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Veröffentlicht am 03.09.2020

Humorvolles Kinderbuch mit skurrilen Charakteren und einer ebensolchen Geschichte

Onkel Stan und Dan und das ungeheuerlich ungewöhnliche Abenteuer
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In Pandrumdroochit taucht ein sonderbarer Mann auf, Dr. P'Krall der alles Ungewöhnliche ausmerzen möchte. Onkel Stan, Dan und die Lamas sind dabei nicht die einzigen, die dem – angeblichen – Doktor ins ...

In Pandrumdroochit taucht ein sonderbarer Mann auf, Dr. P'Krall der alles Ungewöhnliche ausmerzen möchte. Onkel Stan, Dan und die Lamas sind dabei nicht die einzigen, die dem – angeblichen – Doktor ins Auge fallen, und so füllt sich dessen Institut für Hochsicherheit und Heilung von Ungewöhnlichkeit schnell.

Doch es gibt Hoffnung, denn weder Onkel Stan noch seine Tiere lassen sich das gefallen.

Schon das Cover ist entzückend und macht Lust auf mehr. Dazu kommt, dass mir die britische Autorin Hoffnung auf viel Skurriles und Humorvolles machte – ich liebe britischen Humor. Die Geschichte ist auch ziemlich abgefahren, die Lamas, die sprechen können und ihre Eigenarten haben, Dan der Dachs, der wie ein Mensch agiert und Onkel Stan, der schon optisch zeigt, dass er viel Spaß haben kann. Dazu ein Antagonist, der sehr böse, aber auch sehr eigenartig ist. Die herrlichen Zeichnungen tragen das ihre dazu bei, dass man sich amüsiert, auch als Erwachsener, denn der Roman ist immerhin für Kinder gedacht.

Trotzdem konnte er mich nicht so richtig packen. Es kam zwar Spannung auf, aber teilweise war es mir etwas zu langatmig. Am liebsten mag ich die Lamas, der ängstliche Bert, die schöne Ginalollobrigida und Carlos und Jennifer die sich immer streiten, mit ihnen hatte ich viel Spaß. Dan und Stan sind mir tatsächlich ein bisschen zu langweilig geraten, die beiden, die immerhin im Titel vorkommen, und die Protagonisten sein sollten, bleiben in meinen Augen eher blass.

Der Antagonist dagegen ist gut gelungen, seine ständigen Versuche, Ungewöhnliches zu finden (wobei in seinen Augen so ziemlich alles ungewöhnlich ist), die Art, wie er es ausmerzen will, und auch, wie er alle in seine Hände bekommt (bis auf unsere Helden natürlich – und noch ein paar wenige andere), ist ganz schön böse und gibt dem Roman unterm Strich einiges an schwarzem Humor (aber durchaus kindgerecht, wenn es auch wohl nicht für jedes Kind geeignet ist). Und auch die Versuche, den Antagonisten von seinem Tun abzuhalten, sind witzig, wobei sich auch hier die Lamas in meinen Augen besonders hervortun.

Unterm Strich hatte ich wohl zu viel erwartet, so dass mich der Roman ein bisschen enttäuscht und nicht so gut unterhalten hat, wie erwartet. Schlecht ist er dennoch nicht, und wird vielen Freude bereiten, die es gerne humorvoll und skurril mögen. Ich vergebe daher 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2020

Interessant und nützlich für Neulinge, aber durchaus auch für "Schmerzprofis"

Natürliche Schmerzkiller
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Wer Schmerzen hat, fühlt sich schlecht, wer chronische Schmerzen hat, muss sehen, wie er auf Dauer damit zurecht kommt – eine Hilfe kann dieses Buch sein, das nicht nur auf die schulmedizinischen Möglichkeiten ...

Wer Schmerzen hat, fühlt sich schlecht, wer chronische Schmerzen hat, muss sehen, wie er auf Dauer damit zurecht kommt – eine Hilfe kann dieses Buch sein, das nicht nur auf die schulmedizinischen Möglichkeiten sondern auch auf natürliche Alternativen eingeht.

Ich bin schon seit vielen Jahren Schmerzpatientin und kenne meine Schmerzen gut. Dennoch war ich interessiert daran, ob und inwieweit mit dieser Ratgeber helfen kann, vor allem die Betonung auf „natürlich“ hat mich angesprochen.

Zunächst geht die Autorin darauf ein, was Schmerz ist, wie er entsteht und wie er chronisch wird. Danach werden schulmedizinische Medikamente besprochen, die die Autorin auch nicht grundsätzlich verteufelt, bei sehr starken Schmerzen sind sie oft notwendig, da die natürlichen Helfer hier meist nur noch lindernd wirken können.

