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Veröffentlicht am 13.08.2020

Spannender Krimi aus Hollywoods Glitzerwelt

Die letzte Geliebte
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Danke an Kiepenheuer & Witsch und NetGalleyDE, dass ich diesen Roman vorab lesen durfte.

Der historische Kriminalroman "Die letzte Geliebte" von Christof Weigold ist der dritte Band seiner Reihe um den ...

Danke an Kiepenheuer & Witsch und NetGalleyDE, dass ich diesen Roman vorab lesen durfte.

Der historische Kriminalroman "Die letzte Geliebte" von Christof Weigold ist der dritte Band seiner Reihe um den deutschstämmigen Privatdetektiv und gescheiterten Schauspieler Hardy Engel. Nachdem der erste Teil im Jahr 1921 und der zweite 1922 gespielt hat, ist dieser Roman im Hollywood des Jahres 1923 angesiedelt. Versprochen wird nicht mehr und nicht weniger als Engels bisher schwerster Fall.

Hardy Engel bekommt den Auftrag, einen von Hollywoods mächtigsten Männern auszuspionieren, um ihn zu Fall bringen zu können. Will Hays gilt als oberster Boss der Filmmetropole und als Saubermann, soll aber keine reine Weste haben. Schnell findet der Privatermittler heraus, dass Hays nicht nur Kontakte zum Ku-Klux-Klan pflegt, sondern auch eine geheimnisvolle junge Frau protegiert, die möglicherweise seine Geliebte ist. Doch da ist auch noch ein Unbekannter, der im Hintergrund agiert und anscheinend noch mächtiger ist. Die Affäre zieht politische Kreise und Engels Gegenspieler schrecken vor nichts zurück, um ihre Machenschaften zu decken, auch nicht vor Mord.

Weigolds Hardy-Engel-Romane sind ganz in der Tradition klassischer Hardboild-Krimis geschrieben, wobei seine Fälle einen realen Hintergrund haben. Wie die Helden von Raymond Chandler oder Dashiell Hammet, sieht sich Engel mehr seinen eigenem Rechtsempfinden verpflichtet als Gesetz und Ordnung. "Die letzte Geliebte" ist hier keine Ausnahme; im Zentrum steht wieder der skandalträchtige Sündenpfuhl Hollywood. In der gewohnten Mischung aus genretypischen lakonische Formulierungen und gründlich recherchierten Hintergundinformationen über die Historie der Filmstadt erzählt der Autor eine düstere Geschichte aus einer vordergründig glitzernden Welt voller Abgründe. Die komplexe, spannende Krimihandlung ist wie immer gespickt mit Anspielungen auf reale Ereignisse und Personen des frühen Hollywoods und machen so das Buch auch für Cineasten interessant. So war Will Hays als Erster Vorsitzender der Motion Picture Producers and Distributors of America (MPPDA) tatsächlich einer der einflussreichten Männer der Filmindustrie und gewann ab 1930 als Initiator des Motion Picture Production Code (sogenannter Hays-Code), welcher moralische Grundregeln für die gesamte Filmindustrie aufstellte und zur Selbstzensur aufforderte, noch an Einfluss.

Die Geschichte ist sehr gut konstruiert und spannend, hat jedoch — was man aus den ersten Bänden kennt — ein paar unwesentliche Längen, die man als Leser jedoch verzeihen kann, da sie zwar die Kriminalgeschichte nicht vorantreiben, aber die historische Einordnung erleichtern. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig lesbar, die Charakterisierung der Personen realistisch und mitreißend.

Insgesamt eine großartige Fortsetzung der Hardy-Engel-Serie, die auf weitere Bände hoffen lässt. Leider gibt es, wie schon bei "Der blutrote Teppich" keine Hardcover-Ausgabe.

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Veröffentlicht am 26.07.2020

Gelungene Fortsetzung

Cyber Trips
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»Cyber Trips« ist Band 2 der Trilogie von Marie Graßhoff, deren erster Teil »Neon Birds« 2019 erschienen ist und die mit »Beta Hearts« im September 2020 ihren Abschluss finden wird.

Wieder gut 400 Seiten ...

»Cyber Trips« ist Band 2 der Trilogie von Marie Graßhoff, deren erster Teil »Neon Birds« 2019 erschienen ist und die mit »Beta Hearts« im September 2020 ihren Abschluss finden wird.

