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Veröffentlicht am 14.10.2020

Fayes Rachefeldzug geht in die nächste Runde: spannend, aber ohne Tiefe

Wings of Silver. Die Rache einer Frau ist schön und brutal (Golden Cage 2)
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Faye lebt mit ihrer Tochter Julienne und ihrer Mutter nun in Italien. Davon darf niemand wissen, hat sie doch Juliennes Ermordung vorgetäuscht und Exmann Jack sitzt als ihr Mörder in Haft. Fayes Firma ...

Faye lebt mit ihrer Tochter Julienne und ihrer Mutter nun in Italien. Davon darf niemand wissen, hat sie doch Juliennes Ermordung vorgetäuscht und Exmann Jack sitzt als ihr Mörder in Haft. Fayes Firma „Revenge“ läuft bestens und wirft viel Gewinn ab. Aber schlagartig scheint alles aus dem Ruder zu laufen: Jack ist aus dem Gefängnis geflohen und plant mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, sich an Faye zu rächen. Außerdem versucht ein Unbekannter Mehrheitseigner von Fayes Unternehmen zu werden. Das riecht nach großer Gefahr für die junge Frau. Ausgerechnet jetzt lernt sie David kennen, nach langer Zeit der erste Mann, für den sich Faye ernsthaft interessiert.

Camilla Läckberg erzählt flüssig und klar. Sie beschreibt aktuelle Entwicklungen in der dritten Person und Rückblenden in Ich-Form aus Fayes Sicht. Eine lebendige und abwechslungsreiche Gestaltung!

Faye hat mehr als ein Päckchen zu tragen. Sie hat in ihrem Leben zahllose schlimme, leidvolle Erfahrungen machen müssen, doch hat sie sich dadurch nicht brechen lassen. Im Gegenteil sie hat sich zu einer starken,selbstbewussten, aber auch skrupellosen Frau entwickelt, die über Leichen geht, um das zu schützen, was ihr lieb ist. Ein faszinierender, starker Charakter, aber nicht unbedingt sympathisch. Überaus unsympathisch auch der Bösewicht wie er im Buche steht, Exmann Jack, und sein früherer Kompagnon Hendrik. Im Laufe des Romans tauchen immer weitere Frauen auf, die unter der Tyrannei ihrer Männer leiden. Eine Beziehung zwischen mehreren betrogenen Frauen kann sich extrem effektiv und produktiv gestalten, das zeigt die Autorin erneut sehr anschaulich. Insgesamt sind mir Läckbergs Figuren allerdings leider zu einseitig, zu schwarz-weiß, dargestellt.

Wer möchte Faye ihre Firma wegnehmen? Wird Faye die Bedrohung für ihr Unternehmen aufhalten können? Wann taucht Jack auf und was hat er vor? Und findet Faye weitere Verbündete? Durchaus spannend Läckbergs Thriller. Allerdings empfinde ich die Handlung als insgesamt viel zu sehr auf Effekt konstruiert: zu viel lauter Krawall, zu viel Sex, zu wenig Tiefe. Ein Roman zum Verschlingen an einem Stück, aber danach bleibt wenig davon im Gedächtnis. Camilla Läckberg, die ich als Autorin sehr schätze, kann meiner Meinung nach viel mehr. Ich hoffe sehr, dass sie sich in Zukunft wieder intensiver auf die Fjällbacka-Krimis mit Erika Falck und Patrick Hedström konzentriert, die beiden sind mir deutlich sympathischer als Faye.

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Veröffentlicht am 01.10.2020

Wenn die Vorstadtidylle zur Lügenhölle wird: unterhaltsam, aber nicht hundertprozentig überzeugend

Das Gift deiner Lügen
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Skandal in Severn Oaks: Vor einem Jahr stürzte Erica Spencer während ihrer Halloweenparty im Garten vom Baumhaus und starb. Ein tragischer Unfall, wie die Ermittlungen dazu ergaben. Nun taucht ein mysteriöser ...

