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Veröffentlicht am 03.02.2017

Ergreifende Familiengeschichte

Honigtot
1

Felicity Benedict und ihre Eltern leben in den USA. Aber eigentlich stammt Felicitys Mutter Martha aus Deutschland. Als Felicity eine Reise nach Kabul unternehmen will, verschwindet ihre Mutter plötzlich ...

Felicity Benedict und ihre Eltern leben in den USA. Aber eigentlich stammt Felicitys Mutter Martha aus Deutschland. Als Felicity eine Reise nach Kabul unternehmen will, verschwindet ihre Mutter plötzlich nach Italien. Gerade ist die Großmutter Maria verstorben. Marias Tod scheint der Auslöser für Marthas plötzliche Reise nach Italien zu sein. Somit bricht Felicity ihre Reise nach Kabul ab, und reist ihrer Mutter nach Rom hinterher. Dort findet sie ihre Mutter und nach einigen Recherchen findet sie Pater Lukas, der den beiden von einem Brief erzählt und ihn für sie übersetzt. Diesen Brief schrieb Maria – Felicitys Großmutter an ihre Mutter. Der Brief erzählt aus der Vergangenheit von Marthas Mutter und Großeltern. Eigentlich hieß die Großmutter Deborah und nicht Maria. Des Weiteren erfahren die beiden Frauen eine erschreckende und schicksalhafte Familiengeschichte, letztendlich auch das Leben von Felicity beeinflusst.
Hanni Münzer beschreibt in ihrem ersten Roman das Leben von starken Frauen aus vier Generationen, wobei die Ur-Enkelin Felicity in der Gegenwart nur am Anfang und Ende des Romans eine Rolle spielt. Hauptsächlich steht Felicitys Großmutter Maria im Mittelpunkt. Nachdem die Autorin zu Beginn des Romans die Gegenwart erzählt, indem Felicitys Mutter Martha plötzlich von den USA – wo Felicity und ihre Eltern leben – nach Italien aufbricht, wird der Roman in einer Zeit erzählt, die man heute nicht mehr erleben möchte. Es sind die 1930er Jahre in Deutschland, A. Hitler kommt an die Macht und im Umfeld von Felicitys Ur-Großeltern passieren viele Ereignisse. Zunächst erfährt man über das glücklich verheiratete Ehepaar Elisabeth und Gustav, die zwei Kinder bekommen – die Tochter Deborah und den Sohn Wolfgang. Allerdings wirkt sich die Machtergreifung Hitlers auf die Familie aus, weil Gustav Jude ist. Gustav verschwindet eines Tages und seine Familie muss sich den Demütigungen und Schicksalen unterwerfen. Vor allem die Tochter Deborah – Felicitys Großmutter – leidet sehr unter den Kriegsjahren. Hanni Münzer konstruierte starke Figuren, die häufig nicht widersprüchlicher sein können. Gut und Böse stehen sich oft gegenüber. Man wünscht sich während des Lesens gerne Frieden, und dass sich diese Zeit in der Gegenwart sich nicht wiederholt. Die Geschichte selbst wird so authentisch erzählt, dass man glaubt, diese Familie existierte tatsächlich. Einzige schwäche dieses Romans waren die kleinen Ausschweifungen zu Beginn des Romans. Aber die beeindruckende fortlaufende Erzählung, die eine gewisse Spannung aufgebaut hat, konnte diese Schwäche abmildern.
Nach diesem Roman habe ich eine neue tolle Autorin entdeckt. Ihre kommenden Bücher möchte ich unbedingt lesen. Wer also Familiengeschichten mit historischen Hintergründen aus dem 20. Jahrhundert gerne liest, kann ich diesen Roman nur empfehlen. Ebenso bin ich auf ihre kommenden neuen Thriller neugierig, denn die Autorin wagt sich in ein für sie neues Genre.

Veröffentlicht am 16.01.2017

Klasse Ermittlerteam in einem spannenden Thriller

Alleine bist du nie
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Zeitungsannoncen mit abgebildeten Frauengesichtern mutieren zu gefährlichen Taten. Ein Unbekannter beobachtet Frauen auf der Straße, in der U-Bahn und in Cafés. Zwei Frauen wurden bereits vergewaltigt. ...

