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Veröffentlicht am 15.07.2018

Alle laufen immer nur vor ihren Problemen davon

Das Glück an Regentagen
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Maes glückliches Leben in New York City kollabiert, als ihr Verlobter sich als Betrüger herausstellt und ohne Vorwarnung verschwindet. Nach mehreren Polizei-Verhören darf sie die Stadt verlassen und flieht ...

Maes glückliches Leben in New York City kollabiert, als ihr Verlobter sich als Betrüger herausstellt und ohne Vorwarnung verschwindet. Nach mehreren Polizei-Verhören darf sie die Stadt verlassen und flieht mit gebrochenem Herzen in ihren Geburtsort zu ihren Großeltern Lilly und George. Die zogen Mae groß, nachdem ihre Mutter starb. Gleichzeitig kommt auch der frisch geschiedene Gabe, Maes bester Freund aus Kinder- und Jugendtagen, wegen eines Familiennotfalls in seinen Heimatort zurück. Beide haben sich nicht mehr gesehen, seit sie 18 Jahre alt waren.

Die Geschichte ist gut geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Eine wirklich enge emotionale Bindung konnte ich jedoch zu keinem der Charaktere aufbauen, weshalb mich das Buch nicht sonderlich tief berührt hat. Ob Mae und Gabe nun zusammenkommen, war mir am Ende ziemlich egal. Schade fand ich, dass Maes Verlobter nur eine minimale Rolle gespielt hat – das dramatische Ereignis, auf so miese Weise verlassen worden zu sein, hat sie für meinen Geschmack viel zu schnell überwunden. Ich hätte es interessant gefunden, wenn sie ihre Trauer und ihre eigenen Schuldgefühle hätte verarbeiten können.

Am ehesten hat mich die Geschichte von Maes Oma Lilly angesprochen. Sie kämpft mit einer Entscheidung aus ihrer Vergangenheit und leidet gleichzeitig unter altersbedingtem Gedächtnisschwund. Ihr verwirrter Zustand und ihre Angst sind sehr gut nachvollziehbar und schaffen Spannung in der Geschichte.

Leider ist Lillys Geschichte nur einer von ziemlich vielen Handlungssträngen. Viele über Jahre und teilweise Jahrzehnte verschleppte Probleme der Protogonisten ließen sich in wenigen Minuten beheben, würden sie einfach ehrlich miteinander sprechen. Alle scheinen nur vor ihren Problemen wegzulaufen, was ich auf Dauer anstrengend und repetitiv fand. Einige aufgeworfenen Konflikte wie Georges langes Ringen damit, ob er Mae die Wahrheit über sich sagen soll, werden dramatisch in die Länge gezogen und am Ende mit wenigen Sätzen geklärt. Als George seiner Enkelin endlich sein Geheimnis verrät, sagt sie einfach, dass sie damit kein Problem habe. Damit ist das Thema abgehakt und ich fühle mich als Leser etwas veralbert. Der Roman hat einige wirklich interessante Momente, schöpft sein Potential aber leider nicht aus.

Veröffentlicht am 15.07.2018

Zwiespältige Lektüre

Als die Tage nach Zimt schmeckten
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„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ hat mich zum Teil berührt und zum Teil ziemlich frustriert. Dramatische, bewegende Szenen wechseln sich hier mit emotionalem Kitsch ab. Der Roman erzählt eine iranische ...

„Als die Tage nach Zimt schmeckten“ hat mich zum Teil berührt und zum Teil ziemlich frustriert. Dramatische, bewegende Szenen wechseln sich hier mit emotionalem Kitsch ab. Der Roman erzählt eine iranische Familiengeschichte, die vier Generationen umfasst. Im Mittelpunkt stehen Noor, die im Iran geboren wurde, und ihr Vater Zod. Auf das Drängen ihres Vaters hin wanderte Noor als 17-Jährige gegen ihren Wilen in die USA aus, um die Chance auf eine bessere Zukunft zu haben. Nach der Trennung von ihrem untreuen Mann kehrt sie erstmals nach Teheran zurück. Mit ihrer 15-jährigen Tochter Lily will Noor in den Sommerferien Zod besuchen. Doch schnell stellt sich heraus, dass ihr Vater unheilbar krank ist.

Der Autorin gelingt es ziemlich gut, den krassen gesellschaftlichen Umschwung nach der Iranischen Revolution 1979 zu beschreiben, und zeigt, wie der Alltag vor allem für die Frauen plötzlich extrem schwierig wurde. Noors Eltern sind direkt und auf grausame Weise betroffen. Nachdem sie mit ihrer Tochter in den Iran reist, spüren auch Noor und Lily die Einschränkungen der Islamischen Republik am eigenen Leib, besonders als sie das Mädchen Ferry kennenlernen. Hier gelingen Donia Bijan einige wirklich berührende und gleichzeitig gesellschaftskritische Szenen.

