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Veröffentlicht am 22.05.2020

Ein Meisterwerk

Edingaard - Gebieter der Schatten
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Inhalt:

Obwohl Cassion der Sohn einer mächtigen Magierin ist, führt er nur selten Zauber aus und gehört eher zu den Außenseitern. Und das aus gutem Grund, denn in ihm steckt eine dunkle Macht, die bei ...

Inhalt:

Obwohl Cassion der Sohn einer mächtigen Magierin ist, führt er nur selten Zauber aus und gehört eher zu den Außenseitern. Und das aus gutem Grund, denn in ihm steckt eine dunkle Macht, die bei jedem Zauber die Kontrolle übernimmt. Eine Macht, die gefährlich ist und das nicht nur für seine Feinde.

Als Cassion sich auf den Weg zu seiner letzten Prüfung macht, überschlagen sich die Ereignisse in der magischen Welt und bald schon steht nicht nur Cassions Schicksal auf dem Spiel, sondern das von ganz Edingaard … .

Meine Meinung:

Elvira Zeißler ist eine meiner Lieblingsautorinnen und gerade „Edingaard“ hat es mir besonders angetan, deswegen musste ich natürlich auch dieses neue Buch unbedingt lesen.

Das Buch wird mit ein paar kryptischen Worten eingeleitet, die man zu Beginn noch nicht wirklich versteht, am Ende aber plötzlich Sinn ergeben und den Leser noch neugieriger auf die Fortsetzung machen.

Danach springt man in die eigentliche Geschichte. Sehr schön fand ich, dass es in diesem Buch um Cassion, den Sohn von Cassandra und Brin geht, dass aber auch die Eltern noch eine Rolle spielen. Normalerweise werden die Eltern in Fantasybücher häufig „wegrationalisiert“, was mir in diesem Fall besonders leid tun würde, da ich die beiden in den übrigen Edingaard-Bänden lieben gelernt habe. Anfangs liegt das Hauptaugenmerk allerdings auf Cassion und man erfährt, was es mit seinen Kräften auf sich hat, wobei man nur so viel weiß, wie auch der Protagonist selber, man erhält also keinen Wissensvorsprung, was ich jedoch gut fand, da man sich so, gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen kann.

Elvira Zeißler führt uns langsam in die Welt ein und stellt uns dabei sowohl alte Bekannte, als auch neue Figuren und Wesen vor. Edingaard ist eben immer eine Reise wert, denn dort gibt es so viel zu entdecken. Ich fand es richtig toll, was die Autorin hier für eine einzigartige und faszinierende Welt voll Magie geschaffen hat. Ich liebe Edingaard einfach und freue mich unglaublich, dass wir diese Welt noch nicht verlassen müssen, sondern noch mehr daraus zu lesen bekommen.

Cassion an sich ist ein wirklich spannender Charakter. Man merkt sofort, dass er das Herz am richtigen Fleck hat und gerade deswegen mit den Schatten in sich kämpft, die oftmals die Kontrolle zu übernehmen versuchen. Auch mit den Konsequenzen dieser Macht kann er nur schwer umgehen, gerade weil er so ein gutes Herz hat. Ich mochte ihn auf Anhieb, fand es aber auch sehr spannend, dass er auch eine „dunkle Seite“ hat und damit nicht ganz fehlerfrei ist. Ein wirklich ungewöhnlicher Protagonist, der mir ausgesprochen gut gefallen hat.
Doch neben Cassion gibt es auch noch einige andere interessante Charaktere, wie z.B. Kyana, die aus dem Nichts auftaucht und keinerlei Gedächtnis hat, dafür aber positiv auf Cassion einwirkt und quasi das Licht zu seiner Dunkelheit darstellt. Oder Maya, die eine Schwäche für Cassion entwickelt und nach einem Überfall ihre Heimat verliert.

Natürlich spielen auch Cassandra und Brin eine wichtige Rolle in der Geschichte und während man anfangs vor allem Cassion begleitet, entwickelt sich nach und nach ein zweiter Handlungsstrang, in dem man die Eltern des Protagonisten begleitet und erfährt, was während der Zeit in Edingaard passiert, denn auch hier ziehen sich die Fäden zusammen und ein Unheil droht die Magier heimzusuchen. Das machte die Handlung durchweg spannend und zog ordentlich an meinen Nerven. Ich wollte unbedingt wissen, was hinter dem Ganzen steckt, doch während man manches schon erahnen kann, bleibt anderes geheim und wird erst am Ende oder in diesem Band noch gar nicht aufgelöst. Das bedeutet, dass es zum Schluss eigentlich erst richtig losgeht, denn mit diesem ersten Teil hat Elvira Zeißler lediglich den Grundstein gelegt und ich bin mehr als gespannt, wie es mit Cassion und Edingaard weitergehen wird.



