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Veröffentlicht am 06.09.2020

Manchmal muss man erst eine andere Geschichte erzählen, bevor man die Eigene erzählen kann

Never Doubt
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„Dich spielen zu sehen war, als würde man durch eine Tür in eine andere Welt sehen. Einen Ort, wo außergewöhnliche Dinge passieren. Ich konnte weg von hier, weil ich dich gesehen habe. Anstatt dir also ...

„Dich spielen zu sehen war, als würde man durch eine Tür in eine andere Welt sehen. Einen Ort, wo außergewöhnliche Dinge passieren. Ich konnte weg von hier, weil ich dich gesehen habe. Anstatt dir also einfach ein Kompliment zu machen, will ich dir dafür danke, dass du mich für eine Weile an einen anderen Wort transportiert hast. Ich hab’s echt gebraucht.“

Emma Scott hat mich schon mehrfach mit ihren sehr emotionsgeladenen Geschichte und ihren unvorhergesehenen Wendungen überzeugt. Bei diesem Buch hatte ich mich nach dem Klappentext darauf einstellt, dass ich eine Hauptperson, Willow, kennenlerne, die eine tragische Vergangenheit hat und durch das Theater eine Stimme erhalten möchte. Ich hätte damit gerechnet, dass erst recht spät herauskommt, was eigentlich mit Willow geschehen ist, aber dem ist hier nicht so.

Im Gegensatz zu anderen Büchern erfährt der Leser direkt am Anfang, was Willow widerfahren ist. Bereits die Widmung des Buches deutet darauf hin, dass der Leser mit der #metoo-Bewegung in Berührung gerät. Wem dieser Hinweis nicht reicht, der erfährt direkt im ersten Kapitel, dass Willow vergewaltigt wurde und seitdem Schwierigkeiten hat sich anderen zu öffnen. Das hat mich sehr verwundert und so habe ich mich lange gefragt, ob die Handlung nicht zu geradlinig verlaufen würde.

Dadurch, dass Willows Vergangenheit kein Geheimnis ist und sie so erst einmal keine zu großen Probleme hat, haben mir hier etwas die Emotionen gefehlt. Ich hatte einige Schwierigkeiten mich in Willow hineinzuversetzen und in die Geschichte einzutauchen. Das hat sich verändert, als Willow anfängt Theater zu spielen. Die Darstellung des Dramas und wie hier die Parallelen gezogen werden, hat mir ausgesprochen gut gefallen. Auch die einzelnen Auszüge aus Hamlet, die hier zitiert werden, mochte ich und sie haben auch in keinem Fall überhandgenommen. Im Gegenteil, sie haben mir sehr viel Vorfreude bereitet das Drama über den dänischen König und seine Ophelia einmal selbst zu lesen.

Schön war außerdem, wie Willow später mit den Folgen der Vergewaltigung umgeht. Ich finde es hier fortschrittlich, dass sie nicht den Fehler bei sich selbst sucht oder hinterfragt, was sie an dem Abend getragen hat. Solche Fragen werden viel zu häufig gestellt und es sollte eigentlich keinen Unterschied machen. Wenn eine Frau nicht ausdrücklich „ja“ sagt, dann darf sich hier keiner irgendwas nehmen oder einfordern. So ein Umgang mit dieser Thematik sollte es viel häufiger geben.

In meinen Augen wäre es für die Entwicklung der Geschichte gut gewesen, wenn Willows Geheimnis länger geheim geblieben wäre. Auch hätte ihr Sicht noch emotionaler sein können, aber ansonsten hat mich auch dieses Buch von Emma Scott wieder überzeugt. Ich mochte diese tiefgründige Liebesgeschichte und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 05.07.2020

Manchmal gibt dir das Leben eine zweite Chance

Repeat This Love
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„Du bist Clementine Johns. Du bist fünfundzwanzig Jahre alt. Du arbeitest in einer Bank. Du bist freundlich, manchmal nervös, neigst dazu, zu viel über alles nachzudenken, und machst dir Sorgen darum, ...

„Du bist Clementine Johns. Du bist fünfundzwanzig Jahre alt. Du arbeitest in einer Bank. Du bist freundlich, manchmal nervös, neigst dazu, zu viel über alles nachzudenken, und machst dir Sorgen darum, was andere Leute von dir denken könnten. Deswegen lässt du andere oft nicht wissen, was in deinem Kopf vorgeht.“

Wenn ich morgens aufwache, dann weiß ich, wer meine Freunde sind, was meine Lieblingsfarbe ist und welche Aufgaben ich heute auf der Arbeit zu erledigen haben. All diese Informationen sind Dinge, die mich ausmachen und teil meiner Identität sind. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn ich mich an diese Dinge nicht mehr erinnern könnte.

Dies ist bei Clementine der Fall. Nach einem Unfall hat sie ihr Gedächtnis vollständig verloren und kann sich an nichts mehr erinnern – einschließlich ihrer Beziehung zu Ed Larson. Sie weiß zwar noch wie man läuft, kocht und Fahrrad fährt, aber kann sich ansonsten aus nichts und niemanden mehr aus ihrem Leben erinnern. Auch die einfachsten Informationen über sich sind ihr neu, was teilweise zu sehr amüsanten Fragen und Situationen geführt hat.