Das Café Leila, das Zods Eltern gründeten, ist bei all den Unruhen der Ankerpunkt und Rückzugsort der Familie. Hier und im angrenzenden Haus von Zod scheinen die Regeln der Islamischen Republik nicht zu gelten und die Frauen der Familie können sich uneingeschränkt und frei bewegen. Das finde ich etwas merkwürdig und unrealistisch, da das Café letztendlich ein öffentlicher Ort ist, den jeder während der Öffnungszeiten betreten kann. Zod erinnert sich sogar daran, Ajatollah-Anhänger bedient zu haben. Trotzdem wirkt das Familiengrundstück in der Beschreibung der Autorin wie eine seichte, politfreie Zone, in der Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Noor und Lily legen beispielsweise immer erst Kopftücher an, wenn sie das Grundstück verlassen, und Lily kann ohne Probleme Zeit mit einem Jungen verbringen.

Der Klappentext des Romans verspricht ein sinnliches Lesevergnügen. Das stimmt zum Teil, denn ein wesentliches Motiv ist das Kochen. Die Autorin beschreibt wirklich anschaulich die Gerüche und Geschmäcker der exotischen Gerichte. Das Kochen und Bewirten von Familie und Gästen wird hier als sinnliches Erlebnis sowie als Symbol für Traditionsbewusstsein, Kulturbewahrung und Familiensinn verwendet. Die verschiedenen Charaktere kochen Gerichte aus ihrer eigenen Kindheit und vermitteln die Rezepte an die nächsten Generationen weiter – so entsteht eine Verbindung über das Essen. Wenn es um die Themen Essen und Kochen geht, schafft Donia Bijan plastische Bilder und beschwört eine wunderbare Atmosphäre herauf, die mich absolut gefangen gehalten hat. Hier hat ihr die Ausbildung als Köchin sicher geholfen. Leider hält dieser Stil nicht an. In vielen Rückblenden auf Zods Jugend zum Beispiel rattert sie wichtige Ereignisse einfach nur herunter, statt ihnen eine ähnliche emotionale Dichte zu geben. Viel verschenktes Potential.

Manchmal wären mir auch kürzere Koch-Beschreibungen zugunsten einer besseren Zeichnung der Charaktere lieber gewesen. Gerade die Nebenfiguren sind arg schablonenartig. Da ist zum Beispiel die mütterliche Naneh Goli, die ihr Leben aufopferungsvoll der Familie Yadegar widmet, oder der fleißige junge Diener Karim, der alles für Lily tut, weil er in sie verliebt ist. Auch Noor als Protagonistin ist merkwürdig unentschieden, ängstlich und passiv ihrem Schicksal gegenüber. Erst auf den allerletzten Seiten trifft sie selbstbewusst eine Entscheidung für sich, davor lässt sie sich immer wieder von ihrer Tochter, ihrem Vater, ihrem Mann und so ziemlich jedem, dem sie begegnet, rumschupsen. Dazu kommt, dass sich in den Szenen zwischen den Charakteren viele übertriebene Emotionen, plötzliche Stimmungsschwankungen und Eskalationen eingeschlichen haben. Verkürzter Beispiel-Abschnitt von Seite 333:
- Noor stellt eine einfache Frage.
- „Mhm.“ Ferry zuckt mit den Schultern.
- Noor gibt eine belanglose Weisheit von sich.
- Ferry schreit ihre Antwort und fängt an zu weinen.
- Ferry, Noor und Lily holen tief Luft und gehen weiter.
Das Buch strotzt vor diesen übertriebenen emotionalen Ausbrüchen, für die es keinen richtigen Anlass bzw. keine Hinleitung gibt und die genauso schnell vorbei sind, wie sie angefangen haben. Diesen Stil empfand ich als sehr ermüdend, zumal die Autorin an vielen anderen Stellen beweist, dass sie bessere Dialoge und Szene schreiben kann.

Zudem erscheint mir der Plot an vielen Stellen etwas zu konstruiert. Besonders frustrierend war Lilys zweiter Besuch im Schwimmbad, der unnötig riskant und gefährlich war und ihr selbst Angst gemacht hat. Gerade angesichts Lilys eigentlichen Ziels hat der Abstecher in der Story überhaupt keinen Sinn gemacht – er wirkte nachträglich nur wie eine Idee der Autorin, die es Lily erlaubt, den eigentlichen Zweck ihrer Flucht vor ihrer Mutter zu verschweigen und damit Konflikte zu vermeiden. Lilys anschließender Wandel vom launisch-stereotypischen Teenie zur empathischen, selbstlosen jungen Frau wirkte auf mich auch zu plötzlich.

