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Veröffentlicht am 26.04.2020

Ein schöner historischer Inselroman!

Die Strandvilla
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Sylt im Jahre 1913: Nachdem ihr Mann nicht von der See zurückgekehrt ist, weiß die junge Witwe Moiken nicht, wie es für sie und ihre Tochter Emma weitergehen soll, nachdem ihre Schwiegermutter das Haus ...

Sylt im Jahre 1913: Nachdem ihr Mann nicht von der See zurückgekehrt ist, weiß die junge Witwe Moiken nicht, wie es für sie und ihre Tochter Emma weitergehen soll, nachdem ihre Schwiegermutter das Haus für sich beansprucht und Mutter und Tochter plötzlich auf der Straße stehen.

So kann Moiken ihr Glück kaum fassen, als Theodor von Lengenfeldt, Eigentümer des besten Hotels der Insel, sie einstellt. Fortan kann sie jeden Tag ihrer Leidenschaft nachgehen, allerlei süße Köstlichkeiten kreieren, obendrein in Luxus leben.

Dieses Glück scheint sich noch zu steigern, als Theodor um ihre Hand anhält und sie ein verlassenes Strandcafé entdeckt, das sie wiedereröffnen möchte. Der Traum wird jedoch schon bald zu einem Alptraum, da Theodor Moiken vor allem deshalb geheiratet hat, weil er endlich einen Stammhalter haben will, und sie auf Schritt und Tritt kontrolliert und beherrscht.

Doch Moiken kämpft für ihr Glück und ihre Träume. Dabei spielt auch Boy Lassen eine Rolle - ihre Jugendliebe, nun berühmter Inselfotograf - und noch immer unzählige Schmetterlinge in Moiken´s Bauch auslösend ...

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Ein Roman, der nach einer schönen Sommerlektüre, nach herrlichen Lesestunden, nach einer Auszeit am Meer klingt. Unter´m Strich wird der Leser auch nicht enttäuscht.

Die Geschichte liest sich angenehm und flüssig.

Mich persönlich konnte sie nicht von der ersten bis zur letzten Seite zu jeweils einhundert Prozent fesseln. Darüber, woran genau das liegt, rätsele ich noch immer ... Es gab einfach immer wieder Passagen, die mich weniger fesselten als andere, bei denen ich mich zwingen musste, langsam, präzise, konzentriert zu lesen, weil ich gemerkt hatte, dass ich geneigt war, diese schneller zu lesen, zu überfliegen.

Zu Beginn war mir der Stil auch fast schon zu modern; ich vermisste die Atmosphäre dieser Zeit, was die Sprache und auch die Stimmung betrifft. Vielleicht brauchte ich auch einfach Zeit, um in diese Geschichte hineinzufinden, denn im späteren Verlauf verlor dieser Kritikpunkt an Gewicht, wurde es immer atmosphärischer und bildhafter.

Die Figuren sind gut gezeichnet, teilweise durchaus komplex. Sie warten mit allerlei Geheimnissen auf - ebenso wie die Geschichte mit allerlei überraschenden Wendungen aufwartet. Schnell ist "Die Strandvilla" so spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und so bekommt der Leser ca. 460 Seiten, die ihm ein paar schöne Lesestunden schenken, ihm Spannung und Gefahr, Inselflair, Nostalgie, Romantik und einiges mehr bieten. Eine Reise, die einen mehr als einhundert Jahre zurück- und auf diese wunderschöne Insel versetzt.

Am Ende bleiben viele Fragen, auf die man am liebsten sofort eine Antwort hätte: Was geschah mit Theodor? Wird Frieda überleben oder sterben? Wie ergeht es Emma in Berlin, wie geht es mit Moiken und Boy, möglicherweise auch mit ihnen als Familie weiter? Was wird aus der Strandvilla und dem Café werden? Werden die Prophezeiungen der Wahrsagerin sich weiter bewahrheiten? Inwiefern wird Henriette weiterhin gegen Moiken intrigieren?

Zum Glück wird zu Beginn des nächsten Jahres die Fortsetzung erscheinen. Auf diese freue ich mich schon sehr! Ich hätte beim Start in diesen Roman nicht gedacht, dass ich einen zweiten Band so unbedingt lesen möchte. -Das spricht doch eindeutig für Buch und Autorin!

