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Veröffentlicht am 04.09.2020

Unterhaltsamer Cosy Krimi der Pierre Durand Reihe, nicht nur für Frankreichfans zu empfehlen.

Provenzalisches Feuer
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In Sainte-Valérie, steht ein traditionelles Dorffest an, auf das sich alle Bewohner des Ortes sehr freuen. Doch die Pläne des ehrgeizigen Bürgermeisters, stoßen bei Pierre Durand auf wenig Gegenliebe, ...

In Sainte-Valérie, steht ein traditionelles Dorffest an, auf das sich alle Bewohner des Ortes sehr freuen. Doch die Pläne des ehrgeizigen Bürgermeisters, stoßen bei Pierre Durand auf wenig Gegenliebe, weil erd die Sicherheit der Teilnehmer nicht mehr gewähren kann. Dem Bürgermeister gelingt es jedoch, Pierres Bedenken in letzter Sekunde zu zerstreuen und nur Pierres Geistesgegenwärtigkeit und Gewitztheit ist es am Ende zu verdanken, dass es im Turm nicht zu Tumulten oder gar Stürzen kommt.

Dennoch steht das Fest unter keinem guten Stern. In aller Öffentlichkeit wird ein Journalist ermordet, der maskierte Täter kann fliehen. Pierre und die Dörfler sind geschockt, dass ausgerechnet in ihrem friedlichen Dorf gemordet wurde. Doch ist die Bestürzung der Menschen tatsächlich echt? Kaum dass Pierre sich in die Ermittlungen gestürzt hat, findet er heraus, dass der Ermordete kurz vor seinem Tod einen handfesten Streit mit einigen Bewohnern von Sainte-Valérie hatte. Und weitere Nachforschungen ergeben, dass es vor vier Jahren schon einmal einen Mann gab, der für Unmut unter den Dörflern sorgte und kurz darauf starb.
Gibt es womöglich einen Zusammenhang zwischen den alten Vorkommnissen und dem aktuellen Mord? Pierre versucht seinen Vorgänger ausfindig zu machen um mehr in Erfahrung bringen zu können…

Ich hatte schon im Vorfeld viel über die Pierre Durand Reihe gehört und gelesen- sie stand lange auf meinem Wunschzettel, doch irgendwie kamen immer andere Bücher dazwischen. Ihr kennt das sicherlich ebenfalls. Als ich auf einem Remittendentisch kürzlich auf den vierten Teil der Reihe „Provenzalisches Feuer“, stieß, war das für mich der sprichwörtliche Fingerzeig, der momentan siebenbändigen Serie endlich eine Chance zu geben. Zumal ich Frankreich sehr liebe. Ohne Vorkenntnisse des der Vorgängerbände, kam ich aber dennoch gut hinein. Mir sagten die bildhaften Beschreibungen der Örtlichkeiten und der landestypischen Spezialitäten sehr zu, allerdings sollte man diesen Krimi nicht mit leerem Magen lesen.
Auch der Kriminalfall gestaltete sich schön verzwickt, der Leser wird, genau wie die Hauptfigur des Romans, Pierre Durand, auf diverse falsche Fährten geführt, bis er letztendlich sämtliche Puzzleteilchen zu einem Gesamtbild zusammengefügt hat. Die Hintergrundidee für die Story dieses Bandes (ich drücke mich an dieser Stelle lieber etwas kryptisch aus, weil ich nichts verraten möchte) fand ich informativ und spannend dargeboten. Mir war ehrlich gesagt bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, welch große politische Tragweite, gewisse angesprochenen Punkte, in Frankreich haben.
Ich habe mich also gut unterhalten gefühlt, der Romanheld ist ein Ermittler mit Ecken und Kanten. Ich fand lediglich, dass seine Beziehung mit Charlotte ein wenig zu kurz kommt, bzw. dass ihre gemeinsamen Gespräche ein wenig ausführlicher und tiefer hätten gehen können, was auch der Grund dafür ist, dass ich einen halben Punkt bei meiner Bewertung abgezogen habe. Ergänzt wird dieser Roman durch Rezepte einiger landestypischen Speisen und wer Krimis zu schätzen weiß, die eine etwas gemächlichere unblutigere Gangart einschlagen, wird sich bestimmt so gut unterhalten fühlen von diesem Buch, wie ich. Ich werde nun jedenfalls nach weiteren Bänden der Reihe Ausschau halten.

