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Veröffentlicht am 02.09.2020

Rasanter Thriller

Schrei nach Rache
6

„Schrei nach Rache“ von Matthias Bürgel ist der zweite Band um den Profiler Falk Hagedorn.

Innerhalb kurzer Zeit finden an mehreren Flughäfen in Deutschland Morde statt, die bald an einen Serientäter ...

„Schrei nach Rache“ von Matthias Bürgel ist der zweite Band um den Profiler Falk Hagedorn.

Innerhalb kurzer Zeit finden an mehreren Flughäfen in Deutschland Morde statt, die bald an einen Serientäter denken lassen. Die Opfer, grausam zugerichtet, haben keinerlei Gemeinsamkeiten. Lediglich der Tatort lässt vermuten, dass ein Zusammenhang bestehen muss. Als die DNA-Spuren auf eine Frau als Täterin hinweisen, sind die LKA-Ermittler fassungslos. Frank Hagedorn, der nunmehr als Psychotherapeut arbeitet, wird um Mithilfe bei diesem Fall ersucht und letztendlich lässt er sich darauf ein, hier wieder als Profiler für das LKA zu arbeiten.

Hagedorn in seiner ganzen knorrigen Liebenswürdigkeit habe ich bis jetzt noch nicht gekannt, bin ihm aber dann gleich verfallen. Ich mag diese Typen, die so richtig im Leben stehen und das ein oder andere abbekommen haben so wie dieser Profiler. Es ist sein zweiter Fall, er sitzt im Rollstuhl und hat es nicht immer leicht, trotzdem kämpft er sich durch.

Der Autor – im richtigen Leben leitender Kriminalhauptkommissar – weiß, wovon er schreibt. Das merkt man seinem gut durchdachten, logisch aufgebauten Thriller an. Das ist aber nur die eine Seite, denn auch mit Fachwissen kann man noch lange keine guten Geschichten erzählen. Er aber kann das durchaus. Diese Story beginnt, als er – Hagedorn – als Mittler für einen seiner Klienten zu einem Fall hinzugezogen wird, betreibt er doch als Psychotherapeut eine Praxis in Konstanz. Der Anfang hier war schon ereignisreich.

Bald wird er dann vom LKA wieder als Profiler angefragt, sie haben einfach keinen besseren. Und nun geht es so richtig zur Sache. Die Flughafenmorde sind das eine und das Täterprofil lässt einen dem Atem stocken.

Der Leser begleitet so manchen Typen in seiner überheblichen Lässigkeit und lässt erahnen, was bald mit ihm geschehen wird. Es sind diese ganz unterschiedlichen Charaktere, die dem Ganzen neben all den grausamen Morden die nötige Würze geben. Meine Nerven! So habe ich so manches Mal geseufzt beim Lesen. All diese Morde deuteten in eine Richtung, die ich nicht glauben wollte. Sehr dramatische Szenen spielten sich ab, der Fall schien gelöst zu sein – und jetzt? Geht es nochmal richtig los. Eine Wendung hin zum spektakulären Höhepunkt, der mich fassungslos zurücklässt.

Ich habe diesen „Schrei nach Rache“ angefangen zu lesen und musste einfach weiter. Wissen, was als nächstes passiert. Diese Story nimmt immer mehr an Fahrt auf, es wird dermaßen dramatisch und ich hätte in dem Augenblick mit den Entscheidungsträgern keine Sekunde tauschen mögen. Erst ganz zum Schluss schließt sich der Kreis, die Ereignisse anfangs werden dann doch noch zu einem runden Gefüge. „Aufgeben ist niemals eine Option.“ Das ist ganz schön bitter für Falk Hagedorn.

Ein mitreißend erzählter Thriller. Spektakulär in Szene gesetzt. Für Thriller Fans eine absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 29.08.2020

Zeitgeschichte sehr gut erzählt

Die Liebenden von der Piazza Oberdan
1

Vittorio überlebt knapp den Ersten Weltkrieg und findet in seiner Heimatstadt Triest eine Anstellung als Anwalt. In Elise trifft er die Frau, die er liebt und mit Pino, ihrem gemeinsamen Sohn, ...

