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Veröffentlicht am 27.09.2020

Ein gelungener 4. Fall

Rauchland
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Im Münsterland steht ein Kotten in Flammen, eine Person wird aus dem Haus gezogen und der Retter verschwindet – das ist die Ausgangssituation. Der Mantel des Flüchtenden bleibt zurück, deshalb wird er ...

Im Münsterland steht ein Kotten in Flammen, eine Person wird aus dem Haus gezogen und der Retter verschwindet – das ist die Ausgangssituation. Der Mantel des Flüchtenden bleibt zurück, deshalb wird er sofort als Heinrich-Josef Schultewolter identifiziert. Aber der Tote und Schultewolter waren Freunde, was ist passiert? Diese Frage müssen sich Maik Bertram und seine Kollegen stellen. Der Tote, Friedhelm Harking, lebte als Einsiedler, mit seinem Sohn war er seit Jahren zerstritten und die Tochter lebt auf Usedom. Und dann kommt ein Anruf aus den Niederlanden von Jan Bonnema, Schultewolter ist bei ihnen im Krankenhaus und will nur mit Heinrich Tenbrink sprechen. Tenbrink, eigentlich im Ruhestand, erklärt sich aber gerne bereit, mitzuhelfen. So kommt auf verschiedenen Ebenen die Aufklärung ins Laufen, dennTenbrink gibt nach dem Gespräch nicht so schnell wieder auf, sondern geht seinen eigenen Weg und verbeißt sich in die Sache.



Ich habe schon die Vorgängerbände begeistert gelesen und dieser steht denen in nichts nach. Der Autor schreibt spannend, lebendig und bildhaft, daher fühlt man sich als Leser mitgenommen. Er läßt eine gewisse Mystik durch die Rauhnächte einfließen und die Dialekteinschübe machen die Geschichte noch authentischer. Das Privatleben in der Wohngemeinschaft von Bertram und Tenbrink samt Locke spielt natürlich auch wieder eine größere Rolle, es wird aber in der richtigen Dosis und mit einer Portion Humor eingestreut. Nach einigen Wendungen wird der Fall am Ende natürlich gelöst, Bertram trifft eine weitreichende Entscheidung und so kann man als Leser gespannt sein, was der Autor mit seinen Figuren noch geplant hat.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung für diesen Münsterlandkrimi

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Veröffentlicht am 05.09.2020

Komplexer Psychothriller

Nach dem Feuer
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Protagonist ist ein Junge, der einem Wohnmobilbrand entkommt. Seine Freunde konnte er nicht mehr retten und seinen Namen gibt er im Krankenhaus nicht preis. Hier beißen sich die Polizisten quasi die Zähne ...

Protagonist ist ein Junge, der einem Wohnmobilbrand entkommt. Seine Freunde konnte er nicht mehr retten und seinen Namen gibt er im Krankenhaus nicht preis. Hier beißen sich die Polizisten quasi die Zähne aus. Aber warum macht er um seinen Namen ein solches Geheimnis? Weiß er ihn tatsächlich nicht, weil er geistig dazu nicht in der Lage ist oder gibt er nur vor, ihn nicht zu wissen? Nach seiner körperlichen Genesung kommt er in die psychiatrische Forensik, wo sich ein Jugendpsychiater einfühlsam um ihn kümmert. Hier erkennt man seine Begabung zum Zeichnen, fördert diese und der Polizei erweist sie sich als nützliche Unterstützung. Dann wird eine Frau brutal getötet in ihrer Wohnung aufgefunden, ein Zusammenhang wird hergestellt und es wird nach dem Täter gesucht. In den Fokus rücken der Ex-Ehemann, der angeblich die gemeinsame Tochter mißbraucht haben soll und seither abgetaucht ist, oder war es womöglich der Sohn? Parallel dazu gibt es in einem kleineren Handlungsstrang weitere Verbrechen. Erst zum Ende hin wird klar, daß es hier einen Zusammenhang geben könnte und tatsächlich auf den allerletzten Seiten werden sie miteinander verwoben und man erkennt die Auflösung. Nach dieser wahrlich dramatischen Story fand ich den Abschluß und Ausblick erfreulich.


Die Autorin hat mit diesem Buch einen komplexen Psychothriller abgeliefert, der vom Leser volle Aufmerksamkeit fordert. Der Schreibstil war von der ersten Seite an packend und spannungsreich. Das Buch gliedert sich in 4 Teile und darin dann teils sehr kurze Kapitel. Dadurch entstand bei mir kein Lesefluß, weil kaum begonnen, war das Kapitel schon wieder beendet. Allerdings wurde ich durch das Buch gesogen, denn ich wollte nur noch ein Kapitelchen lesen, um zu wissen wie es weitergeht. Die Kapitel springen oft zwischen Zeiten und Perspektiven, so daß vom Leser Konzentration gefordert wird und am besten bleibt man dran und liest ohne Unterbrechung. Bei der Vielzahl der Figuren hätte mir ein Personenverzeichnis sehr gut gefallen.