Definitiv eine Empfehlung für alle, die historische Romane mögen und einen historischen Roman suchen, der auf einer Nordseeinsel spielt und in dem eine Frau, die für ihre Träume kämpft, und allerlei süße Köstlichkeiten die Hauptrolle spielen ...

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Veröffentlicht am 24.04.2025

Unterhaltsam, humorvoll und tiefgründig zugleich

Staying Alive
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In ihrem Debüt Staying Alive erzählt Eva Mirasol von der Assistenzärztin Nicki und deren Arbeit in der Notaufnahme einer großen Berliner Klinik sowie deren Privatleben.
Eva Mirasol schreibt stets angenehm ...

In ihrem Debüt Staying Alive erzählt Eva Mirasol von der Assistenzärztin Nicki und deren Arbeit in der Notaufnahme einer großen Berliner Klinik sowie deren Privatleben.
Eva Mirasol schreibt stets angenehm und flüssig lesbar. Staying Alive bietet viele und tiefe Einblicke in den Klinikalltag und wartet mit viel schwarzem Humor auf. Der Roman unterhält gut, bringt den Leser durch seinen Humor durchgehend zum Schmunzeln und Lachen, vermittelt ganz nebenbei noch viel medizinisches Fachwissen - und macht doch auch sehr nachdenklich und betroffen, da er auch die ungeschönte Wahrheit des Klinikalltags und alle Missstände und Probleme dieses Systems und die Belastungen des Personals zeigt.
Auch Familienplanung, die Schwierigkeit einer Frau, sich noch immer irgendwie zwischen Kind und Karriere entscheiden zu müssen etc., sind Thema.
Auch in der Darstellung von Nickis Privatleben findet man ernste und traurige Themen, die berühren.
Ein absolutes Highlight war es leider nicht, zumal es ab und an ein paar kleine Längen gab - dennoch habe ich Staying Alive sehr gerne gelesen!
Es ist das richtige Buch für alle, die Lust auf einen sehr unterhaltsamen und humorvollen Roman haben, in diesen Mittelpunkt der Klinikalltag, speziell die Notaufnahme, steht, der jedoch auch viele ernste, traurige und dramatische Situationen und Themen bietet; der das System und seine Menschen beleuchtet, Missstände aufzeigt und nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Schwächer als der Vorgänger

Die Abende in der Buchhandlung Morisaki
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Dieser zweite Band knüpft nahtlos an den ersten Band an: Takako ist wieder glücklich, mit Wada, und sie liebt nach wie vor die Buchhandlung Morisaki, welche von ihrem Onkel Satoru und ihrer Tante Momoko ...

Dieser zweite Band knüpft nahtlos an den ersten Band an: Takako ist wieder glücklich, mit Wada, und sie liebt nach wie vor die Buchhandlung Morisaki, welche von ihrem Onkel Satoru und ihrer Tante Momoko geleitet wird.
Leider geht es auch mit Momokos Erkrankung weiter, und so brauchen Satoru, Momoko und die Buchhandlung Takako mehr denn je ...
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Ich habe "Die Tage in der Buchhandlung Morisaki" in einem Rutsch verschlungen und wirklich geliebt, und so hatte ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut. Nach deren Lektüre bleibe ich leider ernüchtert und enttäuscht zurück ...
Einzig Satoshi Yagisawas Schreibstil gefiel mir auch hier sehr gut.
Allerdings habe ich diesen zweiten Band keineswegs so sehr verschlungen und geliebt wie den ersten. Ich musste mich eher zum Weiterlesen antreiben, und das Buch blieb zwischendurch auch mal ein paar Tage liegen, was extrem untypisch für mich ist.
Gerade zum Ende hin war mir diese Fortsetzung einfach zu negativ, schwermütig, traurig.
Weder die Figuren noch die Handlung konnten mich diesmal fesseln, begeistern und überzeugen. Ich empfand "Die Abende in der Buchhandlung Morisaki" leider als schwächer als den Vorgänger.
Irgendwie plätscherte alles von Anfang bis Ende so vor sich hin - und irgendwie habe ich leider auch den Zauber des ersten Bandes vermisst. Der ging für mich leider verloren.
Insgesamt also ein nettes Buch für zwischendurch, aber leider nicht mehr.

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Veröffentlicht am 30.07.2020

Mysteriöse, unheilvolle Grundstimmung und ein Ende, das leider in jeder Hinsicht viel zerstört ...