Vittorio überlebt knapp den Ersten Weltkrieg und findet in seiner Heimatstadt Triest eine Anstellung als Anwalt. In Elise trifft er die Frau, die er liebt und mit Pino, ihrem gemeinsamen Sohn, scheint das Glück perfekt. Als Student der Architektur muss sich dieser zunächst mit seinem Vater auseinandersetzten, der ihn lieber in der Anwaltskanzlei gesehen hätte. Der Faschismus hält derweilen Einzug in das beschauliche Leben der Triester und nichts ist mehr so, wie es war.

„Eine Familiensaga aus Triest, ein Epochenroman, der von den letzten Tagen des Habsburgerreichs bis ans Ende des Zweiten Weltkriegs führt, und eine tragische Liebesgeschichte in einer Stadt am Schnittpunkt der Kulturen.“

Auf dieses Buch muss man sich einlassen. So nach und nach habe ich diese Geschichte erspürt, bin dem Schicksal der Familie Robusti gespannt gefolgt. Lachte und weinte mit ihnen, bangte so manches Mal und atmete auf, wenn alles dann doch erträglich ausging.

Es beginnt und endet am Tag Null, das ist der 6. April 1945. Eine Menge passiert dazwischen. Zunächst musste ich mich einfinden in diese Zeitsprünge. Es wird nicht chronologisch erzählt. Relativ schnell war mir diese Art, eine Geschichte zu lesen, vertraut. Ja, diese Erzählweise hat seinen ganz eigenen Charme. Der Leser ist mit Vittorio in der Hölle des ersten Weltkriegs und befindet sich dann mitten im Faschismus des Duce, der Nazis und in der Welt der Partisanen. Hier erlebt Pino als junger Erwachsener die Schrecken dieser Zeit. Die Unmenschlichkeit der Kriege ist Thema aber genauso das Leben dazwischen. Auch Pino findet wie schon Vittorio Jahre vorher die große Liebe und die titelgebende Piazza Oberdan ist immer wieder ihr Treffpunkt.

Der Autor begibt sich zum Schluss auf Spurensuche. Giuseppe (Pino) hat hier gelebt, hat Architektur studiert. „Ich erzähle die Geschichte von Pino Robusti nicht wie sie war… sondern wie sie hätte sein können.“ Er hat viel recherchiert, hat so mache Quelle aufgetan und ein stimmiges Bild von ihm wiedergegeben.

Das Cover möchte ich noch erwähnen: Dieses vertraute, dieses sich anlehnen an den Anderen ist so ergreifend, so wunderschön. Zurückgenommen und doch so bedeutend.

„Die Liebenden von der Piazza Oberdan“ ist ein Stück Zeitgeschichte, sehr interessant, lebendig und ergreifend erzählt. Gerne empfehle ich dieses sehr lesenswerte Buch und vergebe 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 28.08.2020

Warmherziger Anti-Heimat-Roman

Gipskind
1

Hineingeboren in die ärmlichen Verhältnisse auf dem Land spürt Andrea bald den täglichen Überlebenskampf. Sie ist als Kleinkind immer wieder im Krankenhaus und ihren Eltern fehlt es an Zeit, ...

Hineingeboren in die ärmlichen Verhältnisse auf dem Land spürt Andrea bald den täglichen Überlebenskampf. Sie ist als Kleinkind immer wieder im Krankenhaus und ihren Eltern fehlt es an Zeit, Liebe und Verständnis, sich viel um sie zu kümmern. Nur die Oma ist immer da und das spürt die Kleine. Mit zunehmendem Alter lernt sie, Schwächen strategisch einzusetzen und sich ungeahnte Freiräume zu erobern, ihre Träume zu verwirklichen.