Kurz gefasst: Unterhaltsamer Cosy Krimi der Pierre Durand Reihe, nicht nur für Frankreichfans zu empfehlen.



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Veröffentlicht am 23.08.2020

Lockerleichter, amüsanter Cosy-Krimi mit urigen Akteuren, der viel bayerisches Flair verströmt

Der halbe Russ
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Als eine ahnungslose Passantin direkt vor dem Hofbräuhaus in München einen Mann liegen sieht, glaubt sie zunächst, er habe lediglich einen über den Durst getrunken. Doch beim näheren Hinschauen stellt ...

Als eine ahnungslose Passantin direkt vor dem Hofbräuhaus in München einen Mann liegen sieht, glaubt sie zunächst, er habe lediglich einen über den Durst getrunken. Doch beim näheren Hinschauen stellt sie schließlich fest, dass der Mann tot ist und ruft die Polizei.
Im Zuge der Ermittlungen findet diese nicht nur heraus, dass der Mann, der angeblich Oleg Wodka hieß ermordet wurde, sondern auch, dass er ein Straßenmusikant und russischer Staatsangehöriger war.

Der Leiter der Ermittlungen, Kriminalhauptkommissar Hoblmayr, will den Fall jedoch schnellstmöglich zu den Akten legen und glaubt fest an einen Raubmord. Das kommt seinem Untergebenen jedoch äußerst seltsam vor. Sepp Leitner wendet sich daher an Daisy Dollinger, die Büroangestellte der Staatsanwältin und bittet sie darum, ihn inoffiziell bei seinen Recherchen zu unterstützen. Daisy könnte sich Schöneres vorstellen, als Sepp beruflich unter die Arme zu greifen, doch die frischgebackene Ehefrau eines attraktiven Amerikaners und jüngst Dackelbesitzerin geworden, benötigt händeringend eine Hundesitterin und da Sepps Mutter diese Aufgabe gerne und zu aller Zufriedenheit erfüllt, muss Daisy Sepp den Gefallen tun. Und so steht sie, ehe sie sich versieht, im Dirndl und mit Akkordeon umgeschnallt auf der Straße, um sich inkognito unter den Straßenmusikern umzuhören die eine verschworene Truppe zu sein scheinen. Als kurz darauf ein weiterer Straßenmusiker getötet wird, glaubt selbst Daisy nicht mehr an Hoblmayrs Theorie. Doch warum ermordet jemand harmlose Straßenmusikanten? Daisys Ermittlungen führen sie in ihren alten Heimatort auf dem Land und auch ihr Vater, der einst ein hohes Tier bei der Polizei war, hält Hoblmayr für einen ziemlich tumben Ermittler, der völlig im Dunklen tappt…

Der Cosy-Regionalkrimi „Der halbe Russ“, von Autorin Isolde Peter, fiel mir zunächst wegen seines witzigen Covers ins Auge. Da mir der Klappentext eine humorige, leichte und schräge Lektüre vermittelte, wurde ich neugierig auf die Story und bereue es auch nicht, zum ersten Teil einer hoffentlich mehrbändigen Reihe gegriffen zu haben.
Die Romanheldin, Daisy Dollinger, ist eine clevere junge Frau, die einen schönen trockenen Humor besitzt. Der Roman wird aus ihrer Sicht, in „Ich-Form“ geschildert und ihre sehr bildhaft geratenen Beschreibungen der übrigen Akteure, haben mir mehrfach ein breites Grinsen beim Lesen beschert (übrigens, irgendwie hatte ich beim Lesen von Daisys Passagen stets die Stimme von Monika Gruber im Kopf, vielleicht weil es ein ganz ähnlicher Humor ist. Sie wäre die Idealsprecherin für die Hörbuchfassung finde ich. ) Dabei kommt das Ermittlerduo Hoblmayr und Leitner nicht wirklich gut weg, aber auch Daisys Familie ist ein schräger Haufen, über den man sich herrlich amüsieren kann. Besonders Daisys abergläubische Tante ist so eine besondere Marke, aber auch die übrigen Figuren fand ich gut beschrieben. Schade nur, dass Daisys Dackel Wastl (ist er nun ein Er oder eine Sie? ) lediglich eine Statistenrolle zugedacht bekommen hat. Ich hoffe sehr, dass sich das im zweiten Band noch ändern wird. Zugegeben, Spannungsmomente gibt es hier leider weniger, es ist halt eher ein humoriger Cosy-Krimi und das Showdown gegen Ende hätte ich mir ebenfalls packender/dramatischer erzählt gewünscht, weswegen ich auch einen halben Punkt bei meiner Bewertung abgezogen habe. Aber abgesehen davon, habe ich mich prächtig unterhalten gefühlt von Isolde Peters Roman, der viel bayerisches Flair verströmt und empfehle diesen Krimi allen Interessierten weiter, die ein Herz für Krimis mit viel Humor besitzen, in denen das Blut halt nicht aus allen Seiten heraustropft.