Fazit:

Mich hat Elvira Zeißler mit diesem neuen Edingaard-Band wieder total abgeholt. Ich war ab der ersten Seite in der Geschichte drin und erneut fasziniert von der magischen Welt von Edingaard. Ich liebe diese Ideenvielfalt und auch die Charaktere haben mich absolut begeistert, weil sie so vielschichtig sind. Hier bekommt man einfach alles, was das Fantasy-Herz begehrt: Ein wundervolles Setting, Spannung von Anfang bis Ende, Charaktere, die einen mitreißen, unvorhersehbare Wendungen und Überraschungen und einen flüssigen Schreibstil. Leider war ich viel zu schnell am Ende angelangt und warte jetzt sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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Veröffentlicht am 22.05.2020

Magie für Erwachsene - einfach schön

Im Bann der verwunschenen Zeit
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Inhalt:

Seit dem Tod ihres Mannes hat Hannah nicht mehr richtig gelebt. Dafür hat sie zu viele Sorgen, muss sie doch ganz alleine für drei Kinder sorgen und das nur mit einem Aushilfsjob.

Da flattert ...

Inhalt:

Seit dem Tod ihres Mannes hat Hannah nicht mehr richtig gelebt. Dafür hat sie zu viele Sorgen, muss sie doch ganz alleine für drei Kinder sorgen und das nur mit einem Aushilfsjob.

Da flattert ihr plötzlich eine geheimnisvolle Einladung zu einem Ball ins Haus. Doch wie kann diese echt sein, wo das Schloss, in dem der Ball stattfinden soll, doch eine Ruine und die Königsfamilie völlig unbekannt ist.

Trotzdem steht pünktlich eine Kutsche mit sechs weißen Pferden vor Hannahs Tür. Ist das die Gelegenheit für die junge Mutter selbst auch einmal wieder einen schönen Abend zu erleben? Oder gibt es einen ganz anderen Grund für die Einladung?

Meine Meinung:

Auf die Märchenbücher von Jenny Völker bin ich schon vor einiger Zeit aufmerksam geworden und da ich Märchen liebe, musste ich unbedingt eines dieser Bücher lesen.

Die Geschichte beginnt „vor vielen, vielen Jahren“ und man taucht sofort in das Genre Märchen ein. Das merkt man alleine schon an der Sprache, die perfekt passt. Es geht um eine Prinzessin, deren Rolle man in der Hauptgeschichte anfangs noch nicht kennt, die aber sofort mein volles Mitgefühl hatte. Ich war sehr gespannt, was es mit ihr wohl auf sich haben würde.

Der Schreibstil variiert hier sehr schön. Befinden wir uns in der Vergangenheit ist die Sprache dem Genre Märchen angepasst, befinden wir uns in der Gegenwart ist der Schreibstil modern und passend zu unserer Zeit. Dadurch ist die Geschichte nicht zu „altmodisch“ geschrieben und kann flüssig gelesen werden.



Nach einem kurzen Ausflug in die Vergangenheit springt man in die Gegenwart und lernt Hannah und ihre Kinder kennen. Schnell wird klar, dass die Frau immer noch unter dem Tod ihres Mannes leidet und ihre Kinder ihr einziger Lebensinhalt sind. Für sie würde sie alles tun, was mir die Protagonistin sofort sympathisch machte. Endlich spielt einmal eine Mutter die Hauptrolle in einem Buch. Das fand ich so klasse, denn als Mutter spielen ganz andere Themen im Leben eine Rolle. Man ist nicht nur auf sich selber fixiert, sondern muss immer auch an andere denken. Das beeinflusst das Handeln und die Gedanken maßgeblich, deswegen ist es etwas ganz anderes, eine Mutter als Protagonistin zu haben, was ich sehr erfrischend fand.