Ich will dein Leben
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Cornwall, Mitte der 80er Jahre: Tamsyn ist ein Mädchen, das aus einfachen Verhältnissen stammt und schon einige Schicksalsschläge erleben musste. Der Vater ist tot, sie lebt mit ihrer Mutter, ihrem Bruder ...

Cornwall, Mitte der 80er Jahre: Tamsyn ist ein Mädchen, das aus einfachen Verhältnissen stammt und schon einige Schicksalsschläge erleben musste. Der Vater ist tot, sie lebt mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und ihrem kranken Großvater zusammen. An Geld fehlt es ebenso sehr wie an Perspektiven. Mit dem imposanten, aber auch mysteriösen und unheilvollen weißen Haus auf den Klippen verbindet sie Kindheitserinnerungen an die Zeit mit ihrem Vater. Oft sucht sie diesen Ort auf, reist zurück in der Zeit, erkundet das Haus und die Umgebung.

Im Sommer 1986 ziehen die Davenports, eine steinreiche und berühmte Londoner Familie, jedenfalls für die Wochenenden und Ferien dort ein. Tamsyn ist fasziniert von dem attraktiven Schriftsteller Max Davenport, seiner unnahbaren Frau Eleanor sowie der Tochter Edie, die der Mutter in Nichts nachsteht. Edie ist in jeder Hinsicht viel weiter entwickelt als Tamsyn. Tamsyn kann sich nicht mehr von Edie lösen, möchte so viel Zeit wie möglich mit ihr verbringen, auch so sein wie sie.

Die Davenports sind für Tamsyn die perfekte Familie; sie haben, sind und verkörpern alles, was Tamsyn jemals begehrt hat. Eine Obsession beginnt. Oder gilt diese tatsächlich dem Haus? Oder der Familie UND dem Haus? Grenzen verschwimmen, weder Tamsyn noch der Leser können noch zwischen Wahn und Wirklichkeit unterscheiden.

Die heile Welt der Davenports ist nur eine Fassade; dahinter verbergen sich Dramen, dunkle Geheimnisse und Abgründe. Edie wird ein Teil der Davenports. Nicht nur der Sonnenseiten, sondern auch und gerade der Schattenseiten, des Unheils, das sich zusammenbraut wie ein schweres Gewitter am Himmel ...

Der Stil der Autorin ist nicht schlecht, das Buch liest sich durchgehend angenehm flüssig.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, nämlich größtenteils durch eine Rückblende zum Sommer 1986 sowie in der Gegenwart. Lesefluss, Tempo und Spannung wurden dadurch erhöht, wenngleich mir der Vergangenheitsstrang eindeutig besser gefiel. Der Gegenwartsstrang kommt nur sehr vorsichtig dosiert zum Einsatz und dient dazu, die Auflösung der Geschichte vorzubereiten und diese Auflösung dann schließlich zu präsentieren. Zugutehalten muss man diesem Strang aber, dass er gut gestaltet wurde, den Leser zu einer falschen Fährte führt, sodass er bei der Auflösung überrascht ist, wenn er erfährt, um welche Konstellation es sich hier handelt.

Die Grundstimmung ist mysteriös und unheilvoll. Dies gefiel mir sehr gut, wenngleich ich stellenweise dachte, dass die Atmosphäre ruhig noch dichter hätte sein können.

Erzählt wird eher ruhig, die Erreignisse überschlagen sich nicht. Unter der Oberfläche und psychologisch passiert jedoch von Anfang an so viel! Man ahnt schnell, dass diese Geschichte nicht gut enden kann, ja: dramatisch enden muss.

Die Handlung ist gut aufgebaut, das große Drama bleibt lange aus. Nur langsam spitzt sich alles immer mehr zu. Psychologisch gewinnt die Geschichte weiter an Tiefe. Das große Ganze ist bis zur letzten Seite nicht vorhersehbar. So gewinnt das Buch enorm an Spannung, kann der Leser sich viele eigene Gedanken machen und seiner Fantasie freien Lauf lassen und ist sehr gespannt auf die Auflösung.

Die ist dann leider auch (wie der letzte Abschnitt insgesamt) die große Schwachstelle dieses Werkes: Dieser Abschnitt war viel zu vollgepackt. Dazu wurden all diese Dinge total überstürzt, der Leser wird regelrecht vor vollendete Tatsachen gestellt. Es wirkt alles etwas zurechtgebogen. Dieses Ende ist viel zu konstruiert, unglaubwürdig.