Kurz gefasst: Lockerleichter, amüsanter Cosy-Krimi mit urigen Akteuren, der viel bayerisches Flair verströmt.

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Veröffentlicht am 13.07.2020

Romantische, klassische Historical Romance, in der ein sympathisches Heldenpaar agiert, das man einfach nur mögen muss

Der falsche Lord für die Lady
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Weil ihre Mutter bereits bei ihrer Geburt verstarb, steht Lady Fiona, nachdem nun auch ihr Vater das Zeitliche gesegnet hat, fast ganz allein auf der Welt. Aber neben einer liebevollen Tante, gibt es noch ...

Weil ihre Mutter bereits bei ihrer Geburt verstarb, steht Lady Fiona, nachdem nun auch ihr Vater das Zeitliche gesegnet hat, fast ganz allein auf der Welt. Aber neben einer liebevollen Tante, gibt es noch den hartherzigen Vormund, den Schwager ihres Vaters, der sie, kaum dass ihr Vater unter der Erde liegt, zu seinem Landsitz bringt um sie dort bei dessen Frau abzuliefern. Dort soll Lady Fiona den richtigen gesellschaftlichen Schliff erhalten. Doch die Frau ihres Vormunds, die kürzlich ihre jüngste Tochter verlor, ist sehr streng, zwingt sie, sich in ein viel zu enges Korsett schnüren zu lassen und hat ständig etwas an Fiona auszusetzen. Fiona vermisst daher ihr altes Leben sehr. Ein Leben mit einem liebevollen Vater, der sie beschützte, der ihr Freiraum bot und der sie sorglos über die Wiesen reiten ließ.

Als nach Jahren ihr Vormund wieder erscheint, damit sie in die Gesellschaft eingeführt werden kann, ist Fiona zunächst überglücklich darüber, denn sie hat das abgeschiedene, triste Landleben ziemlich satt. Doch ihre Freude darüber, auch endlich wieder ihre liebevolle Tante mit schottischen Wurzeln treffen und umarmen zu dürfen, wandelt sich recht bald in Ärger, als sie erfährt, dass ihr Vormund plant, sie mit dessen ältesten Sohn zu verheiraten. Einem Mann, der bereits seine große Liebe traf und beerdigen musste und körperlich versehrt ist.

Anthony, der etwas jüngere Zwillingsbruder, soll, bis Fionas Gatte in spe in London eingetroffen ist, den Aufpasser für die junge Schottin spielen, was ihm auf ganzer Linie missfällt. Er fürchtet, dass das Mündel seines Vaters womöglich eine überaus langweilige, stumpfsinnige Dame sein könnte, denn immerhin hat sie seine Mutter jahrelang klaglos ertragen. Außerdem hasst er seinen manipulativen, kalten Vater sehr und verachtet dessen Schachzüge um das Familienvermögen zu mehren. Dazu hatte es Anthony, der seit seiner Kindheit stottert, nie einfach im Schatten des nur wenig älteren Bruders zu bestehen. Als Anthony in einem Teesalon eine junge, attraktive rothaarige junge Dame in weiblicher Begleitung entdeckt, lässt diese sein Herz höher schlagen und das, obwohl er sich doch geschworen hatte, sich nie wieder zu verlieben, seitdem ihm das Herz gebrochen wurde. Wer ist die unbekannte Schöne nur? Schon bald begegnet er ihr wieder…

