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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2016

Toll recherchierter und bildhaft erzählter Roman über die Kinderkreuzzüge

Unter dem Banner des Kreuzes
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"Unter dem Banner des Kreuzes“ von Astrid Fritz führt uns ins Freiburg des 13. Jahrhunderts. Die Menschen sind stark geprägt von ihrem Glauben, so auch die junge Anna. Als sie davon hört, dass sich Scharen ...

"Unter dem Banner des Kreuzes“ von Astrid Fritz führt uns ins Freiburg des 13. Jahrhunderts. Die Menschen sind stark geprägt von ihrem Glauben, so auch die junge Anna. Als sie davon hört, dass sich Scharen von Kindern aufmachen, um Jerusalem zu befreien, angeführt vom Hirtenknaben Nikolaus, ergreift sie die Gelegenheit um von ihrem brutalen Vater zu fliehen. Überzeugt von den vielversprechenden Worten der Junker schließen sich wie Anna noch weitere Freiburger dem Zug an, und später auch der zukünftige Priester Konrad. Sind die Bewohner der Dörfer, die sie auf ihrem Zug passieren, zunächst noch begeistert und gastfreundlich, werden sie später argwöhnisch betrachtet und vertrieben, denn niemand will mehr die magere Ernte teilen. So leiden die Kinder auf ihrem Weg unter Hunger, Durst, Entbehrungen und Angst. Immer weiter führt sie ihr steiniger Weg, angetrieben vom Glauben. Doch werden sie es bis ans Meer schaffen, um von dort nach Jerusalem zu gelangen?

Astrid Fritz beschreibt mit einer bildhaften, flüssig lesbaren Sprache den Weg des sogenannten Kinderkreuzzuges. Man fühlt sich, als wäre man wirklich mit Anna, Konrad und der kleinen Freiburger Schar unter den Wanderern. Die Kinder machten sich auf, getrieben von ihrem Glauben, überzeugt von den Worten von Nikolaus, häufig mit nichts als den Lumpen, die sie trugen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Immer wieder lauern Gefahren auf ihrem Weg und nicht alle sind stark genug, die Anstrengungen zu bewältigen. Die kleine Freiburger Schar wächst immer mehr zusammen, wie eine kleine Familie mit Konrad ihrem Beschützer und seinem treuen Pferd. Der Leser kann mitfiebern und hofft, dass sie jeden Abend wohlbehalten ein Obdach finden. Man befindet sich mittendrin im Geschehen, spürt förmlich, wie die Stimmungen schwanken. Auch wenn der Roman den größten Teil von der Wanderung handelt, so bleibt es durchweg spannend.

Der Roman ist in sich rund und sehr spannend erzählt. Ausgeschmückt mit historischen Fakten erfährt man so über die Kinderkreuzzüge und die Kraft des Glaubens zur damaligen Zeit. Auch wird einem bewusst, mit welchen Entbehrungen die Kinder leben mussten, die teilweise ohne Schuhe hunderte Kilometer bei Wind und Wetter in die ihnen unbekannte Ferne zogen. Die Charaktere wachsen einem sehr ans Herz und man hofft, dass alles gut für sie ausgeht.

Fazit: Großartig recherchiert, bildhaft aufbereitet und spannend erzählt. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Großartiges Debüt

Mein bist du
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Detective Sean Corrigan ist nicht wie andere Cops. Er ist besser. Er kann sich in die grausamsten Täter hineinversetzten, kennt ihre dunkelsten Gefühle, hat selbst Grauenhaftes erlebt. Doch kann er sich ...

Detective Sean Corrigan ist nicht wie andere Cops. Er ist besser. Er kann sich in die grausamsten Täter hineinversetzten, kennt ihre dunkelsten Gefühle, hat selbst Grauenhaftes erlebt. Doch kann er sich weit genug von den schrecklichen Morden distanzieren, damit ihn seine Vergangenheit nicht einholt? Als er zu einem Tatort mit einer abstoßend verstümmelten Leiche kommt ist ihm klar, dass er es hier mit einem gerissenen Killer zu tun hat, der keine Gnade kennt. Ein Verdächtiger ist zwar schnell gefunden, aber jegliche Beweise fehlen. Wie viele Morde müssen noch geschehen, bevor er der Mörder überführt werden kann?

Mit Sean Corrigan hat der Autor einen sympathischen und menschlichen Protagonisten geschaffen, der nicht wie in anderen Thrillern ein „Übermensch“ ist. Die Fähigkeit, sich in die Täter und das Geschehen hineinversetzen zu können, wird am Anfang öfter erwähnt, es bleibt aber dann alles im Rahmen und driftet auch nicht ins Übernatürliche ab.