Auf den ersten Blick scheint es etwas seltsam zu sein: Ein Märchen mit einer Mutter als Protagonistin, aber Jenny Völker hat das so geschickt in ihre Geschichte eingewoben, dass es wie selbstverständlich ist. Märchen sind eben nicht nur etwas für Kinder. Erwachsene brauchen auch etwas Magie in ihrem Leben und genau davon bekommt man in diesem Buch eine schöne Portion. Da gibt es nicht nur Prinzen und Bälle, sondern jede Menge magischer Geschöpfe, bekannte und ganz neue. Die Autorin hat hier wirklich eine märchenhafte Welt geschaffen. Dabei greift sie auf die typischen Merkmale eines Märchens zurück, fügt aber ganz neue Elemente hinzu, so dass es eine schöne Mischung ergibt. Dabei ist die Geschichte sowohl spannend, als auch emotional und sogar an eine Portion Humor hat Jenny Völker gedacht.

Mich hat die Autorin jedenfalls eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben lassen. Ich hatte Mitleid mit manchen Figuren, habe sie verflucht und ihnen misstraut, musste lachen und war gerührt, war traurig und hoffnungsvoll und ließ mich richtig in die Geschichte hineinziehen. Schon als Kind war ich von Märchen fasziniert, aber ich hätte nicht gedacht, dass es einer Autorin auch mit Märchen für Erwachsene gelingen würde, mir diese Faszination zurückzubringen und doch sitze ich jetzt hier und bin überglücklich zu diesem Buch gegriffen zu haben. Gerade in dieser schwierigen Zeit, in der es mir schwerfällt abzuschalten und mich auf etwas anderes zu konzentrieren, hat mir Jenny Völker eine schöne und erholsame Auszeit verschafft, in der ich mir einmal keine Gedanken um mich selbst und die Zukunft machen musste. Und das ist (nicht nur in der aktuellen Lage) wirklich Gold wert.

Fazit:

Mit „Im Bann der verwunschenen Zeit“ hat Jenny Völker in meinen Augen etwas sehr Wertvolles geschaffen, denn auch Erwachsene können Magie in ihrem Leben brauchen. Gerade in der aktuellen Lage war es für mich Gold wert, mich richtig in dem Märchen verlieren zu können, um endlich einmal wieder abzuschalten und mich auf etwas anderes konzentrieren zu können. Vielen Dank an die Autorin für dieses ungewöhnliche und zauberhafte Märchen und das damit verbundene Glücksgefühl.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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Veröffentlicht am 10.05.2020

Ein echtes Wohlfühlbuch

Kirschkuchen am Meer
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Inhalt:

Marie und ihre Schwester Lena hatten kaum noch Kontakt zu ihrem Vater, doch als auf der Seebestattung von diesem plötzlich eine fremde Frau auftaucht und für Marie eine Mappe mit Fotos, Rezepten ...

Inhalt:

Marie und ihre Schwester Lena hatten kaum noch Kontakt zu ihrem Vater, doch als auf der Seebestattung von diesem plötzlich eine fremde Frau auftaucht und für Marie eine Mappe mit Fotos, Rezepten und Zeichnungen hinterlegt, wird diese doch neugierig.

Was war in den letzten Wochen im Leben ihres Vaters los? Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter macht Marie sich auf den Weg, das Geheimnis zu lüften. Die Spur führt sie nach Hooksiel an der Nordsee.

Dort kommt sie nicht nur ihrem Vater etwas näher, sondern lernt auch sich selber besser kennen … .

Meine Meinung:

Nach „Bratapfel am Meer“ freute ich mich schon sehr auf das neue Buch von Anne Barns und stürzte mich sofort in dieses Leseabenteuer.

Im ersten Kapitel lernt man Marie kennen und erlebt, wie sie gemeinsam mit ihrer Großmutter Marmelade kocht. Dabei kommen sowohl ihre Leidenschaft fürs Backen, als auch ihre Familienverhältnisse ins Gespräch. So erfährt man gleich etwas über die Protagonistin, was mir sehr gut gefällt, da es mir den Einstieg leicht gemacht hat und mir Marie sofort näher gebracht hat.