Zeitungsannoncen mit abgebildeten Frauengesichtern mutieren zu gefährlichen Taten. Ein Unbekannter beobachtet Frauen auf der Straße, in der U-Bahn und in Cafés. Zwei Frauen wurden bereits vergewaltigt. Zu den Opfern gehört auch die alleinerziehende Zoe Walker. Zoe lebt nach ihrer Scheidung von Matt mit Simon zusammen, doch ihre mittlerweile erwachsenen Kinder Katie und Justin leben noch bei ihr. Justin litt unter der Scheidung, die mittlerweile einige Jahre zurückliegen. Dadurch geriet Justin auf die schiefe Bahn. In der Gegenwart konnte Justin sich rehabilitieren, so zumindest der Anschein. Katie erhält ein Theater-Arrangement bei einem kleinen Theater in London. Der ein paar Jahre ältere Regisseur Isaac stellt sie ein. Als Zoe mit den Kindern alleine lebte bevor sie Simon kennenlernte, musste sie für den Unterhalt sorgen. Deshalb betreute Zoes Nachbarin und Freundin Melissa ihre Kinder. Heute arbeitet Justin in einem von Melissas Cafés. Nachdem das Ermittlerteam von Kelly Swift und Nick Rampello von der Londoner Polizei nach dem unbekannten Täter sucht, gerät Zoe Walker ins Visier des Unbekannten. Zoe wird genauso verfolgt und beobachtet wie die anderen Frauen. Des Weiteren wirkt eines von Melissas Cafés verdächtig, weil von dort Geldtransfers über eine IP-Adresse fließen, mit der der Unbekannte seine mysteriöse Website anscheinend finanziert.
Mit diesem zweiten Thriller unterhält die britische Autorin Clare Mackintosh die Krimi- und Thriller-Leserschaft auf eine spannende und unterhaltsame Art und Weise. Kelly Swift steht anfangs als DI mehr im Mittelpunkt aufgrund ihrer Aufgabe bei der British Transport Police (BTP), bei der sie gerne weg möchte aufgrund eines Falles, der sie privat betrifft. Ihr Kollege Nick Rampello ist ein ebenbürtiger Partner, der zielstrebig die Aufklärung des Falles herangeht. Mit dem weiblichen Gespür Kellys ergänzen beide sich sehr gut. Ein souveränes Ermittlerteam, das bisher einen positiven Eindruck hinterlässt. Des Weiteren stehen hauptsächlich Frauen im Mittelpunkt dieses Thrillers – in erster Linie als Opfer. Die Männer an der Seite der Frauen geraten hin und wieder unter Verdacht und die Nutznießer der Zeitungsannoncen sind die bösen Buben. Allerdings bringt die Autorin eine spannende Wendung in die Geschichte, mit der man überhaupt nicht erahnt hat.
Dieser Thriller ist für mich eine positive Überraschung. Deshalb gehören Clare Mackintosh‘ Thriller nun zu meinem Favoriten unter den Thriller-Autorinnen. Spannen und unterhaltsam erzählt mit einem sympathischen Ermittlerteam. Allerdings wünsche ich mir mehr britisches Flair in den Geschichten, so dass mehr authentische Momente herüberkommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Recherche
  • Spannung
  • Schreibstil
Veröffentlicht am 07.01.2017

Ein Sommer in Brandenburg

Eva und die Apfelfrauen
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Eva, Marion, Julika, Dorothee und Nele kennen sich schon eine Weile. Sie leben alle überwiegend alleine in Berlin und gehen ihren beruflichen Aufgaben nach. Die Frauen wollen sich einen Traum erfüllen: ...