„Gabriele Kögls Antiheimatroman gleicht einer bäuerlichen Familienaufstellung aus den sechziger Jahren, in der ein auf seine Mängel reduziertes Kind aus dem Schatten tritt und sein Leben in die Hand nimmt.“

Ein eindrucksvolles Bild des bäuerlichen Milieus der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist Gabriele Kögl gelungen. In einer Sprache, die so einfach daherkommt aber doch so kunstvoll in Szene gesetzt ist, dass es nicht besser möglich wäre. Sie schreibt in der hier gesprochenen Umgangssprache - „wir fahren auf Graz“ nicht …nach Graz. Lokalkolorit sagt man wohl dazu. Mir ist dieser Dialekt vertraut, hat er doch viele Gemeinsamkeiten mit dem bayrischen. So habe ich mich gleich heimisch gefühlt, „die Kleine“ und die Ihren gut verstanden.

Über weite Strecken ist sie nur die Kleine und durch ihre nie ganz korrigierte Fehlstellung die nicht so gerade daherkommende Bauerstochter. Die Mutter sagt, die Kleine stellt blöde Fragen. Die Oma dagegen erkennt, dass die Fragen sehr gescheite sind. So war das von Anfang an und die Kleine – Andrea – erkennt früh, dass sie auf sich schauen muss. Nichts wird einem geschenkt im Leben, man muss sich durchkämpfen. Und sie geht ihren Weg. Lernt Arthur und seine Familie kennen und damit eine ganz andere Welt, die so gar nichts bäuerliches hat. Was Andrea sich hart erarbeiten muss, ist Arthur in die Wiege gelegt worden.

Und immer ist ihre Oma diejenige, die bedingungslos hinter ihr steht. Andrea weiß das, die beiden verbindet vieles. „Als Kind wollte ich Papst werden“ und ihre Oma meint dazu: „Dir traue ich alles zu“. Das sind diese liebevollen Kleinigkeiten, die das Buch sehr groß machen.
Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Mädchens, das trotz körperlicher Mängel ihren Weg geht. Das aus der Enge, der Kleingeistigkeit ihrer Umgebung ausschert. Sie hat ein Ziel, ist ihrer Umwelt gegenüber offen und herzlich, lässt sich aber nicht verbiegen. Eine Geschichte über viel Liebe und Zuneigung, aber auch über Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit seitens ihrer Umgebung.

„Vielleicht bist doch du es, die aus der Zukunft kommt. “ Das sagt Arthur zu Andrea und ich meine, das ist ein wunderschönes Kompliment, aber auch eine ganz gute Beschreibung von ihr.

Diese Geschichte um die Kleine und die dann erwachsene Andrea hat mich tief berührt. Zeigt es doch, dass man sein Schicksal durchaus in der Hand hat. Nicht alles ist vorgegeben. Ein absolut lesenswertes Buch, das ich jedem empfehlen kann, auch wenn er nicht alle österreichischen Begriffe versteht. Das Verständnis ergibt sich beim Lesen. Natürlich bewerte ich mit 5 Sternen. Top!

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Veröffentlicht am 25.08.2020

Ein beeindruckendes Stück Zeitgeschehen

Kinder ihrer Zeit
1

„Kinder ihrer Zeit“ von Claire Winter ist ein eindrucksvolles Zeugnis deutsch-deutscher Geschichte.

Rosa flüchtet mit ihren elfjährigen Zwillingen Emma und Alice 1945 aus Ostpreußen. Auf der Flucht wird ...

„Kinder ihrer Zeit“ von Claire Winter ist ein eindrucksvolles Zeugnis deutsch-deutscher Geschichte.

Rosa flüchtet mit ihren elfjährigen Zwillingen Emma und Alice 1945 aus Ostpreußen. Auf der Flucht wird Alice durch dramatische Umstände von Emma und ihrer Mutter getrennt. Zwölf Jahre später finden sich die Schwestern überraschend wieder.

