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Veröffentlicht am 13.07.2020

Das war's!

Die Rückkehr des Würfelmörders (Ein Fabian-Risk-Krimi 5)
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Im vierten Band der Fabian Risk-Reihe „10 Stunden tot“ wird ein Mörder eingeführt, der seine Opfer willkürlich auswählt und auf verschiedene Arten zu Tode bringt. Allerdings wurde dieser Fall nicht gelöst, ...

Im vierten Band der Fabian Risk-Reihe „10 Stunden tot“ wird ein Mörder eingeführt, der seine Opfer willkürlich auswählt und auf verschiedene Arten zu Tode bringt. Allerdings wurde dieser Fall nicht gelöst, seine Identität nicht aufgelöst. Nun hat man genau dieser Band aus der Reihe ausgeklammert, unter dem Titel „Der Würfelmörder“ neu aufgelegt und den abschließenden fünften Band „Die Rückkehr des Würfelmörders“ veröffentlicht. Nun ja…

Aber es ist nicht nur dieser Handlungsfaden, der hier wieder aufgenommen und (endlich) zum Abschluss gebracht wird. Wie bereits in dem Vorgänger sind es verschiedene Fälle, in denen Risk und seine Kollegen ermitteln, wobei sowohl das Team als auch weitgehend die Täter aus den vorherigen Bänden bekannt sind. Und für alle, die diese nicht gelesen haben, werden sie lang und breit wieder aufgerollt, was zum einen unnötige Längen schafft, zum anderen auch das Tempo, das durch die vielen kurzen Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven eigentlich hoch sein müsste, massiv ausbremst. Dazu kommt dann auch noch das komplizierte Familienleben der Risks…war mir alles einen Tick zuviel. Und auch die Auflösung des Würfelmörder-Falls (samt Motivation des Täters) konnte mich nur in Ansätzen überzeugen. Küchenpsychologie par excellence.

Tja, und wie wir es von dem Autor mittlerweile kennen, ist natürlich der Boden für den nächsten Band bereitet, denn einer der Handlungsstränge wird (wieder einmal) nicht zum Abschluss gebracht und schreit förmlich nach einer Fortsetzung. Aber diese werde ich mir definitiv nicht mehr antun.

Veröffentlicht am 07.06.2020

Dünne Story, vorhersehbare Entwicklung

Geheime Quellen
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Neunundzwanzig Jahre begleiten wir Guido Brunetti bereits bei seinen Ermittlungen in der Lagunenstadt, und von dem Glanz der einstigen „Serenissima“ ist kaum etwas übrig geblieben. Brütende Hitze liegt ...

Neunundzwanzig Jahre begleiten wir Guido Brunetti bereits bei seinen Ermittlungen in der Lagunenstadt, und von dem Glanz der einstigen „Serenissima“ ist kaum etwas übrig geblieben. Brütende Hitze liegt über der Stadt, wer die Möglichkeit hat verkriecht sich in klimatisierten Räumen. Der Commissario gehört nicht zu den Glücklichen, denn gemeinsam mit Claudia Griffoni wird er in ein Hospiz gerufen. Eine Patientin ist davon überzeugt, dass der Tod ihres vor kurzem verstorbenen Mannes gewaltsam herbeigeführt wurde. Sind das Phantastereien einer Sterbenden oder ist er tatsächlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen?

Die Geschichte plätschert dahin wie das Wasser in den stinkenden Kanälen. Kreuzfahrt-Touristen sind allgegenwärtig, okkupieren die Vaporetti und die Taxiboote, sind eine leichte Beute für Taschendiebe aus Osteuropa. Ein Zustand, der dem Vize-Questore Unbehagen bereitet, kratzt dies doch am Disneyland-Image Venedigs. Aber das ist nur eines der wiederkehrenden, eher nebensächlichen Themen in Leons Roman. Wesentlich intensiver widmet sie sich der italienischen Vetternwirtschaft (wie bei dem umstrittenen Mose-Projekt), dem maroden Gesundheitssystem, der Umweltthematik, der Bereitschaft, gegen den entsprechenden Obolus fünf gerade zu sein lassen, wenn man das Geld dringend benötigt. Skrupel? Resignation? Könnte man meinen, denn auch Brunetti, dem diesmal selbst seine geliebten Klassiker keinen Trost spenden, sieht sich gezwungen, seine persönlichen Moralvorstellungen zu hinterfragen.