Eva, Marion, Julika, Dorothee und Nele kennen sich schon eine Weile. Sie leben alle überwiegend alleine in Berlin und gehen ihren beruflichen Aufgaben nach. Die Frauen wollen sich einen Traum erfüllen: einmal auf dem Land leben. Nachdem sie über diesen Traum Ideen gesammelt haben, lassen sie eine Anzeige in einer Zeitung setzen, in der steht, dass sie ein Haus suchen. Einige Zeit später bekommt Eva einen Brief von dem Rechtsanwalt Alfred Rechenberger. Frau Anna Staudenroos hinterließ ein Testament mit dem Wunsch, dass Eva mit ihren Freundinnen in ihr Haus ziehen unter einer Bedingung: die Apfelernte muss vollbracht werden. Nach kurzer Bedenkzeit und Diskussionen entschließen sich die Frauen für das ländliche Abenteuer. Sie kommen in einer dörflichen Idylle an, in der die Uhren anders ticken als in der Großstadt wie sie schnell feststellen müssen. Die beiden alleinstehenden Dorfbewohner Gandalf und Loh(müller) greifen den Frauen hin und wieder unter die Arme wo sie können. Allerdings haben die Frauen einen persönlichen Feind: der Bürgermeister.
Tania Krätschmar versteht etwas von geballter Frauenpower, die sie mit ihren fünf unterschiedlichen Frauenfiguren zwischen 43 und 55 Jahren in den Roman bringt. Jede Frau ist anders aufgrund ihrer Herkunft und Persönlichkeit. Die Freundinnen sorgen für Gesprächsstoff in dem Dorf in Brandenburg, was die Haupterzählung des Romans umfasst. Idylle, Streit und Gemeinschaft vereinen eine unterhaltsame Geschichte, die an einen Sommer voller Sonne und Hitze erinnert. Ebenso stehen die vielen Apfelbäume im Mittelpunkt der Geschichte, die die verstorbene Anna Staudenroos zur Bedingung gemacht hat. Die Frauen wachsen mit an den Aufgaben rund um die Apfelernte und der Produktion der Apfelprodukte, wobei sie tatkräftige Unterstützung der Dorfbewohner bekommen.
Bei diesem Roman bekommt man Lust, einen Sommer lang ein altes Haus und einen alten Garten auf Vordermann zu bringen. Außerdem lernt man nebenbei, alte Dinge und Gebräuche wertzuschätzen. In dieser kalten Jahreszeit war dieser Roman eine tolle Abwechslung und eine Vorfreude auf den nächsten Frühling und Sommer. Man konnte den Duft von Äpfeln und Heu regelrecht riechen. Und ich weiß jetzt auch wie Galloway-Rinder aussehen mit ihrem zotteligen Fell.

Veröffentlicht am 01.01.2017

Der Untertitel wird der Geschichte gerecht

Post Mortem - Tränen aus Blut
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Avram Kuyper lebt seit einigen Jahren in den Niederlanden. Berufsbedingt reist Avram kreuz und quer durch und außerhalb Europas im Auftrag irgendwelcher Auftraggeber, denn er arbeitet als Profikiller – ...

Avram Kuyper lebt seit einigen Jahren in den Niederlanden. Berufsbedingt reist Avram kreuz und quer durch und außerhalb Europas im Auftrag irgendwelcher Auftraggeber, denn er arbeitet als Profikiller – geräuschlos und geheimnisvoll. Eines Tages findet er eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter von seinem Bruder Goran, der mit seiner Frau, seiner Tochter und seine Sohn in Bayern lebt. Gleichzeitig findet die Frankfurter Polizei einen toten Mann in einem Hotelzimmer, den man zunächst identifizieren kann. Da die alleinerziehende Interpol-Agentin Emilia Ness sich gerade aufgrund eines Prozesses in Frankfurt aufhält, soll sie den Frankfurter Kollegen Mikka Kessler bei der Aufklärung des ermordeten unbekannten Mannes unterstützen. Aufgrund seiner Erfahrungen mit der Polizei arbeitet Avram auf eigene Faust, und will seinen Bruder, seine Schwägerin sowie die Kinder finden. Als er erfährt, dass sein Neffe ebenso ermordet wurde, arbeitet er einen Schritt schneller als Emilie Ness und Mikka Kessler. Während der Suche findet Avram seine Nichte, die mehr weiß als er vermutet.
Der deutsche Autor Mark Roderick schrieb mit diesem Thriller seinen ersten Roman, auf den im gleichen Jahr der Folgeband Post Mortem – Zeit der Asche. Im Mittelpunkt steht die Familie Kuyper, die auf einem Bauernhof in Bayern lebt. Auf geheimnisvolle Weise verschwindet die ganze Familie. Einige Tage nach dem Verschwinden taucht die Tochter plötzlich auf. Durch die parallelen Ermittlungsstränge von Avram Kuyper sowie Emilia Ness und Mikka Kessler erhält den Eindruck, dass es ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Avram und Emilia/ Mikka darstellt. Dennoch ergänzen sich die drei Experten. Eine Familienidylle wird zerstört, was anhand der verschiedenen Charaktere zu erkennen ist, zumal Avram selbst ein Teil der verschwundenen Familie ist. Einige Jahre sahen sich die beiden Brüder nicht, dennoch findet eine gewisse Verbundenheit statt. Emilia Ness nimmt als Ermittlerin mehr Raum ein in der Geschichte als ihr Kollege Mikka Kessler. In manche Szenen lässt sich ein oberflächliches Knistern feststellen. Über Emilia Ness erfährt man auch private Aspekte wie zum Beispiel, dass sie alleinerziehend ist und eine pubertierende Tochter namens Becky hat, die ihre Zeit auf einem Internat erlebt.
Dieser Auftakt einer Thriller-Reihe wurde im Vorfeld positiv bewertet, so dass man mit neugierigen Erwartungen an das Lesen heranging. Mir gefielen die unterschiedlichen Ermittlungsstränge, die spannenden Momente der Verfolgung der Hintergrundfiguren und die Suche nach den einzelnen Familienmitgliedern. Durch diese Konstellation erwartet die Leserschaft ein rundum unterhaltsames Debüt. Mit Spannung darf man den Folgeband erwarten.

