Profilbild von bookloving

bookloving

Lesejury Star
offline

bookloving ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit bookloving über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2020

Ein berührender Roman voller Poesie

Offene See
0

INHALT
Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. ...

INHALT
Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.
(Quelle: DUMONT Buchverlag)

MEINE MEINUNG
In seinem jüngsten, äußerst gelungenen Roman „Offene See“ erzählt der bereits mehrfach ausgezeichnete britische Autor Benjamin Myers eine berührende Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Jung und Alt und eine wundervolle Geschichte über das Erwachsen-Werden. Zugleich hat der Autor mit seinem ausdrucksstarken und sprachgewaltigen Roman eine beeindruckende Hommage an die Kraft der Literatur und Poesie verfasst. Glücklicherweise ist es den beiden Übersetzer*innen hervorragend gelungen, Meyers großartigen, sehr metaphernreichen Erzählstil und seine poetische Sprache auch ins Deutsche zu übertragen.
Eingebettet in eine Rahmenhandlung, in der ein alternder Schriftsteller auf sein Leben zurückblickt, lässt der Autor den 16-jährigen Protagonisten und Ich-Erzähler Robert Appleyard, seine Geschichte über jenen schicksalhaften Sommer kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges erzählen, der sein gesamtes Leben verändern sollte. Bevor er wie alle Männer seiner Familie auch als Bergarbeiter in den Kohlebergwerken Nordenglands arbeiten wird, beschließt der freiheitsliebende, verträumte Junge sich auf Wanderschaft gen Süden Richtung Yorkshire zu begeben, um noch etwas vom Land zu sehen, die Natur zu erleben und einmal die Weite des Meeres zu erfahren.
Schon nach wenigen Sätzen hat mich die außerordentlich dichte Atmosphäre dieses Romans voller Poesie und Nostalgie gefangen genommen und begeistern können. Fast wie aus der Zeit gefallen wirkt diese etwas altmodisch anmutende, beschauliche Geschichte mit ihren opulenten Natur- und Landschaftsbeschreibungen und den ausführlichen Schilderungen des idyllischen, ländlichen Lebens. Ein Hauch von Romantik liegt beim Lesen der wundervollen Passagen in der Luft, in denen der Kraft und Schönheit der heimischen Flora und Fauna gehuldigt wird ohne aber völlig ins Kitschige abzugleiten.
Fesselnd ist es mitzuerleben, wie der junge, scheue Robert durch die zufällige Begegnung mit der älteren, äußerst unkonventionellen Dulcie Piper allmählich aufblüht, dem Leben ganz neue Seiten abgewinnt und durch sie eine gänzlich neue Welt kennen lernt. Ganz nebenbei lässt Dulcie Robert nicht nur seine kulinarische Vorlieben entdecken oder animiert ihn zum eigenständigen Denken, sondern sie erweckt insbesondere auch seine Liebe zur Literatur und Poesie, die seine Einstellung zum Leben und seine Zukunft nachhaltig verändern wird.
Es ist für beide der Beginn einer wundervollen, bereichernden Freundschaft zwischen Jung und Alt. Schließlich gelingt es Robert, auch Dulcie dabei zu helfen, sich einem schmerzhaften Verlust in ihrer Vergangenheit zu stellen und neue Zuversicht zu schöpfen.
Meyers versteht es hervorragend, die Emotionen und die Stimmungen seiner liebenswerten Charaktere glaubhaft und nachvollziehbar darzustellen. Auch wenn Robert nicht ganz fassbar für mich wurde, ist mir die faszinierende und sehr eigenwillige Protagonistin Dulcie schon bald sehr ans Herz gewachsen. Mit ihrer unbeschwerten, offenen und warmherzigen Art, ihrer quirligen, verrückten Lebensfreude, aber auch ihren gelegentlichen schroffen und melancholischen Ausbrüchen hat der Autor eine überaus tiefgründige, sehr authentische Figur geschaffen, die mich sehr beeindruckt hat.

FAZIT
Eine berührende, großartig erzählte Geschichte über das Erwachsen-Werden und ein wundervoll poetisches Plädoyer für ein selbstbestimmtes, bewusstes Leben jenseits von äußeren Zwängen und gesellschaftlichen Konventionen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2020

Eine großartige deutsch-italienische Familiensaga

Belmonte
0

„~ Eine Gärtnerin, die ihre Wurzeln nicht kennt. ~ Ein Skandal, der die Vergangenheit bestimmt. ~ Eine Liebe zu Italien, die niemals endet. ~“
INHALT
Als ihre Großmutter Franca überraschend stirbt, erbt ...