Wieder gut 400 Seiten lang setzt der Roman nahtlos die Geschichte fort: KAMI hat in der Inkarnation von Luke Bibles Zwillingsschwester Shiva ein Bewusstsein entwickelt und ist immer noch bestrebt, die gesamte Menschheit zu infizieren, was sie als Fortschritt und Weiterentwicklung sieht, um der Welt Frieden zu bringen. Was der künstlichen Intelligenz weiterhin fehlt sind Emotionen. So macht sie sich auf den Weg, sämtliche Sperrzonen zu öffnen und die freien Städte zu erobern, was ihr durch ihren neusten Evolutionsschritt zunehmend leichter fällt. Die Menschen haben den Moja kaum etwas entgegen zu setzen. Andra Yun versucht in dieser Situation, mit KAMI Kontakt aufzunehmen und mit ihr zu kommunizieren. Gleichzeitig taucht eine neue, scheinbar effektive Waffe gegen die Moja auf, Luke und der infizierte Flover Nakamura flüchten sich zu DVM und Okijen Van Dire sieht sich gezwungen, wieder in den aktiven Dienst zu wechseln.

Wie schon im ersten Band wird die Geschichte aus wechselnden Perspektiven erzählt, wobei neben Luke, Flover, Okijen und Andra im letzten Drittel noch Byth als POV-Charakter dazu kommt. Anders als in »Neon Birds« startet der Roman eher gemächlich, aber nicht weniger spannend, und die Action setzt erst in der zweiten Hälfte richtig ein. Hinzu kommt eine sich entwickelnde Romanze, die schon in Teil 1 angedeutet wurde. Stück für Stück werden weitere Informationen über die Protagonisten enthüllt, wobei die Autorin ihre Figuren konsequent weiterentwickelt. Wie schon im ersten Band werden zwischen einzelnen Kapiteln Auszüge aus Militärakten eingestreut, um komprimierte Hintergrundinformationen zu liefern. Insgesamt ist die Stimmung düster. Der Schreibstil ist frisch und flüssig zu lesen, so dass das Buch ungemein fesselnd ist. Am Ende steht dann ein atemraubender Cliffhanger, der die Wartezeit auf »Beta Hearts« nicht gerade leichter macht.

»Cyber Trips« ist ein höchst gelungener Mittelband, der ähnlich gut ist wie »Neon Birds«, und nicht nur eine schwächere Überleitung zum Finale. Als eigenständiger Roman ist er allerdings trotz der Inhaltszusammenfassung am Anfang des Buches kaum lesbar, da man die Vorkenntnisse aus Teil 1 einfach braucht.

Ich kann den Roman uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 15.07.2020

Unterhaltsame Biografie

Ich
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Diese in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Alexis Petritis als Ghostwirter verfasste Autobiografie erzählt auf unterhaltsame Weise Elton Johns Leben von seiner Kindheit als Reginald Kenneth Dwight bis ...

Diese in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Alexis Petritis als Ghostwirter verfasste Autobiografie erzählt auf unterhaltsame Weise Elton Johns Leben von seiner Kindheit als Reginald Kenneth Dwight bis heute. Sich für seine Lieblingsanekdote daraus zu entscheiden, dürfte einem ähnlich schwer fallen, wie sich seinen einzigen Lieblingssong aus seinem umfangreichen musikalischen Schaffen auszuwählen. Mit viel Humor und Eigenironie erzählt der Künstler, ohne sich selbst zu schonen, von seinen Anfangstagen, dem Leben als gefeierter, aber drogensüchtiger Rockstar bis hin zum konservativeren, verheiraten Familienvater und Elder Statesman der Popmusik. Dabei begegnet er immer wieder den Größen der Musikbranche.

Wer den Spielfilm "Rocketman" gesehen hat, wird die eine oder andere Episode daraus wiedererkennen, auch wenn sich der Film die einer oder andere Freiheit genommen hat.

Während andere Prominente sich bei einer solchen Gelegenheit mit Klatsch über andere Berühmtheiten eher vornehm zurückhalten, berichtet Elton John frisch und frei über seine Erlebnisse mit John Lennon (beispielsweise wie die beiden Andy Warhol nicht die Tür geöffnet hatten, damit er keine Fotos von ihnen mit Kokainspuren an der Nase machen konnte), Bob Dylan (schlechter bei Charade) oder Richard Gere (die beiden gerieten bei einem Bankett beinahe in Streit über Prinzessin Diana).

Für Fans ein Muss.

