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Veröffentlicht am 07.10.2020

Und der Wind kann doch lesen

Das Wörterbuch des Windes
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„Eifersüchtige Irre“ und „total krank im Kopf“, das schrie Henrik als er sich zum letzten Mal mit Swea stritt. Dabei sollte es ein neuer Anfang werden, sozusagen die zweite Hochzeitsreise. Swea steigt ...

„Eifersüchtige Irre“ und „total krank im Kopf“, das schrie Henrik als er sich zum letzten Mal mit Swea stritt. Dabei sollte es ein neuer Anfang werden, sozusagen die zweite Hochzeitsreise. Swea steigt in den Mietwagen und rast davon. Sie kommt vom Weg ab und wird von einem Senior namens Einar gefunden. Der bringt sie mit in sein Haus und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Schritt für Schritt versucht Swea, sich von ihrem Mann und den Eltern loszueisen. Dabei macht sie auch Fehler und es stellt sich die Frage, ob die wechselnden Liebhaber tatsächlich dazu beitragen können, dass sie vergessen kann.

Die Autorin reiste im Jahr 2008 nach Island um dort an einem Literaturfestival teilzunehmen. Dabei kam ihr die Idee zu diesem Roman. Sie schreibt von der rauen und wunderschönen Landschaft dieser Insel. Von dem Wind, dem man nachgeben sollte, alles andere sei zu anstrengend (laut Einar). Aber auch der Glaube an Übernatürliches, wie Elfen oder Begegnungen mit Toten, ist ein großes Thema. Das war mir ein wenig zu abstrakt aber ich akzeptiere alle, die daran glauben. Swea beginnt zu malen, sie versucht sich als Reinigungsfrau und muss erkennen, welche hinterhältigen Schachzüge ihr Vater veranlasst. Lässt sie sich davon beeinflussen und geht wieder zurück nach Deutschland?

Ja und dann gab es noch den Bankencrash. Dass viele Isländer damals ihre Häuser an die Banken verloren ist bekannt. Wie sie damit umgingen und dass einige es nicht schafften, ins Leben zurückzufinden, das beschreibt Nina Blazon gut. Ein Blickpunkt ist das tolle Cover. Diese Farben und die auffallende Figur im roten Kleid, das hat was. Vier Sterne gibt es von mir und für Freunde der Insel im hohen Norden ist es mit Sicherheit ein tolles Buch.

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Veröffentlicht am 07.10.2020

Nach Eingewöhnungszeit hatte ich viele Bilder im Kopf

Die Bagage
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Maria Moosbrugger ist eine Schönheit und ihr Mann, der Josef, wacht mit Argusaugen über sie. Als jedoch der Erste Weltkrieg beginnt und er eingezogen wird, bittet er den Bürgermeister, dass er über seine ...

Maria Moosbrugger ist eine Schönheit und ihr Mann, der Josef, wacht mit Argusaugen über sie. Als jedoch der Erste Weltkrieg beginnt und er eingezogen wird, bittet er den Bürgermeister, dass er über seine Frau wacht. Josef ist fort und Maria macht einen Ausflug mit dem Bürgermeister. Sie lernt einen Mann kennen, der sie auch Zuhause besucht. Irgendwann ist es das Gesprächsthema Nummer eins im Ort: Maria ist schwanger. Die Gerüchteküche brodelt und auch der Pfarrer kocht munter mit. Das Kind, die kleine Margarete, leidet später unter dem Hass des Josef und der bestraft sie mit Verachtung. Mit recht? Oder erliegt er den Vorurteilen der Dorfbewohner?

Grete, die Abkürzung von Margarete, ist die Mutter der Autorin von „Die Bagage“. Sie berichtet von dem Leben der Bergbauern und den vielen Entbehrungen in der Kindheit. Aber auch von der Freiheit und dem Leben mit der Natur. Das Buch zeigt, wie leicht es ist, sich den Gerüchten hinzugeben und daraus eine Grund zu konstruieren, der das Leben eines Menschen unerträglich macht. Wer dann auch noch seine Macht ausnutzt und als Pfarrer von der Kanzel diese Vorurteile anheizt, der ist verabscheuungswürdig.

Beim Lesen von „Die Bagage“ dachte ich unwillkürlich an ein Bild in unserem Lesebuch. Es hieß: „Das Gerücht“ und dazu gab es auch eine Geschichte. So wie ein kleiner Schneeball zur großen und todbringenden Lawine wächst, so müssen auch Margarete und ihre Mutter leiden. Es war das erste Buch der Autorin, welches ich las. Die schlichte und bildhafte Sprache gefiel mir dabei recht gut. Vier Sterne und besonders den Österreichern gebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.09.2020

Freundschaft half selbst gegen die Nazis

Zeus und Goldenberg
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Die große und auch letzte Show des A. Hitler für internationales Publikum fand im Jahr 1936 statt. Die Olympischen Spiele sollten darüber hinwegtäuschen, was in Deutschland mit Juden, Kommunisten und weiteren ...

Die große und auch letzte Show des A. Hitler für internationales Publikum fand im Jahr 1936 statt. Die Olympischen Spiele sollten darüber hinwegtäuschen, was in Deutschland mit Juden, Kommunisten und weiteren „Untermenschen“ geschah. Während der Zeit trafen sich in Hamm zwei junge Männer, die im Untergrund verschwinden mussten: der Jude Goldenberg und der Kommunist Zeus. Die beiden Verfolgten fanden Hilfe beim örtlichen Pfarrer. Das ging nicht lange gut und sie mussten sich aus Hamm heraus stehlen. Ein waghalsiges Abenteuer für beide.