Skandal in Severn Oaks: Vor einem Jahr stürzte Erica Spencer während ihrer Halloweenparty im Garten vom Baumhaus und starb. Ein tragischer Unfall, wie die Ermittlungen dazu ergaben. Nun taucht ein mysteriöser Podcast auf, der behauptet, Ericas Tod sei kein Unfall gewesen, vielmehr seien Nachbarn und Freunde allesamt in den Mord an Erica verwickelt. Nach und nach wird in den einzelnen Folgen des Podcast von einem Mann namens Andy Noon aufgedeckt, welche Rolle die sechs von Severn Oaks Miranda, Felicity, Peter, Mary-Beth, Marcus und Karla bei Ericas Tod spielten. Ist wirklich etwas Wahres dran an den Behauptungen?

Autorin Jenny Blackhurst schreibt zwar schlicht und flüssig, aber nicht immer ganz klar und deutlich, im Gegenteil manchmal sind die Sätze ganz schön gewollt missverständlich formuliert. Beim Lesen muss man sich ziemlich konzentrieren, damit einem kein wichtiges Detail entgeht und man die vielen Personen richtig ein- und zuordnen kann. Meist schildert die Autorin die aktuelle Situation in der Nachbarschaft, zwischendurch wird der Podcast im Wortlaut eingeschoben. Das macht das Ganze interessant und sorgt für Abwechslung.

Fassade, nichts als Fassade, wohin man blickt. Alle beteiligten Personen sind sehr auf ihre makellose Außenwirkung bedacht. Hintenrum wird gelogen, betrogen, gelästert und gnadenlos verletzt. Da ist z.B. das Vorzeigepärchen Karla und Marcus Kaplan, er erfolgreicher Buchautor mit schwieriger Kindheit, sie allseits beliebte, unterstützende Ehefrau, die insgeheim sehnlichst auf ein TV-Engagement wartet. Nachbarin Miranda hingegen engagiert sich ehrenamtlich in der Elternarbeit, die Alleinerziehende Felicity ist perfekt organisiert und hat stets alles im Griff und unter Kontrolle, Privatleben wie Job. Ihre „Leichen im Keller“ machen keine der Figuren richtig sympathisch und auch das „Opfer“ Erica Spencer entpuppt sich als eine ziemliche „Giftspritze“. Dass der Leser zu den unangenehmen, unechten, unehrlichen und eindimensionalen Figuren keinen gefühlsmäßigen Zugang findet, mag so beabsichtigt sein, erschwert es aber dennoch, richtig mitzufiebern. Dadurch berührte das Schicksal der Charaktere mich kaum.

Wie starb Erica wirklich? Und wer steckt hinter dem ominösen Podcast?
Diese Rätsel machen „Das Gift deiner Lügen“ zu einer durchaus spannenden Lektüre. Allerdings wirkt der ganze Fall insgesamt doch ein wenig zu konstruiert, das Ende überrascht nur bedingt, einige Entwicklungen sind recht vorhersehbar, andere erscheinen nicht vollends ausgereift und durchdacht. Dass ich die meisten Figuren als unsympathisch empfand, machte es für mich unmöglich, emotional „mitzugehen“. Insgesamt ein überwiegend unterhaltsamer Krimi, aber kein hintergründiger Psychothriller mit Gänsehauteffekt.

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Veröffentlicht am 18.09.2020

Solider, klassischer Krimi mit Längen

Wer auf dich wartet
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Aidan möchte mit seiner Freundin Zoe skypen, doch zum Gespräch der beiden kommt es nicht. Stattdessen erkennt er auf dem Bildschirm nur Zoes leeres Zimmer und den Schatten eines Eindringlings, es folgen ...

Aidan möchte mit seiner Freundin Zoe skypen, doch zum Gespräch der beiden kommt es nicht. Stattdessen erkennt er auf dem Bildschirm nur Zoes leeres Zimmer und den Schatten eines Eindringlings, es folgen verdächtige Geräusche eines Kampfes im Hintergrund und dann ist nur noch Stille zu hören. Aidan meldet den Vorfall bei der Polizei anonym, ohne seinen Namen und die Adresse des Tatorts anzugeben. Als die Polizei am nächsten Tag in Zoes Wohnung eintrifft, kann Zoe nur noch tot aufgefunden werden.

