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Veröffentlicht am 28.08.2020

Gelungener Spannungsroman von Nalini Singh

Im grausamen Licht der Sonne
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INHALT
Flieh, so weit du kannst – deiner Vergangenheit entkommst du nicht!

Als Ana nach acht Jahren am anderen Ende der Welt nach Golden Cove zurückkehrt, scheint sich dort kaum etwas verändert zu haben. ...

INHALT
Flieh, so weit du kannst – deiner Vergangenheit entkommst du nicht!

Als Ana nach acht Jahren am anderen Ende der Welt nach Golden Cove zurückkehrt, scheint sich dort kaum etwas verändert zu haben. Beinahe könnte sie glauben, dass die Zeit stehen geblieben ist – wäre da nicht Will, der neue und einzige Cop im Ort, der seltsam unnahbar wirkt.
Wie sehr die Dinge tatsächlich beim Alten geblieben sind, wird Ana allerdings erst bewusst, als erneut ein schönes junges Mädchen verschwindet, so wie es auch schon früher geschehen ist.
Nach und nach holt die dunkle Vergangenheit Golden Cove ein und zwingt die Bewohner, ihre gefährlichsten Geheimnisse preiszugeben. Denn eins steht fest: Wer auch immer für das Verschwinden des Mädchens verantwortlich ist, muss aus Golden Cove stammen!!!

(Quelle: Droemer Knaur)

MEINE MEINUNG
Mit ihrem neuen Buch „Im grausamen Licht der Sonne“ hat sich die vor allem mit ihren Romantic-Fantasy-Romanen erfolgreiche Bestsellerautorin Nalini Singh aus Neuseeland in ein neues Genre vorgewagt.
Auch wenn es sich hierbei nicht wirklich um einen Thriller sondern eher um einen atmosphärisch dichten und eher ruhigen Krimi handelt, ist Nalini Singh eine spannende und sehr abgründige Geschichte mit einigen Thriller-Elementen und Gänsehaut-Momenten gelungen, die mich bald in ihren Bann ziehen konnte.
Insbesondere die etwas düstere, unheilvolle Atmosphäre und die allmählich enthüllten menschlichen Abgründe bilden einen interessanten Kontrast zu dem idyllischen, traumhaft gelegenen und etwas verschlafenen Kleinstädtchen Golden Cove. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, das Setting mit sehr bildhaften Beschreibungen der einzigartigen, von Wind und Wetter geprägten Landschaft einzufangen. Die raue Naturschönheit von Neuseelands Südinsel mit der atemberaubenden Küste und das wilde, dicht bewaldete und gefahrenvolle Hinterland sind eine grandiose, sehr stimmungsvolle Kulisse und tragen zum besonderen Flair dieses Krimis bei.
Indem Singh immer wieder Wörter und Sätze auf Māori sowie typische Traditionen in die Handlung einfließen lässt, gibt sie uns interessante Einblicke in die faszinierende Maori-Kultur, deren Geschichte, Rituale und Sprache tief in Neuseelands Kultur und Identität verankert sind. 