Die natürlichen „Schmerzkiller“ (dieser Begriff ist mir eigentlich zu martialisch, wirkt aber wahrscheinlich auf viele stark ansprechend) werden in verschiedene Untergruppen eingeteilt. Da sind zum einen die verschiedenen Pflanzen, die nicht nur mit ihren Wirkstoffen sondern auch mit ihren Nebenwirkungen und Kontraindikation vorgestellt werden, sowie jeweils ein paar Handelsprodukte (kann eine Hilfe sein, ist aber natürlich auch Werbung), darauf folgen traditionelle Methoden der ganzheitlichen Medizin und Homöopathie. Auch auf eher umstrittene Mittel, wie Cannabis, geht die Autorin ein. Im nächsten Abschnitt erfährt der Leser dann etwas über einzelne Schmerzarten, wie Kopf- und Rückenschmerzen, Arthrose und Fibromyalgie, und was er selbst tun kann, um seine Schmerzen zusätzlich in den Griff zu bekommen.

Es gibt viele Fotos, die vor allem im Bereich der Heilpflanzen sehr nützlich sind. Auf meinem Reader sind sie leider alle nur schwarzweiß, aber auf dem Handy oder in der App auf dem PC kann man sie sich auch in Farbe ansehen. Hilfreich ist auch das Glossar am Buchende, das den Arztbesuch erleichtern kann, da es manche Fachbegriffe erklärt. Im Anhang finden sich auch Buchtipps und nützliche Adressen.

Ich finde den Ratgeber gut gelungen, er gibt einen umfangreichen Überblick, vor allem über natürliche Mittel und Wege gegen Schmerzen, ohne dabei die Schulmedizin schlecht zu machen. Wer noch am Anfang seiner „Schmerzkarriere“ ist, oder sich noch nicht allzusehr mit seinem Schmerz auseinandergesetzt hat. erfährt viel Interessantes. Aber auch „Schmerzprofis“ wie ich können noch Nützliches erfahren, ich habe mir auf jeden Fall das eine oder andere markiert. Mir persönlich gefällt allerdings die Werbung für bestimmte Mittel und sogar eine bestimmte Firma weniger gut. Ich vergebe 4 Sterne und eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 07.08.2020

Mehr historischer Roman als Krimi

Grimms Morde
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1821: In Kassel wird eine Mätresse des verstorbenen Kurfürsten ermordet – nach Art eines Märchens aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, zudem ausgerechnet eines, das die Schwestern von Droste zu Hülshoff ...

1821: In Kassel wird eine Mätresse des verstorbenen Kurfürsten ermordet – nach Art eines Märchens aus der Sammlung der Gebrüder Grimm, zudem ausgerechnet eines, das die Schwestern von Droste zu Hülshoff beigesteuert hatten. Da die Polizei wenig Eifer und Kompetenz an den Tag legt, ermitteln die Brüder selbst, und auch Jenny und Annette von Droste reisen an. Dann geschieht ein zweiter Mord nach einem anderen Märchen der Sammlung, Jakob wird tatverdächtig und Annette kommt beinahe unter die Räder einer Kutsche …

Tanja Kinkel ist schon lange eine meiner Lieblingsautorinnen, die Märchen der Gebrüder Grimm begleiten mich seit früher Kindheit und Annette von Droste Hülshoff ist mir in meinem Leseleben auch schon öfter begegnet – ich war sehr gespannt auf diesen Roman, der das alles miteinander verknüpft inkl. Historie und Kriminalfall. Man kann schnell sagen, dass die Historie mehr Raum einnimmt als der Fall bzw. die Fälle, diese sind zwar auch wichtig, bieten immerhin die Basis der Geschichte, und werden auch am Ende gelöst sein – aber die historischen Gegebenheiten, der historische Background und die biografischen Hintergründe der beiden Geschwisterpaare stehen deutlich mehr im Vordergrund. Wer also einen spannenden Krimi erwartet, bei dem zufällig die Grimms und die Drostes ermitteln, könnte ein wenig enttäuscht sein. Liebhabern gut recherchierter historischer Romane wird das eher nicht passieren.

Mir gefällt es gut, wie die Autorin die vier Protagonisten, aber auch andere historische Persönlichkeiten hier agieren lässt, man erfährt einiges über die Charaktere, und bekommt Lust, sich weiter mit ihnen zu beschäftigen. Die Gebrüder Grimm kennt wahrscheinlich jeder, aber wer weiß schon etwas über ihr tatsächliches Leben? Gleiches dürfte für Annette von Droste Hülshoff gelten, wobei ihr Bekanntheitsgrad wahrscheinlich geringer ist. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Beziehungen der Charaktere untereinander mit im Zentrum der Geschichte stehen, sie sind komplex und interessant.

Gut eingebettet ist das Ganze in den historischen Hintergrund, wo vor kurzem erst der Kurfürst gestorben ist, und sein Nachfolger noch zeigen muss, was in ihm steckt. Und auch die Besetzung Hessens durch Napoleon und die napoleonischen Kriege wirken sich noch aus. Über das Frauenbild der damaligen Zeit sprechen wir am besten gar nicht, dieses ist vor allem für Annette ein Problem.

Tanja Kinkel recherchiert grundsätzlich tiefgehend, ihre Romane haben Niveau und sind interessant, auch, weil sie sich in der Regel interessanten Persönlichkeiten widmet. Dies ist auch hier der Fall. Gleichzeitig lassen sich ihre Romane gut lesen und machen Lust, sich tiefer mit der Materie auseinanderzusetzen, auch das trifft auf diesen Roman zu. Ganz so gefesselt wie bei anderen Romanen der Autorin wurde ich allerdings nicht – ich vergebe daher „nur“ 4 Sterne, aber natürlich eine Leseempfehlung für alle, die gut recherchierte historische Romane mögen.

