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Veröffentlicht am 26.10.2020

Rasant und spannend wie gewohnt

Amissa. Die Verlorenen
1

Mit“ AMISSA – Die Verlorenen“ ist Frank Kodiak (das Pseudonym von Andreas Winkelmann) ein knallharter Thriller um vermisste Teenager gelungen.

Die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius sind ...

Mit“ AMISSA – Die Verlorenen“ ist Frank Kodiak (das Pseudonym von Andreas Winkelmann) ein knallharter Thriller um vermisste Teenager gelungen.

Die Privatdetektive Rica und Jan Kantzius sind unterwegs auf der Autobahn, als plötzlich nichts mehr geht. Jan läuft nach vorne und sieht das Grauen: Ein Mädchen liegt auf der Fahrbahn, er hält noch ihre Hand. Ihre letzten Worte sind: „Die Grube“. Ihrer Faust kann Jan einen Zettel entnehmen, den er zunächst achtlos einsteckt. Zur gleichen Zeit explodiert ein Wohnmobil, in dem die Überreste eines Mannes – erschossen – gefunden werden.

Frank Kodiak hat mit Jan und seiner Frau Rica ein Ermittlerduo erschaffen, die einen nicht mehr loslassen. Es verschwinden junge Mädchen, die – wie sich herausstellt – alle unglücklich sind wegen eines von ihnen nicht gewollten Umzugs. Sie suchen Hilfe in Chatforen, vertrauen den falschen Leuten, glauben denen in ihrer Naivität. Die Eltern dieser vermissten Teenager wenden sich natürlich an die Polizei. Diese aber ist nicht sonderlich aktiv, verschwinden doch gerade diese jungen Dinger öfter mal für ne Zeit, um dann doch wieder aufzutauchen. Hier kommt AMISSA ins Spiel. Eine Hilfsorganisation, die weltweit nach vermissten Personen sucht.

Der Leser bekommt Einblicke in die Machenschaften diffuser Individuen, die niemanden schonen. Man bekommt stückchenweise Informationen, die dann ganz zum Schluss ein Gesamtbild ergeben. Bis es jedoch dazu kommt, bleibt vieles im Unklaren. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig wird preisgegeben. Der Autor versteht es hervorragend, den Leser bei der Stange zu halten, ihn immer weiterzupeitschen. Möchte man doch unbedingt wissen, wie es vorwärts geht, wie sich die einzelnen Erzählstränge zusammenfügen. Das Grauen ist allgegenwärtig.

Jan ist knallhart, er verbeißt sich regelrecht in seine Fälle: „Früher war ich Polizist und musste mich an Recht und Gesetzt halten. Heute nicht mehr. Marke und Gewissen habe ich abgelegt…“ Ein hartes, sehr ehrliches Statement. Und trotzdem fiebert man mit ihm. Hofft, dass er aus all den kritischen Situationen ungeschoren herauskommt. Die Polizei tut wenig, die Eltern sind hilflos und greifen nach jedem Strohhalm und Jan als Privatdetektiv verspricht, sein möglichstes zu tun. So manches Mal meint man, es sei unmöglich, hier auch nur einen Schritt nach vorne zu gehen. Rica unterstützt ihn, hat Kontakte zu AMISSA, ist das Computergenie schlechthin und zusammen sind sie ein unschlagbares Team.

AMISSA – Die Verlorenen ist der Auftakt einer Thriller-Trilogie. Nach dem ersten Band kann ich nur hoffen, dass sich Frank Kodiak nicht allzu lange Zeit lässt, bis es weitergeht. Spannung pur ist garantiert.

Thrillerfans können hier nur zugreifen, es lohnt sich – und wie!

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Veröffentlicht am 02.10.2020

Die Wikingerinsel und ihr unendlicher Charme

Das Wörterbuch des Windes
1

Loslassen, was einen vergiftet und Neues zulassen – davon erzählt Nina Blazon im „Wörterbuch des Windes“.

Swea, die deutsche Touristin am Ende ihrer Ehe und Einar, ein ehemaliger Lehrer erzählen ...

Loslassen, was einen vergiftet und Neues zulassen – davon erzählt Nina Blazon im „Wörterbuch des Windes“.

Swea, die deutsche Touristin am Ende ihrer Ehe und Einar, ein ehemaliger Lehrer erzählen im Wechsel ihren Weg mit dem Wind, jedoch ist eher sie diejenige, die ich als Leser begleite. So nach und nach erfahre ich so einiges aus ihrem Leben. Wie es dazu kommt, dass sie hier bleibt, zumindest für eine kurze Auszeit. So plant sie es, nachdem ihr bisheriges Leben wie ein Kartenhaus einstürzt. Steht noch ein einziger aus ihrem alten Leben hinter ihr? Haben alle sie angelogen, benutzt?