Veröffentlicht am 29.11.2016

Junge erfolgreiche Frau trifft ältere resolute Frau

Der Duft von Eisblumen
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Rebekka Winter arbeitet als junge erfolgreiche Frau in einer Werbeagentur. Als sie mitbekommt, dass man sie für ein neues Projekt nicht mit im Team haben will, und dann plötzlich nach wenigen Jahren ihr ...

Rebekka Winter arbeitet als junge erfolgreiche Frau in einer Werbeagentur. Als sie mitbekommt, dass man sie für ein neues Projekt nicht mit im Team haben will, und dann plötzlich nach wenigen Jahren ihr Ex-Freund und Ex-Kollege Sebastian vor ihr in der Agentur steht, sieht sie nur noch einen Ausweg. So schnell wie möglich weg von der Agentur. Gekränkt und hintergangen fühlt sie sich. Mit diesem Ärger im Bauch sitzt sie im Auto in einem Stau. Als ihr ein Autofahrer zu allem Ärger auch noch Ärger machen will, gibt sie Gas mitten im Stau und fährt ihrem Vordermann voll ins Auto hinein. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung, bei der der Richter Rebekka zu Sozialstunden verdonnert. Da kommt die Großmutter des jungen Rechtanwalts Thomas Benning gerade zur rechten Zeit, denn deren Haushaltshilfe ist gerade aufgrund eines Bandscheibenvorfalls ausgefallen. Mit Murren und Widerwillen fährt Rebekka zu der Endachtzigerin Dorothea von Katten. Dort trifft sie auch eine sehr aktive und eigensinnigen alten Dame, die allerdings ein Geheimnis verbirgt. Der Junge Gärtner Taye aus Südafrika trägt zu dem Geheimnis bei.
Veronika May – mit bürgerlichem Namen Heike Eva Schmidt – veröffentlichte mit diesem Roman ihr Debüt. Jedes Buchkapitel trägt einen botanische Pflanzennamen, die am Ende des Romans erläutert werden. Denn die ältere Protagonistin Dorothea von Katten liebt über alles ihren Garten und ihre Pflanzen. Während der Geschichte lernt die junge Protagonistin Rebekka Winter sehr viel von Dorothea von Katten und von deren Gärtner Taye. Selbstverständlich lernt man als Leserin ebenso viel über die Pflanzenwelt und das Gärtnern. Dorothea von Katten ist zwar alt, aber sehr rüstig, starrköpfig und verschlossen, was ihre Vergangenheit angeht. Rebekka Winter ist dagegen energisch, entschlossen und eigensinnig. Somit treffen Welten aufeinander als die beiden Frauen sich kennenlernen. Nach und nach öffnen sich die beiden Frauen, mal mehr Mal weniger durch Zufall oder durch Gespräche. Dieser Roman erzählt keine kitschige Geschichte, sondern einen Generationenroman, bei dem beide Figuren voneinander lernen können. Die Atmosphäre wirkt warmherzig, lustig, teilweise temporeich und unterhaltsam. Der unterhaltsame Schreibstil wirkt sogar spannend stellenweise, weil man während des Lesens wissen will, wie die Geschichte weitergeht.
Da mir das Buchcover anfangs nicht zugesprochen hat, gefiel mir trotz dieser oberflächlichen Wahrnehmung der Roman sehr gut aufgrund der beiden Hauptfiguren und deren Charaktereigenschaften. Somit kann ich diesen Roman gerade jetzt zur weihnachtlichen und winterlichen Jahreszeit empfehlen. Allerdings spielt die Geschichte während des Sommers. Aber die Atmosphäre der Warmherzigkeit und Emotionen passen zur aktuellen Jahreszeit