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Veröffentlicht am 08.08.2020

Eine Frau erwacht aus ihrer Lethargie

Sauer macht listig
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Unglaublich, aber wahr – Elenors Mann erzählt ihr nach dem Sex so nebenbei, dass er eine Affäre hat. Natürlich habe diese rein gar nichts mit ihr zu tun, er brauche einfach ein bisschen Abwechslung. Für ...

Unglaublich, aber wahr – Elenors Mann erzählt ihr nach dem Sex so nebenbei, dass er eine Affäre hat. Natürlich habe diese rein gar nichts mit ihr zu tun, er brauche einfach ein bisschen Abwechslung. Für Elenor zerfällt ihre Welt komplett und als auch noch ihre Freundin davon redet, dass das doch okay sei und sie das wegstecken soll, krempelt sie alles auf links, lebt erst mal einen Wutanfall aus, zieht ins WG-Zimmer ihrer Aushilfs-Postbotin und landet erst mal ganz tief unten in ihrem Selbstmitleid. Doch Elenor wäre nicht Elenor, wenn sie da unten nicht ihren Kampfgeist finden würde …

Zugegeben – mir blieben erst mal die Worte im Hals stecken. Für meinen Geschmack war Elenor viel zu lang brav und folgsam und was ihre sogenannte beste Freundin da von sich ließ, das ging mir echt zu weit. Fast hätte ich abgebrochen, so sauer hat mich das gemacht! Nein, ich bin keine Kampf-Emanze, aber so wenig Respekt vor Frauen, der da rüberkommt, das war schon mehr als heftig. Gleichberechtigung? Fehlanzeige! Mal im Ernst – dieser Paul nimmt sich das Recht, eine Affäre zu haben, und geht allen Ernstes davon aus, dass Elenor das akzeptiert. Wie wäre es gewesen, hätte sich Elenor einfallen lassen, zur Selbstbestätigung einen Gespielen zu haben? Ich kann mir Pauls Entrüstung lebhaft vorstellen …!

So ganz langsam wacht Elenor auf. Gut, die eine oder andere kleine „Vorbereitung“ trifft sie auch schon eher, aber mir ging das echt zu langsam, bis sie genug hatte. Rückfälle inbegriffen, Tritte in den Hintern von im Grunde wildfremden Menschen, Anfälle von sinnloser Geduld und Hinnahme von Dingen bis zu scheinbar plan- und sinnlosen Aktionen, alles ist vorhanden. Nur nicht das Listig-Sein. Elenor braucht immer Hilfe von anderen, sonst kommt sie nicht weiter oder überhaupt voran. Das hat mich irgendwann dann ein bisschen wütend gemacht.

Die Story ist nicht schlecht. Aber die Protagonistin ist ein bisschen eine Schlaftablette. Bis zum Ende stolpert sie so vor sich hin, steckt in alten Mustern fest und hat von A-Z immer wieder Glück, dass andere die Sache für sie in die Hand nehmen. Es ist schon heftig, wie wenig Selbstwertgefühl Elenor hat – es ist fast, als hätte sie die komplette Emanzipation der Frauen verschlafen. Das schockiert mich schon ein wenig.

Bleibt also zu sagen: Mir gefallen alle Nebenfiguren sehr gut. Ja, auch die Bösen! Sie sind echter und lebendiger, als es Elenor ist. Genau diese Nebenfiguren geben der Story das gewisse Etwas. Die Studenten-WG ist so herrlich schräg, dass ich da sofort einziehen möchte und Zac ist sehr schnell meine Lieblingsfigur geworden. Christina Puciata hört man sehr gerne zu. Ihre Stimme und ihre Art zu sprechen ist genau so angenehm, wie bei Beate Rysopp. Die Betonung stimmt, da ist nichts überspannt oder lächerlich. So mag ich das.

Da man nicht immer Fan der Hauptfigur sein muss und die Story zu fesseln wusste, gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 27.07.2020

Gemeinsam Aufgaben bewältigen

Zusammen sind wir nie allein
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Gerade in Zeiten von Krisen, wie aktuell der Corona-Krise, ist alles, was Mut macht, stets willkommen. Noch dazu, wenn es so liebevoll gestaltet ist, wie dieses Büchlein. Es eignet sich bestens als Trostpflaster ...

