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Veröffentlicht am 29.06.2020

Die französische Antwort auf Miss Marple

Madame Beaumarie und die Melodie des Todes
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Ingrid Walthers Krimi "Madame Beaumarie und die Melodie des Todes" spielt in der Provence und erscheint im Haymon Verlag.

Florence Beaumarie befindet sich im Ruhestand, ihr Berufsleben als Sekretärin ...

Ingrid Walthers Krimi "Madame Beaumarie und die Melodie des Todes" spielt in der Provence und erscheint im Haymon Verlag.

Florence Beaumarie befindet sich im Ruhestand, ihr Berufsleben als Sekretärin in einem Pariser Kommissariat hat sie hinter sich und möchte nun die Pensionierung mit dem Besuch eines Barock-Festivals in Avignon feiern. Doch aus dieser Idee wird nichts, denn kaum ist sie in Avignon angekommen, geschieht ein Verbrechen, das Opfer ist der Dirigent des Barockorchesters. Und weil Florence das Schnüffeln einfach im Blut liegt, mischt sie munter bei der Mordermittlung mit. Über die Hilfe freut sich sogar das örtliche Kommissariat, denn ihr Ruf als erfolgreiche Ermittlerin eilt ihr voraus. Allerdings bringt sie sich damit auch in Gefahr.


"Sie hatte schon oft die Szenerie eines Kriminalfalls auf einem Schachbrett nachgestellt, ganz intuitiv und ohne sich an die Regeln zu halten." Zitat Seite 85

In Avignon macht Florence die Bekanntschaft der jungen Musikerin Chantal und ihres Vaters, Charles Florentin. Während sie einem Konzert beiwohnt, stirbt der Dirigent und selbstverständlich hinterfragt Florence die Hintergründe zu dem Fall.

Als auch noch die Vertreterin des Dirigenten verschwindet, ist Florence alarmiert. Hier muss es um mehr gehen als um den Posten des Orchesterleiters. Das örtliche Kommissariat ist dankbar für Florence Mithilfe, irgendwie scheinen die Kollegen von dieser Mordermittlung wohl überfordert zu sein. Der Ermittlungsaufgabe widmet sie sich eifrig, die Aufgabe wird aber zusätzlich erschwert durch die Avancen des charmanten Charles Florentin. Das schmeichelt Florence zwar sehr, aber zunächst steht ihr der Sinn eher nach Spurensuche als nach einem Urlaubsflirt.

Bei diesem Krimi sorgt der flüssige und wunderbar zu lesende Erzählstil mit vielen bildhaften und stimmungsvollen Beschreibungen dafür, dass man sofort in die Handlung hineingezogen wird. Florence Befragungen führen den Leser in die Hintergründe der Figuren und Vorgänge ein und man kann gut miträtseln. Das Ganze kommt ohne Blutvergießen aus und wirkt wie ein unterhaltsamer Urlaubskrimi aus der Provence.

Ingrid Walther beschreibt sehr detailreich die Ermittlungsarbeit, aufgelockert wird das Krimikonstrukt jedoch durch die malerischen örtlichen Schauplätze und auch die Musikszene lässt sie geschickt in die Handlung einfließen. Die Charaktere sind vielschichtig, es gibt Figuren, die man sofort sympathisch findet und alle Personen werden mit ihrem äußeren Erscheinungsbild vorgestellt.

Madame Beaumarie könnte man auch als die Miss Marple von Paris bezeichnen. Wenn sie sich erst einmal in einen Fall verbissen hat, klebt sie bis zum bitteren Ende daran fest und lässt erst los, wenn sie die Beweise vorliegen hat. Mir hat Florence sehr gut gefallen, sie eine ausgewiesene Ermittlerin und hatte leider keine Chance auf eine Anstellung als Frau in diesem Metier. Sie legt Wert auf ihr Erscheinungsbild und kleidet sich gern dem Anlass entsprechend, eine Dame von Welt. Dank ihrer besonderen Beobachtungsgabe kann sie sich gut in die Menschen hineinversetzen und befragt mit dem ihr eigenen Charme.