Als sie vom Tod ihres Vaters erfährt, ist Marie sehr bestürzt, obwohl sie seit Jahren nur noch sporadisch Kontakt zu ihm hatte. Ich fand es sehr authentisch, wie Anne Barns die Gefühle ihrer Charaktere geschildert hat. Auch den Unterschied zwischen Marie und ihrer Schwester Lena fand ich sehr gelungen. Ich habe selbst zwei Schwestern und wir könnten unterschiedlicher nicht sein, deswegen konnte ich das gut nachvollziehen. Überhaupt ist es sehr schön, dass in diesem Buch wirklich einmal die Frauen die Hauptrollen spielen und die Männer eigentlich nur Nebensache sind. Zwar dachte ich anfangs, dass es sich hier um einen Liebesroman handeln würde, doch stattdessen geht es eher um Selbstfindung. Marie scheint nämlich in ihrem Leben festgefahren und eigentlich unglücklich zu sein, hat aber auch nicht die Kraft und den Mut, etwas zu ändern. Doch manchmal muss man einfach in die Vergangenheit zurückgehen, um die Zukunft klarer zu sehen und genau das macht Marie. Tatkräftige Unterstützung bekommt sie dabei von ihrer Mutter und ihrer Oma und die drei sind wirklich Powerfrauen. Es hat so viel Spaß gemacht, sie bei ihrer Reise zu begleiten. Dabei bringt uns Anne Barns die Inseln Norderney und Juist etwas näher und hach, was für einzigartige Orte. Ich habe mich wirklich in dieses Setting verliebt und liebäugel seitdem mit einem Urlaub an der Nordsee. Zu gerne würde ich selber einmal mit dem Fahrrad die Inseln abfahren und mir die Orte einmal ansehen. Durch dieses einzigartige Setting hat diese Geschichte nämlich noch einmal ein ganz besonderes Flair bekommen und eine richtig schöne Wohlfühlatmosphäre erschaffen.

Dazu kommen all die köstlichen Rezepte. Immer wieder werden Kuchen und Torten erwähnt, Marmelade oder die leckeren Kirschen. Ich hatte plötzlich so Lust auf Kirschen und war richtig traurig, dass ich noch keine bekommen konnte. Auch meine Lust selbst zu backen wurde dadurch wieder geweckt. Da ist es besonders toll, dass man im Anhang an die Geschichte immer auch Rezepte in den Büchern von Anne Barns findet, die dann zum Nachmachen einladen.

Auch die Geschichte selbst fand ich richtig schön. Gemeinsam mit Marie war ich sehr gespannt, was die fremde Frau über ihren Vater wohl erzählen, aber auch, wie die Protagonistin selbst aus ihrer verfahrenen Situation herausfinden würde. Ich persönlich hätte ja mit einem anderen Ausgang gerechnet, fand ihn jedoch wirklich stimmig und freute mich gemeinsam mit den Figuren. Ein schönes Ende für ein wirklich schönes Buch.

Fazit:

Anne Barns‘ Bücher erzeugen bei mir immer eine richtige Wohlfühlatmosphäre. Der Einstieg fällt mir leicht und ich bin sofort in der Geschichte drin. Auch hier konnte ich wieder mit der Protagonistin mitfühlen und mich ganz auf ihre Erlebnisse einlassen. Sie nahm mich mit auf die Reise und ich hoffe, dass ich ihren Spuren auch in Wirklichkeit einmal folgen kann, denn die Autorin hat wieder einmal das Fernweh in mir geweckt.

Ich liebe die Bücher von Anne Barns, da sie trotz ernster Themen, wie z.B. Selbstfindung immer eine Leichtigkeit versprühen, die mich die Geschichten einfach nur genießen lässt. Einfach schön.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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Veröffentlicht am 10.05.2020

Ein echtes Highlight

Vortex – Der Tag, an dem die Welt zerriss
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Inhalt:

Vor Jahren hat der Urvortex dazu geführt, dass sich Menschen mit den Elementen vermengt haben. So ist eine eigene Spezies entstanden: Die Vermengten oder abfällig Splits genannt. Sie verfügen ...

Inhalt:

Vor Jahren hat der Urvortex dazu geführt, dass sich Menschen mit den Elementen vermengt haben. So ist eine eigene Spezies entstanden: Die Vermengten oder abfällig Splits genannt. Sie verfügen über besondere Kräfte, weswegen sie von der übrigen Bevölkerung als Bedrohung angesehen werden.

Das Kuratorium bildet deswegen Läufer aus. Sie spüren die Vermengten auf und bringen sie in Zonen, in denen ihre Kräfte blockiert werden und sie untereinander leben können.