Gerade in Zeiten von Krisen, wie aktuell der Corona-Krise, ist alles, was Mut macht, stets willkommen. Noch dazu, wenn es so liebevoll gestaltet ist, wie dieses Büchlein. Es eignet sich bestens als Trostpflaster und als Mitbringsel.

Die Aquarell-Zeichnungen von Sarah Jacoby sind zauberhaft. Nicht zu detailreich, aber dennoch mit riesengroßer Aussagekraft. Das Wesentliche springt direkt ins Auge und geht von da ohne Umwege ins Herz.

Die Übersetzung der Original-Verse hat vielleicht ein bisschen den kompletten Charme leiden lassen, denn mir erscheinen die Reime ein wenig holprig an vielen Stellen. Auch ist das Versmaß für Kinder wohl schwierig. Dennoch ein dickes Lob an Anna Taube, die sicher keinen einfachen Job hatte.

Die Aussage, dass man gemeinsam mehr bzw. alles schafft und gleichzeitig nie allein ist, ist besonders für Kinder wertvoll und wichtig. Mit den Waldtieren, den Reimen, den Bildern wird den Kindern auch gezeigt, wie die Natur den Lauf der Welt beeinflusst. Groß und Klein, Stark und Schwach, Alt und Jung - zusammen und gemeinsam. Einfach wunderschön!

Für mich ein sehr schönes Buch, das allerdings nicht für alle Kinder ab 4 Jahren gleichermaßen geeignet ist. Ich gebe vier Sterne.

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Veröffentlicht am 25.07.2020

Rezepte für den Alltag und für geselliges Beisammensein

Brote & Snacks
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Ganz ohne Frage – Peter Kapp versteht was vom Brot! Man merkt auf jeder Seite, dass darin seine ganze Leidenschaft steckt. Deshalb ist es besonders schade, dass ich einfach keinen Sauerteigansatz hinbekomme. ...

Ganz ohne Frage – Peter Kapp versteht was vom Brot! Man merkt auf jeder Seite, dass darin seine ganze Leidenschaft steckt. Deshalb ist es besonders schade, dass ich einfach keinen Sauerteigansatz hinbekomme. Seine Tipps und Anleitungen sind klasse, es liegt echt einzig und allein an mir. So mogle ich ein wenig und nehme gekauften Sauerteig. Das ist allerdings nicht ganz das, was man machen sollte, denn es stimmt: je älter ein Sauerteigansatz ist, desto bekömmlicher, milder und leckerer ist er im Brot.

Doch Rapp macht ja nicht nur Sauerteigbrote, sondern bietet auch ganz viele Rezepte für solche Bäcker wie mich, die damit nicht klarkommen oder Hefebrote lieber mögen. Auch an Anfänger ist gedacht. Das Buch startet mit Infos rund um den Brotteig, auch wie man ihn formt. Eine Anleitung für die Herstellung von Anstellgut fehlt auch in diesem Buch nicht. Damit ist man gerüstet für die Rezepte, die danach folgen. Ganz typisch Kapp werden hier allerdings auch mal gern Zutaten verwendet, die man nicht so einfach auftreiben kann. Dazu gehören beispielsweise diverse Mehlsorten und Terra Madre Sauerteigmutter. Wer Kapps Bücher kennt, wundert sich darüber nicht.

Die Rezepte sind zumeist für recht große Mengen ausgelegt. Bei den Baguettes beispielsweise für jeweils acht (kleine) Baguettes. Das entspricht einem Kilo Mehl. Man kann die Rezepte aber auch gut anpassen und/oder halbieren. Die Aufstellung der Rezepte ist klassisch und übersichtlich. Die Arbeitsschritte sind gut verständlich erklärt und für jedes Brot und jeden Snack gibt es auch mindestens ein tolles, aussagekräftiges Bild. Nicht immer werden die eigenen Backwerke so schön, aber das Wichtigste stimmt immer: Der Geschmack! Eine Ahnung davon erhält man bereits beim Backen. Der Duft ist einfach herrlich!