Der Junge und seine Familie wurden sehr gründlich analysiert und charakterisiert, ihr Familienleben genauestens unter die Lupe genommen. Dabei ergeben sich für den Leser eindeutig Sympathien und Antipathie. Die Polizeibeamten und ihre Arbeit sind authentisch und realistisch beschrieben. Positiv herausstellen möchte ich vor allem Rita Voss, Arno Klinkhammer und den „Spürhund“ sowie den Jugendpsychiater, Dr. Füssen.

Ich empfehle diesen Thriller gerne weiter!

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Veröffentlicht am 26.07.2020

Ein sehr unterhaltsames Reisevergnügen

Mörderische Fluss-Kreuzfahrten
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Als Leser begleiten wir Edelgard und Norbert Buchmann auf 11 recht vergnüglichen Fluß-Reisen in Deutschland und den Nachbarländern - auf der Donau bis Wien und auf der Elbe bis Prag.

Von Edelgard und ...

Als Leser begleiten wir Edelgard und Norbert Buchmann auf 11 recht vergnüglichen Fluß-Reisen in Deutschland und den Nachbarländern - auf der Donau bis Wien und auf der Elbe bis Prag.

Von Edelgard und Norbert hat man aufgrund der bildhaften Beschreibung eine sehr genaue Vorstellung ihres äußeren Erscheinungsbildes und ihrer Rollenverteilung. Edelgard plant und träumt in ihrem Hinterstübchen davon, wie sie Norbert auf geschickte Weise loswerden könnte, um als Witwe zurückzukehren und dann ein neues, aufregendes Leben zu beginnen. Aber auf allen Reisen kommt zu ihrem Pech leider etwas Unvorhergesehenes dazwischen und ihr Vorhaben will nicht so recht klappen. Norbert ist eher der Stille. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich angelegt und werden umrahmt von Figuren, die facettenreich und teils skurril beschrieben werden.

Die Autorin hat einen herrlichen Mix geschaffen aus Krimi, Reisebeschreibung und das alles gewürzt mit einen Spritzer Humor. Man lernt auf diese Weise in den einzelnen Kapiteln jeweils einen anderen Fluss, die Landschaft und die Sehenswürdigkeiten kennen. Diese Art eines quasi Krimi-Reiseberichts hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn etliche Schauplätze habe ich auch schon besucht und beim Rest wurde ich jetzt animiert, unbedingt einmal hinzufahren. Am Ende des Buches befindet sich dann eine Karte, aus der man die Routen nochmals detailliert ersehen kann und vielleicht auch zu einer Reise in das entsprechende Gebiet animiert wird.

Für mich war das eine gelungene Unterhaltung – zum einen der Krimipart und zum anderen diese tollen Reisebeschreibungen. Der Vorteil, man kann das Buch häppchenweise als Gute-Nacht-Lektüre genießen oder auch sehr gut als Urlaubsbuch oder selbstverständlich für Urlaubsanregungen/-planungen.

Es war ein kurzweiliges Krimi-Reise-Lesevergnügen mit vielen Gelegenheiten zum Schmunzeln, das ich sehr gerne weiter empfehle. Beim nächsten Ausflug von Edelgard und Norbert bin ich bestimmt wieder mit von der Partie!

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Veröffentlicht am 04.07.2020

Tino Dühnfort in neuer Abteilung

Ich bin dein Tod (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 9)
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Tino Dühnfort ist nach seiner Elternzeit zurück und ist jetzt in der Abteilung Operative Fallanalyse tätig. Für ihn ein schwieriger Start, denn vom Chef wird er jetzt zu einem Teammitarbeiter. Das gestaltet ...

Tino Dühnfort ist nach seiner Elternzeit zurück und ist jetzt in der Abteilung Operative Fallanalyse tätig. Für ihn ein schwieriger Start, denn vom Chef wird er jetzt zu einem Teammitarbeiter. Das gestaltet sich nicht immer komplikationslos und es kommt immer wieder zu Animositäten und dann zieht es ihn wieder zurück zu seinen früheren Kollegen.