Das Buch ist insgesamt sehr locker geschrieben. Clementine geht besser mit ihrer Amnesie um, als man teilweise erwarten würde. Sie hinterfragt nicht, warum ihr dies geschehen ist und hat kein Selbstmitleid. Hier könnte der Leser sich vielleicht tiefgründigere Gedanken wünschen, aber die gibt es leider nicht. Clementine konzentriert sich mehr oder weniger komplett auf die Gegenwart und was ihr aktuell gut tut. Ich mochte diesen lockeren Stil sehr.

Die Beziehung – oder die erneute Beziehung – zwischen Clementine und Ed finde ich realistisch geschrieben. Es entwickelt sich langsam eine Vertrauensbasis und eine Freundschaft. Mich freut es immer wieder, wenn es nicht Liebe auf den ersten Blick ist und alle Stufen einer Beziehung durchlebt werden. So habe ich mich auch ein kleines bisschen in Ed verliebt und könnte ihn mir echt gut als guten Freund vorstellen.

Von Kylie Scott habe ich schon ein paar andere Bücher gelesen und freue mich schon auf weitere Romane von ihr. Ihr Geschichten sind sehr gut, gefühlvoll geschrieben und bescheren mir einige wunderschöne Lesestunden.

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Veröffentlicht am 11.06.2020

E steht für Entscheidungsfreiheit

V is for Virgin
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Als Jugendlicher – und eigentlich auch in der Zeit danach – drehen sich wahrscheinlich viele Gedanken um Sex. Bin ich bereit für Sex? Soll ich diesen Schritt mit meinem neuen Partner gehen? Möchte ich ...

Als Jugendlicher – und eigentlich auch in der Zeit danach – drehen sich wahrscheinlich viele Gedanken um Sex. Bin ich bereit für Sex? Soll ich diesen Schritt mit meinem neuen Partner gehen? Möchte ich im Schlafzimmer etwas experimentieren? Oder auch fühle ich mich mit meinem Partner wohl und bei allem was wir gemeinsam machen? Viele Filme und Bücher zeigen uns, dass Sex einfach zu einer Beziehung dazu gehört und das normalste auf der Welt ist.

Dieses Buch ist hier einmal anders. Es zeigt, dass es zwar wichtig ist sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, dass es jedoch auch genauso in Ordnung ist, wenn man sich dazu noch nicht bereit fühlt oder einfach generell mit Sex bis zur Ehe warten möchte. Val hat diesen Vorsatz und wird richtig wütend, als sie ihr Freund verlässt, als sie nicht mit ihm schlafen möchte. Ihre Geschichte wird über Youtube bekannt gemacht, womit der Grundstein für eine Freiheitsbewegung gelegt wird.

Val hat zunächst damit zu kämpfen, dass sich ihre Klassenkameraden darüber lustig machen, dass sie noch Jungfrau ist. Sie geht jedoch grandios damit um und zeigt, dass dies in keiner Weise ein Schandfleck ist. Es zeigt sich sogar, dass sie mit ihrer Einstellung nicht die einzige ist.

Wie man vielleicht merkt, hat mich das Thema des Geschichte begeistert und ich fand sehr gut, dass auch einmal diese Sicht in einem New Adult Roman dargestellt wird. Darüber hinaus hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Ähnlich wie bei „Cinder & Ella“ werden hier tiefgründige Aussagen in einer lockeren Sprache verpackt, sodass es nicht anstrengend zu lesen.

Das Ende dieser Liebesgeschichte der anderen Art hat mich etwas überrascht, aber es war in jedem sehr realistisch. Jetzt bin ich gespannt darauf die Fortsetzung „A is for Abstinence“, vor allem da ich davon ausgehe, dass sie ebenfalls von Val handelt, aber dieses Mal sogar noch eine weitere Komponente dazu kommt, da sie aus Kyles Sicht (quasi der männlichen Hauptperson aus dem ersten Teil) erzählt wird. Zum Glück muss ich nicht allzu lange warten, um diese neue Sicht kennenzulernen, da die Fortsetzung bereits im Juli erscheint.

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Veröffentlicht am 26.05.2020

Kein Feuer der Leidenschaft, aber eine schöne realistische Geschichte

Into the Fire
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Von J.R. Ward kannte ich bereits ein paar Bände aus der Black-Dagger-Reihe. „Into the Fire“ ist hier komplett anders und das mochte ich sehr. Das Buch ist nicht voller erotischer Szenen und bei mir kamen ...

Von J.R. Ward kannte ich bereits ein paar Bände aus der Black-Dagger-Reihe. „Into the Fire“ ist hier komplett anders und das mochte ich sehr. Das Buch ist nicht voller erotischer Szenen und bei mir kamen auch nicht besonders viele starke Emotionen auf, dafür ist es jedoch eine sehr realistische Geschichte.