Schade finde ich nur, dass das Buch eher ein Heft ist und bei mir schon jetzt abgestoßene Kanten hat. Ein stabilerer Einband wäre schon wünschenswert für alle, die oft und gerne (Brot) backen. Die Rezepte eignen sich für Partys und geselliges Beisammensein, aber auch für den Alltag, wenn man sich nicht gerade Rezepte mit Kamut- oder Burrato-Mehl von Mulino Marino aussucht. Von schlicht bis raffiniert ist alles geboten. Mir schmeckt’s prima!

Alles in allem ein sehr schönes Buch und deshalb vier Sterne.

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Veröffentlicht am 19.07.2020

Von einem, der auszog, Ruhe und Frieden zu finden

Schneewittchen und die sieben Särge
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Robert Mondrian hat eigentlich „ausgesorgt“. Aber irgendwas muss man ja tun, also hat er sich eine Buchhandlung gekauft. Hier wird nur verkauft, was er selbst gut findet. Also auch keine Comics und schon ...

Robert Mondrian hat eigentlich „ausgesorgt“. Aber irgendwas muss man ja tun, also hat er sich eine Buchhandlung gekauft. Hier wird nur verkauft, was er selbst gut findet. Also auch keine Comics und schon gar keine Krimis oder sonstige Trivialliteratur. Nein, es muss schon edler sein! Sein Angestellter Alfons bringt jeden Tag seine Kakadus mit und sowohl Alfons als auch Robert himmeln jeweils schüchtern und ängstlich ihre Angebetete an. Als ausgerechnet der Obst- und Gemüselieferant von Roberts Traumfrau Sonja ermordet wird und diese unter Verdacht gerät, kann er nicht anders und nutzt seine Kenntnisse und Fähigkeit aus seinem „vorherigen Leben“, um der Sache auf den Grund zu gehen …

Ja, ein bisschen mehr offensichtlichen Humor hatte ich tatsächlich erwartet nach dem Klappentext. Auch mehr Bezug zu Märchen. Aber man kann selten alles haben und gerade der feinsinnige, versteckte Humor dieses Buches gefällt mir doch sehr. Die Ermittlungen sind unkonventionell und ein bisschen in „Wilsberg“-Manier, die Figuren Originale und die Story in sich stimmig und logisch. So kommt es streckenweise auch zu vorhersehbaren Entwicklungen, doch auch zu Überraschungen. Dieser Mix macht das Ganze sehr realitätsnah.

Die offenen Fragen – nun, sie passen zum Start einer neuen Reihe. Vor allem aber sind sie so angelegt, dass man „damit leben kann“. Dennoch bin ich wirklich gespannt auf den nächsten Fall meines neuen Lieblings-Buchhändlers Robert Mondrian. Immerhin sind mir der Scottish-Pub-Besitzer Richie, die Gemüsehändlerin Sonja, die Nachbarin Elsa Heberle, der Kommissar Neher, die Kakadus und Alfons mit Marie so sehr ans Herz gewachsen, dass mich doch sehr interessiert, was sie noch so alles erleben werden.

Mag der Titel ein wenig irreführend sein, so sehe ich ihn doch passend. Wie das? Nun, Seibold spielt auf so manche Unzulänglichkeit an. Eine davon die reißerische Presse. Die macht aus einem Giftmord, der eben zufällig mit einem Apfel begangen wurde, eben schnell mal einen „Schneewittchenmord“. Ob das nun passt oder nicht – egal! Im Buch selbst finden sich noch weitere dieser kleinen Spitzen und genau das mag ich. Auch die Selbstironie ist einfach bemerkenswert – will doch seine eigene Romanfigur die von ihm geschriebenen Bücher nicht verkaufen!

Ein bisschen Cosy-Crime, ein bisschen Regionalkrimi, ein bisschen feinsinniger Humor – diese Mischung wird von mir mit vier Sternen und der Neugier auf Band zwei belohnt!

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Veröffentlicht am 18.07.2020

Den eigenen Weg finden

Perfekt kann ich auch, bringt aber nix!
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Ella Hudson ist 13 und mitten in der Pubertät. Dass ihre Mutter sie und ihren Vater verlassen hat, weil sie sich selbst finden will, macht ihr Leben nicht gerade leichter, zumal sie sich von einigen der ...

