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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2020

Seelenlos und uninspiriert

Die Dame in Gold
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Als ich die Ankündigung las, hatte ich unendlich viele Bilder im Kopf: Die eindrücklichen Gemälde von Gustav Klimt, viel Gold, der besondere kreative Schwung des Jugendstils, das intensive kulturelle ...


Als ich die Ankündigung las, hatte ich unendlich viele Bilder im Kopf: Die eindrücklichen Gemälde von Gustav Klimt, viel Gold, der besondere kreative Schwung des Jugendstils, das intensive kulturelle Leben des Wien um die Jahrhundertwende, in dem so geniale und die Zukunft bis in unsere heutige Zeit beeinflussende Intellektuelle und Künstler einander in Salons trafen und diskutierten, wie zum Beispiel Sigmund Freud, Gustav Mahler, Reiner Maria Rilke und viele weitere.

Fin de Siècle, das schillernde Wien um 1903. Im Salon des Ehepaar Bloch treffen sich allerlei interessante Menschen. Auch Gustav Klimt taucht dort auf und betört durch seine Unangepasstheit die Damenwelt. Adele Bloch, die Hausherrin des Salon, ist eine emanzipierte junge Frau, klug, aber voller Trauer um ihr totes Kind. Als sie Gustav Klimt Modell sitzt, entspinnen sich lebendige Diskussionen zwischen den beiden, die in eine hitzige und verbotene Liebe übergehen.

Was alles hätte man aus diesem Thema machen können! Wie intensiv und bilderreich, wie atmosphärisch dicht hätte man das blühende Wien um die Jahrhundertwende schildern können, wie klug und einfühlend hätte man die herausragenden Persönlichkeiten dieser Zeit darstellen können. Und wie unendlich langweilig ist dieses Buch geraten! Es liest sich wie ein eilig hingehauenes Manuskript, ein ungeliebtes Auftragswerk, dem jegliches Herzblut fehlt. Der seelenlos hingehackte Schreibstil spricht für sich. Die Fakten mögen teils gut recherchiert sein, aber der Autorin ist es leider nicht gelungen, einen inneren Film für Zeit und Geschehnisse zu entwickeln und uns in Worte verpackt zu vermitteln.

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Veröffentlicht am 05.05.2020

Lohnt das Lesen nicht

Thirty
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Der Roman kommt mir so vor, als hielte ich eine Waffel mit mehreren Eiskugeln der gleichen Sorte in der Hand. Erst ist der Geschmack willkommen, weil frisch. Doch nach einer Weile wird das Eis warm, der ...


Der Roman kommt mir so vor, als hielte ich eine Waffel mit mehreren Eiskugeln der gleichen Sorte in der Hand. Erst ist der Geschmack willkommen, weil frisch. Doch nach einer Weile wird das Eis warm, der Geschmack fad, das Eis tropft, macht Flecken, nervt.

Auszüge aus der vom Verlag formulierten Inhaltsangabe lassen uns wissen, dass es um Bella Edwards geht, die nichts auf die Reihe bekommt. Sie steht kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag und der Mann fürs Leben fehlt immer noch. Hals über Kopf fliegt sie von London nach New York zu ihrer Freundin Esther. Und die hat die rettende Idee: Dreißig Dates in dreißig Tagen auf einem verrückten Trip von New York bis nach San Francisco. Da sollte es doch klappen…

Irgendwo im Buch steht: „Wenn es ums Dating geht, habe ich vor allem eins gelernt: Entweder es klappt, oder es klappt nicht.“ Oweh, solch tiefgründige Erkenntnisse sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Und leider liest man sich entsprechend zunehmend gelangweilt durch die Geschichte und fragt sich immer wieder, wozu man das Ganze überhaupt lesen soll. Mich hat die Oberflächlichkeit des gesamten Buches von Seite zu Seite mehr und mehr genervt. Das einzige, was mich überhaupt davon abhielt, das Lesen abzubrechen, war der frisch-lebendige Schreibstil, der mich ab und zu auch zum Lachen brachte. Aber die lockere Erzählweise allein wiegt das Seichte und Klischeehafte des gesamten Buches nicht auf.