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Veröffentlicht am 07.07.2020

Klassiker des Groschenromans

Sun Koh, der Erbe von Atlantis : Band 1 : Ein Mann fällt vom Himmel
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Die erfolgreiche Heftromanserie »Sun Koh - Der Erbe von Atlantis« erschien erstmals zwischen 1933 und 1936 und erfuhr mehrere Neuauflagen, zuletzt in Form einer gekürzten Taschenbuchausgabe, welche von ...

Die erfolgreiche Heftromanserie »Sun Koh - Der Erbe von Atlantis« erschien erstmals zwischen 1933 und 1936 und erfuhr mehrere Neuauflagen, zuletzt in Form einer gekürzten Taschenbuchausgabe, welche von 1978 bis 1980 im Pabel-Verlag erschien, und inspirierte nicht zuletzt die Science-Fiction-Serie »Perry Rhodan - Der Erbe des Universums«, welche seit 1961 durchgehend läuft. Die Romane stammen aus der Feder des Autors Paul Alfred Müller, wurden jedoch unter den Pseudonymen Lok Myler oder Freder van Holk publiziert. Während die bisherigen Nachkriegsausgaben dem Nationasozialismus geschuldete rassistische, antisemitische oder allgemein das Deutschtum verherrlichende Ausdrücke, die teilweise auf Druck der damaligen Reichsschrifttumskammer aufgenommen wurden, die auch Einfluss auf die Hauptfiguren nahm und beispielsweise das Ausscheiden des Schwarzafrikaners Nimba erzwang, folgt diese Neuauflage dem Ursprungstext, wobei rassistischen Passagen unbearbeitet, aber mit kritischen Anmerkungen übernommen wurden. In neun Bänden, die jeweils 15 bis 17 Einzelabenteuer inklusive Bildmaterial und umfangreichen Anhang enthalten, ist so die komplette Serie wieder zugänglich. Lediglich der Text, der im Original in Faktura gesetzte ist, wurde in Antiqua umgewandelt und die Rechtschreibung an die aktuellen Regeln angepasst.

Auch heutzutage lesen sich die über 80 Jahre alte Heftromane immer noch flüssig und sehr spannend. Man merkt dabei, warum Paul A. Müller so viele Autoren beeinflusst hat. Und das eine oder andere aus Sun Koh findet man auch in heutigen Serien durchaus wieder.

Im ersten Band landet Sun Koh, nur mit einem Schlafanzug bekleidet, mit einem Fallschirm in London. Wie sich im Verlauf herausstellt, ist er der letzte Überlebende des verschollenen Kontinents Atlantis, welcher nach alten Überlieferungen wieder aus dem Ozean auftauchen wird. Er begegnet zwei Personen, die ihn bei seinen Abenteuern begleiten: den oft vorlauten Liftjungen Hal Mervin und den schwarzen Profiboxer Jack Holligan, der in Wirklichkeit zum Stamm der Joruba gehört von da an Nimba genannt werden möchte. Außerdem trifft er auf seinen Erzfeind, den Mexikaner Juan Garcia, aus dessen Gewalt Sun Koh seine Liebe Joan Martini befreien muss. Auch die von ihm zurückgewiesene Lady Houston ist immer wieder für unangenehme Zwischenfälle verantwortlich. Sun Koh erfährt, dass Garcia auch für den Tod seiner Eltern verantwortlich ist und dass Garcia in der Sonnenstadt der Maya in Mexiko einen Zwillingsbruder hat, den exzentrischen, aber zu den Guten zählenden Manuel Garcia. Dieser hat dort einen gewaltigen Schaft aus Maya-Hinterlassenschaften entdeckt, die er nach und nach Sun Koh überlässt. Da Sun Koh nun finanziell unabhängig ist, kann er aus aller Welt Wissenschaftler um sich scharen, die ihn mit fortschrittlichen Erfindungen unterstützen. Bei seinen zahlreiche Abenteuern in aller Welt findet Sun Koh immer wieder Hinweise und rätselhafte Bauten, die den Rückschluss zulassen, dass ein Teil der Atlanter den Untergang überlebt hat und sich auf anderen Kontinenten niedergelassen hat.

Diese mit viel Liebe zum Detail gestaltete Buchausgabe ist nicht nur ein Muss für alte und neue Fans von Sun Koh, sondern auch für alle die, die gute Unterhaltungsliteratur schätzen. Erfreulicherweise wurden auch die Titelbilder der Erstauflage und damalige Extras wie ein Jiu-Jitsu-Kurs abgedruckt. Ferner findet sich im Anhang eine ausführliche und reich illustrierte Dokumentation mit Kommentaren und Hintergrundinformationen zur Serie, verfasst von Heinz J. Galle, die den literaturhistorischen Wert dieser Sammlung unterstreicht.