Es gibt keine Ausschläge der Spannungskurve, da die Themen, die in diesem Band im Mittelpunkt stehen, so oder so ähnlich bereits mehrfach in den Vorgängern von der Autorin thematisiert wurden. Nichts Neues, man hat das Gefühl, sich in einer Zeitschleife zu befinden, in der sich der Aspekt zwar ändert, die zugrunde liegenden Probleme aber gleich bleiben. Ob dieses Konzept zukünftig überdauern wird, sei dahingestellt. Zu dünn war die Story, zu vorhersehbar die Entwicklung. Ein leider nur in Ansätzen überzeugendes Auf-der-Stelle-treten.

Veröffentlicht am 29.05.2020

Dokumentation eines ambitionierten Projektes

Bin im Garten
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Es ist ein ambitioniertes Projekt, das Meike Winnemuth in „Bin im Garten“ beschreibt. Herausforderungen nicht abgeneigt, kauft sie ein vernachlässigtes, lediglich aus Rasen und Hecke bestehendes Grundstück ...

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das Meike Winnemuth in „Bin im Garten“ beschreibt. Herausforderungen nicht abgeneigt, kauft sie ein vernachlässigtes, lediglich aus Rasen und Hecke bestehendes Grundstück nahe der See mit einem spartanischen Häuschen und beschließt, für ein Jahr der Stadt den Rücken zu kehren. Ihr Plan ist die Selbstversorgung, das Erschaffen eines farbenprächtigen Paradieses gepaart mit Nutzpflanzen, das Leib und Seele nährt.

Sie holt sich Tipps aus Gartenbüchern und bei den Profis im In- und Ausland, bewegt Unmassen von Erde, sät, pflanzt und wässert. Natürlich gibt es Rückschläge. Die Schnecken, die übernacht ihren Jungpflanzen den Garaus machen, sintflutartige Regenfälle, die das Gelände in zähen Morast verwandeln, die Hitzewelle, die über das Land rollt und den Boden austrocknet. Aber sie macht weiter, gibt nicht auf, freut sich an der Farbenpracht der Blühpflanzen und genießt jede murmelgroße Kartoffel und jeder Handvoll Schnittsalat, die auf ihrem Teller landet.

Begleitend führt sie während des Jahres ein Tagebuch, in dem sie ihr Leben und Arbeiten am und im Projekt Garten dokumentiert und lässt uns so hautnah die Herausforderungen miterleben, denen sie sich stellt bzw. stellen muss.

Wer aber nun einen informativen Gartenratgeber mit Pflanztipps für den Hobbygärtner erwartet, wird enttäuscht sein. „Bin im Garten“ ist der subjektive Erfahrungsbericht einer Kopfarbeiterin ohne berufliche und familiäre Verpflichtungen mit ausreichend monetärer Sicherheit, die sich, im wahrsten Sinn des Wortes, auf unbekanntes Terrain vorwagt. Unterhaltsam und inspirierend - so man es sich denn leisten kann.

Veröffentlicht am 17.05.2020

Heiiloses Durcheinander

Das Gesicht des Bösen
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Man könnte vermuten, ich sei masochistisch veranlagt, weil ich Kathy Reichs Tempe Brennan-Thriller noch immer verfolge, hat deren Qualität doch schon seit längerem stark nachgelassen. Aber da ich die Reihe ...

Man könnte vermuten, ich sei masochistisch veranlagt, weil ich Kathy Reichs Tempe Brennan-Thriller noch immer verfolge, hat deren Qualität doch schon seit längerem stark nachgelassen. Aber da ich die Reihe seit Beginn verfolge, war auch der neue Band Pflichtprogramm, verbunden mit der Hoffnung, die Autorin hätte wieder zu alter Stärke zurückgefunden.

