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Veröffentlicht am 02.06.2020

Anfangs verwirrend, doch schnell entwickelt das Buch einen enormen Sog

Die verlorene Frau
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Jessies Baby wird fast vier Wochen zu früh geboren und ist krank. Die kleine Elizabeth Rose braucht dringend ein Antibiotikum über mehrere Tage, um den Infekt zu überstehen. Doch Jessie flieht mit dem ...

Jessies Baby wird fast vier Wochen zu früh geboren und ist krank. Die kleine Elizabeth Rose braucht dringend ein Antibiotikum über mehrere Tage, um den Infekt zu überstehen. Doch Jessie flieht mit dem Baby aus dem Krankenhaus, fest davon überzeugt, dass man dort ihr Kind töten will. Ihre Halbschwester Iris ist Journalistin und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach Jessie. Sie bittet ihre Mutter Rebecca um Hilfe und so kommt sie einer unglaublichen und erschütternden Geschichte auf die Spur. Die Schatten der Vergangenheit überrollen alle Beteiligten nun auf dramatische Weise …

Es hat eine Weile gebraucht, bis ich wirklich tief ins Buch gefunden habe. Die unterschiedlichen Erzählstränge sind auch aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt, zusätzlich gibt es unterschiedliche Zeiten. Der Strang in der Ich-Form hat mich anfangs absolut aus dem Fluss gebracht und ich konnte nicht einordnen, um wen es sich handelt. Durchhalten lohnt sich aber absolut! Am besten lässt man sich einfach auf die Story ein und lässt sie sich entwickeln.

Emily Gunnis hat einen sehr gefälligen Stil. Ihre Ideen für Wendungen und Entwicklungen sind grandios. Die Charaktere zeichnet sie mit wenigen Pinselstrichen so lebendig, dass man sie quasi vor sich sieht. Selbst die „Bösen“ sind nicht stereotyp und wecken im Leser Emotionen, die weit über „okay, mag ich nicht“ hinausgehen. Die Verzweiflung der Frauen ist greifbar und das Ende bietet einen echten Knaller, den ich so nicht erwartet habe.

Die verworrenen und nicht alltäglichen Familienbande mögen zunächst ein wenig nervig sein, ermöglichen aber gewisse dramatische Momente besonders gut. Verloren sind in diesem Buch und der Geschichte im Grunde viele Personen, sodass man am Ende unweigerlich ein Gefühl von Trauer empfindet. Die Anmerkungen der Autorin am Ende des Buches fand ich sehr aufschlussreich und interessant.

Stellenweise wurde ich auf den einen oder anderen Charakter echt wütend. Auch in den 1950er und 1960er Jahren hätte man Wege finden können und besonders Jessie und Iris beziehungsweise ihre Mutter Rebecca hätten viel an ihrer Situation ändern können. Doch insgesamt ergibt alles am Ende ein durchaus realistisches und schlüssiges Bild und geht tief unter die Haut. Ganz so begeistert, wie vom Erstling der Autorin, bin ich nicht, aber ich habe das Buch sehr gern gelesen. Es hat starke Emotionen ausgelöst. Deshalb gebe ich vier Sterne und warte gespannt auf das nächste Werk der Autorin.

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Veröffentlicht am 31.05.2020

Einblicke in die Küche des Sternekochs Anthony Sarpong

Anthony's Kitchen
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In Meerbusch betreibt Anthony Sarpong ein Restaurant und eine Kochschule. Das Team ist international und so entstehen immer neuer „Genuss-Opern in mehreren Akten“. Die besten Rezepte davon sind in diesem ...

In Meerbusch betreibt Anthony Sarpong ein Restaurant und eine Kochschule. Das Team ist international und so entstehen immer neuer „Genuss-Opern in mehreren Akten“. Die besten Rezepte davon sind in diesem Buch zusammengestellt, von Suppen und Vorspeisen über Hauptspeisen und Fischgerichten bis zu Desserts.

Klar, wirklich alltagstauglich sind die Gerichte nicht und entsprechend aufwändig sind die Zutaten. Die hat man nicht als Standard zu Hause und muss teils schon sehr danach suchen. Dennoch – für besondere Anlässe lohnt sich das.