Da ich eine Schwäche für eine schöne und stimmungsvolle Covergestaltung habe, fiel mir Helena Hearts Historical Romance zunächst deswegen beim Stöbern ins Auge. Doch nachdem ich den Klappentext durchgelesen hatte, wurde ich neugierig auf die Geschichte von Anthony und Fiona. Das Heldenpaar musste bereits einige Schwierigkeiten im Leben bestehen und beide sehnen sich nach Liebe und Fürsorglichkeit.
Doch Fiona ist bereits Anthonys Bruder versprochen und so müssen beide über ihren Schatten springen, aus ihrer selbst gewählten Komfortzone ausbrechen und sich behaupten lernen, wenn sie ihr Glück finden wollen.
Ich fand, dass die Autorin ein gutes Händchen dafür hat, die Gefühlswelt ihrer Protagonisten zu beschreiben. Man kann sich gut in Fiona und Anthony hineinversetzen und schließt sie schnell in sein Leserherz. Die erste Hälfte des Romans lässt sich dazu auch sehr flott lesen, da Helena Heart einige dramatische Momente eingebaut hat, fiebert man regelrecht mit dem Heldenpaar mit. Auch die zweite Hälfte liest sich flüssig und meine Lesefreude blieb eigentlich fast ungetrübt, doch fand ich dann, dass sich gewisse Schwierigkeiten eine Spur zu leicht aus dem Weg räumen ließen. Beispielsweise passte es gar nicht zum resoluten, grausamen Verhalten des Vormunds, sich plötzlich so zurückzuziehen, denn er hatte ja einiges zu verlieren in finanzieller Hinsicht. Ich denke, es hätte eigentlich nur ein paar Seitenzahlen zusätzlich gebraucht. Und wenn Helena Heart den Spannungsbogen und die Dramatik ein wenig länger konstant gehalten hätte, hätte ich diesem Roman die volle Punktzahl verliehen. So muss ich allerdings einen halben Punkt bei meiner Bewertung abziehen.

Dennoch ist es ein empfehlenswerter Roman und ich war ganz angetan vom guten Schreibstil, den die Autorin an den Tag legt, der sich hinter dem anderer, renommierter Autorinnen dieses Genres, keinesfalls verstecken muss. Mich hat es sehr gefreut, eine neue Autorinnen- Entdeckung zu machen und ich hoffe sehr, dass die Autorin noch viele weitere Historical Romances schreiben wird.
„Der falsche Lord für die Lady“, ist allerdings eher die richtige Lektüre, für Leser die klassische Historical Romances mögen, denn obwohl der Roman durchaus Romantik verströmt, findet man keinerlei explizit dargebotene Liebesszenen vor. Die bleiben allein der Phantasie des Lesers überlassen. Ich fand ehrlich gesagt auch nicht, dass es den Roman in irgendeiner Form vervollständigt hätte, denn die Romance hat eigentlich alles Nötige zu bieten.

Gefallen hat es mir aber vor allem, dass das Heldenpaar perfekt unperfekt gestrickt ist. Beide haben ihre Fehler und Ängste, doch lernen sie und wachsen über sich hinaus. Wunderbar fand ich beispielsweise, wie Fiona Anthony ob seiner Sprachschwierigkeiten, vor anderen verteidigt. Und nun bin ich gespannt, ob Anthonys Bruder auch eine eigene Geschichte bekommen wird.

Kurz gefasst: Romantische, klassische Historical Romance, in der ein sympathisches Heldenpaar agiert, das man einfach nur mögen muss.

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Veröffentlicht am 12.06.2020

Gegensätze ziehen sich an. Wunderschöne, romantische Liebesgeschichte eines liebenswerten Heldenpaars, das ungleicher nicht sein könnte.

Drei sinnliche Nächte
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Lady Lily Chadwicks geliebter Bruder Leo wurde knapp fünf Monate zuvor auf offener Straße ermordet, was dessen besten Freund, Julian Bellamy nicht zur Ruhe kommen lässt, da er diesen Mord unbedingt aufgeklärt ...