Singhs angenehmer, mitreißender und bildhafter Schreibstil konnte mich rasch in die Geschichte hineinziehen. An der Seite der Protagonistin Anahera, die vor vielen Jahren Golden Cave verlassen hat und nun nach dem Tod ihres Mannes aus London in ihre Heimat zurückkehrt, tauchen wir allmählich in die faszinierend unheilvolle Atmosphäre des beschaulichen Ortes ein und lernen die vielen Bewohner des Orts nach und nach kennen.
Sehr raffiniert hat die Autorin die Krimihandlung angelegt, die wir abwechselnd an der Seite der  Hauptfiguren Ana und dem etwas wortkargen, erst vor kurzen nach Golden Cave versetzten Polizisten Will erleben. Die anfänglich ruhige Handlung nimmt mit dem plötzlichen Verschwinden der jungen Miriama und der verzweifelten Suche nach ihr eine abrupte Wendung und gewinnt mit den beginnenden Ermittlungen deutlich an Fahrt. Nach und nach werden immer neue dunkle Geheimnisse der Bewohner der Kleinstadt aber auch der verschwundenen Miri enthüllt; Affären, geheime Obsessionen, Verfehlungen in der Vergangenheit aber auch schockierende Abgründe werden aufgedeckt, so dass beinahe jeder in Verdacht gerät. Der Autorin ist es hervorragend gelungen, uns beim Miträtseln auf einige falsche Fährten zu locken und mit potentiellen Motiven immer wieder für neue Verdachtsmomente zu sorgen.
Leider ist es ihr aber trotz der packenden Ausgangskonstellation nicht gelungen, den Spannungsbogen bis zum großen Finale durchgängig auf hohem Niveau zu halten. Dennoch versteht sie es hervorragend, eine tolle, unterschwellig beklemmende Grundstimmung heraufzubeschwören, die sich über die gesamte Handlung legt und für besonderen Nervenkitzel sorgt.
Singh hat ihre charakterstarken Protagonisten Ana und Will vielschichtig, lebensnah und mit interessanten Hintergrundgeschichten ausgearbeitet. Durch ihre Ecken und Kanten sowie ihre problembehaftete Vergangenheit hat sie gereifte Persönlichkeiten mit Tiefgang geschaffen, die sehr authentisch wirken. Dennoch dauerte es eine ganze Weile bis ich mit ihnen warm wurde. Während der gemeinsamen Ermittlungen kommen Ana und Will sich allmählich näher, so dass die Geschichte eher dezent auch mit etwas Romantik gewürzt wird. Auch die Nebenfiguren wurden abhängig von ihrer Rolle recht facettenreich und ansprechend ausgearbeitet. Bei einigen Charakteren hätte ich mir allerdings etwas mehr Tiefgang gewünscht, um ihre Handlungen besser nachvollziehen zu können.
Schrittweise lässt die Autorin die Erkenntnisse aus den Ermittlungen immer mehr zusammenlaufen, so dass der Fall mit einigen überraschenden Wendungen bis zum packenden Finale spannend bleibt. Die Auflösung des komplexen Falls und die erschütternden Erläuterungen der Beweggründe sind in sich schlüssig und auch die psychologischen Motive nachvollziehbar.
Ein wirklich gelungener und sehr vielversprechender Genrewechsel der Autorin, der mich schon sehr neugierig auf einen weiteren Thriller aus ihrer Feder macht!