Im südbayerischen Raum kommt es zu verschiedenen Leichenfunden, bei den sich auf den ersten und auch zweiten Blick kein Zusammenhang herstellen läßt. Alle Toten bekamen die Ankündigung „Ich bin dein Tod“ und jedes Mal wurde eine andere andere Todesart bzw. Tatwerkzeug verwendet. Nur Dühnfort glaubt an einen Serientäter. Aber Tino wäre nicht Tino, wenn er sich nicht in diese Fälle verbeißen würde. Einer jungen Kollegin aus Passau ergeht es ebenso und sie setzt sich über den Willen ihres Chefs hinweg, um tiefer in den Fall einzusteigen. In Dühnfort findet sie einen Verbündeten und so kommt es zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit.


Der Leser ist im Vorteil, denn für ihn werden immer wieder Auszüge eines Videotagebuches eingestreut. Hieraus können schon Vermutungen angestellt und Schlüsse gezogen werden.


Die Autorin schreibt für mich in ihrer bewährten Art spannend und fesselnd. Diesmal hat allerdings die Gewaltspirale angezogen, daher braucht man schon stärkere Nerven als gewöhnlich bei Dühnfort. Ich will nichts vorwegnehmen und nenne keine Details, aber manchmal hätte ich eine Figur gerne geschüttelt und aufgeweckt, dann hätte sie vielleicht bemerkt, wer tatsächlich ein Freund ist oder sich nur dafür ausgibt. Damit wäre ihr einiges erspart geblieben.

Gina und Töchterchen Chiara bleiben in diesem Band im Hintergrund und sie dienen Dühnfort als Ausgleich zum stressigen Job.

Der vorliegende Krimi hat mir wieder sehr gut gefallen und ich hatte packende Lesestunden. Ich empfehle diesen 9. Band gerne weiter und warte gespannt, was die Autorin mit Dühnfort, Gina und eventuell Julia Jähnike weiter plant. Ich bin auf jeden Fall dabei!

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Veröffentlicht am 03.07.2020

Das versunkene Dorf - eine menschliche Tragödie

Ich bleibe hier
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Sehr viele Italienurlauber kennen das Titelbild des Buches – den Kirchturm, der aus dem Reschensee ragt und an das ehemalige Dorf Graun erinnert.

Das Buch teilt sich ganz klar in drei Teile – Die Jahre, ...

Sehr viele Italienurlauber kennen das Titelbild des Buches – den Kirchturm, der aus dem Reschensee ragt und an das ehemalige Dorf Graun erinnert.

Das Buch teilt sich ganz klar in drei Teile – Die Jahre, Auf der Flucht und Das Wasser. Bereits daraus ersieht man die Dramatik der Geschichte.

Um diese Geschehnisse zu erzählen, hat der Autor die Romanfigur Trina aus Graun einen Brief an ihre Tochter Marcia schreiben lassen. Es beginnt mit ihren Träumen an die Zukunft als Lehrerin in Südtirol. Leider kommt Mussolini dazwischen und Südtirol wird italianisiert. Es ist für die Einheimischen eine schreckliche Zeit, denn sie dürfen nicht mehr deutsch sprechen und haben in ihrer Heimat kein Sagen mehr, sondern werden von Italienern bevormundet. Durch den Pfarrer ermutigt, unterrichtet Trina im Untergrund. Dann kommt Hitler und spaltet die Bevölkerung, jede Familie muß sich die Frage stellen, ob sie bleiben will oder ob sie bevorzugt, wegzugehen. Der eventuell bevorstehende Krieg und auch der geplante Staudamm schweben wie ein Damoklesschwert über der Bevölkerung. Nach Kriegsende ist ihre Leidenszeit nicht zu Ende, denn der Staudamm wird gebaut gegen den Widerstand der Dorfbewohner und das Ende des Dorfes ist besiegelt.



Der Mailänder Marco Balzano hat dieses Kapitel der Südtiroler Geschichte in einem Roman verarbeitet. Es finden sich viele historische Fakten und zur Abrundung hat er beispielhaft die fiktive Geschichte von Trinas Familie beschrieben. Sehr eindringlich, bewegend und emotional schildert er die Vorkommnisse. Als Leser konnte man sich sehr gut in die Personen hineinversetzen – hat mit ihnen gelitten und auch gekämpft. Wer will schon freiwillig den Ort verlassen, in dem man aufgewachsen ist, seine Wurzeln hat und eng verbunden ist. Sie wollten bleiben und haben schlußendlich ihren Heimatort verloren und zum Hohn mit einer skandalös niedrigen Abfindung.

Mittlerweile erinnern sich nur noch die Alten an das Ausmaß der ganzen Begebenheiten, gerade deshalb finde ich dieses Buch sehr interessant und lesenswert. Es war für mich ein berührendes Buch, das ich auf jeden Fall in Erinnerung behalten werden und hoffe, daß es viele Leser finden wird.

Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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