Seitdem ihre Mutter von einer Gruppe Vermengter ermordet wurde, wünscht sich Elaine nichts sehnlicher, als selbst Läuferin zu werden. Als sie endlich am Vortexrennen teilnehmen kann, scheint ihr Ziel zum Greifen nah. Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes, wodurch Elaine selbst ins Visier des Kuratoriums gerät. Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt … .

Meine Meinung:

Ich liebe Dystopien und die Idee hinter diesem Buch gefiel mir von Anfang an, weswegen ich es unbedingt lesen wollte.

Gleich zu Beginn wird man direkt in die Geschichte geworfen: Elaine ist gemeinsam mit ihrem besten Freund Luka auf dem Weg zum Vortexrennen. Dort will sie sich beweisen und endlich als Läuferin aufgenommen werden. Während man sie begleitet, erfährt man gleichzeitig etwas über die Welt, in der die Protagonistin lebt. Die Idee mit den Vortexen durch die man springen und in andere Länder reisen kann gefiel mir ausgesprochen gut. Doch das ist nur ein kleiner Aspekt dieser komplexen Welt. Hier hat Anna Benning wirklich etwas Großartiges konstruiert. Ihre Welt ist sowohl bildgewaltig, als auch gut durchdacht und faszinierend. Ich konnte gar nicht genug davon bekommen und habe jede noch so kleine Information aufgesaugt. Diese sind über das ganze Buch verteilt, so dass man zu Beginn nicht davon erschlagen wird und man erst am Ende wirklich versteht, wie groß das Ganze ist. Ich fand es sehr schön, dass man immer tiefer in diese Welt eingesaugt wird und sich völlig darin verliert.

Auch die Charaktere haben mich von Anfang an begeistert. Elaine ist eine zielstrebige, junge Frau, die trotz ihrer eigenen Wünsche auch die anderen Leute und deren Bedürfnisse nicht aus dem Blick verliert. Vor allem ihre Familie ist ihr dabei sehr wichtig. Allerdings ist sie auch festes Mitglied des Systems und möchte dort eine bedeutendere Rolle einnehmen. Dabei zeigt sie sich oftmals auch sehr naiv, was jedoch meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte passt und auch authentisch ist, immerhin kann man jahrelange Erziehung nicht einfach so abschütteln. Ich finde, Anna Benning hat hier die richtige Mischung getroffen und die Protagonistin sehr glaubwürdig dargestellt.
Trotz allem gefiel mir der männliche Protagonist noch ein kleines Stückchen besser. Er hat eine sehr mutige Entscheidung getroffen und setzt sich für Schwächere ein. Dabei hat er immer das große Ganze im Blick und wünscht sich für alle eine bessere Zukunft. Für mich ist er der typische Held, ein junger Mann zum Verlieben.

Neben diesen beiden sehr sympathischen Protagonisten ist das Buch jedoch auch voller einzigartiger Nebencharaktere. Allen voran hab ich mich ein bisschen in Luka, den Ziehbruder von Elaine, verguckt. Er hat einen einmaligen Humor und lässt sich nicht unterkriegen. Obwohl er Zünderblut in sich hat und damit auch den Anfeindungen der anderen ausgeliefert ist, nimmt er sein Leben nicht allzu schwer und versucht das Unmögliche möglich zu machen. Aber auch Allister, den Schneider hab ich sofort ins Herz geschlossen oder Susie, die Schwimmerin, die trotz ihrer albtraumhaften Vergangenheit nie ihr sonniges Gemüt verloren hat. Und einen tierischen Nebencharakter gibt es auch noch, der einfach nur liebenswert ist und der Geschichte nochmal einen besonderen Touch gibt. Die Autorin hat sich wirklich sehr viel Mühe gegeben ihre Figuren zu gestalten und ihnen Leben einzuhauchen.

Besonders fasziniert war ich auch von den Vermengten. Sie sind so komplex und unterschiedlich, wie jeder Mensch eben auch. Die Idee, dass sich Menschen mit den Elementen verbinden und was dabei herauskommt gefällt mir wirklich sehr gut. Ich mochte die besondere Magie, die diesen Wesen innewohnt und wollte unbedingt mehr von ihnen erfahren. Doch nicht nur Menschen, sondern auch Tiere wurden mit den Elementen verbunden und dadurch noch ungewöhnlicher. Dabei ist es sehr schön, dass Anna Benning immer wieder kleine Szenen einbaut, in denen sie dem Leser ihre Welt und ihre Lebewesen näher bringt. Ich liebte diese Sequenzen, die so eine wundervolle Atmosphäre geschaffen haben.

