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Veröffentlicht am 16.08.2020

Same procedure as....

Die verstummte Frau
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Nein, es ist nicht die "same procedure as every year", aber es gibt starke Parallelen zu einem Verbrechen, das vor acht Jahren einen Mann ins Gefängnis brachte: es geht um den brutalen Mord an ...

Nein, es ist nicht die "same procedure as every year", aber es gibt starke Parallelen zu einem Verbrechen, das vor acht Jahren einen Mann ins Gefängnis brachte: es geht um den brutalen Mord an einer jungen Frau. Er, der von jeher seine Unschuld beteuert, behauptet, wichtige Informationen liefern zu können.

Und zwar an den Ermittler Will Trent, der nun sozusagen posthum mit dem ersten Ehemann seiner Partnerin Sarah Linton, nämlich dem verstorbenen Jefferey Tolliver, dem damaligen Chefermittler kooperieren muss.

Obwohl Tolliver nicht mehr lebt, ist er in der Beziehung von Sarah und Will eine stets präsente, sozusagen unsichtbare Achillesferse. Schon unter normalen Umständen belastet er deren Beziehung und macht nun auch die aktuellen Ermittlungen komplizierter - und für den Leser spannender.

Ich empfehle dieses Buch von ganzem Herzen als süffigen Thriller mit Tiefgang. Der ein oder andere Freund hochwertiger Thriller wird vielleicht das ein oder andere Mal die Augenbrauen hochziehen (wenn auch nur ein bisschen). Doch wer solide, gut geschriebene Thriller mag, die blutig, aber alles andere als billig sind, ist hier durchaus gut bedient!

Veröffentlicht am 15.08.2020

Fast, als wäre man selbst Teil der Handlung

So weit die Störche ziehen (Die Gutsherrin-Saga 1)
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So dicht und atmosphärisch beschreibt Autorin Theresia Graw die Ereignisse um die Familie Twardy, ostpreußischer Gutsbesitzer, im Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Faszinierend und gleichzeitig ...

So dicht und atmosphärisch beschreibt Autorin Theresia Graw die Ereignisse um die Familie Twardy, ostpreußischer Gutsbesitzer, im Verlauf des Zweiten Weltkriegs. Faszinierend und gleichzeitig erschütternd bin ich der Handlung, in deren Mittelpunkt die junge Dora Twardy, bei Kriegsausbruch noch ein blutjunges Mädchen steht. Idealistisch und voller Träume!

Diese muss sie leider im Laufe der Jahre nach und nach aufgeben. So behütet, wie Ostpreußen in der ersten Hälfte dieses dramatischen Krieges war, so deutlich bekam man doch so einiges mit - und sei es "nur" durch die Väter und Brüder, die in den Kampf ziehen mussten und von denen so viele nicht zurückkehrten. Oder wenn ja, dann mit Verletzungen - sowohl äußeren als auch inneren.

In der Zweiten Hälfte, als sich die Front mehr und mehr in den Osten verlagert und vor allem, als die Wehrmacht immer mehr Rückschläge hinnehmen muss, kommt es dann knüppeldick für Deutschland. Gerade auch für Dora, die (fast) seit Beginn des Krieges zwischen zwei Männern steht, die beide ebenso wie sie fest mit Ostpreußen verbunden sind.

Ja, es ist ein spannender, mitreißender und historischer wunderbar recherchierter Roman, an dem mich nur eines störte: es gab unheimlich viele Erzählstränge, von denen nicht gerade wenige im Sande verliefen - oder sollte man sagen, sich in der Ostsee verloren?

Das passte nicht so richtig zu dem ansonsten meisterhaft gestalteten Roman, was ich als sehr schade empfand!

Veröffentlicht am 07.08.2020

Gut als Refresher

Der Report der Magd
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oder für Wenigleser, um sich in die Thematik einzuarbeiten. Atwoods spezifischer Stil bleibt in diesem Format auf der Strecke. Und das ist meiner Ansicht nach das wirklich Aufwühlende und Bewegend an diesem ...

oder für Wenigleser, um sich in die Thematik einzuarbeiten. Atwoods spezifischer Stil bleibt in diesem Format auf der Strecke. Und das ist meiner Ansicht nach das wirklich Aufwühlende und Bewegend an diesem Buch.

Veröffentlicht am 04.08.2020

Warum ist es am Rhein so schön?

Ein Mann der Kunst
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Den Mitgliedern des Fördervereins des Frankfurter Museums Wendevogel fällt die Antwort darauf nicht schwer: am Rhein liegt die vom Künstler KD Pratt bewohnte und als Atelier genutzte Burg, die ...

