Kurz und knapp:
Volker arbeitet als Zivi im Seniorenheim und versucht dabei, gegen die Missstände im Heim vorzugehen und die alten Menschen mit Würde zu behandeln. Er schreibt aber auch Gedichte, die er ...
Kurz und knapp:
Volker arbeitet als Zivi im Seniorenheim und versucht dabei, gegen die Missstände im Heim vorzugehen und die alten Menschen mit Würde zu behandeln. Er schreibt aber auch Gedichte, die er für zahlreiche Wettbewerbe einreicht, wodurch er tatsächlich auch zu einem Treffen für Nachwuchsschriftsteller in West-Berlin eingeladen wird. Dort lernt er Thomas und Katja kennen, dort erinnert er sich zurück an eine einprägsame Reise nach Paris und dort entdeckt er das Berlin der 80er Jahre für sich.
Sprache:
Jeder Satz dieses Buches ist ein kleines Meisterstück. Die Sprache erzählt poetisch und sehr bildhaft. Sie ist voller Metaphern, voller detaillierter Beschreibungen von Äusserlichkeiten, wie dem Stadtbild und dem Aussehen der Personen, aber auch von Gedanken und Gefühlen. In diesem Buch kann man sich verlieren und immer wieder neu (er)finden und nimmt dabei noch an der Entwicklung eines jungen Dichters teil. Zudem wird für jede Umgebung die passende Erzählhaltung eingenommen. Die Szenen im Seniorenheim beispielsweise sind von einer krassen Nüchternheit und Brutalität geprägt und es hat mich angewidert, wie dort mit den Menschen umgegangen wird. Die Erinnerungen an Paris hingegen ziehen wie ein rauschhafter Schwarz-Weiss-Film vorbei, während die im Jetzt spielenden Handlungen in Berlin intensiv, überbordend, aber auch sehr melancholisch erzählt sind.
Meine Empfehlung:
"Was dann nachher so schön fliegt" ist eine sprachgewaltige, kraftvolle Liebeserklärung an die Schönheit des Erzählens und der Poesie und ein Selbstfindungsroman, der einen jungen Dichter und seinen Weg in die Erwachsenenwelt ins Zentrum stellt.
Meine Rezension gilt für die ältere Ausgabe aus dem gleichen Verlag in der Übersetzung von Annemarie Horschitz-Horst:
Meine Meinung:
"Paris, ein Fest fürs Leben" ist ein fantastisches Zeitdokument, das ...
Meine Rezension gilt für die ältere Ausgabe aus dem gleichen Verlag in der Übersetzung von Annemarie Horschitz-Horst:
Meine Meinung:
"Paris, ein Fest fürs Leben" ist ein fantastisches Zeitdokument, das nicht nur zahlreiche Bekanntheiten der goldenen Zwanzigerjahre und ihre - mal mehr, mal weniger charmanten - Schrullen ins Zentrum rückt, sondern das auch von Hemingways Liebe zu seiner ersten Frau zeugt und aufzeigt, wie der nicht immer sehr gesunde (Arbeits-)Alltag des grossen Schriftstellers ausgesehen hat.
Die einzelnen lose zusammenhängenden Kapitel lassen sich grundsätzlich für sich alleinestehend lesen, was ich mehrheitlich auch so gemacht habe. Immer wieder habe ich im Buch geschmökert, pausiert und ein wenig recherchiert und dann später weitergelesen. Zahlreiche literarische Persönlichkeiten der damaligen Zeit sind mir zwar ein Begriff, von den meisten von ihnen habe ich allerdings immer noch nichts gelesen, was ich nun spätestens unbedingt nachholen möchte.
Nach der Lektüre hat mich Fernweh ergriffen nach einem Paris, das wir so nie mehr erleben werden, was sicher nicht nur schlecht ist. Aber ein Hauch der rauschenden Feste, der Unbeschwertheit und gleichzeitig tiefen Melancholie, die wohl untern der damaligen Bohème gang und gäbe war, würde wohl einigen von uns ab und an gut tun und zudem wäre es wirklich schön, das Paris jener Zeit für einen kurzen Moment wirklich erleben zu können, wobei "Paris, ein Fest fürs Leben" dieser Erfahrung schon sehr nahe kommt.
Sehr gerne empfehle ich als weiterführende Lektüre übrigens den biografischen Roman "Alabama Song", der versucht, Zelda Fitzgerald - die nicht nur bei Hemingway eher schlecht weggkommt - ein wenig vom Bild der psychisch kranken Frau reinzuwaschen und der vor allem ihre schriftstellerische Arbeit ins Zentrum rückt.