Lady Lily Chadwicks geliebter Bruder Leo wurde knapp fünf Monate zuvor auf offener Straße ermordet, was dessen besten Freund, Julian Bellamy nicht zur Ruhe kommen lässt, da er diesen Mord unbedingt aufgeklärt sehen möchte. Julian macht sich nämlich die schwersten Vorwürfe und glaubt, dass eigentlich er an Stelle seines Freundes ermordet werden sollte und das Ganze nur eine unselige Verwechslung war. Julians Vergangenheit ist im Gegensatz zu Leos, nämlich alles andere als friedlich und unspektakulär verlaufen. Gewalt, Hunger, Unterdrückung herrschten in Julians Kindheit vor. Eine untragbare Situation, aus der sich Julian nur durch viel kriminelle Energie und Intelligenz befreien konnte.
Mittlerweile ist Julian ein gemachter Mann, reich wie Krösus und führt ein Doppelleben. Doch als unehelicher Sohn eines ihm unbekannten Adligen, scheint seine große Liebe, Leos Schwester Lily, unerreichbar für ihn zu sein.

Lily erwidert seine Gefühle, doch sie macht sich, seitdem Julian auf Mördersuche gegangen ist, die größten Sorgen um ihn. Aus diesem Grund überlegt sie sich eine List, die ihn von seinem Vorhaben ablenken soll. Sie bittet Julian um drei Nächte, in der er, als ihr Gesellschafter auf drei Veranstaltungen des tons, fungieren soll.
Lily ist seit einer Krankheit taub und hatte sich bis dato aus der Gesellschaft zurückgezogen. So benötigt sie auch eine große Portion an Mut, um an ihrem Plan festzuhalten.
Julian erklärt sich einverstanden Lily zu begleiten, doch Lilys Nähe schürt in ihm das Verlangen nach der geliebten Frau immer mehr, so dass er sich zu einem leidenschaftlichen Kuss hinreißen lässt. Danach lässt er Lily jedoch wissen, dass es keine gemeinsame Zukunft für sie geben kann. Kann Lily Julian umstimmen?

Im dritten Teil der „Stud-Club“ Reihe, lässt Tessa Dare nun ein bereits befreundetes Paar zusammenfinden, das unterschiedlicher nicht sein könnte.

Auf der einen Seite, die Aristokratin Lily, die jedoch genau wie ihr verstorbener Bruder Leo keinerlei Standesdünkel besitzt, großherzig und freundlich ist und auf clevere und einfühlsame Art und Weise versucht, ihren Julian einzufangen und auf der anderen Seite Julian, der Spross einer bürgerlichen, gehörlosen Frau und eines rücksichtslosen Adligen ist, welcher Julians Mutter einst vergewaltigte und somit bereits seit der Kindheit durch die harte Schule des Lebens gehen musste, was reichlich seelische Narben auf seiner Seele hinterlassen hat. Dennoch hat sich Julian seine Empfindsamkeit bewahrt. Dies und die Tatsache, dass Leo und Lily ihn vom ersten Tag an, als er ihnen zum ersten Mal begegnete, freundlich und familiär begegneten, änderte seine Meinung über Aristokraten immens, wenn er sein Doppelspiel, auf das ich hier nicht näher eingehen möchte, um nicht zuviel von der Spannung zu nehmen, trotzdem nicht aufgeben möchte. Genauso wenig, wie seine hartnäckige Suche nach Leos Mördern, die jedoch im Grunde recht nebensächlich behandelt wird und auch kaum Spannungselemente zu bieten hat. Erst auf den letzten 100 Seiten kommt die Handlung diesbezüglich ein wenig mehr in Fahrt.

Obwohl auch die Paare aus den Vorgängerbänden „Ein verführerischer Tanz“ und „Zwei sündige Herzen“ hier kleine Auftritte haben, was sehr nett von der Autorin inszeniert wurde, ist „Drei sinnliche Nächte“ aber im Grunde ein 2 Personen Stück, das schnell hätte langweilig werden können, wenn Lily und Julian nicht so interessante und vielschichtige Charaktere wären. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte sorgt sowohl für romantische als auch für prickelnde Momente und wäre nicht folgender Kritikpunkt gewesen, bei dem ich nicht weiß ob er Autorin oder Übersetzung anzulasten ist, hätte ich dem Buch sicherlich 5 Punkte gegeben.