FAZIT
Ein vielschichtiger, fesselnder und atmosphärisch dichter Kriminalfall vor der grandiosen Kulisse Neuseelands!

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Veröffentlicht am 13.08.2020

Stiller, berührender Roman

Ein Sonntag mit Elena
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INHALT
Einst reiste er als Ingenieur um die Welt und baute riesige Brücken. Nach dem Tod seiner Frau aber ist es still geworden in der Turiner Wohnung am Fluss. Sein Sohn lebt in Finnland, mit der jüngeren ...

INHALT
Einst reiste er als Ingenieur um die Welt und baute riesige Brücken. Nach dem Tod seiner Frau aber ist es still geworden in der Turiner Wohnung am Fluss. Sein Sohn lebt in Finnland, mit der jüngeren Tochter hat er keinen Kontakt, nur die älteste sieht er ab und zu mit ihrer Familie.
An einem Sonntag kocht der ältere Mann ein traditionelles Mittagessen für sie. Doch sie sagt kurzfristig ab. Im Park lernt er Elena und ihren Sohn kennen und lädt sie spontan zum Essen zu sich ein. Diese zufällige Begegnung wird alle drei für immer verändern.
Eine Geschichte voller Zuversicht und Wärme, die ein stilles Glück in den Herzen zurücklässt.