Auch wenn ich es mag, wenn auch mal ausgefallene Speisen auf den Tisch kommen, hört es bei mir bei „Stubenküken“ auf. Da Anthony Sarpong großen Wert auf ökologische, weltanschauliche Einstellung zur Nahrung legt, auf Ganzheitlichkeit, Nachhaltigkgeit, Achtsamkeit und Respekt, kann ich nicht nachvollziehen, warum ein solches Rezept in diesem Buch zu finden ist. Für mich ist das ein Widerspruch. Dagegen ist es für mich schlüssig und konsequent, dass auch Kalbsbries aufgeführt wird – wenn wir schon Tiere essen, dann bitteschön alles davon.

Die Rezepte sind sehr schön dargestellt. Neben einem großformatigen Foto vom edel angerichteten Teller (Marke: ich brauche mindestens zehn Gänge, um damit satt zu werden) steht die Zutatenliste. Auf Nährwertangaben wurde verzichtet, aber man findet die Angaben für die Anzahl der Portionen, die Zubereitungszeit und in einem Sternesystem den Schwierigkeitsgrad der Zubereitung und oben rechts in einem gezackten Kreis einen Tipp. Besonders schön aber finde ich den Text, den es zu jeder Speise gibt, bevor die wirklich ausführliche Anleitung der Zubereitung folgt. Diese ist noch dazu reichlich bebildert. Viel Text zu lesen, viel zu schauen – da traut man sich nach ausreihendem „Studium“ auch an die kompliziertesten Speisen ran! Das Buch ist also quasi eine kleine Kochschule.

Dennoch – für blutige Anfänger ist es natürlich denkbar ungeeignet. Wer aber gern kocht und schon eine gewisse Grundsicherheit mitbringt, wird seine Freude an diesem Buch haben. Die Informationen im Vorwort und im Kapitel „Anthony’s kleine Kochschule“ sind wunderbar und sehr informativ. Alle Fotos, ob vom Team, den Lebensmitteln, der Zubereitung oder der fertig angerichteten Teller sind liebevoll und sehr künstlerisch gemacht. Insgesamt ist es fast mehr „Lesebuch“, denn Kochbuch, aus dem man Gerichte zaubert. Insgesamt gefällt es mir aber sehr gut und ich gebe vier Sterne – als reines Kochbuch jedoch hätte es nur drei Sterne bekommen.

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Veröffentlicht am 29.05.2020

Gute Infos, aber nicht ausführlich genug

Der Selbstversorger: Mein Gartenjahr
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In diesem Buch findet man interessante Anregungen, wie man einen Garten naturnah und effizient anlegen und nutzen kann. Von Gemüse und Kräutern bis zu Obst wird alles behandelt. Ganz besonders toll finde ...

In diesem Buch findet man interessante Anregungen, wie man einen Garten naturnah und effizient anlegen und nutzen kann. Von Gemüse und Kräutern bis zu Obst wird alles behandelt. Ganz besonders toll finde ich den Gemüse- und Kräuterfahrplan am Ende des Buches. Hier sieht man per Farbcode, was wann zu tun ist. Nur sind darin nicht alle Pflanzen aufgeführt, die im Buch behandelt werden. Hier lohnt dann ein Blick ins Register, um herauszufinden, wo die gesuchte Information stecken könnte. Oder man googelt …! Da das Buch nicht sonderlich dick ist, ist es auch gar nicht möglich, alle Fragen zu beantworten.

Hin und wieder sind mir die Informationen zu oberflächlich. Für Geübte vielleicht ausreichend, für Ungeübte jedoch einfach nicht ausreichend genug. Ein Beispiel: Storl erklärt, wie man Saatkartoffeln äugelt, aber ob man einfach „übrig gebliebene“ Kartoffeln, die treiben, nehmen kann oder spezielle Saatkartoffeln kaufen muss, das erfährt man im Buch nicht. Dafür erzählt Storl ein paar nette Anekdoten. Das ist lehrreich und unterhaltsam zugleich.