Dieser stimmige und sehr atmosphärische Krimi wirkt auch ohne Spannungsmittel sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 26.06.2020

Hilfreiche Tipps gegen Angst vor Monstern in der Nacht

Licht aus, Leon!
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Das Kinderbuch aus dem Knesebeck Verlag "Licht aus, Leon!" wurde von Josh Pyke geschrieben, die Bilder stammen von Chris Nixon. Empfohlen ab 4 Jahren.

Man könnte denken, dass Leon im Dunkeln Angst hat. ...

Das Kinderbuch aus dem Knesebeck Verlag "Licht aus, Leon!" wurde von Josh Pyke geschrieben, die Bilder stammen von Chris Nixon. Empfohlen ab 4 Jahren.

Man könnte denken, dass Leon im Dunkeln Angst hat. Nein, er fürchtet sich eigentlich nur vor den schrecklichen Monstern, die in seinem Zimmer lauern. Diese Flederbiester wirken wie Ungeheuer mit vielen Armen und Köpfen, haben komische Zacken auf dem Kopf und spitze Zähne im großen Maul. Einfach gruselig, davor hat Leon echt Angst! Nur bei Licht verschwinden sie. Aber wie soll er da schlafen?

In der Nacht muss das Licht muss anbleiben, sonst fürchtet sich Leon gewaltig. Und weil seine Eltern auch ihre Nachtruhe brauchen, überraschein sie Leon mit einem geheimnisvollen Buch mit dem Titel "Wie man Monster erschreckt". Toll, endlich gibt es hilfreiche Mittel gegen die Monster. Die Tipps lauten: Zimmer aufräumen und frischer Pfefferminz-Atem. Das können Monster nämlich gar nicht leiden. Endlich Ruhe vor dieses Viechern und das Licht kann auch aus.

Die Illustrationen wirken leicht grafisch, sind gut zu erkennen und verdeutlichen Kindern die Situation von Leon perfekt. Der Text ist einfach und lässt sich gut vorlesen, er ist schon für Kinder unter 4 Jahren gut verständlich.

Richtig hilfreich sind die praktischen Tipps zum Verscheuchen der Monster: Ich sage nur: Gute-Nacht-Küsse von Eltern haben magische Eigenschaften. Na, das ist doch mal eine Ansage!

Dieses Buch nimmt Kindern vielleicht nicht sofort die eigene Angst, aber sie lernen, dass sie etwas gegen die Ungeheuer der Nacht tun können.


Ein einfühlsames und liebenswertes Vorlesebuch gegen nächtliche Angst mit wirksamen Tipps gegen Monster. Na dann, gute Nacht!

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Veröffentlicht am 23.06.2020

Wo Renate Bergmann drauf steht, ist Humor garantiert

Ans Vorzelt kommen Geranien dran (Die Online-Omi 14)
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Der Titel "Ans Vorzelt kommen Geranien dran" von Renate Bergmann alias Torsten Rohde erscheint im Ullstein Verlag.

Die rüstige Online-Omi Renate unternimmt mit ihren Freunden Ilse und Kurt auf ihre ...

Der Titel "Ans Vorzelt kommen Geranien dran" von Renate Bergmann alias Torsten Rohde erscheint im Ullstein Verlag.

Die rüstige Online-Omi Renate unternimmt mit ihren Freunden Ilse und Kurt auf ihre alten Tage einen dreiwöchigen Urlaub auf dem Campingplatz. Ein Zelt kommt für Renate nicht in Frage, bandscheibenfreundlicher schläft es sich doch im Wohnmobil und damit Kurt mit seinen unsicheren Fahrkünsten kein Unheil anrichtet, bringt Renates Neffe Stefan sie ins Urlaubsdomizil. Die für 10 Euro erstandenen Balkongeranien lässt Renate lieber nicht zu Hause, dort kümmert sich niemand so liebevoll darum, also reisen die Geranien mit und verschönern das Vorzelt.

Ich gebe es zu, ich bin RenateBergmann-Fan und habe die Online-Omi wieder gern bei ihrer Campingreise begleitet. Die trockene, grundehrliche Art der alten Dame und ihre Lebensweisheiten und lockeren Sprüche sorgen immer wieder für humorvolle Momente, die diese Reihe so besonders machen. Wer noch kein Buch mit Renate kennt, wird schnell hinein finden, denn wichtige Figuren werden bei ihrem Auftreten immer noch einmal kurz vorgestellt.