(Quelle: Hanserblau)

MEINE MEINUNG
Mit seinem neuen Buch „Ein Sonntag mit Elena“ ist dem italienischen Autor Fabio Geda ein eher stiller, atmosphärisch dichter Roman gelungen, der nachdenklich stimmt und noch länger in Erinnerung bleibt. Geda erzählt auf gerade einmal etwas mehr als 200 Seiten eine berührende und tiefgründige Geschichte von schlichter Schönheit und faszinierender Leichtigkeit. Es handelt sich hierbei eigentlich um eine kleine Episode, wie das Leben sie schreibt mit Momenten voller Herzenswärme, Zuversicht aber auch gewissen Unergründlichkeiten.
Schon nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte rund um diesen vereinsamten, sympathischen alten Herrn mit der zart-poetischen Sprache, dem ruhigen Erzählstil und seiner besonderen Atmosphäre gefangen genommen. Die vom Autor gewählte Erzählperspektive sorgt anfangs etwas für Verwirrung, denn die Geschehnisse rund um besagten Sonntag werden nicht vom Protagonisten selber, sondern aus Sicht seiner jüngeren Tochter Giulia im Rückblick geschildert, die dabei gar nicht anwesend war. Erst sehr viel später klärt sich auf, wie dies zustande kommen konnte. Durch diese geschickt gewählte Erzählperspektive erfahren wir in eingestreuten Passagen zugleich aber auch eine Menge Wissenswertes aus Giulias Leben als Künstlerin und ihr nicht unproblematisches Verhältnis zu ihrem Vater, Erinnerungen an ihr gemeinsames Familienleben und interessante Informationen zu ihren Eltern und deren Ehe sowie zu ihren Geschwistern. So erhalten wir allmählich Einblicke in eine nicht ganz so intakte und harmonische Familie, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, und können uns unseren eigenen Reim auf die angedeuteten, aber unausgesprochenen Probleme aber auch die tiefen inneren Verletzungen in dieser Familie machen.
Anders als der Klappentext nahelegt rankt sich die Geschichte jedoch nicht nur um den titelgebenden Sonntag mit Elena, sondern lässt uns teilhaben an dem recht einsamen Lebensalltag des erst vor kurzem verwitweten Protagonisten, der sich in seinem kleinen Mikrokosmos gut eingerichtet hat und eine gewisse Entfremdung zu seinen Kindern nicht wirklich realisieren möchte. Mit viel psychologischem Feingefühl ist es dem Autor gelungen, seine Hauptfigur mit seinen Stärken und Schwächen authentisch und glaubhaft zu zeichnen. Nach und nach erfahren wir auch Details aus seinem Berufsleben als Ingenieur im Brückenbau. Eine Tätigkeit, die ihn mit großem Stolz erfüllt, die ihn aber oft für lange Zeit ins Ausland führte und ihm wenig Zeit für das Familienleben mit seinen drei Kindern ließ.
Berührend ist es mitzuerleben, wie durch die zufällige Begegnung mit der jungen ebenfalls verwitweten Mutter und ihrem aufgeweckten Sohn Gaston und die spontane Essenseinladung, die ihre Einsamkeit und Traurigkeit für kurze Zeit vergessen ließ, unbewusst etwas in Gang gesetzt wurde. Erst viele Jahre später wird den Beteiligten die schicksalhafte Bedeutung jenes Sonntags offenbar und es zeigt sich rückblickend, dass jene zufällige Begebenheit ihren weiteren Lebensweg beeinflusst hat.
Geda hat für seine feinfühlig erzählte Geschichte passender Weise ein trauriges, etwas offenes Ende gewählt, lässt seinen Roman aber schließlich doch versöhnlich ausklingen.

FAZIT
Ein eher stiller, feinfühlig erzählter Roman mit einer berührenden und tiefgründigen Geschichte, die zum Nachdenken anregt! Sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 02.08.2020

Unterhaltsame Zeitreise ins Sylt der Wilden Siebziger

Ozelot und Friesennerz
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INHALT
Die Bundesrepublik gespiegelt auf einer kleinen Insel.
Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen von Deutschlands beliebtester Ferieninsel: Sylt - und die Suche nach einer Heimat, die es so nicht ...