Für den einen oder anderen ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist wohl auch, dass Storl dem Mond sehr viel Beachtung schenkt. So wird auf die genaue Mondstellung geachtet. Aber nicht nur, ob es Vollmond oder Halbmond ist oder der Mond zu- oder abnimmt ist ihm wichtig, auch in welchem Sternzeichen er steht, wie weit er von der Erde entfernt ist und an welchem Tag welcher Phase man pflanzt. Dazu kommt der phänologische Jahreskalender, der das Jahr in zehn Abschnitte unterteilt. Diese sind: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winterliche Ruhezeit. Diese Phasen richten sich nicht nach unserem Kalender, sondern können sich jedes Jahr ein wenig verschieben und hängt auch mit der jeweiligen Region, in der man lebt, zusammen.

Wolf-Dieter Storl macht keinen Hehl daraus, dass er ein Leben weit ab der uns bekannten und gewohnten Norm führt. Seine Art, sich selbst mit dem, was die Natur bietet, zu ernähren und sein Aussehen lassen da keinen Zweifel. Der größte Skeptiker muss aber neidlos anerkennen, dass Storl aus seinem Garten enorm viel herausholt. Allerdings ist dieser auch recht groß. Sein Buch bezieht sich im Grunde auf eine Fläche von 500 m². Natürlich geht das alles auch „ein paar Nummern kleiner“, niemand muss so viel Fläche nutzen. Aber wenn man rund ums Jahr davon satt werden will, ist das nicht mehr so viel Fläche – und man erkennt plötzlich, wie viel Fläche, Arbeit, Wasser, Zeit und Energie nötig ist, um satt zu werden!

Die beiliegende DVD ist ein bisschen unglücklich befestigt, sodass man das Buch „verletzt“, wenn man sie herausnimmt. Hier hätte ich es sinnvoller gefunden, wenn eine Einstecklasche befestigt worden wäre. Auf der DVD sieht man Storl das tun, was er im Buch beschreibt. Auch mit der App kann man dies verfolgen. So sind alle happy – die Leser und die „Gucker“.

Ganz ohne weitere Literatur wird man dennoch nicht auskommen. Deshalb gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 25.05.2020

Nicht ganz so einfach, wie man denken mag!

Leckerschmecker - Hauptsache Herzhaft
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Es muss nicht immer die große Sterneküche sein, aber schmecken muss es immer! Wer es satt hat, auf Kalorien, Kohlehydrate oder sonstige Dinge zu achten, aber schlau genug ist, sich in Maßen statt in Massen ...

Es muss nicht immer die große Sterneküche sein, aber schmecken muss es immer! Wer es satt hat, auf Kalorien, Kohlehydrate oder sonstige Dinge zu achten, aber schlau genug ist, sich in Maßen statt in Massen an den Leckereien zu bedienen, wird dieses Buch lieben. Obwohl ich schon früh auf der „Internet-Welle“ mitgeschwommen bin, lassen mich You-Tube-Videos meist recht kalt. Ich lese lieber, statt zu gucken. So wurde ich auf „LeckerSchmecker“ durch meinen Mann aufmerksam. Für mich ein Riesengewinn, dass es inzwischen auch Rezeptbücher davon gibt! Für alle Fans von Videos gibt es zu jedem Rezept den QR-Code für das Video. So ist allen gedient!

Wer wie ich lieber selbst den Pizzateig herstellt, kann natürlich den Fertigteig dadurch ersetzen. Beim Blätterteig bin ich, ich gebe es zu, auch gern bequem und kaufe ihn fertig. Dafür reibe ich meinen Käse lieber selbst, weil ich keine Trennmittel im Essen haben mag. Kurz – man kann alle Zutaten, die man als nicht so perfekt betrachtet, locker ersetzen. Aber so, wie die Rezepte abgedruckt sind, sind sie alle recht schnell und mit nicht allzu viel Aufwand selbst nachzumachen. Die Kombinationen sind jung, frisch, wild, überraschend, frech und oberlecker! Der Hammer aber ist, dass sie alle auch optisch total außergewöhnlich sind. So eignen sie sich super für Partys oder Pärchenabende, für Spieleabende, Kindergeburtstage oder eben einfach für sich selbst. Die Zutaten sind in jedem Lebensmittelgeschäft leicht zu bekommen. Außergewöhnliche Zutaten braucht man hier nicht.

Mir gefällt super, dass die Zutaten immer so aufgelistet sind, als würden sie mit Kreide auf einer Tafel geschrieben sein. Die Zubereitungsschritte sind verständlich, knapp und bündig. Dazu gibt es eine Reihe Fotos, die regelrecht selbstredend sind. Und, wie bereits erwähnt, der QR-Code zum Video, ist unter jedem Rezept angegeben.