„~ Eine Gärtnerin, die ihre Wurzeln nicht kennt. ~ Ein Skandal, der die Vergangenheit bestimmt. ~ Eine Liebe zu Italien, die niemals endet. ~“
INHALT
Als ihre Großmutter Franca überraschend stirbt, erbt Simona, italienisch-deutsches Gastarbeiterkind in der dritten Generation, deren Elternhaus in den italienischen Marken, von dessen Existenz sie bis dahin nichts wusste. Die junge Landschaftsgärtnerin aus dem Allgäu macht sich auf in das ferne Belmonte, ein verträumtes, mittelalterliches Dorf, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Dort findet sie Aufzeichnungen mit Francas Lebensbeichte und folgt, gegen alle Widerstände, den Spuren ihrer Vorfahren, bis sie am Ende eine erschreckende Wahrheit enthüllt…
(Quelle: Piper Verlag)
MEINE MEINUNG
In ihrem Roman „Belmonte“ erzählt Antonia Riepp, ein Pseudonym der deutschen Bestseller-Autorin Susanne Mischke, eine großartige, bewegende deutsch-italienische Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt. In ihrem berührenden Roman um Heimat, Identität, Freundschaft und Liebe erzählt Riepp die spannende Suche der jungen Protagonistin Simona nach ihren italienischen Wurzeln, bei der sie schließlich einige dunkle wie auch wohlgehütete Familiengeheimnisse aufdeckt, und die für die junge Frau zugleich auch eine Reise zu sich selbst wird.
Angesiedelt ist die Handlung zum einen im idyllischen Allgäu und zum anderen in dem malerischen, fiktiven Ort Belmonte, das in den italienischen Marken, einer wundervollen mittelitalienischen Region zwischen Adria und dem Apennin, liegt.
Die Autorin hat ihre viele Jahrzehnte umspannende Handlung auf unterschiedlichen Zeitebenen angelegt, die einander geschickt abwechseln. So lässt sie die Ereignisse in der Vergangenheit zum einen aus der Perspektive von Simonas Urgroßmutter Teresa und zum anderen von ihrer Oma Franca jeweils in der dritten Person erzählen, während wir die Gegenwart aus Simonas Sicht erleben. Danks des sehr einfühlsamen und zugleich mitreißenden Schreibstils der Autorin hat mich die faszinierende Familiensaga schnell gefangen genommen. Sehr gelungen sind die lebendigen und sehr bildhaften Beschreibungen des beschaulichen Dörfchens, der mediterranen Landschaft und der temperamentvollen Dorfbewohner, so dass man mühelos an Simonas Seite in eine wundervolle andere Welt eintauchen kann. Gekonnt zeichnet die Autorin aber auch ein bewegendes, eindringliches Bild der Lebensbedingungen und beleuchtet dabei die tragischen Schicksale der früheren Generationen – dem mutigen Kampf der Partisanen während des Zweiten Weltkriegs, den einengenden erzkatholischen Moralvorstellungen, der finanziellen Not in der Nachkriegszeit und dem Exodus als Gastarbeiter ins ferne Deutschland.
Die Autorin hat die Rückblicke in die Vergangenheit geschickt mit den Geschehnissen in der Gegenwart verwoben, so dass der Leser immer tiefer in die Geheimnisse der Familie hineingezogen wird. Erst allmählich erhalten wir aufschlussreiche Einblicke in das Leben der Verwandtschaft und einige überraschende Hintergründe zur Francas bewegter Vergangenheit werden gelüftet, wodurch die Spannung immer mehr gesteigert wird. So gibt es für uns Leser bis zur schrittweisen Auflösung einiger wohlgehüteter Geheimnisse viel Stoff zum Spekulieren.
Hervorragend gelungen ist der Autorin auch die vielschichtige Zeichnung ihrer vielen oft so unterschiedlichen Charaktere, die sehr authentisch und lebendig wirken, und deren Schicksale mich sehr berührt haben.