Dieses Mal reist Renate mit ihren Freunden Ilse und Kurt, beide schon betagt und mit der ein oder anderen Macke versehen. Doch Renate weiß sie zu nehmen und mit Likör, den eigenen Geranien und guter Laune wird der Urlaub auf dem Campingplatz zu einer schönen und erlebnisreichen Zeit.

Renate ist ein offener und neugieriger Mensch und lernt gern neue Leute kennen, während Ilse im Wohnmobil putzt, macht sich Renate mit einer Flasche Likör bewaffnet, auf eine Vorstellungstour über den Campingplatz. Schnell hat sich Renate ihre Meinung über die Nachbarn gebildet und stellt ihren Zuhörern die Untaten des überpingeligen Platzwarts Günter Habicht vor. Zufällig war er vor circa 50 Jahre ein Schüler von Ilse Gläsers, die ihn auch gleich auf grammatikale Fehler in der Platzordnung hinweist. Es dauert nicht lange, da weiß Renate fast alles über Günter und ist mit seiner Ex-Frau einig: "Schöner Wohnen ohne Günter".

Wer Renates Naturell schon kennt, weiß, sie quasselt munter drauflos und erzählt jede Kleinigkeit aus ihrer Sicht, manchmal auch mehrfach. Bei diesem Buch darf man keinen Tiefgang erwarten, es ist witzige Unterhaltung, verknüpft mit Binsenweisheiten und einer rudimentären Sicht auf alle technischen Neuerungen im Bereich Multimedia.



Heiterer Lesespaß ist mit Renate und ihrer Campingtruppe auch mit diesem Band garantiert. Hoffentlich bleibt sie uns noch lange erhalten.

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Veröffentlicht am 21.06.2020

Sylt im Wandel der Zeiten

Ozelot und Friesennerz
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In "Ozelot und Friesennerz", erscheinend im Ullstein Verlag, verarbeitet die Journalistin und Autorin Susanne Matthiessen ihre persönlichen Kindheitserinnerungen vom Leben in den 70ern auf Sylt. Als Inselkind ...

In "Ozelot und Friesennerz", erscheinend im Ullstein Verlag, verarbeitet die Journalistin und Autorin Susanne Matthiessen ihre persönlichen Kindheitserinnerungen vom Leben in den 70ern auf Sylt. Als Inselkind verbrachte sie dort ihre Jugend, rückblickend beschreibt sie auch die Veränderungen, die sich im Laufe der letzten 50 Jahre auf der Insel vollzogen haben.

Ursprünglich war die Frieseninsel Sylt Heimat von Fischern, Strandpiraten und Walfängern, das änderte sich im Laufe der Zeit. Mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 60er Jahren kamen die Urlauber auf die Insel. In dieser Zeit spielt der vorliegende Roman von Susanne Matthiessen, die 1963 auf Sylt geboren wurde und uns ihre Kindheit und Land und Leute näher bringt.


Anfang der 70er begann der Tourismus die Insel zu erobern, immer mehr Reiche entdeckten die landschaftlich schöne Insel, kauften sich ihre Edeldomizile, deshalb stiegen im Laufe der Zeit die Immobilienpreise in schwindelnde Höhen, Einheimische konnten sich kaum noch Grundstücke leisten, freier Mietraum ist knapp und die Mieten sind für Normalverdiener unerschwinglich.

Dieser Roman zeigt, wie sich die Insulaner dem Tourismus unterordneten, ihr Leben dem Tourismus anpassten und ihren eigenen Wohnraum zur Vermietung anboten, die Kinderzimmer wurden in Ferienzimmer umgewandelt und somit Einkommensquellen geschaffen. Dabei durften die Kinder die Urlauber nicht stören. Die Eltern der Autorin betrieben ein Echtpelzgeschäft, die Erlebnisse mit der noblen Kundschaft lesen sich unterhaltsam und teilweise auch absurd. Neben den Promis werden im Buch aber auch Sylter Originale erwähnt und man bekommt das damalige Leben realistisch und bildhaft vor Augen geführt. Ich wurde zwar auf dem Festland, aber zur selben Zeit groß und konnte einige Lebenseinstellungen und den Zeitgeist gut nachempfinden.