Meine Empfehlung:
Von Herzen empfehle ich euch diese unterhaltsame, liebevoll und klug erzählte und wehmütig stimmende Lektüre, die auf eine Zeit zurückblickt, die wir alle nur aus Filmen und Büchern kennen und die eine Liebeserklärung an diese Stadt Europas ist, welche zahlreiche einflussreiche literarische Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zusammengeführt hat.
Inhalt:
"Pandatage" erzählt die Geschichte von Danny und Will. Danny ist ein Vater, der seine geliebte Ehefrau verloren hat und Will ist sein Sohn, der seit dem Tod seiner Mutter kein Wort mehr gesprochen ...
Inhalt:
"Pandatage" erzählt die Geschichte von Danny und Will. Danny ist ein Vater, der seine geliebte Ehefrau verloren hat und Will ist sein Sohn, der seit dem Tod seiner Mutter kein Wort mehr gesprochen hat. Sie beide sind erstarrt in ihrer Trauer, befinden sich in ihrer eigenen Blase und sind einander ferner als je zuvor. Als dann Danny auch noch seinen Job verliert und von seinem Vermieter nicht nur den Rausschmiss, sondern im Falle weiterer Verzögerungen beim Begleichen der Miete auch körperliche Gewalt angedroht bekommt, muss er handeln um für sich und Will wenigstens die Wohnung halten zu können. In seiner Verzweiflung greift er zu einem ganz speziellen Mittel um wieder an Geld zu kommen.
Meine Meinung:
Den nicht immer ganz einfachen Themen zum Trotz bleibt dieses Buch stets positiv und humorvoll. Kluge Situationskomik, Figuren mit Ecken und Kanten und einige zündende und aussergewöhnliche Ideen werden zu einer liebevoll erzählten und berührenden Geschichte verstrickt. Einige Male war ich von der Intensität, mit der die neu entstehende Vater-Sohn-Beziehung beschrieben wird, bewegt. Aber auch die Schilderungen der Ohnmacht im Angesicht des persönlichen Ruins nach so einem tragischen Verlust sind mit kraftvollen Worten beschrieben. Dieses Buch lebt von auf den ersten Blick unscheinbaren, aber um so schöneren Details, wie den kleinen Gesten, mit denen Ivan seine Freundschaft zu Danny aufrechterhält oder auch davon, dass Mo immer wieder ganz selbstverständlich und unkompliziert zu Wills Sprachrohr wird. Es hat mich überzeugt, dass keine überzogene Liebesgeschichte eingebaut werden musste, um Gefühle in der Handlung unterzubringen und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass vielmehr familiäre Banden und Freundschaften ins Zentrum gerückt wurden.
Sprache:
Ich bin nur so durch die Seiten dieses Buches geflogen und habe mich dabei an der schönen, flüssigen, berührenden und sehr bildhaften Sprache kaum sattlesen können. Ja, klar, man kann dem Buch vorwerfen, dass doch alles ein wenig zu sehr in Zuckerwatte verpackt daherkommt, aber so what. "Pandatage" ist einfach nur schön zu lesen, flüssig und unendlich witzig erzählt, berührt aber trotzdem und überrascht dabei noch mit Ideen, die man nicht schon zigtausendfach so oder ähnlich erzählt bekommen hat. Was will man mehr? Mehr und mehr haben sich mir zudem beim Lesen Bilder vor meinem inneren Auge aufgetan, die immer lebhafter und packender wurden und alsbald wähnte ich mich in einem bunten, ein wenig kitschigen, mit schrägen aber liebenswerten Figuren gespickten Film und ich kann mir gut vorstellen, dass die Verfilmung dieses Buches - am liebsten natürlich in bester alter Hollywood-Tradition der 90er - auch nicht sehr lange auf sich warten lassen wird.
Meine Empfehlung:
"Pandatage" ist warmherziges, grossartiges und aus dem Leben gegriffenes Kino. Die liebevoll erzählten Szenen schreien förmlich nach einer Verfilmung und mit viel Feingefühl wird sich der Figuren und ihrem tragischen Schicksal angenommen. Dennoch bleibt das Buch positiv und äusserst unterhaltsam, weshalb ich es euch allen sehr gerne empfehle.
In kurzen und flüssig zu lesenden Kapiteln werden nicht nur diverse Periodenprodukte und deren Einsatz, sowie zahlreiche informative Fakten, sondern vor allem auch menstruierende Personen aus ...