Der Roman hat trotz einiger wirklich berührender und intelligenter Szenen für meinen Geschmack leider starke Schwächen. Gerade stilistisch und erzählerisch ist er ziemlich inkonsistent. Wenn ich mich emotional eingefühlt hatte, wurde ich ziemlich schnell wieder rausgerissen. Schade.

Veröffentlicht am 31.08.2025

Verharmlost Tradwives und bleibt oberflächlich

Heimat
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Obwohl ich mich sehr auf das Buch und besonders das Thema gefreut habe, bin ich nach der Lektüre leider ernüchtert. Die Autorin schreibt wirklich gut, man kommt schnell in einen Lesefluss. Die Handlung ...

Obwohl ich mich sehr auf das Buch und besonders das Thema gefreut habe, bin ich nach der Lektüre leider ernüchtert. Die Autorin schreibt wirklich gut, man kommt schnell in einen Lesefluss. Die Handlung erzählt Hannah Lühmann in sehr kurzen Episoden, zwischen denen oft undefinierte Zeitsprünge liegen, sodass zwischen zwei Absätzen auch mal ein paar Wochen oder Monate vergehen zu scheinen. Durch diese kurzen Blitzlichter erhält das Buch am Anfang schnell ein hohes Erzähltempo. Das hat mich nach einer Weile aber frustriert, weil zwar schnell, aber wenig tief erzählt wird. Ich habe kein richtiges Gefühl für die erzählte Zeit bekommen und durch die kurzen Einblick in das Leben der Figuren bleiben fast alle auf Distanz. Auch die Freundschaft zwischen Jana und den Frauen ihres neuen Wohnortes fühlt sich dadurch für mich oberflächlich an und ich kann sie nicht wirklich nachvollziehen, da sich hier kaum eine logische Bindung zwischen den Frauen aufbaut.

Das Buch hält leider nicht, was der Klappentext verspricht. Er kündigt beispielsweise an, dass die auf Social Media inszenierte Familienidylle von Janas neuer Bekannten Karolin in Wahrheit alles andere als perfekt ist. Das wird im Buch zwar mehrfach angedeutet und dramatisch aufgebauscht, aber nie aufgelöst. Dazu kommt ein plötzlich sehr mysteriöses und viel zu abruptes Ende. Janas Angst, die der Klappentext anteasert, bleibt ebenfalls diffus. Ängstlich wirkt sie nicht.

Dazu kommt, dass Jana bereits vor dem Umzug in die ländliche Region und vor ihrem ersten Treffen mit Tradwive Karolin in die konservative Richtung driftet. Sie ist mit ihrem 3. Kind schwanger und kündigt ihren Job, ohne mit ihrem Mann zu sprechen. Der scheint andere Werte als seine Frau zu vertreten, bleibt aber blass und eher unsympathisch. Die wenigen Zweifel, die Jana angesichts Karolins Aussagen hat, schiebt sie schnell zur Seite zu schieben und nicht zu reflektieren. Stattdessen schließt sie sich meist sofort Karolins Meinung an, sodass hier kaum eine nachvollziehbare Entwicklung stattfindet. Dadurch dass jede echte kritische Auseinandersetzung mit dem dargestellten Ultrakonservatismus fehlt, wirkt das Buch letztendlich verharmlosend auf mich.

Auch in vielen Details lässt mich das Buch ratlos zurück. Mit ihren 7.000 Follower:innen ist Karolin Mikro-Influencerin, aber so richtig ergibt ihr Content keinen Sinn. Klar, sie postet vieles, was man mit Frauen der extremen Rechten verbindet - Tradwive-Content mit konservativen Idealen à la Backen und Kindererziehung zuhause, aber auch Heimatverherrlichung und Angstschüren. Janas Beobachtung, dass Karolin auch viele nicht-deutschsprachige Menschen auf Instagram folgen, soll erklären, warum Karolin manche ihrer generischen Captions auf Englisch verfasst. Das meiste schreibt und spricht sie aber auf Deutsch, sodass eine nennenswerte Menge nicht-deutschsprachiger Follower:innen unrealistisch ist. Es klingt auch so, als wäre die Autorin eher mit Facebook vertraut und wollte dessen Funktionsweise auf Instagram übertragen. Während man auf Facebook einzelne Beiträge öffentlich und den Rest privat veröffentlichen kann, ist das auf Insta meines Wissens nicht möglich. Es fühlt sich an, als hätte die Autorin den Tradwive-Trend uns Social Media als Kulisse gewählt, weil das Thema hochaktuell ist, sich aber nicht besonders tief damit beschäftigt. Andere Fehler sind einfach unnötig und zeugen von mangelnder Recherche, z.B. die Behauptung, dass Bürgergeld zusätzlich zum Kindergeld gezahlt wird (das Kindergeld wird vom Bürgergeld abgezogen) oder dass Jana monatelang rückwirkend Bürgergeld erhalten kann (man erhält es nur rückwirkend bis zum Zeitpunkt der Antragstellung, aber nicht davor, auch wenn man Anspruch gehabt hätte).