FAZIT
Eine eindrucksvoll erzählte, bewegende Familiengeschichte mit viel Zeit- und Lokalkolorit, die mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte.
Ein sehr lesenswerter und unterhaltsamer Roman!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2020

Großartige Fortsetzung des Merle-Zyklus

Serafin. Das Kalte Feuer
0

INHALT
Serafins Venedig ist voller Magie. In einer Neumondnacht begibt er sich mit seiner geflügelten Katze auf Beutezug. Wie jeden Monat ist für eine Nacht das Wasser aus den Kanälen verschwunden. Doch ...

INHALT
Serafins Venedig ist voller Magie. In einer Neumondnacht begibt er sich mit seiner geflügelten Katze auf Beutezug. Wie jeden Monat ist für eine Nacht das Wasser aus den Kanälen verschwunden. Doch statt Kostbarkeiten findet Serafin auf dem Grund des Canal Grande zwei fremde Mädchen, leblos am Fuß eines goldenen Spiegels. Mächtige Gegner machen Jagd auf die beiden. Die Gilde der Glasbrenner, die Kartographen der Spiegelwelt und eine legendäre Katzengöttin – sie alle sehen in den Mädchen Junipa und Merle den Schlüssel zu Venedigs uraltem Zauber.
(Quelle: Fischer Sauerländer)

MEINE MEINUNG
Mit seinem Jugendbuch "Serafin: Das kalte Feuer" hat Kai Meyer fast zwanzig Jahre nach dem Erscheinen seiner Merle-Trilogie eine Fortsetzung seines genialen Fantasy-Zyklus herausgebracht, in der er die faszinierende Geschichte um das Waisenmädchen Merle und Junipa, das Mädchen mit den Spiegelaugen, weiterspinnt. Dieser Band kann unabhängig von der Merle-Trilogie gelesen werden, da viele zum Verständnis notwendige Hintergrundinformationen geschickt in die Handlung eingestreut sind. Dennoch macht es natürlich mehr Spaß, das komplexe Fantasy-Epos und die Entwicklung der Hauptfiguren im Kampf für das Gute von Beginn an mitzuverfolgen.
Kai Meyer ist es in seiner Fortsetzung hervorragend gelungen, an den runden Abschluss seiner Trilogie anzuknüpfen, einige lose Fäden der Geschichte aufzugreifen und in die neue facettenreiche Handlung einen wohldurchdachten komplexen Überbau einzubetten. Hierbei erfahren wir interessante Details zum Aufbau des Merle-Universums, die zum Nachdenken anregen und die fantasievolle Geschichte zudem sehr tiefgründig machen. Kenner von Meyers Werken werden auch spannende Querverweise zum Bibliomantik-Kosmos aus „Die Seiten der Welt“ erkennen, was mich sehr begeistert hat. Der Ideenreichtum des Autors und der wundervolle und sehr anschauliche Schreibstil lassen seine erschaffene Welt überaus authentisch und lebendig erscheinen.
Ohne viele Worte zu verlieren nimmt Meyer seine Leser mit in die faszinierende Welt eines alternativen Venedigs, das trotz veränderter Ausgangsbedingungen nicht minder magisch, mystisch und gefährlich ist. Wir begegnen den beiden wohlbekannten Figuren Merle und Junipa, die immer noch auf der Suche nach Merles Vater sind, durch die Spiegelwelt in dieses ihnen völlig fremde Venedig gelangten und Serafin begegnen. Rasch taucht man immer tiefer in die mitreißende Geschichte vor dem magischen Setting Venedigs ein, begleitet die Charaktere auf ihren fesselnden Abenteuern und bangt um ihr Wohl. Erzählt wird in dritter Person jeweils aus Sicht den verschiedenen im Mittelpunkt stehenden Figuren, vor allem natürlich von Serafin, Merle und Junipa. Durch geschickt gesetzte Wechsel der Handlungsstränge und überraschende Wendungen wird der Spannungsbogen immer mehr gespannt. Auch das Erzähltempo wird im Laufe der Handlung zunehmend angezogen, die schließlich in einem packenden Showdown gipfelt.
Sehr gut kann man sich in die lebendigen und vielschichtig angelegten Charaktere hineinversetzen und ihr Innenleben nachvollziehen. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Hauptfiguren Merle und Junipa, die beide im Verlauf der Geschichte eine enorme Entwicklung durchgemacht haben, an ihren Aufgaben gewachsen sind und sehr gereift wirken. Eine äußerst interessante Rolle in der Geschichte spielt auch der sympathische Serafin, der mir sehr gut gefallen hat. Neben den bekannten Protagonisten lernen wir aber auch einige neue, interessante Figuren und sehr originelle Wesen kennen. Mein absolutes Highlight war die geflügelte Katze Cagliostra, Serafins treue Begleiterin, die mich mit ihren vorlauten Kommentaren immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat und eine wahre Bereicherung der Geschichte ist. Aber auch an skrupellosen Widersachern mangelt es nicht wie beispielsweise die recht gruseligen Kartographen, die es auf die beiden Mädchen abgesehen haben und für so manche böse Überraschung sorgen.
Obwohl die Handlung mit seinem stimmigen Ende in sich abgeschlossen ist, gibt es genügend Anknüpfungspunkte für eine fesselnde Fortsetzung seiner fantasievollen Geschichte. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Merle, Junipa, Serafin und natürlich Cagliostra bald bei weiteren Abenteuern durch die Spiegelwelt begleiten kann.
FAZIT
Eine gelungene, unterhaltsame Fortsetzung des grandiosen Merle-Zyklus mit einer fesselnden Geschichte vor einem faszinierenden Setting und wundervollen Charakteren! Ein äußerst fantasievolles Leseabenteuer für Leser*innen ab 12 Jahren und ein Muss für alle Fans von Kai Meyers Fantasy-Geschichten!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.02.2020