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Veröffentlicht am 18.07.2020

Kinderbuch mit schönen Aquarellbildern

Alwina und Nelli
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Alwina verbringt ihren Urlaub am Meer und trifft dort Nelli, die in den Ferien bei ihrer Tante ist. Die beiden freunden sich an und unternehmen viel zusammen, bis Alwina wieder abreisen muss.

Von der ...

Alwina verbringt ihren Urlaub am Meer und trifft dort Nelli, die in den Ferien bei ihrer Tante ist. Die beiden freunden sich an und unternehmen viel zusammen, bis Alwina wieder abreisen muss.

Von der Geschichte her ist es ein – recht unspektakuläres – Kinderbuch zum Thema Freundschaft. Das besondere sind die Aquarellzeichnungen. Heribert Schulmeyer ist u. a. durch die Sendung mit der Maus bekannt. Hier hat der Illustrator selbst Urlaub am Meer gemacht und aus seinem Skizzenbuch eine Geschichte entstehen lassen.

Die Bilder sind schön, man kann sie immer wieder ansehen, und passen zur Geschichte – mir machten sie zudem Lust, selbst mal wieder ans Meer zu fahren.

Auch wenn die Geschichte selbst recht unspektakulär ist, das Buch wirkt durch seine Bilder und diese werten auch die Geschichte auf – 4 Sterne und eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 17.07.2020

Gibt auch heute noch Anregungen zum Nachdenken

Frankenstein oder Der neue Prometheus
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"Ich bin ja nur so böse, weil ich so elend bin" (S. 190)

Den Namen Frankenstein kennt wahrscheinlich jeder, und kennt die Geschichte um ihn und das von ihm erschaffene Wesen auf irgendeine Weise – ich ...

"Ich bin ja nur so böse, weil ich so elend bin" (S. 190)

Den Namen Frankenstein kennt wahrscheinlich jeder, und kennt die Geschichte um ihn und das von ihm erschaffene Wesen auf irgendeine Weise – ich erspare mir daher an dieser Stelle etwas über die Geschichte zu schreiben.

Mich begleitet die Kreatur, die er erschaffen hat, schon sehr lange, angefangen mit dem Film von Boris Karloff, den ich schon in meiner Kindheit gesehen habe und zuletzt mit der Serie „Penny Dreadful“. Das Wesen hat bei mir immer Mitleid erregt, und als ich nun das erste Mal den Roman gelesen habe, hatte es natürlich einen gewissen Sympathiebonus.

Interessant ist übrigens auch die Entstehungsgeschichte dieser Erzählung, die mich – schon vor Jahren – zusätzlich neugierig gemacht hat, den Roman endlich einmal zu lesen. Wen sie interessiert: Ihr findet sie ganz einfach im Internet.

Erzählt wird auf mehreren Ebenen, zuerst lesen wir Briefe von Robert Walton, einem Kapitän auf Entdeckungsfahrt in die Arktis, wo er auf Viktor Frankenstein trifft, der ihm seine Geschichte erzählt, der Roman endet wieder mit Waltons Briefen. Im Mittelteil kommt die Kreatur zu Wort, ihre Erzählung erzählt wiederum Frankenstein Walton. Für uns heutige Leser ist das Lesen nicht so einfach, es wird langatmig und schwülstig erzählt – und ich gestehe, dass es Stellen gibt die ich nur überflogen habe. Da der Roman aber relativ kurz ist, sollte man nicht aufgeben.

Viktor Frankenstein, obwohl von Walton in den Himmel gelobt, kommt dabei sehr schlecht weg – er ist sehr egozentrisch, voller Selbstmitleid und er übernimmt keine Verantwortung für sein Tun. Nein, ich mag ihn nicht, jetzt noch weniger.

Die Kreatur erzeugt auch hier wieder Mitleid bei mir, zumindest in großen Teilen, ihre Taten, vor allem die, die gewollt sind, kann man natürlich nicht schönreden, aber bedenkt man die Umstände, kann man ihr Handeln zumindest in gewissem Rahmen verstehen. Anders als das, was Frankenstein tut …

Ich bin froh, diesen Roman nun auch endlich mal gelesen zu haben und diese Erfahrung in mein Wissen und Denken um die Geschichte integrieren zu können. Der Roman bietet viel Stoff zum Nachdenken, auf moralisch/ethischer und auf philosophischer Ebene. Und ist es nicht auch heute noch so, dass man jemanden allein wegen seines Äußeren ablehnt? Darüber nachzudenken, was das mit demjenigen macht, ist wichtig.

Schon wegen des Aspektes des Denkanstoßes lohnt es sich auch heute noch, sich mit der Geschichte und dem Roman auseinanderzusetzen. Für eine so junge Frau, wie es Mary Shelley bei Entstehung ihres Werkes war, ist es eine beachtliche Leistung. Also, lasst euch auf den Roman ein!