Habe ich manche Übersetzungen von Frau Darius bislang mokiert, weil sie mir zu modern wirkten, was bei einem Historical natürlich weniger wünschenswert ist, ist bei dem aktuellen Tessa Dare Roman „Drei sinnliche Nächte“ leider genau das Gegenteil der Fall.
Zwischen vornehm ausgedrückt und übertrieben gestelzt wirkend, möchte ich die Dialoge der Akteure bezeichnen, die miteinander ausgetauscht werden, was ich während gesellschaftlicher Anlässe innerhalb der Geschichte noch als passend empfand. Bei den Liebesszenen sorgte diese sehr eigenwillige Ausdrucksweise, wie ich fand, oftmals aber zu unfreiwilligen Lachern meinerseits, was ja nicht Sinn der Sache sein sollte.

So stößt man etwa auf Beschreibungen wie „Manneszier“ (Seite 315), „Fester Stab seiner Mannhaftigkeit“ (Seite 272/312) oder „zärtliche Invasion“ (Seite 274) oder auf Dialoge wie diese hier beispielsweise:
„Julian, halte ein, oder ich ersuche um Linderung.“
„Wappne Dich, mein geliebtes Eheweib, das war erst das Vorspiel.“

(Seite 346 und 347 aus„Drei sinnliche Nächte“ Tessa Dare, © Blanvalet Verlag)

Wir haben hier ja schließlich keinen Historical vor uns, der zeitlich zu Shakespeares Zeiten angesiedelt wurde, sondern einen Regency, der im Jahre 1817 spielt (Es wird erwähnt, dass Prinzessin Charlotte Augusta, bei der Geburt ihres Kindes verstirbt, was in besagtem Jahr geschah).

Die couragierte Heldin Lily kommt mit ihrer Behinderung aber sehr gut klar und die Art und Weise, wie sie versucht Julian dazu zu bringen, dass er seine Beschützerinstinkte ihr gegenüber herunterfährt, geht einem einfach ans Herz. Lily und Julian sind ein solch liebeswertes Heldenpaar, dem man leider nicht allzu oft in Romances begegnet und ihnen allein war es zu verdanken, dass die Lesezeit trotz der reduzierten Handlung auf immerhin 479 Seiten dennoch wie im Flug verging.

Kurz gefasst: Gegensätze ziehen sich an. Wunderschöne, romantische Liebesgeschichte eines liebenswerten Heldenpaars, das ungleicher nicht sein könnte.

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Veröffentlicht am 12.06.2020

Spritzige, amüsante Regencyromance vor ländlicher Dorfidylle, die prickelt und bezaubert.

Süßer Sieg der Leidenschaft
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Die resolute Suzanna Finch; lebt zusammen mit ihrem Vater im beschaulichen Spindle Cove sehr abgelegen, aber direkt am Meer.
Seit sie vor vielen Jahren diversen Quacksalbern in die Hände fiel, die sie ...

Die resolute Suzanna Finch; lebt zusammen mit ihrem Vater im beschaulichen Spindle Cove sehr abgelegen, aber direkt am Meer.
Seit sie vor vielen Jahren diversen Quacksalbern in die Hände fiel, die sie in ihrem Eifer Suzanna zu heilen, fast getötet hätten, ist es ihr ein Anliegen, jungen Damen, die in der Gesellschaft eher als Mauerblümchen oder verschrobene Jungfer gelten, ein wenig unterstützend unter die Arme zu greifen. Während die Familien dieser jungen Frauen glauben, dass ihre Mädchen vor allem in Benimmunterricht geschult werden, bietet Suzanna ihnen eine Art Bastion gegen den Rest der Welt, in einer eingeschworenen Gemeinschaft und Kameradschaft, in der sie so sein dürfen, wie sie sind.

Gerade als sie einer besorgten Mutter mit ihren drei Töchtern versichert, dass ihren Kindern in Spindle Cove keinerlei Gefahren drohen, erschüttert eine massive Explosion den Ort. Neugierig und aufgebracht zugleich, eilt Suzanna zum Ort des Geschehens und glaubt ihren Augen nicht zu trauen. Drei Männer und zum Teil ehemalige Soldaten, haben Sprengstoff dazu benutzt, um grasende Schafe auf dem Weg vor ihnen zu verjagen.
Ihr Anführer ist Victor Bramwell, der nicht zufällig nach Spindle Cove gekommen ist. Er will mit Suzannas Vater sprechen, der einst ein hochdekorierter Offizier in der Armee war und noch immer die besten Kontakte pflegt. Dieser soll seine Kontakte spielen lassen, damit Vivtor wieder in der Armee aufgenommen wird. Victor wurde nämlich in einer Schlacht schwer am Bein verwundet und weigert sich vehement einzusehen, dass er körperlich immer noch nicht ganz wiederhergestellt ist.