Auch die anderen Charaktere sind sehr vielschichtig und wirken authentisch und gut durchdacht, bis auf Corrigans Frau Kate, die doch eher unwirklich erscheint, vielleicht, weil sie zu wenig ins Geschehen eingebunden ist.

Der Autor war selbst Detective, er weiß also, wovon er schreibt – und das merkt man! Alles wirkt durchdacht und eben so, als könnte es sich tatsächlich so abgespielt haben. Der Leser bekommt interessante Einblicke in die Polizeiarbeit, die, obwohl es natürlich nicht so sein muss, sehr realistisch erscheint.

Allein für den Sprachstil hat das Buch einen zusätzlichen Stern verdient. Der Autor versteht es, Fährten und Hinweise zu legen, sodass man bis zur letzten Seite rätselt und fiebert. Die geschickt angeordneten Perspektivenwechsel sind großartig, ich habe das Gefühl, wirklich von einer anderen Person zu lesen, da der Stilwechsel absolut gelungen ist. Durch viele Kleinigkeiten, wie z.B. die Beobachtung des Verhaltens der Elstern, fügt der Autor auch nachdenkliche Passagen ein, die die ganze Geschichte rund machen. Auch die Aufreihung in mehrere Handlungsstränge stört nicht, sondern macht alles nur noch spannender.

Dieser Thriller hat Struktur, gut ausgearbeitete Charaktere, eine Menge Spannung, Gänsehautfeeling und ist insgesamt rund und durchdacht, zudem besticht er mit einem tollen Sprachstil. Deshalb würde ich am liebsten 6 Sterne vergeben! Ein wirklich tolles Debüt!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Christa Bernuth entführt in die abartigsten Ecken der Menschheit

Das Falsche in mir
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Lukas Salfeld, Familienvater, hütet ein schreckliches Geheimnis. Er hat als Jugendlicher seine Freundin Marion umgebracht, hat dafür eine Gefängnisstrafe verbüßt und hofft nun, ein normales Leben führen ...

Lukas Salfeld, Familienvater, hütet ein schreckliches Geheimnis. Er hat als Jugendlicher seine Freundin Marion umgebracht, hat dafür eine Gefängnisstrafe verbüßt und hofft nun, ein normales Leben führen zu können. Doch er merkt, dass sie sein Trieb nur schwer kontrollieren lässt. Bald darauf verschwinden Mädchen, die eine nicht zu übersehende Ähnlichkeit mit Marion haben – und tauchen verstümmelt wieder auf. Doch Lukas erinnert sich nicht daran, was er nachts getan hat…

Der Thriller ist hauptsächlich aus der Perspektive von Lukas geschrieben, was ihn allein dadurch anders macht. Man erlebt mit, wie sich Lukas auf die Suche nach dem wahren Mörder macht, da er selbst unter Verdacht steht. Außerdem erfährt man nach und nach, was damals mit Marion passiert ist. Doch ist er es diesmal wirklich nicht gewesen, der die Mädchen geschnitten hat? Der Leser weiß die meiste Zeit nicht, was genau vor sich geht. Das macht das Buch sehr spannend. Und als man glaubt, es zu wissen, kommt es doch anders. Hier gelingt es Christa Bernuth gerade so, die Geschichte doch nicht auf die ausgelutschte Thriller-Schiene abrutschen zu lassen, sondern eine interessante Wendung einzufügen. Schon ein bisschen unrealistisch, aber das Gesamtbild ist auf jeden Fall gelungen.

Dadurch, dass man nicht nur die Geschichte von Lukas, sondern auch von der Ermittlerin Sina Rastegar und ihrer Freundin erfährt, ist ‚Das Falsche in mir‘ sicherlich nichts für schwache Gemüter. Durch die Mischung aus Tagebuch, Rückblenden und dem nüchternen Erzählstil wirkt alles so real, als würde man daneben stehen.

Der Titel ist passend gewählt, die Nadeln auf dem Cover eher weniger, dafür ist das Heruntertropfen der Titelfarbe umso treffender.

‚Das Falsche in mir‘ ist ein sehr gelungener, spannender und nervenaufreibender Thriller, der mich sehr überzeugt hat. Er wird sicherlich nicht der letzte sein, den ich von dieser Autorin gelesen habe.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wie erwartet großartig

Koma
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Das sympathische Ermittlerteam der Osloer Polizei tappt bei der Suche nach dem grauenhaften Polizistenmörder im Dunkeln. Immer wieder tauchen neue Opfer auf, an Schauplätzen ehemaliger Verbrechen, die ...

