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Veröffentlicht am 15.08.2020

Spannung und Lovestory vor atemberaubender Naturkulisse

Dangerous Hearts – Mit dir gegen jede Gefahr
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Nikki hat eine enttäuschende Beziehung hinter sich und kehrt ihrem Heimatort den Rücken. Um zur Ruhe zu kommen jobbt sie über den Sommer im Besucherzentrum des Glacier National Parks in Montana und genießt ...

Nikki hat eine enttäuschende Beziehung hinter sich und kehrt ihrem Heimatort den Rücken. Um zur Ruhe zu kommen jobbt sie über den Sommer im Besucherzentrum des Glacier National Parks in Montana und genießt die wunderschöne Natur um sich herum. Eines Tages ergänzt ein neuer Ranger das Team und erweckt sofort Nikkis Aufmerksamkeit: Jared sieht gut aus, ist ein echter Naturbursche, hat aber auch eine verletzliche Seite – denn auch er lässt eine traurige Vergangenheit hinter sich. Viel Zeit, um sich näher zu kommen bleibt den beiden aber nicht, denn plötzlich treiben grausame Wilderer ihr Unwesen im Nationalpark. Auf deren Spur wird Jared beinahe angeschossen und allen im Team ist klar: Gefährliche Machenschaften werden im Park getrieben. Wird es den Rangern gelingen, diese aufzudecken?

„Dangerous Hearts – Mit dir gegen jede Gefahr“ ist der zweite Teil der „Dangerous Hearts“-Reihe der Autorin Romina Gold, der aber komplett unabhängig von Teil 1 lesbar und verständlich ist. Das Cover wirkt direkt ansprechend, nicht nur durch das abgebildete Paar, das meiner Vorstellung von Nikki und Jared sehr nahe kommt, sondern vor allem durch die wunderschöne Naturlandschaft, die durch den stürmischen Fluss am unteren Ende etwas bedrohlich wirkt. Hier wird bereits sehr gut die Grundstimmung und die beiden Handlungsstränge des Buches eingefangen: Zum einen Teil besteht es aus der Liebesgeschichte zwischen den beiden Protagonisten, zum anderen aus der fast schon kriminalistisch anmutenden Jagd nach den Wilderern. Beide Handlungsstränge wurden so perfekt ineinander integriert, dass keiner zu kurz kam und sich beide vielmehr sehr gut ergänzt haben.

Insgesamt war der Roman sehr atmosphärisch, das Setting im Glacier Nationalpark toll und außergewöhnlich gewählt. Da ich selbst schon einige Nationalparks in USA besucht habe, empfand ich die Atmosphäre, Darstellung der Ranger und deren Engagement für Tiere und Natur als sehr authentisch, konnte mir die beschriebenen Naturlandschaften sehr gut vorstellen und habe jede Leseminute genossen. Mir hat sehr gut an diesem Buch gefallen, dass der Leser nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Strukturen und Werte des National Park Service (NPS), die wichtige Arbeit der Ranger und die wunderbare Landschaft dieses bezaubernden Fleckchens Erde kennengelernt hat. Ich finde den NPS eine tolle und wichtige Institution und dementsprechend freut es mich sehr, dass wir im Buch so viel über ihre Lebens- und Arbeitsweise und die konkreten Aufgaben auf der Gradwanderung zwischen Natur-/Tierschutz und Tourismus mitbekommen. Toll, dass so lebensnah über so ein wichtiges Thema geschrieben wird!