INHALT
Die Bundesrepublik gespiegelt auf einer kleinen Insel.
Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen von Deutschlands beliebtester Ferieninsel: Sylt - und die Suche nach einer Heimat, die es so nicht mehr gibt
Sonne, Freiheit, Champagner: In den Siebzigerjahren lassen Stars, Politiker und Industriegrößen des Wirtschaftswunderlands, aber auch viele andere Inselurlauber, den Alltag am Strand hinter sich - und findige Sylter Unternehmer legen den Grundstein zu sagenhaftem Reichtum.
(Quelle: Ullstein)

MEINE MEINUNG
In ihrem sehr unterhaltsamen Roman „Ozelot und Friesennerz“ widmet sich die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Susanne Matthiessen den Erinnerungen an ihre bewegte Kindheit und Jugend auf Deutschlands beliebtester Ferieninsel Sylt.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm leicht, humorvoll und lebendig, so dass man sich mühelos auf diese Zeitreise der ganz besonderen Art nach Sylt begibt. In acht Kapiteln gewährt sie uns aufschlussreiche Einblicke in nachhaltig prägende Erlebnisse und teilweise sehr witzige Anekdoten aus ihrer außergewöhnlichen Sylter Kindheit während der wilden Siebziger Jahre. Auch wenn die geschilderten Episoden für Außenstehende bisweilen alles andere als „normal“ sondern eher verrückt und skurril wirken, basieren sie dennoch allesamt auf wahren Begebenheiten und waren teilweise für die damaligen Sylter Verhältnisse sehr charakteristisch. Teils humorvoll und teils sehr nachdenklich stimmend ist der facettenreiche Blick hinter die Kulissen, der auch sehr anschaulich die Schattenseiten der unter den Insulanern um sich greifenden Goldgräberstimmung und die Kehrseite des Wohlstands aufzeigt. Alljährlich im Sommer verwandelte sich die beschauliche Inselwelt unter dem gigantischen Ansturm der erholungssuchenden und vergnügungssüchtigen Touristen zum Nabel der Welt und das Leben der Sylter wurde ausnahmslos auf den Tourismus ausgerichtet.
Sehr authentisch und anschaulich bringt die Autorin uns das besondere Flair dieser Insel, das Alltagsleben auf Sylt während der 1970er Jahren und die einzigartige damalige Atmosphäre näher.
Gekonnt zeichnet Susanne Matthiessen das schillernde Portrait einer Insel, die für viele als der Sehnsuchtsort schlechthin galt – ein idyllisches Natur- und Ferienparadies an der Nordsee, ein angesagter Treff für die Haute-Volée, Stars und Sternchen, Politiker sowie den dekadenten Jetset aber auch florierende Hochburg für geschäftstüchtige Investoren.
In den unabhängig voneinander zu lesenden Geschichten kommt auch immer wieder das renomierte elterliche Pelzgeschäft in Westerland mit ihrem Vater Peida als leidenschaftlichem Kürschner, ihrer Mutter Telse als geniales Verkaufsgenie und Oma Ally als sich in alles einmischende Seniorchefin vor, weshalb jedes Kapitel schon im Titel Bezug auf eine besondere Pelzart nimmt, um die sich die geschilderten Ereignisse ranken.
In den Geschichten begegnet uns ein Panoptikum bemerkenswerter Menschen – neben vielen Prominenten lernen wir auch Sylter Unikate, zahlreiche Weggefährten der Autorin und natürlich auch ihre Familie und Verwandten kennen.
So erzählt die Autorin nicht nur eine sehr persönliche Geschichte, sondern lässt uns auch teilhaben an der wundervollen Illusion von grenzenlosem Reichtum und legendärem Wirtschaftswunder, die schließlich in dem gnadenlosen Ausverkauf und den schrittweisen, sehr schmerzlichen Verlust der geliebten Heimat mündete.
Ausgesprochen gut haben mir auch Prolog und Epilog gefallen, die als eine Art Rahmen fungieren, zwischen den ihre unterhaltsamen Sylter-Geschichten eingebettet sind und dem Ganzen noch eine besondere Note verleihen. Hierin wirft die Autorin einen aktuellen und sehr kritischen Blick auf die (Fehl-)Entwicklungen auf ihrer geliebten Insel, übt Kritik an der gegenwärtigen Sylter Lokalpolitik und führt uns den überaus schmerzhaften Verlust ihrer Heimat vor Augen.