Na ja, vielleicht funktionieren Social Media, Sozialleistungen und Co so in der nahen Zukunft, die die Autorin beschreibt und das ist ihre Version der Zukunft. Dann wäre für mich aber viel Potential verschenkt. Denn zu klassischen Rollenbildern, nach denen sich Jana ja nun sehnen soll, gehört eben auch die Arbeitsteilung Frau kümmert sich um Haus und Kinder, Mann verdient das Geld. Warum geht der Roman nicht darauf ein, wie sich Jana als Bürgergeldempfängerin fühlt, wo das doch dem von ihr anvisierten Familienmodell widerspricht? Was denkt sie über 50/50-aufgeteilte Kindererziehung, die müsste doch auch ihren neuen Werten widersprechen? Das hätte so viel Potential für interessante Reflektionen gehabt. Vielleicht könnte man sagen: Möglicherweise möchte die Autorin zeigen, dass auch viele Möchtegern-Tradwives nicht voll hinter den Werten stehen, die sie nach außen als Fassade verkörpern oder dass Reden leichter als Machen ist. Das gelingt der Autorin mit einigen der Nebencharakteren, aber nicht mit Jana. Obwohl sie die Protagonistin ist, bleibt Jana für mich leider in vielen Aspekten nicht greifbar. Das ist schade.

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Veröffentlicht am 08.08.2020

Oberflächliche Geschichte ohne Flow

The Modern Break-Up
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Das Buch ist extrem kurz, daher wundert es nicht wirklich, dass die Geschichte oberflächlich bleibt. Das ist allerdings schade, denn ich hatte mir anhand des Klappentexts und der vielen positiven Erwähnungen ...

Das Buch ist extrem kurz, daher wundert es nicht wirklich, dass die Geschichte oberflächlich bleibt. Das ist allerdings schade, denn ich hatte mir anhand des Klappentexts und der vielen positiven Erwähnungen in sozialen Netzwerken definitiv mehr versprochen. Die Protagonist:innen sind mir entweder egal geblieben oder haben genervt, sodass mich ihre Geschichte nicht wirklich berührt hat.

Auch den Aufbau fand ich unglücklich bis verwirrend. Los geht es mit einem Prolog, wie er in modernen Thrillern beliebt ist: Eine nicht namentlich identifizierte Protagonistin findet sich in einer gefährlich klingenden Situation wieder. Dachte zuerst, ich hätte den Hinweis "Thriller" überlesen, aber nein, Kontrollblick auf den Titel - es soll ein Roman sein.

Dann beginnt die eigentliche Handlung. Amelia und ihre Freundin Zara sind im Urlaub in NYC und hängen in einer Bar ab. Dort spricht sie der anscheinend sehr attraktive Nick an. Gleich diese erste Begegnung wirkte auf mich super melodramatisch. Dieses Aufeinandertreffen fühlt sich an wie die Perspektive von jemandem, der denkt: "Feministinnen haben alle keinen Humor und reagieren bei jeder Kleinigkeit total über, lol, ich zeig euch mal, wie albern ihr seid." Einfach unnötig übertrieben und unsympathisch. Dieser Dialog hat sich für mich auch nicht flüssig gelesen, die Emotionen entstehen nicht organisch aus den Charakteren heraus, es liest sich einfach alles sehr bemüht.

Die Geschichte hat zu dem Zeitpunkt ohnehin noch kein hohes Erzähltempo, aber dann entscheidet sich der Autor im nächsten Kapitel für einen Rückblick und bringt es komplett zum Stehen. Wir müssen jetzt eine gefühlt endlose Unterhaltung zwischen Amelia und Zara lesen, die nach Amelias Trennung aber vor dem NYC-Trip stattfand. Darin hält Zara ihrer Freundin einen küchenpsychologie-mäßigen Vortrag über Beziehungen und bringt Kalendersprüche wie "Die Zukunft ist das, was du draus machst".