Jedem, der ein einmal ein paar Minuten über den Job eines Feuerwehrmanns nachdenkt, wird einfallen, dass jemand in diesem Job viele unschöne Situationen erleben wird. Ein Hausbrand ist nichts Schönes und somit wird ein Feuerwehrmann wohl auch viele Traumata verarbeiten müssen. Es würde da somit keinen wundern, dass viele Feuerwehrmänner andere Ventile benötigen, um das erlebte zu verarbeiten. In diesem Buch stößt der Leser somit auf Charaktere, die mit ihren Entscheidungen zu kämpfen haben, zu viel rauchen, Bindungsängste haben oder auch zu viel trinken. Mir hat diese sehr realistische, teilweise auch nüchterne Sicht ausgesprochen gut gefallen.

Auch wenn hier keine romantische Beziehung im Vordergrund steht, werden hier Beziehungen klar skizziert. Das Buch ist insgesamt aus drei Sichten geschrieben: aus Dannys, Annes und aus der Sicht von Annes Bruder. Auf diese Weise erhält der Leser ein umfassenden Blick auf Annes Familie und kann verstehen, warum Anne, ihr Bruder oder auch ihre Mutter so sind, wie sie sind. Das war ein weiterer Punkt auf der Liste, was mir hier gut gefallen hat. Ein Leser bekommt nur sehr selten eine so detaillierte Hintergrundgeschichte zu einem Charakter präsentiert.

Darüber hinaus gibt es in dem Buch auch eine Art Krimi, der gelöst werden muss. Diese Spannungselemente ergeben einen guten roten Faden und führen ebenfalls dazu, dass hier die Geschichte nicht durch eine rosarote Brille dargestellt wird. Eine eher sachliche Darstellung zieht sich somit durch alle Aspekte in der Geschichte.

Die Handlung ist in sich abgeschlossen, aber ich würde mich hier tatsächlich freuen, wenn es noch weitere Bände über andere Feuerwehrmänner geben würde. Den ein oder anderen von Dannys Kollegen habe ich echt ins Herz geschlossen.

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Veröffentlicht am 26.04.2020

Ausdauer wird hier definitive belohnt

Kill the Queen
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Mit der Mythos Akademie hat sich die Autorin in jedem Fall schon einen Namen gemacht. Auch wenn ich schon viele äußerst positive Meinungen zu dieser Reihe gelesen habe, hatte ich bis dato noch nicht die ...

Mit der Mythos Akademie hat sich die Autorin in jedem Fall schon einen Namen gemacht. Auch wenn ich schon viele äußerst positive Meinungen zu dieser Reihe gelesen habe, hatte ich bis dato noch nicht die Möglichkeit mir selbst ein Bild zu machen. Ich habe mich somit sehr gefreut endlich mit „Kill the Queen“ ihren Stil kennenzulernen.

Zunächst war ich etwas enttäuscht, da die Geschichte nur sehr langsam beginnt. Es werden zunächst viele alltägliche Szenen beschrieben und der Leser lernt Everleigh als eine junge Frau kennen, die immer macht, was man ihr sagt und nie wirklich Anerkennung erfahren hat. Sie soll Kuchen backen, also macht sie es. Sie wird von anderen gehänselt und wehrt sich nicht, da sie eh quasi komplett machtlos ist. In letzter Zeit habe ich viele eher langweilige Fantasy-Bücher gelesen und hatte Sorge, dass ich schon wieder einen Fehlgriff hatte.

Durch das erste Drittel des Buches bin ich nur sehr langsam gekommen, aber dann hat es mich vollends gepackt und die Seiten sind nur so dahingeflogen. Der erste Eindruck von Everleigh hat getäuscht und es ist sehr schön, wie sie sich entwickelt und komplexer wird. Sie ist somit nicht so hilflos und langweilig wir sie in den ersten Kapiteln gewirkt hat. Dabei ist ihre Veränderung realistisch dargestellt und nachvollziehbar.

Die alltäglichen Szenen sind ebenfalls weniger geworden und dafür einer spannenden Handlung gewichen. Es gibt nicht unbedingt außerordentlich viele Überraschungen oder Wendungen in der Geschichte, aber trotzdem ist es nicht unbedingt vorhersehbar. Ich bin in die Handlung hineingezogen worden und musste einfach weiterlesen. Es gibt hier Kampfszenen, Intrigen und sogar ein paar wenige Emotionen. Eine große Liebesgeschichte, die immer mehr in den Vordergrund rückt, gibt es in diesem Buch ausnahmsweise mal nicht. Das war auch eine schöne Abwechslung.

Insgesamt hat das Buch mich dann noch positiv überrascht. Es gibt wenige Bücher, über die ich mir zunächst eine Meinung bilde und ich diese dann noch einmal komplett ändere. Die Ausdauer hat sich vollkommen rentiert und nach dem ersten Drittel ist es ein wundervoller Fantasy-Roman geworden. Ich freue mich schon jetzt sehr, wenn die Fortsetzung erscheint und ich erfahren kann, wie es mit Everleigh und den Gladiatoren weitergeht.

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