FAZIT
Eine gelungene Zusammenstellung von höchst unterhaltsamen, aber auch sehr nachdenklich stimmenden Geschichten über eine „ganz normal verrückte“ Kindheit in den Siebzigern auf der Insel Sylt! Humorvoll, kurzweilig, authentisch, mit einem faszinierend scharfsichtigen Blick hinter die Kulissen! Eine sehr lesenswerte Geschichtsstunde und  aufschlussreiche Zeitreise!

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Veröffentlicht am 28.07.2020

Fesselnder, sehr beklemmender Krimi

Ich bin dein Tod (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 9)
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INHALT
Ich bin dein Tod. Mich hast du verdient.

Ein Mörder schickt seinen Opfern Nachrichten, bevor er sie tötet. Die Suche nach ihm wird für Kommissar Dühnfort zur besonderen Herausforderung. Er hat ...

INHALT
Ich bin dein Tod. Mich hast du verdient.

Ein Mörder schickt seinen Opfern Nachrichten, bevor er sie tötet. Die Suche nach ihm wird für Kommissar Dühnfort zur besonderen Herausforderung. Er hat gerade seine neue Stelle in der Abteilung Operative Fallanalyse angetreten und muss sich bewähren. Als das Team der Profiler im Laufe mehrerer Wochen zu verschiedenen Tatorten gerufen wird, erkennt er als Erster den Zusammenhang. Doch sein Vorgesetzter glaubt nicht an einen Serienmörder. Ein fataler Fehler.
(Quelle: Ullstein – Erscheinungsdatum: 29.06.2020 – ISBN: 978-3-548-29096-6)


MEINE MEINUNG
Der spannende Krimi „Ich bin dein Tod“ von Inge Löhnig ist bereits der neunte Band ihrer Krimi-Reihe um den sympathischen Münchener Kommissar Konstantin Dühnfort, der nach Ende der Elternzeit eine neue Stelle in der Abteilung Operative Fallanalyse angetreten hat und sich erst noch in seine Aufgabe als Profiler und die Zusammenarbeit mit den neuen Kollegen einfinden muss.
Als in sich abgeschlossener Fall kann dieser Krimi aber auch ohne Vorkenntnisse aus den vorangehenden Bänden problemlos gelesen werden.
Gleich sein erster Fall mit seinem Profiling-Team stellt für Tino eine große Herausforderung und Bewährungsprobe dar. Er erkennt als Erster Parallelen zu anderen Fällen in Bayern, die auf einen Serienmörder hindeuten, doch erhält er zunächst keine Unterstützung aus seiner neuen Abteilung. So begleiten wir Tino bei den Ermittlungen zu den mysteriösen Mordfällen, bei denen ihm als Profiler immer wieder die Hände gebunden sind, und rätseln über die Hintergründe für die geheimnisvollen Botschaften und das Motiv für die Taten.
Dank Löhnigs fesselnden und abwechslungsreichen Erzählstils findet man sehr schnell in die Handlung hinein, die sehr komplex und mit großer psychologischer Raffinesse angelegt ist.
Für ihren neuesten Kriminalroman hat die Autorin eine interessante, hochaktuelle Hintergrundgeschichte gewählt, die sich mit der beklemmenden und wenig bekannten Problematik von Loverboys und ihren Opfer befasst. Die hierzu recherchierten Hintergründe hat Ilse Löhnig sehr nachdrücklich und authentisch in den packenden Fall eingearbeitet. In eingeschobenen Passagen aus einem Videotagebuch erhalten wir schrittweise Einblicke in das tragische Schicksal der jungen Lea mit schockierenden Details, die äußerst eindringlich geschildert sind und unter die Haut gehen. Auch die eingestreuten Kapitel, die uns sehr unmittelbar an der Gedankenwelt und den zunehmend nachvollziehbaren Beweggründen des Täters teilhaben lassen, sind fesselnd und lassen neben großer Abscheu angesichts der großenBrutalität seiner Taten auch gewisse Sympathien für ihn aufkommen. Auch wenn man durch die unterschiedlichen Perspektiven den Ermittlungen der Polizei stets einen Schritt voraus ist, versteht es Löhing hervorragend, den Spannungsbogen durch die clevere, mitreißende Handlungsführung, vielen falschen Fährten und unerwarteten Wendungen kontinuierlich zu steigern. Immer tiefer taucht man in die verhängnisvolle Geschichte ab und verfolgt gespannt die sich zuspitzenden Ereignisse.
Durchweg facettenreich und lebensnah sind die Charaktere in diesem Krimi gezeichnet. Mit ihren Ecken und Kanten sowie Einblicken in ihre Gefühls- und Gedankenwelt wirken sie sehr authentisch und glaubwürdig. Sehr interessant ist es vor allem mitzuerleben, wie sich Dühnfort als sympathischer und charismatischer Protagonist in seinem neuen Job als Profiler und in das Team einzufügen versucht, aber auch mit zunehmender Frustration gegen Missgunst, Kompetenzgerangel und verordneter Untätigkeit ankämpfen muss.
Auch die ausführlichen Einblicke in Tinos Privatleben und sein kleines Familienglück mit Gina und ihrer kleinen, behinderten Tochter Chiara und ihre alltäglichen Sorgen und Nöten, fügen sich hervorragend in die Krimihandlung ein und sorgen für Abwechslung. Sehr feinfühlig thematisiert die Autorin ganz nebenbei die vielfältigen Probleme und alltäglichen Anfeindungen von Menschen mit geistigen Behinderungen.
Die Auflösung und Hintergründe des beklemmenden Falles sind in sich schlüssig und nachvollziehbar dargelegt.
Mit „Ich bin dein Tod“ ist Inge Löhnig erneut eine aufwühlende und sehr nachdenklich stimmende Geschichte gelungen, die einen mit seinen eindringlichen Szenen noch länger beschäftigt!