Zudem fand ich die Auflösung beim ersten Lesen auch sehr verwirrend. Mir war nicht alles ganz klar, weshalb ich diese Passagen erneut lesen musste. Das passiert mir auch eher selten ...

Es ist ein Buch, das durch seine Grundstimmung und psychologische Aspekte besticht. Es ist ein Buch, das man gerade an dunklen Herbst- und Winterabenden gerne liest, wenn man düstere, mysteriöse, unheilvolle Atmosphäre und Geschichten und Cornwall mag, das aber leider am Ende nicht überzeugt und insgesamt hinter seinem Potenzial zurückbleibt.

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Veröffentlicht am 31.05.2020

Eine Prise Grand Hotel mit ganz viel Kulinarik!

Die Köchin von Castamar
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Spanien, 1720: Die junge, sehr gebildete, vormals relativ wohlhabende Clara Belmonte befindet sich nach dem Tod ihres Vaters, einem angesehenen Arzt, in finanzieller Bedrängnis. Da sie eine hervorragende ...

Spanien, 1720: Die junge, sehr gebildete, vormals relativ wohlhabende Clara Belmonte befindet sich nach dem Tod ihres Vaters, einem angesehenen Arzt, in finanzieller Bedrängnis. Da sie eine hervorragende Köchin ist und ebensolche Referenzen vorweisen kann, findet sie eine Anstellung beim Herzog von Castamar.

Claras Talent weckt sofort das Interesse des Herzogs - doch an eine offene Kontaktaufnahme ist natürlich nicht zu denken. Doch Wünsche und Gefühle finden ihre Mittel und Wege, und so kommunizieren die beiden heimlich miteinander; über Kochbücher, in denen sich gut versteckte Notizen befinden, und ganz besondere Gerichte.

Doch diese Kommunikation und die zart sprießenden Gefühle bleiben trotz aller Vorsicht nicht lange verborgen, und es gibt vor allem eine Frau, deren Hass auf Clara gerade nach dieser Entdeckung mit jedem Tag wächst und die Clara mit allen Mitteln aus dem Weg räumen will ...

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Band eins der zweiteiligen Castamar-Saga. Ein historischer Roman, den ich unbedingt lesen wollte, da er sich in Spanien direkt zum Bestseller entwickelte.

Múnez´ Stil gefiel mir auf Anhieb - er liest sich durchgehend angenehm und flüssig, weist eine gewisse Schönheit auf, die von den Sätzen ausgeht, ist sehr bildhaft, und auch sehr historisch. Er passt perfekt zu diesem Genre.

Der Inhalt selbst lässt mich leider zwiegespalten zurück - nicht alle Erzählstränge konnten mein Interesse gleichermaßen wecken und erhalten. Immer wieder zeigten sich gewisse Längen für meinen Geschmack. Den Strang rund um den Majordomus, den Krieg und die politische Lage fand ich mit Abstand am langweiligsten und ermüdendsten; auf ihn hätte ich gut verzichten können.

Die Stärke und der Reiz dieses Auftaktbandes liegen für mich klar in der kulinarischen Seite sowie in dem Geschehen zwischen Clara und Dona Úrsula, den Geheimnissen, den Intrigen ... sowie in der Entwicklung zwischen Clara und dem Herzog, die jeweils für Spannung und Lesefluss sorgen.

Trotz dieser Kritikpunkte war dieser Band nett zu lesen. Ich werde wohl auch den zweiten Band lesen, da ich wissen möchte, wie es mit Clara, Úrsula und dem Herzog weitergeht.

Er ist definitiv das richtige Buch für alle, die kulinarische historische Romane, Spanien, Herrenhäuser/Paläste/upstairs-downstairs-Verhältnisse verbotene Liebschaften, Geheimnisse und Intrigen, Sagas lieben.

Ein klein wenig erinnerte er mich beim Lesen auch an die spanische Serie Grand Hotel, die ich geliebt habe. Umso mehr freute es mich zu lesen, dass die Verfilmung der Castamar-Saga schon in Planung ist. Ich werde sie auf jeden Fall ansehen, denn der Stoff eignet sich wirklich perfekt dafür!

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