Gytha Lodge schreibt klar und gut verständlich. Sie wechselt immer wieder die Perspektive, mal erzählt sie von einer Zeit vor dem Mord, dann richtet sie das Augenmerk auf die Phase der Mordermittlung. Dabei stehen stets unterschiedliche Personen im Fokus.

Die Figurenkonstellation in „Wer auf dich wartet“ ist relativ übersichtlich gehalten. Neben dem Polizeiteam, das das Verbrechen aufklären soll, spielen Mordopfer Zoe, ihr Exfreund Aidan und dessen Frau Greta, Zoes Freundinnen Maeve und Angeline, Cafebesitzer Victor und Zoes Vermieter Felix entscheidende Rollen. Durch die nicht chronologische Erzählweise wird zunehmend klarer, wie die einzelnen Charaktere miteinander verbunden sind, die teils ungesunden und deprimierenden Beziehungsgeflechte treten dabei immer deutlicher hervor. Leider fiel es mir sehr schwer, für irgendeine der beteiligten Figuren Sympathien zu entwickeln.

Ein klassischer Kriminalroman, in dem im Kreis der Verdächtigen der Täter zu finden ist, sinnvoll und logisch aufgebaut, die Auflösung ist logisch, nachvollziehbar und stimmig. Auf mich wirkte der Plot aber stellenweise zu konstruiert. Ich war beim Lesen nicht so sehr gepackt und gefesselt, wie ich es von der spannenden Handlung her eigentlich erwartet hätte. Gerade im Mittelteil empfand ich einige Kapitel als recht langatmig. Alles in allem ein solider, ausgewogener Krimi, der allerdings nicht herausragt.

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Veröffentlicht am 18.09.2020

Interessante Grundidee, aber wie schwarzes Wasser undurchsichtig und unklar

Aus schwarzem Wasser
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Maya, die Tochter der Innenministerin, wacht nach einem Unfall, bei dem ihre Mutter starb, in einem Leichensack im Krankenhaus lebendig auf, nachdem sie offiziell für tot erklärt wurde. Wie kann sie noch ...

Maya, die Tochter der Innenministerin, wacht nach einem Unfall, bei dem ihre Mutter starb, in einem Leichensack im Krankenhaus lebendig auf, nachdem sie offiziell für tot erklärt wurde. Wie kann sie noch leben, obwohl sie schon tot ist? Die Beantwortung dieser Frage führt zu unfassbaren Erkenntnissen von immenser Tragweite. „Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin“ ist das Letzte, was Majas Mutter zu ihrer Tochter sagte. Maja ahnt nicht, wie Recht ihre Mutter damit hat...

Anne Freytag schreibt sehr präzise und stimmig, wechselt in den kurzen Kapiteln immer wieder die Sichtweise, mal nimmt sie die Ich-Perspektive von Maja ein, dann stehen andere Personen wie Majas Mutter oder Daniel im Mittelpunkt des Geschehens. Die oft kurzen abgehakten Sätze passen perfekt zu Majas Gefühlslage, die, ständig aufgewühlt, kaum zur Ruhe kommt, wirken aber manchmal auch übermäßig hektisch und sehr nüchtern.

Mit Anne Freytags Charakteren habe ich große Schwierigkeiten. Protagonistin Maja blieb mir recht fremd, zeigte sich ziemlich unnahbar, ja fast hölzern. Die meisten anderen Personen scheinen extrem berechnend, gefühlskalt und einfach unangenehm. Was die einzelnen Figuren emotional miteinander verbindet, erschloss sich mir kaum. Zur Verteidigung der Autorin sei hinzuzufügen, dass auf der Charakterisierung der Figuren, ihrer Beziehungen nicht das Hauptaugenmerk liegt. Die Handlung des Romans geht weit über die Figurenkonstellation hinaus.