Inhalt:
In kurzen und flüssig zu lesenden Kapiteln werden nicht nur diverse Periodenprodukte und deren Einsatz, sowie zahlreiche informative Fakten, sondern vor allem auch menstruierende Personen aus verschiedenen Teilen der Welt und ihre Lebensumstände vorgestellt. Die Autorin hat auf ihren Reisen Gespräche mit sehr vielen Menschen geführt und dabei herausfinden und nachvollziehbar aufbereiten können, inwiefern Menstruierenden oft der Zugang zu Bildung, Integration in die Gesellschaft und Selbstbestimmung erschwert oder gar verweigert wird und welche Probleme daraus für ganze Familien, Wirtschaftszweige und Länder entstehen können.
Meine Meinung:
"Periode ist politisch" hat mich fasziniert, sehr gut unterhalten, mit lesenswerten Infos versorgt und mir ein paar Zusammenhänge aufgezeigt, die mir zwar schon bewusst waren, deren Ausmass ich mir aber noch nie so ausführlich vor Augen geführt habe. Besonders gut gefallen haben mir die Vielseitigkeit dieses Buches und der Aufbau, der durch die sinnvolle Einteilung der Kapitel sehr stimmig wirkt. Zuerst wird ganz allgemein erklärt, in welchen Bereichen die Verteufelung der Menstruation seit Jahrhunderten anhält und die Autorin geht dieses Thema äusserst kritisch, aber auch humorvoll an und verleiht fleissig goldene Erdbeeren für diese Menschen/Gruppen, welche menstruierende Personen gezielt diskriminieren, Falschinformationen und Menstruationsmythen verbreiten und sich damit gegen die Wissenschaft, den Fortschritt und die Menschenrechte stellen.
Weiter werden die Steuer auf Menstruationsprodukte, die Werbefarcen von Herstellern ebendieser, die Rechte, Bildungschancen und Zukunftsperspektiven von Menstruierenden in Indien und Pakistan beleuchtet und es wird dargestellt, wie sich Periodenscham und Unterdrückung auf einzelne Personen, Länder, die Wirtschaft und letztendlich uns alle auswirken kann.
Ein kleiner Hinweis an den Verlag, den ich aber nicht in die Beurteilung einbeziehen werde, erlaube ich mir aber hier trotzdem noch zu platzieren: erstaunlich viele Druckfehler haben sich in dieses Buch geschlichen, da hätte ich mir ein genaueres Lektorat gewünscht.
Weshalb ist dieses Buch ein Muss für alle?
Periodenscham geht uns alle an, weil ca. die Hälfte der Weltbevölkerung viele Jahre ihres Lebens menstruiert und trotzdem fast gar nie über dieses wichtige Thema gesprochen wird. Damit wird aber bereits jungen Menstruierenden suggeriert, die Vorgänge in ihrem Körper seien irgendwie komisch und unrein und die damit einhergehenden Symptome seien naturgegeben. Wie aber soll man, wenn dieses Thema stets totgeschwiegen wird, erkennen, was denn eigentlich im Körper abgeht, welche Begleiterscheinungen noch zu erwarten sind und welche bereits gefährliche Symptome für schwere Erkrankungen sein können, die vielleicht einmal von einer Fachperson begutachtet werden müssten? "Stell dich nicht so an, ist doch nur Blut", "Du hast doch nur wieder deine Tage" oder "Das geht halt allen Frauen so" sind nicht nur Aussagen, die fast alle von uns kennen, sondern die erstens eine (wahlweise sexistische und/oder rassistische oder sogar religiös begründete) Herabwürdigung von menstruierenden Personen sind - also vor allem von Frauen, die so oder so schon benachteiligt werden und dann aufgrund ihrer Menstruation zusätzliche Benachteiligungen erleben müssen - sondern zweitens auch gefährlich sein können, weil sie dazu anregen, wichtige Symptome von ernsten Erkrankungen zu ignorieren. Noch heute wird beispielsweise Endometriose auch von Gynäkologinnen oft nicht erkannt, einige Freundinnen von mir können davon ein Lied singen. Jungen Menstruierenden wird gedankenlos die Pille verschrieben und Alternativen zu Tampons und Binden sind kaum bekannt. Nur, wer sich aber ganzheitlich informieren und dann aus einem breiten Angebot auswählen kann und nur wer aufgrund der Menstruation keine Benachteiligung in der Ausbildung und beim Ausüben eines Berufs, aber auch in einer Beziehung, religiösen Gemeinschaft, im Verein und generell im Privatleben erfährt, kann sein Leben als Mensch vollwertig und gleichberechtigt leben. Genau in diese Richtung, also hin zu Aufklärung, Information, breitem Austausch und Ländergrenzen überwindender Gemeinschaft appelliert und arbeitet dieses Buch, weshalb ich es euch allen sehr gerne empfehle.