Als der Ost-Berliner Physiker Julius Laakmann Zeuge einer Entführung wird, gerät er zwischen die Fronten der Geheimdienste. Die Ereignisse überschlagen sich, der Kalte Krieg erreicht währenddessen einen neuen Höhepunkt – Berlin soll für immer geteilt werden…

Claire Winter stellt hier das Schicksal zweier Schwestern dar. Sie hatten ursprünglich die gleichen Voraussetzungen, werden auf grausame Weise getrennt und wachsen in verschiedenen Welten, in unterschiedlichen politischen Systemen heran. Emma im Westen und Alice im Osten der Republik.

Diese Kinder ihrer Zeit haben mich nicht mehr losgelassen. Auch wenn ich grad nicht am Lesen war, waren meine Gedanken in dem Geschehen. Es ist ja alles so passiert, diese ganzen menschenverachtenden Methoden der Stasi, der Geheimdienste. Was ist da schon ein Einzelschicksal? Die Autorin versteht es meisterhaft, die fiktiven Personen mit dem Schicksal all jener zu vereinen, die Zeugen dieser Zeit waren und sind.

Dieses Buch spielt in der Zeit des kalten Krieges, endet mit dem Mauerbau mitten in Berlin. Sehr bedrückende Szenen sind zu lesen. Keiner kann dem anderen noch vertrauen, jeder kann ein Spitzel sein. Und wie die Geheimdienste arbeiten, deren Methoden, Menschen gefügig zu machen, wird hier sehr anschaulich geschildert. Beim Lesen hatte ich oft ein sehr beklemmendes Gefühl, wusste jedoch, dass dies hier die Wirklichkeit wiederspiegelt. Anhand des Schicksals dieser beiden Schwestern und deren Umfeld ist ein beeindruckendes Stück Zeitgeschichte entstanden.

Immer wieder greife ich zu Büchern aus dieser Zeit, will mich umfassend informieren. Und hier habe ich das Gefühl, wiederum mehr zu wissen über diese schicksalhaften Jahre. Das Buch habe ich aus der westlichen Sicht gelesen und musste mich immer wieder fragen: Warum nur glaubten so viele an den Sozialismus?

Kinder der Zeit ist ein fesselnd geschriebenes, sehr gelungenes Stück Zeitgeschichte, welches ich absolut empfehlen kann und mit 5 von 5 möglichen Sternen bewerte.

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Veröffentlicht am 10.08.2020

Ein superspannender Thriller

Der Schaufelmann
1

Hauptkommissar Karl Breuer steht vor einem Rätsel. Zwei Mädchen werden in der Nacht von einem Mann überfallen. Im Keller des Hauses hat jemand neben einer riesigen Blutlache ein Wort in das morsche Mauerwerk ...

Hauptkommissar Karl Breuer steht vor einem Rätsel. Zwei Mädchen werden in der Nacht von einem Mann überfallen. Im Keller des Hauses hat jemand neben einer riesigen Blutlache ein Wort in das morsche Mauerwerk geritzt: »SCHAUFELMANN«. Um die Botschaft zu entschlüsseln, entscheidet sich der Hauptkommissar, seinen langjährigen Freund Professor Doktor Hornoff um Hilfe zu bitten.

Wieder mal ist es Noah Fitz gelungen, mich komplett in seinen Bann zu ziehen. Er spielt mit meinen Nerven ein sehr aufreibendes Spiel. Aber genau so mag ich es: Wenn ich ein Buch zur Hand nehme und es nicht mehr weglegen kann. Ein Thema, das es in sich hat. Ich habe mit Emma und ihren anderen Egos mitgelitten. Der Autor hat mich mitgenommen in die tiefsten Abgründe, zu denen „mensch“ fähig ist.

Noah Fitz schafft es immer wieder, mich für seine Bücher zu begeistern.

„Der Schaufelmann“ ist ein absolutes MUSS für alle Psycho-Thriller-Fans.

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