Ein einfühlsam erzählter, nachdenklich stimmender Roman

Ein wenig Glaube
0

INHALT
Ein schmerzhaft-schöner Familienroman, der die Macht und die Grenzen des Glaubens mit besonderem Feingefühl erkundet: Lyle und Peg Hovde empfinden es als großes Glück, dass ihre Tochter Shiloh samt ...

INHALT
Ein schmerzhaft-schöner Familienroman, der die Macht und die Grenzen des Glaubens mit besonderem Feingefühl erkundet: Lyle und Peg Hovde empfinden es als großes Glück, dass ihre Tochter Shiloh samt Enkelsohn wieder nach Hause zurückgekehrt ist.
Doch bald treibt Shilohs neue Glaubensgemeinschaft einen Keil in das harmonische Familienleben. Als sich abzeichnet, dass auch der fünfjährige Isaac in die Fänge der Sekte geraten könnte, müssen die Großeltern eine folgenschwere Entscheidung treffen, die die Familie vollends entzweien könnte.
(Quelle: Klett-Cotta Verlag)

MEINE MEINUNG
Mit seinem neusten Werk „Ein wenig Glaube“ hat der US-amerikanische Autor Nickolas Butler erneut einen eindrucksvollen, sehr emotionalen Roman vorgelegt – mit einer bewegenden, aufwühlenden und erschütternden Geschichte, die von einer wahren Begebenheit inspiriert wurde und äußerst nachdenklich stimmt.
Sehr einfühlsam wirft er in seinem Roman Fragen zu Glauben und Religiosität auf und beleuchtet zudem das sehr heikle Thema wie man irrgeleitetem Glauben und Machtmissbrauch im Namen des Glaubens begegnen sollte.
Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des Großvaters Lyle Hovde, der mit seiner Frau Peg, ihrer adoptierten, alleinerziehenden Tochter Shiloh und ihrem kleinem Sohn Isaac in einer Kleinstadt im ländlich geprägten Wisconsin lebt. Nach Jahren der Entfremdung zu ihrer Tochter haben sie gerade wieder zusammengefunden und die liebevollen Großeltern genießen überglücklich die Zeit mit ihrem aufgeweckten 5jährigen Enkelkind. Doch die herzerwärmende Harmonie wird schon bald getrübt, denn Shiloh wendet sich einer christlichen Glaubensgemeinschaft zu und geht eine Beziehung mit dem jungen, charismatischen Pastor Steven ein, der in dem kleinen Isaac einen Wunderheiler sieht. Lyle und Peg wollen dem Glück ihrer Tochter nicht im Wege stehen, doch wird Stevens fataler Einfluss immer deutlicher und die kostbaren Familienbande drohen auf immer zu zerreißen.