Leider hat sich das nicht bewahrheitet. Natürlich ist ein neurochirurgischer Eingriff, wie ihn die Protagonistin über sich ergehe lassen musste, eine beängstigende Erfahrung, aber dass dieser eine forensische Anthropologin in ihren Grundfesten so erschüttert, dass sie ihrem eigenen Urteil nicht mehr vertraut, scheint mir dann doch etwas unwahrscheinlich. Zweifel und Migräneanfälle wären ja noch ok, aber Nahtoderfahrungen und Halluzinationen hätten nicht auch noch sein müssen.

Ich habe längere Zeit gebraucht, bis ich einen roten Faden in der Story gefunden habe, denn es waren einfach zu viel, was die Autorin zusätzlich zu den Fortsetzungen des Privatlebens der Protagonistin (unfähige Vorgesetzte, helfende Kollegen und natürlich Ryan) angerissen hat. Der mysteriöse Toten, die verschwundenen Kinder, Geheimdienstaktivitäten, Verschwörungstheorien, das Darknet plus, wie immer, die forensischen Details – jedes dieser Themen für sich hätte das Potenzial für einen eigenen Thriller gehabt. Hätte, hat aber nicht, denn der vorherrschende Eindruck war/ist der eines heillosen Durcheinanders.

Alte Stärke? Mitnichten. Vielleicht ist es jetzt doch an der Zeit, Abschied zu nehmen.

Veröffentlicht am 22.04.2020

Schlechte Recherche killt das Thema

American Dirt
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In den Vereinigten Staaten hat „American Dirt“ für Furore gesorgt. In Ophra’s Book Club „Buch des Monats“, von John Grisham, Stephen King und anderen Berühmtheiten als Meisterwerk gefeiert, Bestsellerlisten ...

In den Vereinigten Staaten hat „American Dirt“ für Furore gesorgt. In Ophra’s Book Club „Buch des Monats“, von John Grisham, Stephen King und anderen Berühmtheiten als Meisterwerk gefeiert, Bestsellerlisten gestürmt. Marketing-Plan aufgegangen. Dann aber hagelt es Kritik, überwiegend von lateinamerikanischen Autoren. Zum einen bescheinigen sie Cummins Unkenntnis und Eindimensionalität, zum anderen machen sie den Verlagen den Vorwurf, weiße Schriftsteller zu bevorzugen.

Aber worum geht es in diesem Roman? Bei einer Schießerei wird eine mexikanische Großfamilie ausgelöscht, einzig Lydia und ihr Sohn überleben durch einen glücklichen Zufall. Die Flucht nach Amerika scheint ihre einzige Option zu sein, um den Killern der Narcos zu entkommen. Und so begeben sie sich, ausgestattet mit dem Nötigsten, aber genügend Bargeld und Scheckkarten, auf die Reise gen Norden. Wie so viele Migranten vor ihnen, soll sie der berüchtigte Güterzug „La Bestia“ ins gelobte Land bringen.

Selbst wenn man der Autorin gute Absichten unterstellt, der Roman ist nicht gelungen.

Zu viel Zuckerguss und Realitätsferne, zu wenig Empathie und gründliche Recherche. Detaillierte geografische Eckpunkte zu benennen reicht leider nicht aus. Die Kartellproblematik wird nur gestreift, die Menschen und deren Schicksal, die Lydia und Luca auf ihrem Weg begegnen, erfüllen jedes Klischee. Nein, halt, doch nicht. Drogenbaron Javier fällt völlig aus dem Rahmen. Ein Schöngeist, sexy Latino, smart bis zum Abwinken, mit einem Faible für anspruchsvolle Literatur. Hallo???

Kann man lesen, muss man aber nicht, wenn man sich für Mexiko, die Drogen, die Kartelle und die Migranten interessiert. Da gibt es wahrlich auch im Unterhaltungsbereich wesentlich besser recherchierte und beeindruckendere Romane: Ortunos „Die Verbrannten“, Hawkens „Kojoten“ oder Don Winslows Border Trilogie.