Obwohl Suzanna ihn ob seines Sprengeinsatzes, der eigentlich eher Victors nichtsnutzigen Neffen Colin Sandhurst, Lord Payne zu verdanken war, etwas überspannt findet, kann sie sich seiner männlichen Anziehungskraft nicht entziehen, obwohl „Bram“ alles andere als ein freundlicher und umgänglicher Zeitgenosse ist, der es hasst, dass Suzanna scheinbar auf alles eine Antwort hat. Am liebsten würde er diesen, erschreckend heimeligen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen, damit er bald wieder gegen die Franzosen ins Feld ziehen kann. Doch Suzannas Vater hält eine Überraschung für ihn parat…

„Süßer Sieg der Leidenschaft“, stellt den 1. Teil der neuen „Spindle Cove“ Reihe der Autorin dar, von der es im englischen Original bereits 4 Teile, plus drei Kurzromane gibt.
Spindle Cove, ist ein idyllisch am Meer gelegenes, typisches englisches Dorf, man könnte auch sagen, ein verschlafenes Nest, in dem Suzanna das Zepter schwingt, da ihr Vater, ein zerstreuter Wissenschaftler und einziger Adliger im Ort, leider ständig abgelenkt und somit nicht geeignet ist, sich der Sorgen und Nöte der Dorfbewohner oder die seiner Tochter, anzunehmen.
Suzanna ist es ein echtes Anliegen allen zu helfen; besonders aber jenen Frauen, die Außenseiter sind, wie sie. Eigentlich hatte sie bereits damit abgeschlossen; jemals zu heiraten und auch durch die Ankunft von Bram und seinen Männern, gerät sie nicht unbedingt ins Schwärmen. Im Gegenteil- beide liefern sich herrlich amüsante Wortgefechte bei denen die Funken nur so sprühen. Dabei wird es aber niemals bösartig- man spürt als Leser sofort, dass beide perfekt zusammenpassen. Jedoch müssen Suzanna und der sture, brummelige Bram das jedoch erst mal begreifen lernen und bis es so weit ist, kann man sich dank Tessa Dares unterhaltsamer Schreibe, herrlich über die beiden „Streithähne“ amüsieren.

Suzanna und Bram sind aber auch so ein sympathisches, liebeswertes Heldenpaar. Beide haben ein stark entwickeltes Pflichtgefühl, auch wenn es bei Bram dazu führt, dass er einfach nicht begreifen will, dass er seine Soldatenkarriere lieber an den Nagel hängen sollte. Aber, gerade weil beide auch einige Gemeinsamkeiten in ihren Charakterzügen aufweisen, können sie sich einander anvertrauen, was dann letztendlich auch ihre schnellwachsende Zuneigung füreinander glaubwürdig untermauert. Nicht nur das Heldenpaar habe ich schnell in mein Leserherz geschlossen. Auch die Nebenfiguren sind liebeswerte Zeitgenossen, die zum Teil zwar diverse Schrulligkeiten an den Tag legen, aber dadurch noch ein wenig echter wirken.

Und auch an der Übersetzung gibt es diesmal nichts zu kritisieren. Mir hat sie gut gefallen- sie ist der Zeitepoche entsprechend und auch nicht schwülstig geraten.
Und das obwohl ich im Vorfeld einige Bedenken hatte diesen Roman überhaupt lesen zu wollen, weil mir viele Übersetzungen von Frau Darius in der Vergangenheit leider nicht so gefallen haben. Allen Lesern, denen es bislang so ging wie mir, kann ich nur raten, diesem Roman trotzdem eine Chance zu geben, denn er ist wunderschön und ein echtes Highlight. Einziger Grund für meinen Punktabzug: leichte Längen, denn die Geschichte hätte auch gut und gerne ca. 80-100 Seiten weniger vertragen können.

Kurz gefasst: Spritzige, amüsante Regencyromance vor ländlicher Dorfidylle, die prickelt und bezaubert.

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