Der Erzählstil ist eingängig und erscheint mir regelrecht frei von der Leber weg erzählt, es fehlen mir etwas die Emotionen der Autorin. Trotzdem ist es Unterhaltung pur und erinnert ein wenig an Zeitungskolumnen.


Mit Insel-Zeitgeist und guter Unterhaltung eignet sich dieses Buch für alle die auf Sylt leben oder einfach die Insel lieben oder zu den Kindern der 70er Jahre zählen. Rundum gut geschrieben und mit vielen Anekdoten vom Inselleben und Infos über die heutigen "Ausverkaufs"-Zustände auf Sylt angereichert.

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Veröffentlicht am 20.06.2020

Solider Urlaubskrimi mit dem Flair der Bretagne

Bretonisch mit Meerblick
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Der Krimi "Bretonisch mit Meerblick" wurde von Gabriela Kasperski geschrieben und erscheint im Emons Verlag.


Tereza Berger erbt ein Haus im Westen der Bretagne, im Fischerdorf Camaret-sur-Mer. Eigentlich ...

Der Krimi "Bretonisch mit Meerblick" wurde von Gabriela Kasperski geschrieben und erscheint im Emons Verlag.


Tereza Berger erbt ein Haus im Westen der Bretagne, im Fischerdorf Camaret-sur-Mer. Eigentlich wollte sie das Haus verkaufen, doch sie verfällt dem Charme dieses etwas in die Jahre gekommenen Hauses. Dort möchte sie ihre eigene Buchhandlung eröffnen. Es gibt Tote und als eine weitere Leiche gefunden wird, verdächtigt man Tereza des Mordes. Sie scheint hier nicht erwünscht zu sein, was ihren Kampfgeist umso mehr anstachelt.

Dieser Krimi startet recht gemächlich, die Handlung wirkt nächst eher wie ein Roman, doch im Zuge der Ermittlungen entwickelt sich eine Grundspannung, die am Ende in einem rasanten Showdown gipfelt.

Durch den eingängigen Schreibstil lässt sich das Buch gut lesen, etliche Dialogen und situationsbeschreibende Stimmungsbilder lassen den Leser auf unterhaltsame Weise die Örtlichkeiten erleben und in die Handlung eintauchen. Es gibt einige Verdächtige, die man zunächst als Täter vermutet, dank einiger geschickter Wendungen muss man diese These aber wieder verwerfen. Als mögliche Motive kommen Eifersucht, Neid und finanzielle Gier in Frage und somit kämen fast alle Bewohner als Täter in Betracht. Das zeigt sich auch in den Differenzen zwischen Kapuzenträgern und einer Frauenbewegung, die ständig für Zündstoff sorgen.


Die Charaktere sind vielfältig ausgeschmückt, man kann ihre Eigenarten gut erkennen und bekommt ein buntes Menschenbild geliefert, bei dem auch die Lebensgewohnheiten der Bretonen deutlich werden. Tereza ist eine ungeduldige Person mit einer Vorliebe für bretonische Schokolade, sie ist etwas chaotisch und irgendwie kam ich ihr nicht näher. Ihre Ortsansiedlung ist von einigen Bewohnern nicht erwünscht, das wird immer wieder klar gemacht. Sie entwickelt sich zur Hobby-Detektivin und man merkt, wie sie sich in die Sache hinein kniet. Es gibt viele Fakten, die lange für sich allein stehen, ehe alles zu einem eindeutigen Bild zusammen passt.

Mit einer bildhaften Darstellung der Schauplätze erzeugt die Autorin eine authentische Atmosphäre und man fühlt sich wie in der Bretagne.



Die Geschichte erzählt auch von einer keltischen Sage, die in Verbindung mit der besonderen Strömung "Morwen" in der Bretagne bekannt ist. Angeblich fängt die Strömung alle 100 Jahre drei Männer.



Gabriela Kasperskis Krimi "Bretonisch mit Meerblick" ist ein spannendes Lesevergnügen, den ich gern als Urlaubskrimi empfehle, am besten gleich mit einer Tafel Schokolade mit Fleur de Sel.

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