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Veröffentlicht am 20.04.2020

Endloses Rühren in der Erinnerungs-Gefühls-Suppe

Zweimal im Leben
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Nachdem der Verlag mich mit einer sehr ansprechenden Werbung für das vorliegende Buch geködert hatte und meine Erwartungen entsprechend des Slogans „Emotionalste Geschichte des Jahres“ sehr hoch waren, ...


Nachdem der Verlag mich mit einer sehr ansprechenden Werbung für das vorliegende Buch geködert hatte und meine Erwartungen entsprechend des Slogans „Emotionalste Geschichte des Jahres“ sehr hoch waren, kam die Enttäuschung unerwartet. Ich las und las und kam nicht voran. Ich legte das Buch wieder weg, versuchte zu einem anderen Zeitpunkt, dem Buch erneut eine Chance zu geben. Und wieder machte ich die gleiche Erfahrung: Das Buch ließ mich als Leser einfach auf der Strecke…

So beschreibt der Verlag den Inhalt: „Es begann alles damit, dass sie ihn traf – ihn, die Liebe ihres Lebens. Als Catherine damals als Studentin Lucian zum ersten Mal sah, war ihr gleich klar: Das ist für immer. Er ist ihr Seelenverwandter, nichts wird sie auseinanderbringen. Doch dann geschah etwas, das alles änderte. Catherine verließ Lucian, heiratete jemand anderen, gründete eine Familie. Und trotzdem kann sie Lucian nicht vergessen. Als sie ihn 15 Jahre später wiedertrifft, ist alles wieder da, die Vertrautheit von damals, das Gefühl, endlich wieder ganz zu sein, sich selbst in dem anderen wiedergefunden zu haben. Aber manchmal kann man nicht mehr anfangen, wo man aufgehört hat. Und manchmal holt einen die Vergangenheit mit solcher Macht ein, dass sie droht die Gegenwart zu zerstören und damit alles, was man liebt …“

Schön und gut. Das klingt tatsächlich nach einem emotionalen Roman. Aber ich wurde an keiner einzigen Stelle vom Buch berührt. In drei Zeitebenen dreht man sich im Kreis. Ich hatte im Grunde das Gefühl, immer und immer wieder das gleiche zu lesen, mal von vorne, mal von hinten, mal aus der Mitte. Warum Catherine ihre große Liebe Lucien vor 15 Jahren ohne Erklärung über Nacht verlässt, warum sie 15 Jahre später völlig verstummt und in Traumwelten abtaucht, warum Sam, Catherines Mann, nicht ablässt mit seiner grenzenlosen Überfürsorge – all das wurde mir, je weiter ich las, immer mehr und mehr egal. Die Autorin wollte wohl einen großen Spannungsbogen ziehen, aber sorry, für mich wirkte er ehert überzogen. Ich wollte irgendwann nichts mehr wissen von all den Oberflächlichkeiten, von Verstrickungen, alten Lieben, Sehnsucht, Betrügereien, Verlusten, Verwirrungen, Erinnerungen. Wie oben bereits gesagt: Das Buch ließ mich als Leser auf der Strecke, vergaß mich einfach beim endlos wirkenden Rühren in der Erinnerungs-Gefühls-Suppe.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Sprachgeschwurbsel tötet Witz und Spannung

Kreizkruzefix
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Ein Oberammergau-Krimi wird uns versprochen und „ein Regionalkrimi mit Biss und Herz“. Tja, darauf hatte ich in der Tat gehofft, obwohl mir das Buch mit seinem spinatgrün gefärbten Schnitt schon genug ...


Ein Oberammergau-Krimi wird uns versprochen und „ein Regionalkrimi mit Biss und Herz“. Tja, darauf hatte ich in der Tat gehofft, obwohl mir das Buch mit seinem spinatgrün gefärbten Schnitt schon genug Warnung hätte sein müssen.