Sowieso haben mir Ausdrucksweise und Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen. Es gab zahlreiche humorvolle Momente, dann wieder liebevoll-zärtliche Szenen zwischen den Protagonisten sowie spannende Szenen, in denen ich die Luft angehalten habe. Die einzelnen Kapitel sind entweder aus Nikkis oder aus Jareds Sicht geschrieben, wobei letzterer größere Anteile hatte, was mir aber gut gefiel, da er viel im Nationalpark unterwegs ist und man als Leser so die Arbeit der Ranger hautnah miterlebt. Mit den Protagonisten auf die Jagd nach den Wilderern zu gehen hat die Spannung in die Höhe getrieben, gleichzeitig verfolgt man die Entwicklung der Gefühle zwischen den beiden. Hier muss ich leider kritisieren, dass mir das etwas zu schnell ging. Beide haben gerade erst große Enttäuschungen hinter sich, die noch nicht verarbeitet wurden, öffnen sich aber gleichzeitig extrem schnell jemand Fremden und gehen eine Beziehung ein. Das hat für mich nicht wirklich zusammengepasst. Ich hätte mir auch eine etwas emotionalere Beschreibung der Gefühle der beiden füreinander gewünscht. Das gemeinsame Engagement für den Naturschutz hat die beiden zusammengeschweißt und so hat man als Leser permanent mitgerätselt und zahlreiche Verdächtigungen darüber angestellt, wer in die kriminellen Geschehnisse rund um den Glacier NP verwickelt sein könnte. Der Showdown am Ende hat mich überrascht, da nichts so war, wie es zunächst schien – ein absoluter Mega-Twist, den ich niemals hätte kommen sehen! Eine bittersüße Auflösung der Geschichte, aber ein Happy End für Jared und Nikki, die im wunderschönen Epilog in ihre gemeinsame Zukunft starten.

An den Charakteren hat mir insbesondere deren Einstellung gut gefallen. Jared ist ein absoluter Traummann, er ist sensibel, mutig und absolut integer. Nikki hingegen ist etwas blass geblieben, hat sich teilweise widersprochen und erschien mir in vielen Punkten etwas zu naiv. Super fand ich die Park Crew und den starken Zusammenhalt dieses fast ausnahmslos sympathischen Teams.

Mein Fazit: Ein Buch, in dem Spannung und Liebe gut ausgeglichen sind und in einem wunderschönen Setting spielt, das sofort Lust auf die nächste USA-Reise macht!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 10.07.2020

Trau dich! – Ein Wohlfühlroman mit der Aufforderung zum Mutig-sein

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen
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Eigentlich wollte die junge Autorin Lucy nur Weihnachten bei ihren Eltern verbringen – doch dann strandet sie gemeinsam mit Mitfahrgelegenheit Ben in einem kleinen Dorf im Nirgendwo auf dem Hof der betagten ...

Eigentlich wollte die junge Autorin Lucy nur Weihnachten bei ihren Eltern verbringen – doch dann strandet sie gemeinsam mit Mitfahrgelegenheit Ben in einem kleinen Dorf im Nirgendwo auf dem Hof der betagten Dorle Dormann und verbringt dort die Feiertage. Die drei haben eine schöne Zeit zusammen und hinterlassen Eindruck beieinander – so groß, dass Lucy und Ben einige Monate später das Dormann´sche Anwesen inklusive Hund Helmut von der inzwischen verstorbenen Dorle erben. Unsicher, was sie mit sich, ihrem Leben und der Erbschaft anfangen soll, willigt Lucy kurzentschlossen ein und wagt mit Ben den Schritt ins Dorfleben. Dort findet sich nicht nur einen wunderschönen Platz zum Schreiben und eine herzliche Dorfgemeinschaft vor, sondern lernt auch den attraktiven Arzt Ben besser kennen. Dieser trägt seine ganz eigenen Probleme mit sich herum, welche er nicht länger vor Lucy verbergen kann, als diese ihm während einer Panikattacke beisteht. Es entwickelt sich eine immer größere Vertrautheit zwischen den beiden und langsam kann Lucy nicht mehr abstreiten, dass die Gefühle für Ben nicht nur rein freundschaftlicher Art sind…

„Die Liebe kommt auf Zehenspitzen“ von Kristina Günak war eine wunderbare Überraschung für mich! Vom etwas sperrigen Titel und dem verspielten Cover her habe ich eine seichte Liebeskomödie erwartet, gefunden habe ich ein Wohlfühlbuch mit Tiefgang, Humor und wichtiger Message. Der Schreibstil der Autorin hat mich von Beginn an begeistert, ich musste an vielen Stellen nicht nur Schmunzeln, sondern habe laut losgelacht. Durch diesen ironischen und trockenen Humor sowie jede Menge Situationskomik liest sich das Buch wunderbar leicht und flüssig, die Zeilen sind nur so dahingeflogen. Des Weiteren schafft sie durch eindrucksvolle Beschreibungen lebendige Bilder im Kopf des Lesers und lässt diesen durch liebevoll gestaltete Szenen und Metaphern träumen.