Ella Hudson ist 13 und mitten in der Pubertät. Dass ihre Mutter sie und ihren Vater verlassen hat, weil sie sich selbst finden will, macht ihr Leben nicht gerade leichter, zumal sie sich von einigen der „coolen“ Kids gemobbt fühlt. Sie hat keine coolen Klamotten, findet sich nicht schön und kann nichts Besonderes. Noch dazu gilt sie als Musterschülerin, Langweilerin und Streberin. Angepasst und nett sein hat ihr rein gar nichts gebracht, also beschließt sie, ab sofort rebellisch zu sein und ihr altes Image gründlich zu überarbeiten …

Ja, mit 13 hat man es nie leicht. Die Pubertät ist sehr schwer zu überstehen, daran kann ich mich bei mir selbst noch sehr gut erinnern. Dennoch empfand ich Ella auf weiten Strecken auch wirklich nicht sonderlich sympathisch. Da mochte ich ihre Freundin Jas sehr viel mehr – und immerhin ist die ja auch gerade pubertär. Im Laufe der Geschichte wandelt sich das Bild dann etwas, ich bekomme mit Ella ein bisschen Mitleid, bringe ein bisschen mehr Verständnis für sie auf und empfinde Jas streckenweise als spießig. Insofern sind also beide Mädchen perfekt getroffen: Pubertät mit allen Höhen und Tiefen.

Mir ist aufgefallen, dass die Autorin so ganz „nebenbei“ diverse Themen mit eingeflochten hat. Das ist an sich nicht schlecht oder falsch, nur häuft es sich für meinen Geschmack so sehr, dass es stark auffällt und so wirkt, als wolle sie alles perfekt machen und jedem Leser damit zeigen, dass man darauf achten muss. Bei mir kommt das leider nicht ganz so gut an und ich befürchte, bei der Zielgruppe schon gar nicht. Ein guter Mensch sein wollen ist ja leider nicht ganz so leicht. Aber wenn man dann auch noch verdeutlicht bekommt, wo überall die Fallen lauern, kann das schnell überfordern. Ich denke, bei weniger Hinweisen ist es einfacher und die Zielgruppe kann sich selbst noch neue Ziele dazu stecken.

Die Story ist unterhaltsam, aber streckenweise auch ein bisschen anstrengend. Der sich durchziehende running gag, dass öfter am Ende eines Kapitels ein Wort ein Sternchen hat und dann ein Stückchen weiter unten darauf eingegangen wird, ist auch ein bisschen schnell abgenutzt, zumal es ja immer gleich sichtbar ist. Dass Ella bei Auseinandersetzungen mit Lehrern und der Rektorin immer der Verlierer ist, erscheint mir auch ein bisschen dick aufgetragen. Die Begegnungen mit ihrer Mutter kann ich dagegen emotional komplett nachvollziehen. Nein, Geld entschädigt nicht für alles, aber wenn man verletzt ist und komplett allein, dann können Geschenke dieser Art schon kurzfristig für ein gutes oder zumindest besseres Gefühl sorgen. Und ja, dieser Trost verfliegt auch rasch wieder. Dennoch kann ich hier sowohl Ella, als auch ihre Mutter verstehen. Um die Beziehung wieder zu festigen, muss letztere Wege gehen, die nicht ganz so perfekt sind.

Die Sache mit dem Rebellischsein – na ja, so ganz stimmt die nicht. Eigentlich rutscht Ella immer nur in Situationen, die ihr neu sind und die sie mehr oder weniger unglücklich löst. Das kann man als Rebellion sehen, muss man aber nicht. Für mich geht es mehr um typische Situationen im Leben eines pubertierenden Teenagers. Da gibt es die Langweiler, die Chaoten und die in der Mitte. Und dann wechselt das auch mal. Und eigentlich, also so ganz eigentlich, sind die Erwachsenen gar nicht so anders …

Insgesamt ein nettes Buch. Vielleicht sind die Kids der Zielgruppe mehr begeistert und weniger gestresst. Von mir gibt es vier Sterne.

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