„Aus schwarzem Wasser“ hat mich definitiv in vielerlei Hinsicht überrascht. Das fängt schon bei der Einordnung des Buches in ein Genre ein. Ich hatte eine Psychothriller erwartet, diese Klassifizierung trifft es allerdings nur sehr bedingt. Es sind Elemente aus Science Fiction, Mystery und Spionagethriller zu erkennen. Der Roman ist genauso auch Umweltkrimi, der den aktuell verschwenderischen Umgang mit Ressourcen stark anprangert. Sehr vielfältig das Ganze, daher auch recht unbestimmt und undurchsichtig. Die Handlung ist zweifelsohne über weite Strecken fesselnd, spannend, oft auch ziemlich gruselig und einige Szenen gar „abartig“ abstrus. Das Ende empfand ich als ziemlich verworren, zu extrem. Ein interessantes, ungewöhnliches Buch, aber für mich zu undurchsichtig und schwer fassbar. Mitunter entsteht der Eindruck, insbesondere zum Finale hin, dass sich die Autorin etwas verzettelt, den roten Faden verliert. Ich hätte mir mehr Klarheit und Struktur, weniger komplexe, unübersichtliche Verwicklungen gewünscht und eine etwas tiefere Ausarbeitungen der Figuren. Sicherlich wäre es mir dann leichter gefallen, einen näheren Bezug zu den Charakteren und der Handlung zu entwickeln.

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Veröffentlicht am 28.08.2020

Langweilige Ehe - ungewöhnliche, unberechenbare Trennungsverarbeitung

Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau
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Diane, 48 Jahre, Mutter von drei Kindern, verliert den Boden unter den Füßen, als Ehemann Jacques sie wegen einer anderen verlässt. Sie versucht mit der neuen Situation umzugehen, erleidet dabei aber immer ...

Diane, 48 Jahre, Mutter von drei Kindern, verliert den Boden unter den Füßen, als Ehemann Jacques sie wegen einer anderen verlässt. Sie versucht mit der neuen Situation umzugehen, erleidet dabei aber immer wieder Rückfälle. Fünfundzwanzig Jahre Ehe lassen sich eben nicht so leicht ungeschehen machen.....

Marie-Renée Lavoie schreibt klar, treffend und oft amüsant in Tagebuchform, aus der Ich-Perspektive von Diane. Wie in einem Tagebuch ist der Text nicht immer besonders strukturiert und logisch aufgebaut, es geht vielmehr um die Schilderung von Dianes Gedanken und Gefühlen, während sie die Einträge verfasst.

Diane ist eine sehr spezielle Protagonistin, mal wirkt sie sehr träge und lethargisch, lässt sich zu sehr von anderen herumkommandieren, dann wieder reagiert sie völlig über, beschimpft unkontrolliert und unbeherrscht ihre Mitmenschen oder reagiert sich körperlich an Möbeln und anderen Gegenständen ab. Anfangs will sie nicht wahrhaben, dass Ehemann Jacques Schwächen hat, doch im Verlauf ändert sich ihre Haltung. Sie verarbeitet die Trennung, aber ob es ihr langfristig gelingt, bleibt abzuwarten. „Langweilig“ finde ich Diane nicht, eher schwer einzuschätzen, manchmal sympathisch, manchmal etwas überdreht und überzogen. Auf alle Fälle wirkt sie ungewöhnlich und interessant, aber nicht immer auf die positivste Art.

„Tagebuch einer furchtbar langweiligen Ehefrau“ hat mich gut unterhalten, ich habe mich immer wieder über die beschriebenen skurrilen, teils absurden Situationen amüsiert, war erstaunt über die präzise Treffsicherheit so mancher Sätze, Wahrheiten und psychologischer Analysen. Trotz alledem ist der Roman schwer einzuordnen, mir fehlte der rote Faden. Dem Ende mag ich noch nicht ganz trauen. Eine Trennung läuft vermutlich nie nach Schema F ab, gerade weil Menschen verschieden und individuell sind. Jeder braucht unterschiedlich viel Zeit, verarbeitet Dinge anders, es gibt dafür kein Rezept. Das macht die Handlung zwar glaubwürdig, aber für den Leser wenig greifbar und manchmal etwas befremdlich. Definitiv wird zum Nachdenken angeregt, es bleiben aber nach der Lektüre Fragezeichen bestehen. In zweierlei Hinsicht für mich ein merkwürdiger Roman.

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