Das Buch ist aus Ich-Perspektive von Lucy geschrieben, welche mir auf Anhieb sympathisch ist. Sie weiß nicht wirklich etwas mit ihrem Leben anzufangen, fühlt sich oftmals einsam und ist sich ihrer Fähigkeiten unsicher. Dabei ist sie aber auch ein absolut herzlicher Mensch und durch ihre leicht chaotische „Verpeiltheit“ einfach nur liebenswert. Bei Ben hingegen dauert es etwas, bis man ihn einschätzen lernt. Zunächst wird viel über sein attraktives Äußeres und seine Profession als Arzt berichtet, erst nach und nach erhält der Leser Einblick in seine Psyche und deren Zerbrechlichkeit. Seine Gefühle Lucy gegenüber drückt er oftmals über zärtliche kleine Gesten aus, was zu wunderschönen Momenten im Buch geführt hat. Ich fand es sehr angenehm zu lesen, dass auch ein scheinbar perfekter Mann wie Ben seine Schwächen hat und diese auch zugeben kann. Die Nebenfiguren wie die junggebliebene Dorle, die resolute mütterliche Nachbarin Millie, der brummige Fredo, der lethargische Schäferhund Helmut und Esat, der Flüchtling, der „als einziger im Ort das Plusquamperfekt beherrscht“ habe ich sofort ins Herz geschlossen. Diese wurden nicht nur individuell und facettenreich gestaltet, sondern vor allem sehr liebevoll ausgearbeitet.

Das Buch beginnt mit der Vorgeschichte des Kennenlernens von Lucy, Ben und Dorle. Im Nachhinein betrachtet kann dieser als ein langer Prolog bezeichnet werden, den der Leser als Hintergrundinformation benötigt. Insofern war dieser wichtig, der Übergang von den Erlebnissen an Weihnachten zu Lucys aktueller Gegenwart kam aber sehr plötzlich und überraschend, so dass ich erst einmal etwas verwirrt war und zurückblättern musste, ob ich etwas überlesen hätte. Dieser Schnitt kam dann doch sehr abrupt. Des Weiteren fand ich es nicht ganz realistisch, dass Dorle zwei beinahe fremden Menschen einfach so ihren Hof vererbt – aber im Roman ist ja alles möglich und somit verziehen. Im Hauptteil des Buches werden die Entwicklungen der beiden Protagonisten gut ausgearbeitet, man spürt förmlich, wie gut ihnen das entschleunigende Leben auf dem Land tut und wie sie sich langsam einander öffnen. Passend dazu verströmt das Buch eine heimelig-gemütliche Atmosphäre und so ist es auch nur stimmig, dass Lucys und Bens Liebesgeschichte nur langsam Fahrt aufnimmt. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern wird sich hier angemessen Zeit gelassen, bis sich tiefere Gefühle entwickeln und zugelassen werden können. Das hat mir sehr gut gefallen, es wirkt authentisch und spiegelt den Buchtitel toll wider.

Doch auch ernste Themen finden ihren Platz: Die Einsamkeit in der Anonymität einer Stadt, die Dorfflucht junger Menschen, beruflicher Misserfolg, psychische Probleme wie Angstzustände und Panikattacken, die Herausforderungen von Flüchtlingen in Deutschland und die Angst um geliebte Menschen fließen ebenfalls in diesen Roman mit ein. Es wird deutlich, dass Menschen als soziale Wesen Andere um sich herum brauchen und wie gut es tut, in eine (Dorf-)Gemeinschaft aufgenommen zu werden, in der man sich umeinander kümmert und in der Zusammenhalt herrscht. Das große Thema aber, das Dorle Dormann ihren Protagonisten, aber auch den Lesern vermitteln möchte ist der Aufruf dazu, etwas Neues zu wagen und einfach mal mutig zu sein: „Zu oft lassen wir Gelegenheiten verstreichen, weil wir uns nicht trauen, etwas zu riskieren.“ Deshalb hat sie auch eine Liste mit Dingen angefertigt, die man im Leben gemacht haben sollte. Auf dieser geht es unter anderem darum, einen Schatz zu finden – was ich in diesem Buch habe.

Mein Fazit: „Die Liebe kommt auf Zehenspitzen“ ist ein Buch zum rundum wohlfühlen, das seinem Titel alle Ehre macht. Der Roman war herzerfrischend, unterhaltsam und liebevoll; ich kann ihn nur weiterempfehlen.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 01.07.2020

Nordfriesische Spannungslektüre

Halligmord (Ein Minke-van-Hoorn-Krimi 1)
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Gerade eben ist die junge Minke van Hoorn in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters getreten und hat das Amt der Kommissarin im kleinen Küstenort Jüstering angetreten, da passiert schier unglaubliches: ...