Das sympathische Ermittlerteam der Osloer Polizei tappt bei der Suche nach dem grauenhaften Polizistenmörder im Dunkeln. Immer wieder tauchen neue Opfer auf, an Schauplätzen ehemaliger Verbrechen, die Opfer jeweils ein Ermittler aus dem damaligen Team. Ein mysteriöser Patient liegt im Koma und nicht alle spielen mit offenen Karten. Und natürlich ist auch Harry Hole wieder dabei. Der Leser ist immer mittendrin: Mal erlebt er das Verbrechen mit, mal kommt er als Nichtsahnender an den Schauplatz und immer tappt er im Dunkeln.

„Koma“ war das erste Buch, was ich von Jo Nesbø gelesen habe. Er ließ mich immer wieder geschockt den Atem anhalten – nur um kurz danach wieder mehr oder weniger erleichtert auszuatmen… Es wurden immer wieder unerwartete Wendungen eingebaut, die der Leser nicht kommen sieht, an denen er sich aber auch nicht lange aufhalten kann, denn da steht schon wieder die nächste Überraschung an. Und immer wenn man denkt, nun weiß man, was passiert ist, stellt es sich doch als komplett anders heraus.

Die Aufmerksamkeit des Erzählstils lag weniger auf dem blutigen Tathergang, sondern eher auf dem schockierendem „Resultat“ (was die Taten nicht weniger schockierend macht), ich fühlte mich in einem gelungenen Mix aus Krimi und Thriller.

Die vielen Handlungsstränge waren teils verwirrend, nachdem man sich aber „eingelesen“ hatte, fiel das Folgen deutlich leichter. Da ich bisher keine Bücher von Nesbø gelesen habe, fehlt mir die Vergleichbarkeit, trotzdem muss ich sagen, dass „Koma“ wirklich spannend und sicherlich nicht mein letzter Harry Hole war.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Champagnerträume

Die Champagnerkönigin
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Die verwöhnte Fabrikantentochter Isabelle heiratet gegen den Willen ihrer Eltern den attraktiven Radrennfahrer Leon Feiniger. Sie lebt nun mit ihm in einem kleinen Dorf in dem Haus seiner Eltern, doch ...

Die verwöhnte Fabrikantentochter Isabelle heiratet gegen den Willen ihrer Eltern den attraktiven Radrennfahrer Leon Feiniger. Sie lebt nun mit ihm in einem kleinen Dorf in dem Haus seiner Eltern, doch so hat sich Isabelle ihr Leben nicht vorgestellt. Als Leon ein Weingut in der Champagne erbt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sie schwelgt in Tagträumen von ihrem neuen, reichen Leben voller Glück, Geld und Champagner. Doch auf ihrem kleinen Weingut hat Isabelle zu kämpfen: die Gebäude sind reparaturbedürftig, die Vorräte gehen zur Neige, die reiche Henriette will sich das Gut Feiniger unter den Nagel reißen und natürlich mangelt es an Geld und Arbeitern. Isabelle und Leon erfahren, dass der Feiniger-Champagner nicht den Geschmack der Europäer trifft. Und als Leon bei einem Radunfall stirbt, steht Isabelle vor dem Abgrund. Doch Isabelle bekommt Hilfe – nicht nur aus ihrer Nachbarschaft, sondern auch von ihren Jugendfreundinnen Clara und Josefine aus Berlin und zwei sehr charmanten Herren…

Der Titel ist für den Roman äußert treffend gewählt, das Cover liebevoll und malerisch gestaltet. In der Frau, die in einem verspielten Kleid in die Ferne der Champagnerberge schaut, kann man Isabelle wiedererkennen.
Durch den angenehmen Schreibstil verfliegen die 500 Seiten sehr schnell, der Leser kann bei den Höhen und Tiefen mitfiebern. Dadurch entwickelt sich eine subtile Spannung, die sich bis zum Ende hält, wodurch es mir kaum möglich war, das Buch zur Seite zu legen. Alle Charaktere sind harmonisch ausgefeilt, viele von ihnen erleben ihre persönliche Entwicklung im Laufe des Buches. Was vielleicht an einigen Stellen kitschig und überspitzt wirkt, stört keineswegs, sondern lässt mich noch weiter träumen.
Die Bildchen, die im ganzen Roman verstreut sind, ließen mich immer wieder innehalten und sorgten dafür, dass ich mich noch besser in die Champagne hineinversetzen konnte.
Besonders berührt hat mich ein Zitat von Seite 455: „Alles wird gut. Wir nehmen einfach jeden Tag, wie er kommt, einverstanden? Wir machen guten Champagner, wir lachen, und wir weinen. Wir leben. Wir lieben.“ All das erlebte ich in diesem zauberhaften Roman als Leser mit und gab mir einen kleinen Denkanstoß.
Es war nicht nötig, den ersten Teil zu lesen, da mir der Roman jedoch so gut gefallen hat, werde ich dies noch nachholen. Und auch auf den nächsten Teil der Jahrhundertwind-Trilogie bin ich gespannt!