Den Mitgliedern des Fördervereins des Frankfurter Museums Wendevogel fällt die Antwort darauf nicht schwer: am Rhein liegt die vom Künstler KD Pratt bewohnte und als Atelier genutzte Burg, die sie besuchen möchten. Sie sind in einer wahrhaft wichtigen Mission unterwegs:

Dieser seit Jahrzehnten bekannte Ausnahmekünstler soll mit einem eigenen Museum geehrt werden. Vor der endgültigen Entscheidung sollen Künstler und Werk einer ausgiebigen Betrachtung unterzogen werden. Doch KD Pratt, seit Jahr und Tag als öffentlichkeitscheu bekannt, macht ihnen gleich mehrere Striche durch die Rechnung.

Wer den deutschen Förder- (von egal was) und Kunstbetrieb auch nur am Rande kennt, wird einiges wiedererkennen und sich köstlich amüsieren. Denn Autor Kristof Magnusson verfügt nicht nur über Humor, sondern bietet auch die passenden (Überraschungs)Momente an den richtigen Stellen.

Ein paar Mal war es mir etwas zu viel des Guten, aber im Großen und Ganzen war ich begeistert. Wenn Sie einen Bücherwurm erfreuen und gleichzeitig sichergehen wollen, dass das Buchgeschenk Anspruch und Unterhaltung aufs Trefflichste vereint, greifen Sie zu diesem Roman.

Veröffentlicht am 04.08.2020

Einst, vor langer Zeit

Schatten der Welt
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Dieser Roman nimmt seinen Anfang in den alten Zeiten, nämlich denen, bevor Teile Europas demokratisch wurden, zumindest auf dem Papier. 1910 nämlich, also vor dem Ersten Weltkrieg, als Deutschland noch ...

Dieser Roman nimmt seinen Anfang in den alten Zeiten, nämlich denen, bevor Teile Europas demokratisch wurden, zumindest auf dem Papier. 1910 nämlich, also vor dem Ersten Weltkrieg, als Deutschland noch ein Kaiserreich war und Russland noch der Zar herrschte.

Wir befinden uns in Thorn in Westpreußen, wo wir drei Jugendliche kennenlernen: Carl, den Ich-Erzähler, der jedoch nicht allwissend ist und mit seinem verwitweten Vater, einem jüdischen Schneider aus Riga, wo er bessere Tage gesehen hatte, in einer winzigen Wohnung lebt. Doch so ärmlich sie es haben, so sehr sind sie einander zugetan, der Vater will für seinen Sohn nur das Beste und auch umgekehrt ist die Beziehung von Achtung und Zuneigung geprägt. Außerhalb der Wohnung jedoch ist Carl, ein zarter Junge, schüchtern und zurückhaltend und wird oft geärgert.

Was man von Artur nicht sagen kann - er tritt so selbstbewusst auf, als würde ihm die ganze Welt offenstehen, wenn nicht sogar gehören. Ein Wunder, dass er sich ausgerechnet Carl zum Freund nimmt. Bald wird Isi die Dritte im Bunde, beide Jungs sind vollkommen hingerissen. Sie werden ein unschlagbares Team, aber ihr Herz - das erobert mal wieder Artur.

Sie erleben eine ganz besondere Jugend (bzw. drei davon), mit Schmerz, aber vor allem gezeichnet durch wilde Lebenslust. Vor dem Ersten Weltkrieg bringt es Artur sogar zu gewissem Wohlstand - trotz seiner Jugend. Doch dann kracht der Krieg über sie hinein und sie werden in alle Winde zerstreut - Ob Carl endlich nach Riga kommt, dem Sehnsuchtsort seines Vaters? So viel sei gesagt - es geht sehr abenteuerlich zu und wie immer nimmt Autor Andreas Izquierdo seine Leser mit auf eine wilde (diesmal ganz besonders lebhafte) Jagd und berührt tief mit seiner Fähigkeit, Atmosphäre zu schaffen. Zum ersten Mal - und ich habe wirklich schon viel vom Autor gelesen - haperte es aus meiner Sicht beim Recherchieren. Aber möglicherweise nur aus dem Grund, das ich gerade bei diesem Thema eine besonders strenge Kritikerin bin, ob ich es nun will oder nicht.

Im Großen und Ganzen hat mich der Autor wieder mitnehmen können in den Osten Europas und in vergangene Zeiten und ich habe den Roman genossen. So sehr, dass ich hoffe, es gibt bald Nachschub. Und natürlich empfehle ich den Roman allen Lesern, die es auch bei historischen Romanen gerne etwas unkonventioneller angehen.