Gerade eben ist die junge Minke van Hoorn in die Fußstapfen ihres verstorbenen Vaters getreten und hat das Amt der Kommissarin im kleinen Küstenort Jüstering angetreten, da passiert schier unglaubliches: Die Nordsee spült während eines Herbststurmes ein Skelett auf der kleinen Hallig Nekpen frei. Dort leben traditionell nur zwei Familien und beide scheinen das Geheimnis um den Toten wahren zu wollen. Minke steht einer Mauer aus Schweigen gegenüber und tritt auf der Stelle. Plötzlich wird der David, der Sohn des auf Nekpen wohnhaften Deichgrafen entführt. Nun drängt die Zeit, denn eine schwere Sturmflut kündigt sich an – Wird Minke das Geheimnis um den Toten lösen und David rechtzeitig vor dem Herbststurm finden?

„Halligmord“ von Greta Hennig entführt den Leser in einen ganz besonderen Teil Deutschlands: In das Leben eines fiktiven nordfriesischen Küstenortes und noch kleinerer Halligen. Ich fand es sehr interessant und bereichernd, mehr über diese, von mir bisher kaum beachtete Region Deutschlands und insbesondere die kleinen Küsteninseln zu erfahren. Das Nordseeflair kam sehr rüber, was insbesondere den lebhaften Beschreibungen der Autorin zu verdanken ist. Vor allem das Leben am unberechenbaren Meer und die damit verbundene Einstellung der Menschen wurde gut beschrieben, der Leser bekommt einen anschaulichen Einblick, wie das Leben auf einer Hallig bzw. einem kleinen Nordfriesischen Küstenstädtchen verläuft.

Die einzelnen Kapitel sind jeweils passend überschrieben, durch Beschreibungen wie „Noch zwei Tage bis zum Sturm“ wird die Spannung kontinuierlich gesteigert. Toll fand ich die eingeschobenen Erzählungen aus der Vergangenheit, was in jener verhängnisvollen Nacht geschehen ist. Verwirrung kam hierbei an keiner Stelle auf, da sich diese Kapitel durch Angabe des Jahres „1987“ sowie Kursivschrift deutlich von den Geschehnissen der Gegenwart abgehoben habe. Auch wurde der jeweilige Name der berichtenden Person genannt, so dass der Leser die Perspektiven verschiedener Beteiligter einnehmen konnte und diese somit kennen und verstehen gelernt hat. Ein tolles Stilmittel, absolut passend eingesetzt! Sowieso zeichnet sich das Buch durch oftmalige Perspektivwechsel aus, wobei der Großteil der Geschichte aus Minkes Sicht erzählt wird.

Diese wird als taffe Frau dargestellt, die sich nichts sagen lässt und selbstbewusst ihren Weg geht. Zwar hat sie auch eine sensible und unsichere Seite, aber durch ihre Hartnäckigkeit und ihre clevere Kombinationsgabe gelangt sie letztendlich an ihr Ziel. Minke war mir das ganze Buch hinweg sehr sympathisch, ich hätte mir lediglich an einigen Stellen etwas mehr Einblick in ihre Gedanken gewünscht, um mehr mit ihr gemeinsam am Fall knobeln zu können, als am Ende die fertige Lösung präsentiert zu bekommen. Auch sämtliche Nebencharaktere wurden von der Autorin facettenreich und glaubwürdig gezeichnet und haben für mich verschiedene Konstellationen des typischen, nordfriesischen Menschentyps verkörpert.

Der sich permanent steigernde Spannungsbogen endet mich einem fulminanten Showdown auf der Hallig Nekpen inmitten eines Sturmes. Die Auflösung des Falles war stimmig und interessant, für mich zwar wenig überraschend, aber doch anders als gedacht, da letztendlich jeder der damals auf der Hallig weilenden Personen ein Motiv hatte.