FAZIT
Ein fesselnder Krimi, der ohne rasante Action auskommt – beklemmend, wirklichkeitsnah und clever konstruiert!

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Veröffentlicht am 07.07.2020

Lesenswerter Near Future-Thriller

Paradise City
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INHALT
Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, die großen Pandemien überstanden, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ...

INHALT
Deutschland in der Zukunft. Die Küsten sind überschwemmt, die großen Pandemien überstanden, weite Teile des Landes sind entvölkert, und die Natur erobert sich verlassene Ortschaften zurück. Berlin ist nur noch eine Kulisse für Touristen. Regierungssitz ist Frankfurt, das mit dem gesamten Rhein-Main-Gebiet zu einer einzigen Megacity verschmolzen ist. Dort, wo es eine Infrastruktur gibt, funktioniert sie einwandfrei. Nahezu das gesamte Leben wird von Algorithmen gesteuert. Allen geht es gut – solange sie keine Fragen stellen.
(Quelle: Suhrkamp)

MEINE MEINUNG
Mit ihrem Thriller „Paradise City“ ist der deutschen Autorin Zoë Beck ein fesselnder und nachdenklich stimmender Roman mit beklemmenden dystopischen Elementen gelungen, der mit seinem düsteren Szenario erstaunlich nah an der derzeitigen Realität ist und für besondere Brisanz sorgt.
Die Vielschichtigkeit und beunruhigende Aktualität ihrer faszinierenden Zukunftsvision sowie der sehr glaubwürdig ausgearbeitete Entwurf einer zukünftigen Gesellschaft, in der Freiheit und Selbstbestimmung bedenkenlos umfassenden staatlichen Sicherheitskonzepten und einer strikten Gesundheitsüberwachung geopfert werden, konnten mich sehr überzeugen.
Angesiedelt ist Becks Utopie in einer nicht allzu fernen Zukunft nach dem Zusammenbruch der alten Zivilisation durch Klimawandel, Naturkatastrophen und Pandemien. Die ehemalige Hauptstadt Berlin fungiert nur noch als kulissenhafter Themenpark für historisch interessierte Touristen, während der eigentliche Regierungssitz sich nun in Frankfurt, der 10 Millionen-Megastadt im Rhein-Main-Ballungsraum, befindet. Geschickt lässt uns die Autorin schrittweise eintauchen in eine vermeintlich perfekte „Schöne neue Welt“, in der ein hochtechnisierter, gut organisierter Alltag den Menschen ein sicheres und angenehmes Leben in den gut erschlossenen Megacities beschert. Dank des anschaulichen Erzählstils und des Verzichts auf komplexe Fachbegriffe und technische Details fällt der Einstieg in die Geschichte nicht schwer.
Neben der Auseinandersetzung mit tiefgründigen Themen, die jeden von uns betreffen, erwartet den Leser eine raffiniert angelegte, vielschichtige Handlung mit spannenden Krimielementen. Sehr differenziert führt uns Beck die weitreichenden Folgen einer Machtkonzentration eines Systems vor Augen, das mittels Smart-Technologie Zugriff auf die Bevölkerung hat und einen Gesundheitsfanatismus betreibt, der auch vor fragwürdigen ethischen Fragestellungen nicht Halt macht. So beleuchtet sie dabei auch die Chancen und Risiken neuer Technologien und des medizinischen Fortschritts, die zunehmend die Wirtschaftlichkeit eines jeden Einzelnen für die Gesellschaft im Fokus haben.
Gekonnt gibt uns die Autorin Einblicke in die verstörende Normalität des alltäglichen Lebens einer zunehmend entmündigten Bevölkerung, die sich in einem totalitären System gut aufgehoben fühlt und kaum noch etwas hinterfragt. Bis auf wenige nicht-staatliche Nachrichtenportale gibt es nur noch die Staatsmedien, die lückenlose Überwachung des öffentlichen Raums gewährleistet die Sicherheit der Bevölkerung und via „Smartcase“ ist eine permanente Vernetzung garantiert, wodurch jedoch auch ein jeder für das System bis ins kleinste Detail transparent wird. Insbesondere die Gesundheit und Fitness der Bevölkerung wird über die speziell vom Gesundheitsministerium entwickelte Gesundheits-App „KOS“analysiert, überwacht und zentral gesteuert – ein überaus prestige- und gewinnträchtiges Projekt, das in weitere Länder verkauft werden soll. Eingebettet in dieses erschreckende Zukunftsszenario hat die Autorin einen fesselnden, vielschichtigen Plot entworfen, in dessen Mittelpunkt die junge Protagonistin und engagierte Journalistin Liina steht, die für die nichtstaatliche Nachrichtenagentur Gallus inkognito zu Enthüllungsstories über Korruption und Skandale recherchiert. Nach dem mysteriösen Unfall ihres Chefs Yassin und dem Mord an einer Journalistin wird Liina schon bald klar, dass die beiden mit ihren Recherchen auf etwas höchst Brisantes gestoßen sind, das auf keinen Fall an die Öffentlichkeit kommen darf. Je weiter die komplexe Geschichte voran schreitet, desto mehr müssen wir erkennen, dass hier nichts so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Nach sehr aufschlussreichen Einblicken in Liinas Vergangenheit und einigen sehr überraschenden Enthüllungen und Wendungen nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf und gipfelt schließlich in einem äußerst fesselnden und sehr unerwarteten Finale.
Das sehr überschaubare Figurenensemble mit interessanten, starken Frauenfiguren ist glaubwürdig und vielseitig ausgearbeitet, wobei allerdings einige Charaktere etwas blass bleiben. Sehr vielschichtig ist die Hauptfigur Liina angelegt, die mit ihrer kühlen, distanzierten Art aber auch ihren Stärken und Schwächen sehr authentisch und glaubwürdig wirkt, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann.

FAZIT
Ein beeindruckender, fesselnder und nachdenklich stimmender Near Future-Thriller mit einem beklemmenden und erschreckend realitätsnahen Szenario! Lesenswert!

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