Der Autor Franz Josef Brüseke wurde in Hamm geboren und lebt mittlerweile in Brasilien. Mit seinem Buch „Zeus und Goldenberg“ schrieb er einen Roman, der auch den Irrwitz des Krieges deutlich macht. Als Jude in Deutschland verfolgt, flieht Goldenberg nach Frankreich. Und dort wird er als Deutscher gejagt und muss um sein Leben fürchten. Aber auch für Zeus gilt, dass er immer wieder um sein Leben fürchten muss.

Ein Buch, das mir gut gefiel. Sachlich und fast schon nüchtern schreibt Herr Brüseke über die furchtbaren Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs. Hautnah aber keineswegs zu brutal durchlebt ich die Flucht der beiden und die Haft des Pfarrers. Gute vier Sterne und eine Empfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 23.09.2020

Gute Darstellung der Situation im Zweiten Weltkrieg

Grandhotel Schwarzenberg – Der Beginn einer neuen Zeit
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„Grandhotel Schwarzenberg – Der Beginn einer neuen Zeit“ ist der dritte und letzte Band einer Reihe. Von den „goldenen Zwanzigern“ bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, können wir die Geschicke ...

„Grandhotel Schwarzenberg – Der Beginn einer neuen Zeit“ ist der dritte und letzte Band einer Reihe. Von den „goldenen Zwanzigern“ bis hin zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, können wir die Geschicke der Schwarzenbergs verfolgen. Karl und seine „große Liebe“ machen besonders Anna das Leben schwer. Die Partei der Nationalsozialisten agiert brutal und menschenverachtend. Wer vorher keinen Erfolg hatte, kann sich schnell hocharbeiten und erhält Macht, mit der er nicht umgehen kann.

Die ersten beiden Bände kannte ich nicht und kam trotzdem sehr gut mit der Geschichte zurecht. Die Autorin wiederholte die wichtigen Ereignisse so ganz nebenbei und ich konnte dem Abschluss der Trilogie gut folgen. Was mich wunderte, dass hier der Begriff „Gutmensch“ bereits Verwendung fand. Meines Wissens gibt es diesen erst seit etwa 1988?

Gut gefiel mir das Aufzeigen von unterschiedlichen Gründen für den Beitritt zur NSDAP. Einige hatten keine andere Perspektive und versprachen sich Ansehen und Erfolg. Das traf ja bis zu einem gewissen Grad auch zu. Die so schnell erlangte Macht wurde dann ja auch gnadenlos ausgenutzt. Die Autorin erläutert zum Schluss noch, welche Begebenheiten tatsächlich passierten. Für meine Begriffe hat sie aufwendig recherchiert und das fand ich interessant. Die Beschreibung der Stadt und der Umgebung gefielen mir ebenfalls sehr gut. Vier Sterne und eine Empfehlung gibt es von mir.

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Veröffentlicht am 20.09.2020

Spannend bis zum Schluss

Das Erbe der Päpstin
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Gisla lebt mit ihren Töchtern Freya und Anna als Sklavin in Dänemark. Nachdem sie ermordet wurde, fliehen die beiden Kinder unter Lebensgefahr über die Grenze in Richtung Italien. Freya möchte zu ihrem ...

Gisla lebt mit ihren Töchtern Freya und Anna als Sklavin in Dänemark. Nachdem sie ermordet wurde, fliehen die beiden Kinder unter Lebensgefahr über die Grenze in Richtung Italien. Freya möchte zu ihrem Großvater, der ein enger Vertrauter und Mitglied der Garde des Papstes ist. Als auch Papst sowie Großvater ermordet werden, beginnt für Freya eine turbulente Zeit und sie muss mehr als einmal um ihr Leben fürchten.

„Das Erbe der Päpstin“ ist keine Fortsetzung und ist eigenständig zu lesen. Ich kenne das Buch „Die Päpstin“ nicht und empfand es nicht als Nachteil. Temporeich und immer wieder spannend, so präsentiert sich der Roman. Die Brutalität der Dänen kommt zum Ausdruck und auch die Mauer um Paris ist historisch verbrieft. Immer wieder gibt es Verrat und nur wenige Menschen haben das Prädikat „Freund“ verdient. Immer mal wieder verkleidet Freya sich als Mann und kann auf diese Weise ihr Leben retten. Aber auch die Tatsache, dass sie lesen kann, verhilft ihr zum Überleben. Sie lernt einiges über die Heilung und interessant fand ich dabei die Zitate aus sehr alten Schriften. Wie schon damals die Ärzte mit ihren bescheidenen Mitteln den Kranken halfen, das ist zu bewundern.

Einige Fragen bleiben offen oder die Ereignisse werden nicht bis zum Ende erzählt. Das gefiel mir nicht so gut aber vielleicht gibt es ja auch noch eine Fortsetzung von „Das Erbe der Päpstin“. Die Autorin weist am Ende des Buches darauf hin, welche Tatsachen sie im Roman verarbeitete. Es gibt einige Akteure, die in historischen Aufzeichnungen vorkommen und dazu zählt auch der brutale Krieger aus Dänemark. Was hingegen ihrer dichterischen Freiheit zu verdanken ist, das erwähnt sie ebenfalls. Ich gebe vier Sterne und empfehle das Buch sehr gerne weiter.

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