Ebenfalls gut gefällt mir das Cover: Die vielen Grüntöne, das typische Gras, die Nordsee auf der ein Sturm aufzieht sowie das typische Norddeutsche Häuschen mit Reetdach haben mich sofort in die richtige Stimmung versetzt. Ein sehr gelungenes und ansprechendes Cover. Eine schöne Überraschung war zudem das Rezept für regionaltypische „Knerken“ im Klappenumschlag!

Alles in allem ein wunderbar spannender und gut erzählter Kriminalroman mit dem typischen Nordseeflair und charakteristischen Personen, den ich sehr gerne weiterempfehle!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2020

Spannender Krimi mit interessantem Hintergrund zur deutsch-dänischen Geschichte

Nordlicht - Die Spur des Mörders
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Ein neuer Fall für die deutsch-dänische Sonderermittlungseinheit rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg: Am Fuß des Flensburger Idsted-Löwen – DEM Symbol für die Freundschaft zwischen den benachbarten ...

Ein neuer Fall für die deutsch-dänische Sonderermittlungseinheit rund um Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg: Am Fuß des Flensburger Idsted-Löwen – DEM Symbol für die Freundschaft zwischen den benachbarten Ländern – wird eine brutal zugerichtete Leiche gefunden. Schnell wird klar, dass es sich dabei um den 73jährigen Karl Bentien handelt, einem ehemaligen Lehrer mit dänischen Wurzeln. Doch wer hat Interesse daran, einen alten Mann zu töten? Vibeke und Rasmus tauchen tief in Bentiens Vergangenheit ein und finden zahlreiche und Verdächtige auf beiden Seiten der Grenze, die ein mögliches Motiv hatten, Karl Bentien umzubringen. Ist wirklich Rassismus der Grund für seinen Tod – oder liegen die Gründe viel tiefer versteckt in seiner Vergangenheit?

„Nordlicht – Die Spur des Mörders“ ist der zweite Band der norddeutschen Autorin Anette Hinrichs um die internationale Sonderermittlungseinheit um das Ermittlerduo Vibeke Boisen und Rasmus Nyborg. Ich kannte den Vorgängerband nicht, hatte aber glücklicherweise auch nicht das Gefühl, das man diesen gelesen haben muss, um den zweiten Teil zu verstehen. Vorfälle aus dem ersten Band werden zwar angedeutet, sind aber zum Gesamtverständnis nicht notwendig. Mir hat sehr gut gefallen, dass so auch ein Quereinstieg in die Reihe problemlos möglich ist.

Auf den ersten Blick ansprechend fand ich das farbenfrohe Cover mit dem langen Pier, an dessen Ende Segelboote vertaut sind und ein Dorf im Hintergrund vage zu erkennen ist. Als Leser fühlt man sich sofort nach Norddeutschland versetzt. Beim Aufschlagen des Buches die nächste Freude: Vorne in der Buchklappe finden sich Karten von Flensburg und dem deutsch-dänischen Grenzgebiet, auf denen man die Wege handelnden Personen nachverfolgen und sich geographisch orientieren kann. In der hinteren Klappe sind zudem Fotos einiger realer Schauplätze abgebildet, die im Buch genannt werden – eine sehr hochwertige und durchdachte Umschlaggestaltung!

Die Geschichte selbst beginnt mit einem grausamen Prolog aus der Vergangenheit, der den Leser ratlos und betroffen hinterlässt. Die folgenden Kapitel umfassen größtenteils sehr viele Seiten und wären mir an sich zu lang gewesen, wenn sie nicht regelmäßig durch Zwischenkapitel, eingeleitet durch die Angabe von Orten, Ländern und manchmal Jahreszahlen, unterbrochen worden wären. Da die Geschichte nicht ausschließlich in der Gegenwart spielt erhält der Leser somit einen guten Überblick, in welcher Lebensphase des jeweiligen Protagonisten man sich befindet – man wird somit zum Mitdenken und -rechnen angeregt. Das Buch endet mit einem Epilog, welcher gut zum Prolog passt und dem Buch insgesamt somit einen schönen Rahmen gibt. Auch das Nachwort der Autorin, in dem Erläuterungen zum geschichtlichen Hintergrund und zur Entstehung der Idee des Buches im aufgeführt werden, ist absolut stimmig.