Oberammergau, kurz vor Beginn der Passionsspiele, mitten in den Vorbereitungen und Proben. Da findet Theres Hack, grantige Metzgerin mit neumodischen Ambitionen, Sophie und Franz Thaller samt ihrem Hund getötet auf ihrem Hof. Das lässt sie, Theres, ins Visier der Ermittlungen geraten. Doch da gibt es noch ganz andere Personen, auf die die Kommissare Anton Sollinger und Toni Baurieder ihr Augenmerk richten sollten…

Das Gute zuerst: Tatsächlich wird der für den Leser überraschende Täter erst auf den letzten Seiten des Buches offenbart. Und es gibt für mich sogar einen Sympathieträger im Buch, nämlich Wolfin, eine irische Wolfshündin.
Doch ansonsten schleppen sich die Seiten so dahin, von Spannung keine Spur. Die Autorin spielt selbstverliebt mit ihrer Wortakrobatik und verliert dabei völlig aus den Augen, wie ein Krimi dramaturgisch aufgebaut werden sollte, um den Leser zu fesseln. Mit vielen Klischees und Überzeichnungen will Monika Pfundmeier Tradition und Moderne gegeneinander ausspielen, was dank der intoleranten Einseitigkeit nicht überzeugend wirkt. Leider macht das Sprachgeschwurbsel, das originell wirken soll, alles kaputt. „Der Schlaf kauerte sich irgendwo hinter den Kleiderschrank“ oder „Ein geschmiedeter Halter bettelte um eine Kerze“. Die Originalität der Sprache frisst die Lesbarkeit auf. Vielleicht sollte sich die Autorin ein anderes Genre suchen, wenn sie so große Freude an manirierten Sprachbildern hat. Für einen Krimi taugen sie jedenfalls nicht. Schade.

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Veröffentlicht am 06.03.2020

Schade um die vertane Lesezeit

Gespräche mit Freunden
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Ein Buch, das mir keine Freude machte, ganz und gar keine Freude. Angeblich bietet das Buch eine „hinreißende Antwort auf die Frage, wie es ist, heute jung und weiblich zu sein.“
Da ich zwar weiblich, ...


Ein Buch, das mir keine Freude machte, ganz und gar keine Freude. Angeblich bietet das Buch eine „hinreißende Antwort auf die Frage, wie es ist, heute jung und weiblich zu sein.“
Da ich zwar weiblich, aber nicht mehr jung bin, könnte meine mangelnde Freude am Buch damit erklärt sein. Oder?

Ausnahmsweise nehme ich den Klappentext für den Inhalt zu Hilfe: „Frances und ihre Freundin Bobbi, Studentinnen in Dublin, lernen das gut zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennen. Sie treffen sich bei Events, zum Essen, führen Gespräche. Persönlich und online diskutieren sie über Sex und Freundschaft, Kunst und Literatur, Politik und Genderfragen und, natürlich, über sich selbst. Während Bobbi von Melissa fasziniert ist, fühlt sich Frances immer stärker zu Nick hingezogen…“

Dass die wörtlichen Reden nicht als solche gekennzeichnet sind, mag vielleicht jung und chic wirken, nervt aber den Leser über die Maßen. Dass mir die platte Sprache nicht gefällt, dass die Inhalte an Belanglosigkeit nicht zu übertreffen sind, dass die Protagonisten auf mich entweder hochpathologisch oder unglaubwürdig, immer jedenfalls sehr unsympathisch wirken, dass mir der Sinn des Romans mit seinem ewigen Hin und Her nicht aufgeht, all das kann doch nicht wirklich nur an meinem Alter liegen? Wenn „jung und weiblich“ tatsächlich so aussieht, wie die Autorin meint, dann tut sie mir von Herzen leid. Schade um die vertane Lese- und damit Lebenszeit.

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