Doch neben all dieser Einzigartigkeit hat auch die Geschichte an sich einiges zu bieten. Schnell nehmen die Geschehnisse an Fahrt auf und man kommt kaum noch dazu durchzuatmen. Die Spannung ist von Anfang an da und baut sich immer weiter auf, bis sie in einem nervenzerreißenden Showdown gipfelt. Dabei hält die Autorin einige überraschende Wendungen für uns bereit, die sie immer wieder einbaut, so dass man stetig an die Seiten gefesselt wird. Ich konnte das Buch jedenfalls kaum aus der Hand legen, so sehr haben mich die Ereignisse mitgerissen und so sehr habe ich mit den Protagonisten mitgefühlt.

Am Ende lässt uns Anna Benning zwar etwas verschnaufen, nicht jedoch ohne vorher noch einige Bomben platzen zu lassen, die es für die nachfolgenden Bände weiterhin spannend macht. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, bis es weitergeht.

Fazit:

Dieses Buch war ein richtiges Highlight für mich. Lange hat mich keine Dystopie mehr so mitgerissen. Anna Benning hat hier eine bildgewaltige, faszinierende und einzigartige Welt erschaffen und sie mit authentischen, lebendigen und einmaligen Charakteren gefüllt. Von Anfang an gab es Spannung, die stetig stieg und die Autorin noch mit unerwarteten Überraschungen zusätzlich angeheizt hat. Ich konnte mich kaum von dem Buch losreißen und warte jetzt sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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Veröffentlicht am 03.05.2020

Erschütternd, aber auch berührend

Die Schuld jenes Sommers
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Inhalt:

Auch vierundzwanzig Jahre nach ihrem Verschwinden hat Frances ihre beste Freundin Wyn nicht vergessen und möchte an derem Geburtstag ein wenig allein sein und an sie denken. Deshalb gibt sie den ...

Inhalt:

Auch vierundzwanzig Jahre nach ihrem Verschwinden hat Frances ihre beste Freundin Wyn nicht vergessen und möchte an derem Geburtstag ein wenig allein sein und an sie denken. Deshalb gibt sie den kleinen Davy zu Freunden, die inzwischen auf ihn aufpassen sollen.

Doch ausgerechnet in dieser Nacht werden überraschend Bomben über Bath abgeworfen und Davy verschwindet spurlos. Frances macht sich sofort auf die Suche nach dem Jungen. Während Davy verschwunden ist, haben jedoch die Bomben etwas anderes ans Licht gebracht: Wyns sterbliche Überreste.

Was ist damals wirklich passiert und wieso kann Frances sich kaum an den letzten Sommer mit ihrer besten Freundin erinnern? Je mehr die junge Frau in die Vergangenheit zurückreist, desto deutlicher wird ihr bewusst, dass sie damals eine entscheidende Rolle gespielt hat … .

Meine Meinung:

Ich liebe die Bücher von Katherine Webb, deswegen musste ich auch dieses hier lesen. Anders, als bei ihren anderen Werken spielen hier jedoch nicht zwei verschiedene Protagonisten eine Rolle, sondern nur Frances, deren Leben einmal in der Gegenwart als junge Frau und das andere Mal in der Vergangenheit als kleines Mädchen erzählt wird. Dabei bewegen sich die Erzählstränge zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg. Ich fand es anfangs etwas schade, dass die Protagonistin hier in ihre eigene Vergangenheit eintaucht und wir keinen außenstehenden Blick bekommen, aber im Nachhinein war das genau die richtige Wahl.