Der sehr gefühlvolle und warmherzige Schreibstil des Autors hat mich schnell gefangen genommen. Butler versteht es, Stimmungen und Bilder mit viel Feingespür einzufangen und eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Geschickt hat Butler seinen Roman in die vier Jahreszeiten untergliedert und die Geschehnisse symbolträchtig mit dem Jahresverlauf verwoben. Sehr einfühlsam, facettenreich und lebensnah hat Butler seine Figuren charakterisiert, wodurch wir uns gut in sie hineinversetzen können. Wir nehmen Anteil an in ihren Zweifeln, Sorgen und Nöten aber auch an bewegenden Momenten und ihrem kleinen Glück in ihrem eher beschaulichen Leben. Große Sympathien bringt man dem bodenständigen und sehr fürsorglichen Lyle, aber auch seiner herzensguten Frau Peg entgegen – beide halten an den guten alten Traditionen fest, das Wohlergehen ihrer Liebsten und engen Freunde geht ihnen über alles. In Rückblicken erhalten wir wichtige Einblicke und prägende Ereignisse aus ihrem Leben –ihr Kennenlernen, der tragische Tod ihres kleinen Sohns Peter oder die Adoption ihrer Tochter Shiloh. Lyles Glaube wurde in der Vergangenheit auf eine harte Probe gestellt und schwer erschüttert, so dass sehr gut nachvollziehbar ist, dass Lyle sich viele Gedanken zum Glauben und seinen Zweifeln macht und den vermeintlich tiefen Glauben anderer hinterfragt. Als sich die Ereignisse immer mehr überschlagen und er hilflos mit ansehen muss, wie sich eine Katastrophe mit fatalen Konsequenzen abzeichnet, steckt Lyle in einem großen Dilemma, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt, da das Glück seiner Familie auf dem Spiel steht. Gekonnt fängt Butler Lyles Hilflosigkeit, Gewissenskonflikte, innere Zerrissenheit und sein Ringen um die richtige Entscheidung ein, und lässt uns mit ihm leiden
Äußerst anschaulich zeigt Butler in seinem Roman die Folgen von fanatischem Glauben und erschreckenden Gefahren von falsch verstandenem, blindem Gottvertrauen auf.
Religiöser Fanatismus und christlicher Fundamentalismus sind leider längst keine Randerscheinung mehr und beschränken sich nicht nur auf die US-amerikanischen Gesellschaft. Inzwischen gibt es zahlreiche radikal-religiöse Glaubensgemeinschaften mit erzkonservativen Wertvorstellungen und schockierenden, radikalen Ansichten zum Gesundheitssystem, Abtreibung, Homosexualität, Evolution oder der Stellung der Frau.
FAZIT
Ein leiser, einfühlsam erzählter Roman, der mich völlig in seinen Bann gezogen und mit seiner erschütternden Geschichte sehr nachdenklich gestimmt hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 29.02.2020

Sehr originelles und innovatives Kochbuch

Kitchenkarma statt Küchendrama
1

„Vom Teller direkt ins Herz“
(Kitchenkarma statt Küchendrama - Bastei Lübbe Verlag)

MEINE MEINUNG
Das originelle Kochbuch „Kitchenkarma statt Küchendrama“ von Eva Dotterweich, das bei Bastei Lübbe erschienen ...

„Vom Teller direkt ins Herz“
(Kitchenkarma statt Küchendrama - Bastei Lübbe Verlag)