Zu Beginn laufen sehr viele Handlungsstränge parallel zueinander ab, es werden verschiedene Personen eingeführt, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Teilweise ging mir das etwas zu schnell, so dass ich beinahe den Überblick verloren habe. Sobald die verschiedenen Nebengeschichten miteinander in Verbindung gebracht werden konnten, war aber wieder alles nachvollziehbar. Der Autorin ist es ganz grandios gelungen, sämtliche lose Fäden so zusammenzuführen, dass es für den Leser spannend und überraschend war. Zudem gab es zahlreiche Wendungen und ein unvorhergesehenes Ende, das mir gut gefallen hat. Insgesamt steigt der Spannungsbogen nicht zu steil auf ein bestimmtes Ereignis hin an, sondern bleibt konstant und dennoch fesselnd. Der natürliche Schreibstil von Anette Hinrichs lässt den Leser die Ereignisse gut nachvollziehen, dazu beschreibt sie Personen, Schauplätze und Gegebenheiten so detailliert, dass man authentische Bilder vor Augen hat. Kritisieren kann ich nur zahlreichen Abkürzungen, für die mir leider die einmalige Erklärung nicht ausgereicht hat.

Die beiden Protagonisten des Buches sind Ermittler mit Ecken und Kanten, beide haben ihre ureigenen Probleme, die immer mal wieder zwischendurch thematisiert werden. Insgesamt ist die Balance zwischen dem Privatleben der Polizisten und ihrem zu lösenden Fall ausgeglichen. Vibeke Boisen war mir direkt sympathisch, sie ist eine seriöse Ermittlerin, die ihren Job sehr ernst nimmt und über eine bemerkenswerte Selbstkontrolle verfügt. Ihr dänischer Kollege Rasmus Nyborg stellt hier das glatte Gegenteil dar, er bevorzugt unkonventionelle Methoden und führt die regelkonforme Vibeke mit seiner lockeren Art an ihre Grenzen. Das internationale Team um die beiden sowie sämtliche Nebenfiguren wurden ebenfalls glaubhaft charakterisiert und wirken authentisch.

Am meisten beeindruckt haben mich aber die vielen gut recherchierten Hintergründe zur deutsch-dänischen Geschichte, über die mir vorher kaum etwas bekannt war. Als Leser spürt man, wie wichtig der Autorin die Aufarbeitung der Vergangenheit ist und wie sehr sie sich mit der Geschichte ihres Landes verbunden fühlt. Mich hat es sehr berührt, von den deutschen Kriegsflüchtlingen und deren Kasernierung in dänischen Lagern zu lesen. Anette Hinrichs ist sehr gut gelungen, sich diesem schwierigen Thema anzunehmen und es scheinbar mühelos in die Kriminalgeschichte zu integrieren, so dass das Buch eine unerwartete Tiefe innehat. Das macht das Buch alles in allem zu einer Geschichte, die unter die Haut geht. Ich habe einen Krimi erwartet und zusätzlich aber bewegendes über ein Thema gelernt, dass mir bisher kaum bewusst war.

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Veröffentlicht am 01.06.2020

Gelungenes Plädoyer gegen Oberflächlichkeit und für mehr Selbstliebe

Marked Men: In seinen Armen
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Die intelligente, hübsche Saint ist Krankenschwester aus Leidenschaft, für ihren Beruf gibt sie alles und verbringt jede Menge Zeit damit, sich für andere aufzuopfern. Ihr Privatleben bleibt deshalb auf ...

Die intelligente, hübsche Saint ist Krankenschwester aus Leidenschaft, für ihren Beruf gibt sie alles und verbringt jede Menge Zeit damit, sich für andere aufzuopfern. Ihr Privatleben bleibt deshalb auf der Strecke, was ihr jedoch nicht unrecht ist: In der Vergangenheit wurde sie oft enttäuscht, angefangen mit einer schlimmen Mobbing-Erfahrung in der Highschool. Damals war sie noch ein pummeliger Teenager, der heimlich in den Bad Boy der Schule, Nash Donovan, verliebt war und von ihm schrecklich verletzt wurde. Seitdem war es ihr nicht mehr möglich, eine normale Beziehung zu führen. Als Nash eines Tages unvorhergesehen aufgrund eines Krankheitsfalles in der Familie in der Notaufnahme auftaucht wird Saint mit der Vergangenheit konfrontiert – Nash ist inzwischen ein volltätowierter, gutaussehender Mann geworden und übt eine wahnsinnige Anziehungskraft auf Saint auf. Diese beruht auf Gegenseitigkeit und so reißen bei Saint alte Wunden auf. So sehr sich Nash bemüht, die Fehler der Vergangenheit ungeschehen zu machen, kann Saint nicht über ihren Schatten springen. Hat ihre Beziehung eine Chance?