Zu Beginn lernt man Frances als erwachsene Frau kennen, die gerade nach einer gescheiterten Ehe wieder bei ihren Eltern eingezogen ist und auf den kleinen Davy aufpasst. Dieser ist der Neffe ihrer verstorbenen besten Freundin. Rasch merkt man, dass die Protagonistin auch vierundzwanzig Jahre nach dem Verschwinden von Wyn immer noch nicht damit abgeschlossen hat. Das wird dadurch verstärkt, dass nach einem Bombenangriff auch noch Davy verschwindet, auf den sie eigentlich aufpassen sollte. Von Schuldgefühlen überwältigt, macht sich die junge Frau auf die Suche nach dem Jungen. Diese gerät jedoch ein wenig in den Hintergrund, als die Knochen von Wyn gefunden werden. Sofort ist Frances sich sicher, dass an der Geschichte irgendetwas nicht stimmt und sie möchte Antworten auf all ihre Fragen und stellt deswegen Nachforschungen an. Dabei kommen auch immer wieder Erinnerungsfetzen ans Licht. Scheinbar hat Frances die Ereignisse aus dem Sommer von Wyns Verschwinden total verdrängt. In diese Erinnerungen tauchen wir durch Rückblenden hautnah ein und können so selbst erleben, was damals passiert ist. Allerdings bekommen wir nie einen Wissensvorsprung als Leser, sondern können nur Frances‘ Erinnerungen folgen. Dadurch hat man manchmal das Gefühl, nicht so recht in der Geschichte voran zu kommen und auf der Stelle zu treten, denn die Geschehnisse jenes Sommers kommen nur sehr langsam und Stück für Stück ans Licht. Für mich war das jedoch kein Problem, weil ich einfach das Ende etwas queer gelesen habe und somit schon wusste, was passiert war.

Und ich muss gestehen, die Geschichte ging mir wirklich ordentlich unter die Haut. Es war so unglaublich schrecklich und erschütternd, was da passiert war, in welche Not sowohl Wyn, aber auch Frances geraten waren und wie die junge Frau mit den Ereignissen all die Jahre umgegangen ist und wie sie auch in Zukunft damit leben muss. Doch nicht nur die Geschehnisse jenes Sommers haben mich wirklich aufgewühlt, sondern die gesamte Familiengeschichte der Hughes. Jedes einzelne Mitglied hat sein eigenes Päckchen zu tragen und dabei war ich vor allem von Carys‘ (Wyns älteste Schwester) Schicksal ziemlich aufgewühlt und obwohl ich ihre Handlungen nicht verstehen konnte, konnte ich trotzdem ein Stück weit nachvollziehen, warum sie sich für diesen Weg entschieden hatte. Katherine Webb ist es mit ihren Figuren wirklich gelungen, mich sehr zu berühren. Ihre Charaktere handeln absolut authentisch und sie zeigt schonungslos auf, wohin sie deren Entscheidungen führen. Nicht immer ist nämlich der einfachste Weg, auch der bessere, was in dieser Geschichte ganz deutlich wird.

Obwohl das Hauptaugenmerk in diesem Buch ganz klar auf der Familiengeschichte und dem Schicksal der beiden jungen Frauen liegt, bekommt man auch die Schrecken des Krieges hautnah mit. Doch dieses Mal geht es nicht um das Leid der Juden, denn es gab auch andere Unschuldige, die der Krieg hart getroffen hat. Man kann förmlich die Verzweiflung der Menschen spüren, die ihren ganzen Besitz oder Angehörige verloren haben, die ihre Liebsten vermissen und nicht wissen, was aus ihnen geworden ist, die Tag und Nacht im Einsatz sind, um anderen zu helfen und doch oft nur schlechte Nachrichten überbringen können. Man fühlt den Hunger und die Angst vor einem erneuten Angriff und würde so gerne vor all dem fliehen. Doch ich fand es wirklich gut, dass Katherine Webb hier auch einmal den Zweiten Weltkrieg aus einer anderen Sicht geschildert hat.

Dieses Buch ist aber wirklich nichts für schwache Nerven. Insgesamt hat es eine sehr düstere Stimmung und auch, wenn es immer wieder kleine Lichtblicke gibt, begleitet man doch eine Protagonistin, die unter den Entscheidungen, die sie im Leben getroffen hat, sehr leidet, fast schon verzweifelt. Das kann einem beim Lesen sehr aufs Gemüt schlagen, ich fand es jedoch passend zur Geschichte. Trotzdem hat auch mich das Buch sehr aufgewühlt und konnte mich lange nicht loslassen. Doch das macht für mich eine gute Geschichte aus: Wenn sie in einem nachhallt.





Fazit:

„Die Schuld jenes Sommers“ von Katherine Webb ist in meinen Augen anders, als ihre anderen Romane. Er ist fast schon etwas schwermütig und hat mich mit seiner erschütternden Familiengeschichte wirklich sehr aufgewühlt. Trotzdem war dieses Buch ein echtes Highlight für mich, weil es mich auch sehr berührt, weil es mich zum Nachdenken gebracht hat und weil mir die Schicksale der Figuren sehr nahe gingen. Ein Buch, das definitiv unter die Haut geht.



Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

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