MEINE MEINUNG
Das originelle Kochbuch „Kitchenkarma statt Küchendrama“ von Eva Dotterweich, das bei Bastei Lübbe erschienen ist, fällt allein schon durch das absolut untypische, peppige Cover ins Auge und macht zusammen mit dem vielversprechenden Untertitel „Der leckere Weg zur Erleuchtung“ auf Anhieb neugierig auf den Inhalt.
Kochen als idealer Weg zum Abschalten nach einem stressigen Tag und dann noch gut fürs Karma– das klingt wirklich verlockend!
Ein kurzer Blick in das kreativ aufgemachte Inhaltsverzeichnis dieses Buches zeigt, dass wir es hier mit einem außergewöhnlichen und sehr unterhaltsamen Kochbuch zu tun haben, das sich von der Masse absetzt und einfach gute Laune verbreitet. Schon allein die originellen Überschriften wie „Reine Versuchung“, „Entspann dich“ oder „Für ein wohliges Bauchgefühl“, bei denen man oft nicht genau weiß, welche tollen Rezepte sich dahinter verbergen könnten, machen sehr neugierig auf die einzelnen Kapitel und laden zum Schmökern ein.
Überhaupt fällt auf, dass dieses Kochbuch eher unkonventionell aufgebaut und eher nach Themengebieten inszeniert ist. Eine traditionelle Sortierung nach Vorspeisen, Hauptgerichten und Süßspeisen bzw. Kuchen sucht man hier vergeblich, so dass man das Buch anfangs als etwas unübersichtlich und chaotisch empfindet. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit findet man aber rasch die gesuchten Rezepte und stößt beim Durchblättern immer wieder auf neue tolle Anregungen. Zum schnelleren Auffinden der Rezepte ist am Ende auch ein ausführliches Register angehängt.
Farbenfrohe, Appetit-anregende Fotos, ein freches, frisches Layout, witzige Sprüche und eine wirklich abwechslungsreiche Auswahl an leckeren Rezepten, die ohne großen Aufwand im Handumdrehen zubereitet und problemlos auch von Anfängern gemeistert werden können – ein rundum gelungenes und innovatives Konzept, das mich richtig begeistert hat.
So wird Kochen zu einem unterhaltsamen Erlebnis!
Das gesamte Konzept - von der Rezeptentwicklung, dem Kochen und Styling bis hin zum Shooting wurde übrigens vom House of Food umgesetzt, einem Netzwerk der Food-Spezialisten der Bauer Media Group und Deutschlands größtem Food-Verlag.
Bei den tollen, interessant präsentierten Gerichten bekommt man sofort Lust, sich in die Küche zu begeben, mit dem Schnippeln, Rühren oder Kneten loszulegen und sich auf eine kreative Entdeckungsreise zu begeben. Unter den köstlichen Rezepten findet man jede Menge Anregungen für leckere, unkomplizierte Mahlzeiten bis hin zu raffinierten Gerichten.
Von Frühstücksbowls als Karma-Boost über Wohlfühlsuppen, kunterbunten Regenbogen-Smoothies, abwechslungsreichen Couscous-Gerichten, Kurzgebratenem bis hin zu tollen Pustekuchen - die Auswahl ist wirklich sehr vielfältig und ansprechend, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Auch Vegetarier werden hier eine Vielzahl an interessanten, fleischlosen Gerichten finden.
Großes Know-how ist für die Gerichte glücklicherweise nicht erforderlich. Auch die meisten Zutaten hat man als Grundausstattung schon zuhause im Vorratsschrank oder kann sie beim nächsten Einkauf besorgen. Richtig exotische Zutaten sind eher selten, so dass einer relaxten Küchensession eigentlich nichts mehr im Wege stehen sollte.
Obwohl viele der Rezepte sicherlich nichts Neues sind, verleihen einige echt innovative Abwandlungen dem Gericht oft das gewisse Etwas!
Alle von mir ausprobierten Rezepte ließen sich wirklich problemlos nachkochen und waren äußerst köstlich. Meine absoluten Highlights sind bislang die Wohlfühlsuppe „Goldiges Möhrchen“, die „Couscous-Feta-Frikadellchen“, das „Chili sin Carne“ und „Omelett Caprese“! Aber auch die etwas kreativeren Back-Rezepte wie der „Avocado-Pistazien-Kuchen“ oder der „Erdbeer-Mascarpone Cake“ klingen sehr verführerisch und werden von mir demnächst noch ausprobiert.
Der Rezeptteil ist mit hochwertigen Fotos und humorvollen Texten äußerst abwechslungsreich und sehr ansprechend aufgemacht. Die Anleitungen für die einzelnen Gerichte sind insgesamt sehr übersichtlich gestaltet, so dass man beim Kochen das Wichtigste stets im Blick hat. Die Rezepte sind in der Regel für 2 Personen ausgelegt und mit Angaben zur Zubereitungszeit, Backzeit, dem Schwierigkeitsgrad und der Kalorienzahl pro Portion versehen. Die Zubereitungsschritte sind verständlich und nachvollziehbar erklärt. Zusätzlich werden manchmal noch ergänzende Hinweise zur Warenkunde und den Zutaten oder praktische Zubereitungstipps gegeben.
Bei dieser sehr ansprechenden Gestaltung des ganzen Buches und der schönen Bebilderung der interessanten Rezepte nimmt man dieses nicht nur zum Kochen, sondern gerne auch einfach nur zum Stöbern in die Hand und lässt sich vom „Soulfood für alle Sinne” inspirieren.
FAZIT
Ein sehr originelles Kochbuch mit innovativen, leckeren Rezepten und einem farbenfrohen, frischen Layout – so wird Kochen zu einer unterhaltsamen, kreativen Entdeckungsreise für alle Sinne!



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Rezeptideen
  • Gestaltung