Es wird, wie eingangs gesagt, viel mit Fertigteigen gearbeitet. Ebenfalls wird viel, viel Käse verwendet. Bei manchen Rezepten muss man mitdenken – beispielsweise bei der Spinatsonne. Wie sie „gebastelt“ wird, ist klar beschrieben. Aber wie man sie dann auf ein Backbleck bekommt, ohne dass sie kaputt geht, ist mir ein Rätsel. Ich mache sie deshalb auf einer Backfolie, sodass ich diese komplett aufs Blech ziehe kann. Will sagen – für absolute Kochanfänger ist das Buch weniger geeignet. Man muss schon eine Ahnung haben, damit man gewisse Fehler bzw. Probleme von Anfang an vermeidet. Mengenberechnungen unterliegen natürlich dem Hunger und dem Essvermögen der zu verköstigenden Personen, das Würzen muss man auch dem eigenen Geschmack anpassen – meiner Meinung nach ist das völlig normal.

Alles in allem ein wunderbares Buch für ausgefallene, herzhafte Gerichte, dem ich gerne vier Sterne gebe.

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Veröffentlicht am 20.05.2020

Jack the Ripper heute

Die Blutlinie
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Smoky Barrett hat ein gewaltiges Päckchen zu schleppen. Der Tod von Mann und Kind hat sie zu einem psychischen Wrack gemacht. Die Arbeit als Ermittlerin ist ihr einziger Halt. Dann wird ihre Freundin ermordet ...

Smoky Barrett hat ein gewaltiges Päckchen zu schleppen. Der Tod von Mann und Kind hat sie zu einem psychischen Wrack gemacht. Die Arbeit als Ermittlerin ist ihr einziger Halt. Dann wird ihre Freundin ermordet und die Psyche von Smoky noch mehr strapaziert. Doch es kommt noch schlimmer – Smoky hat es mit einem Serienmöder zu tun, der sich als Nachkomme von Jack the Ripper sieht, Jack Junior. Er spielt ein perfides Spiel mit ihr und verlangt ihr alles ab – bis weit über die erträglichen Grenzen hinaus …

Ja, was soll ich lang drumrumreden – dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter. Einige Szenen sind sehr blutig und extrem brutal. Das mag ich nicht so sehr, aber hier ist es im Kontext stimmig und wird nicht ganz so „lüstern“ geschildert, wie das bei anderen Autoren gern mal ist. Auch Smokys Seelenleben ist für den Leser nicht so prickelnd. Doch schafft es Cody Mcfadyen, dass man sich nicht selbst mit ins tiefe, schwarze Loch stürzt, sondern einfach versteht, wie es in Smoky aussieht.

Momentan bin ich von Thrillern ein bisschen übersättigt. Sie ähneln sich zu sehr oder sind zu politisch für meinen Geschmack. Der erste Teil der Smoky-Barrett-Reihe hat mir aber so gut gefallen, dass ich erst mal dranbleiben werde. Besonders mag ich die Ich-Perspektive. Ich lasse mir gern von Smoky erzählen, was geschehen ist. Sie jammert nicht, spielt vieles oft herunter und ist sehr offen und sehr ehrlich. Manchmal wird die Sprache ein bisschen vulgär und primitiv, doch dann immer in Situationen, zu denen es passt. Wer aufmerksam liest, spürt die schwache, zarte und verletzliche Seite von Smoky. Und genau damit hat mich der Autor gekriegt. Meine Seele zeigt sich solidarisch mit Smoky.

Die Entwicklung des Falles und der Figuren gefällt mir ebenfalls. Der Spannungsbogen steigt sehr langsam an, aber dann wird es heftig. Gerade die relative Ruhe am Anfang gefällt mir sehr – sie hat nichts mit uninteressant oder langweilig zu tun. Es ist eher eine logische Sachlichkeit, die unspektakulär, aber sehr realistisch ist.

Insgesamt also mag ich diesen ersten Band sehr. Dennoch ziehe ich einen Stern ab – einfach, weil das Buch wirklich extrem grausam ist und ich hoffe, dass die weiteren Bände ein bisschen „weicher“ sind.

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