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Veröffentlicht am 11.05.2020

Warmherziger Rückblick auf ein langes Leben

Wie uns die Liebe fand
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In „Wie uns die Liebe fand“ erzählt die 92jährige Madame Nan, die ihr ganzes Leben im Dörfchen Bois-de-Val im Elsass verbracht hat, aus ihrem langen Leben. Dabei berichtet sie aus der grausamen Zeit des ...

In „Wie uns die Liebe fand“ erzählt die 92jährige Madame Nan, die ihr ganzes Leben im Dörfchen Bois-de-Val im Elsass verbracht hat, aus ihrem langen Leben. Dabei berichtet sie aus der grausamen Zeit des zweiten Weltkriegs, als Frauen, denen „horizontale Kollaboration“ vorgeworfen wurde, gedemütigt und anschließend aus dem Dorf vertrieben wurden. Ihr Mann Bernard wurde bei dem Versuch, die Grenze zur Schweiz zu überqueren, von deutschen Soldaten erschossen. So musste Madame Nan ihre vier Töchter allein großziehen. Aus allen ist etwas geworden, die beiden Ältesten leben inzwischen mit ihren Partnern bei Madame Nan.
Malou, Partner der ältesten Tochter Marie, rettet eines Tages den Besitzer der Dorfladens, Monsieur Boberschram, das Leben, zumindest sieht es Monsieur Boberschram so, woraufhin dieser beschließt, seinen Laden, der ihm ohnehin ein Klotz am Bein ist, der Familie von Madame Nan zu vermachen. Dies stellt einen Wendepunkt in ihrer aller Leben dar. Madame Nan und ihre Töchter und Schwiegersöhne stürzen sich mit Feuereifer auf die neue Aufgabe und verwandeln den heruntergekommenen, von Kakerlaken infizierten alten Laden in ein wahres Schmuckstück, das Besucher von nah und fern anzieht, nicht zuletzt aufgrund der Koch- und Backkünste Madame Nans . Dies ist erst recht der Fall, als Marie und Malou sogenannte „Liebesbomben“ herstellen, mit deren Hilfe man sich die Zuneigung der geliebten Person sichern kann. Obwohl zunächst Skepsis herrscht, zeigt der Erfolg der Bomben, dass sie wirken. Doch leider kann es dabei auch zu Pannen kommen, wie Madame Nan feststellen muss...
„Wie uns die Liebe fand“ ist ein ganz und gar wundervolles Buch, das mich hervorragend unterhalten hat. Ich habe des Öfteren während der Lektüre laut gelacht, zu komisch sind manche Beschreibungen. Doch geht das Buch, wie bereits erwähnt, auch auf dunklere Kapitel in der Geschichte des Elsass ein und verfügt über eine gehörige Portion an Spannung. Ein nettes Detail ist außerdem die Sammlung von Madame Nans elsässischen Rezepten am Ende des Buchs, das ich mit gutem Gewissen weiterempfehlen kann.

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Ein ungewöhnliches Ermittlerteam

Die Toten von Marnow
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Lona Mendt und Frank Elling sind Kriminalkommissare in Rostock. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Elling wird als Spießer beschrieben, der mit Frau und Tochter ein Häuschen bewohnt und sich ...

Lona Mendt und Frank Elling sind Kriminalkommissare in Rostock. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Elling wird als Spießer beschrieben, der mit Frau und Tochter ein Häuschen bewohnt und sich gerade einen Swimmingpool bauen lässt, obwohl er sich den eigentlich gar nicht leisten kann. Lona Mendt ist noch nicht lange in Rostock. Über ihr Privatleben wissen die Kollegen nichts. Sie wohnt in einem Wohnmobil, mit dem sie immer mal wieder an einen Standort zieht.
Zu Beginn geschieht ein Mord. Seltsamerweise sieht es für die Kommissare so aus, als ob zwei verschiedene Personen in den Mord verwickelt sind. Zunächst deutet alles darauf hin, dass der Ermordete ein Kinderschänder war, doch bald stellt sich heraus, dass jemand versucht, die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken. Außerdem gibt es Leute, denen viel daran gelegen ist, dass der Fall schnell ad acta gelegt wird.
Dann geschieht ein weiterer Mord und ein Pharmaunternehmen rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen.
Neben den beruflichen Herausforderungen müssen sich Mendt und Elling auch mit privaten Problemen auseinandersetzen. Ellings 18jährige Tochter hat ihren ersten Freund, sehr zum Leidwesen des Papas, und seine Frau hat Geheimnisse vor ihm. Lona bekommt Besuch aus der alten Heimat. In welchem Verhältnis steht er zu Lona?
Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, hervorragend gelesen von David Nathan. Mir hat dieser Krimi, der sich ganz anders entwickelt als man anfangs erwartet, von der ersten bis zur letzten Minute Spaß gemacht. Ich hoffe auf eine Fortsetzung mit dem Ermittlerteam Mendt und Elling!

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Veröffentlicht am 01.04.2020

Kaleidoskop verschiedener Eindrücke

Nach Mattias
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Mattias lebt nicht mehr, das ist von Anfang an klar. Was allerdings mit ihm passiert ist, erfährt der Leser zunächst nicht. Mattias stand mitten im Leben, er hatte viele Träume und Pläne. Starb er bei ...

