zu fragwürdigen Äußerungen hinreißt, für mich klingt er aber stets trottelig! Mein Liebling war bislang Ruth Sardo, die spitzzüngige Dichterin und auch wenn ihr Auftritt diesmal nur kurz ist, ist er nicht weniger gelungen. Dafür brilliert Hans-Werner Meyer als Eliane Finney, die herablassende, Familienobere mit der giftigen Zunge. Jeder bekommt seine eigene erkennbare Stimme.... Als Hamburger ist er vielleicht des Franzsösichen nicht so mächtig, da ich mir sicher bin, dass einige Namen anders ausgesprochen werden, aber wer weiß das bei Franco-Kanadiern schon so genau?

Ein kniffeliger Fall, wobei ich die Reihe mit jedem Fall lieber mag, da für mich Armand Gamache immer mehr an Profil gewinnt. Auch wenn dieser Band bereits 2008 erstmals in Kanada erschien, mindert dies nicht seinen Reiz, da es nicht um technische Finesse, sondern um Esprit geht und der ist zeitlos!

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Veröffentlicht am 17.04.2020

Warmherzig, mutig, spannend!

Fjelle und Emil – Teil 2: Monstermäßig wilde Abenteuer
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Fjelle ist jetzt genau das, was er sein will und immer sein wollte: Emils bester Freund! Warum das so bemerkenswert ist? Na ja, Fjelle ist ein moosgrünes, super starkes und schlaues Monster, das sehr sensibel ...

Fjelle ist jetzt genau das, was er sein will und immer sein wollte: Emils bester Freund! Warum das so bemerkenswert ist? Na ja, Fjelle ist ein moosgrünes, super starkes und schlaues Monster, das sehr sensibel ist und die Stimmungen, der Menschen um sich herum auffängt. Im ersten Band rund um die ungewöhnliche Freundschaft des jungen Monsters mit dem Bäckerssohn, wurde Fjelle wegen einer kleinen Unbedachtheit fies angefeindet und in Flusenbek waren Monster plötzlich unerwünscht. Nun geht alles wieder seinen normalen Gang, sollte man meinen, aber Schuldirektor Unterberg, der selbst ein Monster ist, wird plötzlich so merkwürdig. Er will mit den Kindern im Unterricht nur noch spielen und Spaß haben, er kichert und verschluckt beim Sprechen Buchstaben, so dass er richtig schwierig zu verstehen ist. Das sorgt ganz schön für Unruhe gerade bei den Eltern, der Flusenbeker Schüler, die so mit dem Unterricht nicht zufrieden sind. Er wird abgesetzt und seine Vertretung ist furchtbar streng! Fjelle und Emil wollen daher Herrn Unterberg helfen und Fjelle erinnert sich an eine seltsame Monsterkrankheit. Das Heilmittel gegen diese Überemotionalität ist eher ein Mythos, eine verborgene geheime Quelle in den versteckten Monsterhöhlen, zu der der Weg voller Gefahren steckt und zu der es keine Karte oder Wegweiser gibt!

Zu Beginn genießt man einfach mit den zwei Freunden deren nunmehr wieder allgemein akzeptierte Freundschaft und Neueinsteiger in die Reihe lernen Fjelles fantastische Fähigkeiten kennen. So einen Freund wünscht sich doch wohl jedes Kind: loyal, unglaublich stark, geduldig, einfallsreich, witzig, hilfsbereit.... doch dann wird es merkwürdig, denn so kennt doch kein Kind den Schulunterricht und selbst in Flusenbek ist dies so nicht üblich. Was folgt ist eine unglaublich abenteuerliche und spannende Reise ins Ungewisse. Man trifft einige liebgewonne Monster wieder und lernt auch ganz neue, mit merkwürdigen oder besser unglaublichen Fähigkeiten kennen. Nicht immer sind sie gut gelaunt, manchmal auch etwas ruppig, aber absolut unentbehrlich bei der Suche nach dem einzigen bekannten Heilmittel!

Der Einstieg ist wirklich eine super Geschichte zum Einschlafen, witzig und mit einem echten Wohlfühlhörgenuss. Doch die zweite CD zieht im Tempo richtig an und ist besser zum Aufwachen geeignet, weil es ganz schön unheimlich und gefährlich unter der Erde ist. Doch wer Fjelle und Emil kennt, kann sich eigentlich ganz sicher sein, dass sie auch die gefährlichsten Situationen meistern werden und alles gut ausgehen wird. Wie sie dass aber wieder hinbekommen sollen, das ist eine wirklich spannende Frage und der Weg zum glücklichen Ende das Ziel des Hörgenusses. Denn Philpp Schepmann ist ein Garant für Hörgenuss. Seine Stimme dürfte so ziemlich allen Kindern vom kleinen Drauchen Kokosnuss her bekannt sein, was auch ein beruhigender Faktor ist, für die unheimlichen Szenen in den gefährlichen Monsterhöhlen. Seine Stimme klingt immer gleichzeitig freundlich und doch auch lebendig. Sie trägt die Situation in jeder Lage, transportiert glaubwürdig die jeweiligen Stimmungen und verströmt dennoch ein Wohlgefühl. Durch seine lebendige Erzählweise hört man ihm jederzeit gerne zu.

Anne Scheller greift mit ihrer Fjelle und Emil Reihe, den Wunsch vieler Kinder nach einem einzigartigen Freund mit ganz besonderen Fähigekeiten und Kräften auf. Doch so ein Freund erweckt auch Neider und so erfahren die Kinder immer wieder anschaulich, wie schmerzhaft Ausgrenzung sein kann. Denn auch wenn die Monster supercool sind, sobald etwas schief läuft, wird mit dem Finger auf sie gezeigt und wieder betont, dass sie ja anders sind, nicht so wie wir! So begreifen Kinder ab 8 Jahren auf spannende und witzige Weise die Problematik von Vorurteilen und Ausgrenzung und die wohltuende Bedeutung von Toleranz und Loyalität!

Ein wertvolles Hörerlebnis für Kinder ab 8 Jahren, das wir gerne weiterempfehlen.

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