Meine Empfehlung als Fazit:
"Periode ist politisch" ist informativ, umfassend und sehr verständlich geschrieben und deshalb in meinen Augen ein Buch, das wirklich von allen Menschen, egal welchen Geschlechts und Alters, gelesen werden sollte. Komplexe und weitreichende gesellschaftliche und strukturelle Zusammenhänge und Schwierigkeiten werden aufgezeigt und können allen Leserinnen ins Bewusstsein rufen, dass eine - in unseren Augen - kleine Menge Blut eben nicht überall auf der Welt die gleiche Bedeutung hat.
Nachdem ich etwa zwanzig Seiten lang nicht genau wusste, wie ich die Geschichte einordnen sollte und auch ein wenig irritiert war, weil ich so mitten im Geschehen landete und keinerlei ...
Meine Meinung:
Nachdem ich etwa zwanzig Seiten lang nicht genau wusste, wie ich die Geschichte einordnen sollte und auch ein wenig irritiert war, weil ich so mitten im Geschehen landete und keinerlei Bezug zu Ort und Zeit hatte - ihr wisst ja, Klappentexte lese ich in der Regel nicht, hier würde ich es aber wirklich empfehlen, weil diese Umstände ansonsten erst nach und nach klar werden, obwohl es meiner Meinung nach wichtig ist, sie zu kennen - zog mich Stefanie de Velasco mit bildhaften, passend gewählten Worten, einer bewegenden Geschichte, zwei starken, jungen Protagonistinnen und weiteren, facettenreichen Figuren in ihren Bann. Dabei geschieht eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Machenschaften und Strategien einer solchen Glaubensgemeinschaft, die auch aufzeigt, wie schwer es Mitgliedern - und dabei vor allem Kindern und Jugendlichen, die bereits in diese Strukturen hineingeboren worden sind - gemacht wird, die sich aus dem emotionalen Gefängnis und der menschgemachten Abhängigkeit dieser Gemeinschaft lösen wollen. Wir erleben ausserdem, wie mit Menschen umgegangen wird, welche hinterfragen und mit Menschenverstand argumentieren, welche damit anecken und gegen herrschende Hierarchien aufbegehren.
Sprache:
Stefanie de Velasco schreibt unendlich wortstark und weiss genau, wovon sie erzählt, hat sie doch auch einen Teil ihrer Kindheit und Jugend bei den Zeugen Jehovas verbracht und den Ausstieg aus dieser toxischen Gemeinschaft geschafft. Ihre Schilderungen sind beklemmend und regen zum Nachdenken an und gleichzeitig ist es mir teilweise sogar gelungen, mich in beide Seiten einzufühlen und - zumindest ganz wenig - zu verstehen, wie solche Sekten funktionieren, wie Menschen "gefischt" werden und was die Beweggründe dahinter sein können. Wie wir alle wissen, dass der Glaube an einen Gott, eine Religion, eine gewisse Spiritualität Halt geben kann und das darf auch so sein und ist sicher sogar gut. "Kein Teil der Welt" regt dazu an, zwischen einem positiven, stärkenden Glauben und einer toxischen, unterdrückenden Gemeinschaft zu unterscheiden, was ich persönlich sehr wichtig finde. Die Beschreibung von Esther und ihrer besten Freundin Sulamith, sowie von den vielen Beziehungen (zu den Eltern, Geschwistern, Lehrpersonen, Freund*innen) möchte ich besonders hervorheben, weil die berührend und sehr vielschichtig gestaltet sind und viel zur Stimmung im Buch beitragen.
Meine Empfehlung:
Nach wenigen Seiten hat mich dieses Buch in seinen Bann gezogen, berührt und schockiert. Dies lag an der grandiosen, bildhaften Sprache und der bewegenden Verknüpfung von autobiografischen Erfahrungen und gekonnten Charakterstudien. "Kein Teil der Welt" ist genau deswegen ein sehr, sehr lesenswertes Buch, das ich euch allen herzlich empfehlen möchte.