Mattias lebt nicht mehr, das ist von Anfang an klar. Was allerdings mit ihm passiert ist, erfährt der Leser zunächst nicht. Mattias stand mitten im Leben, er hatte viele Träume und Pläne. Starb er bei einem Unfall oder war es womöglich doch Selbstmord, weil ihm alles über den Kopf gewachsen war? Die Antwort auf diese Frage lässt lange auf sich warten.
Im Buch kommen acht Personen zu Wort, die Mattias alle auf die eine oder andere Weise kannten. Da ist zunächst seine Freundin Amber, der es schwer fällt, ohne Mattias weiterzumachen. Sie macht sich Vorwürfe, weil sie Mattias’ Plänen oft mit Skepsis begegnete. Die Mutter empfindet die Worte bei Mattias’ Beerdigung als unpassend, selbst würde sie ihn ganz anders beschreiben. Die Großeltern sind ebenfalls in ihren Grundfesten erschüttert. Ein Glück, dass sie vor nicht allzu langer Zeit noch einmal mit der ganzen Familie einen runden Geburtstag feierten!
Doch es kommen auch Personen zu Wort, die Mattias nur ganz flüchtig kannten. Jede Person steuert ein Stück zu einem Puzzle bei, durch das wir die Person Mattias besser kennenlernen. Die Kapitel sind kurz, doch sie drücken das Wesentliche aus.
In einem Interview im Anhang des Buchs erfährt man, dass es dem Autor ein Anliegen war, „mit wenigen Worten möglichst effektiv zu sein“. Das ist ihm hervorragend gelungen. Es wäre schön, wenn es mehr Autoren gäbe, die dieses Credo beherzigen.
Mir hat „Nach Mattias“ sehr gut gefallen und ich denke auch Tage nachdem ich das Buch zu Ende gelesen habe, noch darüber nach.

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Veröffentlicht am 17.03.2020

Der Mann kann schreiben!

Beute
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Aus einem Luxuszug in Südafrika verschwindet ein Mann. Sein Name ist Johnson Johnson, genannt J.J. Er arbeitete als Personenschützer und begleitete eine alte niederländische Dame. Als nach ein paar Tagen ...

Aus einem Luxuszug in Südafrika verschwindet ein Mann. Sein Name ist Johnson Johnson, genannt J.J. Er arbeitete als Personenschützer und begleitete eine alte niederländische Dame. Als nach ein paar Tagen entlang der Gleise eine Leiche gefunden wird, stellt sich heraus, dass es sich um den Vermissten handelt. J.J.s Ex-Frau hält nichts von der Theorie, es könnte sich um Selbstmord gehandelt haben, zu sehr hing er an seinen Mädchen und dem Leben.
Bennie Griessel und Vaughn Cupido von den Valken, einer Spezialeinheit der südafrikanischen Polizei, ermitteln. Sie stellen fest, dass J.J. früher als Polizist arbeitete und offensichtlich kurz vor seinem Tod noch Kontakt zu einem ehemaligen Kollegen hatte. Dann kommt von oberster Stelle die Order, den Fall ad acta zu legen, da es sich ohnehin um Selbstmord handle. Doch es gibt zu viele Ungereimtheiten und Griessel und Cupido ermitteln auf eigene Faust weiter...
In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir den Südafrikaner Daniel Darret kennen, der unter falschen Namen in Bordeaux wohnt. Er war früher für den südafrikanischen Geheimdienst tätig und wollte dieses Leben eigentlich hinter sich lassen. Doch dann kommt ein Freund und Kollege aus alten Tagen und bittet ihn, einen letzten wichtigen Auftrag zu übernehmen...
„Beute“ ist ein unglaublich spannend geschriebener Roman. Die Hauptpersonen sind sympathisch und glaubhaft. Es geht um Korruption, Vertuschung, Vorteilnahme im Amt, also hochaktuelle Themen. Wer früher gerne die Bücher von John le Carré gelesen hat, wird dieses Buch lieben!

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Veröffentlicht am 03.03.2020

Menschenverachtende Machenschaften

Feuerland
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Kommissarin Vanessa Frank wurde wegen Alkohol am Steuer vom Dienst suspendiert. Als innerhalb kurzer Zeit zwei reiche schwedische Geschäftsmänner entführt und gegen Lösegeld wieder freigelassen wurden, ...

Kommissarin Vanessa Frank wurde wegen Alkohol am Steuer vom Dienst suspendiert. Als innerhalb kurzer Zeit zwei reiche schwedische Geschäftsmänner entführt und gegen Lösegeld wieder freigelassen wurden, weckt dies ihr Interesse und sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, wer hinter den Taten stecken könnte.
In einem zweite Handlungsstrang lernen wir den Entführer Nicolas Paredes und seinen Kompagnon Ivan kennen. Nicolas gehörte einer Eliteeinheit des schwedischen Militärs an, bevor er entlassen wurde. Eine Mafiaorganisation wendet sich an ihn. Er soll im Auftrag eines Chilenen Straßen- und Flüchtlingskinder entführen, von denen es in Stockholm mehr als genug gibt. Nicolas will mit dieser Sache nichts zu tun haben und gerät so selbst ins Visier der Mafia, die ihn nun als Mitwisser aus dem Weg räumen will. Ausgerechnet Nastasja aus Syrien, ein Mädchen, das Vanessa vor kurzem kennengelernt hat und derer sie sich annehmen will, gehört zu den Entführten.
Der dritte Schauplatz liegt in Chile. Dort betreibt der deutschstämmige Marcos ein Krankenhaus, in dem sich Patienten aus der ganzen Welt Organtransplantationen unterziehen...
Vanessa bittet Nicolas, dem sie mittlerweile auf die Spur gekommen ist, um Mithilfe. Gemeinsam fliegen sie nach Chile, in die deutsche Colonia Rhein, wo sich das berüchtigte Krankenhaus befindet. Sie wollen versuchen, die entführten Kinder zu retten, bevor es zu spät ist.
Schon Pascal Engmans erstes Buch, „Der Patriot“ hat mir gut gefallen, aber mit „Feuerland“ hat er sich noch gesteigert. Ein Thriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient. Ich fand das Buch von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend und konnte es kaum aus den Händen legen.

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