„Marked Men – In seinen Armen“ ist der vierte Band der erfolgreichen „Marked Men“-Reihe der amerikanischen Autorin Jay Crownover. Auch ohne die Vorgängerbände gekannt zu haben ist ein Einstieg problemlos möglich, vielmehr machen die Anspielungen und die Nebenfiguren im Buch große Lust darauf, sowohl die Vorgänger- als auch Nachfolgebände zu lesen.

Bereits bevor die eigentliche Geschichte beginnt, hat die Autorin meine Sympathie gewonnen: Das Buch startet mit einer wunderschönen Widmung an den Leser und einer Einleitung mit leidenschaftlichem Plädoyer für mehr Selbstliebe. Jay Crownover scheint sich viele Gedanken um ihren Leser zu machen und möchte ihn/sie darin bestärken so zu sein, wie er/sie ist und sich nicht von anderen verändern zu lassen. Passend hierzu auch die folgenden Zitate berühmter Menschen, die diese Grundeinstellung bestärken sollen. Mir wurde dadurch definitiv das Gefühl vermittelt, dass ihr ihre Leser als Menschen sehr am Herzen liegen und sie ihren Einfluss für eine wichtige Message nutzen möchte – das hat mich sehr berührt.

Die Story selbst beginnt mit einem Prolog aus der Vergangenheit aus Sicht von Saint, bereits hier wird deutlich, wie schlimm die Highschool-Jahre für das sensible Mädchen gewesen sein mussten. Im Folgenden wird kapitelweise aus den beiden Perspektiven der Protagonisten erzählt, der Leser lernt somit beide mit all ihren Emotionen, Gedanken und Hintergründen sehr gut kennen. Das Buch endet mit einer Playlist, die absolut passend zu den Charakteren ist, die der Leser im Geschehen kennenlernt.

Saint ist trotz ihrer traurigen Vergangenheit als erwachsene Frau eine wunderbare, intelligente und empathische Persönlichkeit. Sie ist aus selbstlosen Gründen Krankenschwester geworden und opfert sich für andere auf. Dennoch plagen sie außerhalb des Berufes große Selbstzweifel und gerade im Umgang mit Männern verfügt sie über nur wenig Selbstbewusstsein. Teilweise ist ihr Verhalten deshalb etwas irrational und nicht nachvollziehbar – selbst wenn man ihre Vorgeschichte kennt. Nash hingegen ist ein grundehrlicher und sehr selbstreflektierter Mann, dessen Abbildung auf dem Cover sehr gelungen ist und zur Tattoo-Beschreibung im Buch passt. Saint behandelt er immer mit Respekt, er steht zu seinen Fehlern der Vergangenheit und versucht in der Gegenwart ein besserer Mensch zu sein. Sein Charakter, seine Loyalität zu seinen Freunden und die Liebe zu Phil haben mich beeindruckt, er ist das ideale Beispiel dafür, dass man vom Äußeren eines Menschen nicht auf sein Inneres schließen sollte. Auch Nashs Freunde sind alle eigen und speziell, aber durchweg sympathisch und authentisch-facettenreich dargestellt. Insofern hat mir sehr gut gefallen, dass das Buch versucht mit gängigen Klischees über tätowierte, gepiercte, durchtrainierte Männer aufzuräumen – nicht jeder ist automatisch ein krimineller, herzloser „Bad Boy“.

Insgesamt ist „Marked Man – In seinen Armen“ eine aufwühlende Geschichte voller Emotionen: Wut, Hass, Selbstzweifel, Enttäuschung, Trauer aber auch Liebe, Loyalität, Ehrlichkeit und Hoffnung auf ein Happy End sind absolut nachvollziehbar dargestellt, der Leser fühlt und leidet jede dieser Emotionen mit den Protagonisten mit. Die Geschichte war lebensnah und nicht überzogen, auch explizite Szenen wurden gut ins Geschehen eingearbeitet und wirkten an keiner Stelle obszön oder unangebracht. Der Tiefgang des Buches hat mich sehr überrascht, da ich das aufgrund des Klappentextes nicht erwartet hatte – wirklich super!

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