An Vielem, was Zara sagt, ist durchaus etwas Wahres dran und viele erwähnte Erfahrungen mussten viele von uns machen. Aber die Art, wie diese Erfahrungen vermittelt werden, wirkt auf mich sehr gestellt. Dieses ganze Gespräch entwickelt einfach keinen guten Flow. Ich hatte mehrmals im Buch bei Gesprächen bzw Monologen aus unterschiedlichen Perspektiven das Gefühl, dass der Autor sein Erkenntnisse und Meinungen den Figuren in den Mund legt, aber ohne das gut in der Geschichte und der Charakterisierung der Figuren zu verpacken. Außerdem mischt er die durchaus wichtigen Erfahrungen immer wieder mit Banalitäten, das fand ich ermüdend. Zara kommt z.B. in dem erwähnten Gespräch einfach nur belehrend rüber. Trotz der Kürze habe ich die Lektüre deshalb immer wieder unterbrochen, weil ich das Buch einfach ermüdend fand.

Damit die Rezension nicht länger als der Roman wird, noch kurz eine positive Anmerkung: Gut gefallen hat mir, wie soziale Medien und andere Technologien in die (leider sehr dünne) Handlung eingebunden wurden, denn sie verändern Dating und Trennungen auf jeden Fall. Dieser Aspekt rettet den Roman aber leider nicht.

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Veröffentlicht am 03.05.2019

Sexistisch, unrealistisch und langatmig

Mord am Mandela Square
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Das Cover fiel mir sofort positiv ins Auge und auch das exotische Setting hat mich angesprochen. Das Buch selbst konnte mich dann aber leider so gar nicht überzeugen. Die Story wirkt arg konstruiert, die ...

Das Cover fiel mir sofort positiv ins Auge und auch das exotische Setting hat mich angesprochen. Das Buch selbst konnte mich dann aber leider so gar nicht überzeugen. Die Story wirkt arg konstruiert, die Charaktere sind unsympathisch und der Schreibstil ist streckenweise holprig.

Der deutsche Wissenschaftler Frank Sattler reist nach Johannesburg. Pia, die Tochter von Franks Kumpel Hans-Gerd, will Franks Expertise für ein Projekt in Anspruch nehmen. Hans-Gerd bittet seinen Freund zuvor, Pia nach Deutschland zurückzubringen, weil sie angeblich in Gefahr ist - obwohl der Vater nicht mal genau weiß, was Pia eigentlich in Südafrika macht. Sattler stürzt sich sofort als selbsternannter Retter in das Abenteuer, wer sonst sollte eine Frau bevormunden, ähm ich meine retten, wenn nicht so ein toller Mitt-Vierziger? Frank reist also nach Johannesburg und trifft dort Pia. Bevor man irgendwas Substanzielles über ihren Charakter oder ihre Persönlichkeit erfährt, beschreibt der Autor erstmal minutiös und mit anzüglichem Blick ihren Körper. Natürlich wird im ganzen Roman kein männlicher Charakter auf diese Weise beschrieben, kennt man ja. Das wars aber noch nicht mit den schmierigen Männerfantasien: Kurz nach seiner Ankunft hat Frank einfach mal schnellen und super unrealistischen Sex mit der deutlich jüngeren Pia in einem verdreckten Zimmer. Im folgenden Geschehen spielt das keine Rolle mehr und die schnelle Nummer trägt absolut nix zur Geschichte bei.

Pia lebt als Hausbesetzerin mit vielen anderen Menschen in einem verlassenen Hotel in Johannesburg und engagiert sich dort in einer NGO. Sie vermutet, dass jemand versucht hat, das Trinkwasser der Bewohner zu vergiften. Zusammen mit Frank und dem Südafrikaner Mfuneni versucht Pia nun herauszufinden, was vor sich geht. Dabei decken die drei eine riesige Verschwörung auf. Eine gestohlene Militärwaffe spielt auch noch eine Rolle. Und als Krönung überlisten sie zwei internationale Auftragskiller. Das Ganze kulminiert in einer Verfolgungsjagd, die so übertrieben ist, dass ich sie nur schwer ernstnehmen konnte. Ganz am Ende wird dann ein absoluter Mini-Nebencharakter wieder rausgekramt, der die ganze Verschwörung eingefädelt hat. Garniert wird das Ganze mit dummen Klischees über Frauen und Shoppen sowie einer unsinnigen Schwärmerei Franks über seine Erfahrungen in Namibia, als er nach dem Grund für seinen Aufenthalt in Südafrika gefragt wird. Sind ja auch beides fast die gleichen Länder, schon klar. Ein Buch, auf das ich hätte verzichten können.