Die Buchreihe ist beim Verlag DvR leider vergriffen und wird aus lizenzrechtlichen Gründen auch nicht mehr nachgedruckt werden, so dass man zugreifen sollte, wenn man sie antiquarisch noch erhält.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Tirerischer Krimi

Das Strahlen des Herrn Helios
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"Das Strahlen des Herrn Helios" (2022) ist Steampunk-Fantasy-Kriminalroman von Meike Stoverock, in dem die handelnden Personen athropomorphe Tiere sind.

Der Löwe Helios, Direktor eines Wanderzirkus, wird ...

"Das Strahlen des Herrn Helios" (2022) ist Steampunk-Fantasy-Kriminalroman von Meike Stoverock, in dem die handelnden Personen athropomorphe Tiere sind.

Der Löwe Helios, Direktor eines Wanderzirkus, wird ermordet und unter Tatverdacht gerät für den ermittelnden Kommissar Sutton rasch dessen langjährigen Freund Dante, da es am Tatort nach Gorilla riecht. Während es sich die Polizei also einfach macht, hat der Hase und berühmte Meisterdetektiv Skarabäus Lampe, der nebenbei auch Hobby-Entomologe ist, jedoch Zweifel an Dantes Schuld. Er hält nämlich nicht viel vom Geschnüffel der Polizei. Unterstützt vom kleinen Kater Teddy, einem Streuner, findet er heraus, das einige Zirkusartisten ein Motiv hätten. Mit seinen hartnäckigen Recherchen, den wahren Mörder zu finden, bringt Lampe nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch seinen Assistent und Ziehsohn Teddy, der entführt wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Während die Welt, in der dieser Roman spielt, an eine viktorianische Steampunkversion von Zoomania aus dem gleichnamigen Disney-Film erinnert, ist Skarabäus Lampe eine Mischung aus Sherlock Holmes und Hercule Poirot als anthropomorpher Hase. Die Hommage an klassische englische Whodunits ist jedenfalls unverkennbar. Trotz der relativen Kürze des Romans werden die einzelnen, teils skurrilen Charaktere gut dargestellt, wobei die Befragung der einzelnen Zirkuskünstler nach einem ähnlichen Muster abläuft: Die Zeugen erzählen ihre Lebensgeschichte und präsentieren dabei ein mögliches Mordmotiv, bis sich ein Potpourri an Tatverdächtigen ergibt, da quasi alle einen mehr oder weniger versteckten Groll auf Direktor Helios gehegt haben. Der Entführungsszene wird dann etwa in der Mitte des Buches breiter Raum eingeräumt. Am Ende entlarvt der Meisterdetektiv den Mörder vor versammelter Mannschaft, was stark an die Auflösung in Agatha Christies Hercule-Poirot-Romanen wie "Mord im Orientexpress" erinnert.

Das Besondere an "Das Strahlen des Herrn Helios" ist somit nicht die Kriminalhandlung, die durchaus spannend und schlüssig ist, auch wenn es trotz einiger Plottwists nicht übermäßig schwer fällt, den Täter zu erraten, sondern die tierische Fantasywelt in der das Buch spielt. Dabei setzt die Autorin die einzelnen Tierarten geschickt nach ihren anatomisch bedingten Fähigkeiten ein, wie die nasengesteuerten Polizeihunde, und spielt oftmals mit Klischees und Redewendungen. Es wird angedeutet, dass es auch Menschen gibt, wobei deren Rolle unklar bleibt. Auch wie man sich laufende Fische vorstellen soll, wird nicht wirklich beschrieben, nur dass sie Schwierigkeiten haben, zum Beispiel in die Straßenbahn einzusteigen. Fleischfresser ernähren sich von wirbellosen Tieren, die als einzige nicht sprechen können; sich gegenseitig zu fressen steht unter Strafe. Insgesamt wird das Zusammenleben der unterschiedliche Tieren originell und glaubhaft beschrieben. So beschränkt sich die Fantasy dennauch weitgehend auf vermenschlichte Tiere.

Als Fazit kann man sagen, dass Meike Stoverock einen soliden Kriminalfall in einem originellen tierischen Setting geschaffen hat, der in sich abgeschlossen ist. Gegen einen zweiten Fall des Meisterdetektivs Skarabäus Lampe ist nichts einzuwenden.

Mein Dank gilt Klett Cotta und NetGalley für dieses Probeexemplar.

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