Einar – auch er erzählt, aber nur sehr wenig. Er gibt nichts von sich preis. Ich mag ihn, seine verschlossene, etwas kauzige, aber dennoch liebenswerte Art. Er hat viel zu verarbeiten, ein ganzes Leben sogar. Sie sind zu dritt in Einars Haus am Meer. Da ist noch Jan, auch er erkennt irgendwann, dass er seinem früheren Ich nicht davonlaufen sollte. Haben diese drei sich gesucht? „Ja, Swea hat uns beide verändert. Und wie ein Wind, der alles in Unordnung bringt, hat sie uns mitgerissen…“

Ein sehr ehrliches Buch. Drei Leben, die sich so nach und nach öffnen, sich bewusster im Hier und Jetzt verankern. Ich bin so richtig dabei, lebe und leide mit Swea, bin wütend. Sie erzählt mir zunächst nicht so viel. Fängt an zu leben, sucht ihren eigen Rhythmus. Wird sie sich wirklich finden? Kann sie sich irgendwann selbst spüren? Dieses Unbekannte – Swea lernt, es zuzulassen. Endlich! Möchte ich ihr zurufen. Man sollte viel öfter das loslassen, was einen nicht mehr mag, einen regelrecht vergiftet. Vor was hat man solche Angst? Indem man sich befreit von all dem Schmerzhaften, öffnet man sich Neuem, oftmals Besserem.

Haben sie sich finden müssen, um loslassen zu können? Ein zu Herzen gehender Roman. Die Insel der Winde – dahin führt ein Weg. Man muss ihn nur gehen.

Diesen behutsam erzählten Roman kann ich jedem ans Herz legen. Einfach lesen - es lohnt sich.

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Veröffentlicht am 24.09.2020

Mitreißend erzählter dritter Teil der Finsterzeit-Trilogie

Die Stadt (Finsterzeit 3)
1

„Die Stadt“ von Sandra Toth ist der dritte und letzte Teil der Finsterzeit-Trilogie.

Das Stromnetz ist aufgrund der verordneten Energiewende zusammengebrochen, alles wird unerschwinglich, Gewalt an der ...

„Die Stadt“ von Sandra Toth ist der dritte und letzte Teil der Finsterzeit-Trilogie.

Das Stromnetz ist aufgrund der verordneten Energiewende zusammengebrochen, alles wird unerschwinglich, Gewalt an der Tagesordnung, die Menschen auf der Flucht. Thomas und Laura finden im Dorf Unterschlupf, machen sich dann aber auf den Weg in die sichere Festung. Es passiert viel unerwartetes, sie müssen auf der Hut sein. Soweit die kurze Zusammenfassung der beiden ersten Bände „Das Dorf“ und „Die Festung“.

Endlich erfahre ich, wie es weitergeht mit Thomas und Laura, mit Viktor und den seinen. Zunächst sieht es ja aus, als ob zwischen den Bewohnern der Festung und des Dorfes ein gutes Auskommen, ein Austausch, stattfinden würde. Aber diese Idylle ist nicht von langer Dauer. Außerhalb der sicheren Mauern herrscht noch immer die reine Willkür. Die herumirrenden Menschen haben nichts, sind daher gefährdet, müssen ums tägliche Überleben kämpfen. Und nehmen sich, was sie kriegen können!

Die liebgewordenen Figuren begleite ich und lerne neue kennen. Das Dorf wird angegriffen, die Bewohner werden in die Stadt gebracht. Drei Heere, von der Regierung dorthin geschickt, sollen wieder Ordnung in diese zerstörte Welt zu bringen. Jedoch spielt ein General mit seinem Heer falsch, die beginnende Hoffnung droht im Keim zu ersticken, auch die Festung ist gefährdet.

Eine Reise in eine Zeit, die so hoffentlich niemals Wahrheit werden wird. Leben möchte ich hier nicht, genossen habe ich diese Geschichte allemal. Tief bin ich eingetaucht in all diese verborgenen Orte, bin mit geflüchtet, habe an so manchem Kampf teilgenommen. Natürlich immer auf der richtigen Seite. Könnte dieses Szenario so oder ähnlich tatsächlich passieren? Ich möchte es nie erleben. Aber – was ich schon möchte: Weiterhin so durchdachte, spannende Geschichten von Sandra Toth lesen.

So vieles ist geschehen seit dem Zusammenbruch des Stromnetzes. Gibt es ein Zurück in die alte Welt? In all den Luxus, den Überfluss? Ist das alles so erstrebenswert? Wenn man nichts mehr hat, gelten andere Wertigkeiten. Begreift der Mensch, worauf es wirklich ankommt?

Diesen dritten Teil habe ich herbeigesehnt, endlich ist er da! Die Autorin hat den Figuren viel Leben eingehaucht, hat einen spannenden, mitreißenden Endzeit-Thriller geschrieben und ein wenig bedauere ich schon, dass es jetzt vorbei ist.

Meine Empfehlung: Lesen, einfach lesen. Es lohnt sich.

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Veröffentlicht am 24.09.2020

Ein Thriller - dunkel, düster, gut

Dunkle Ufer
3

Ein von Anfang an rasanter, jedoch in Teilen sehr beklemmender Thriller, den ich nicht weglegen konnte. Einmal drin im Buch, ist das nicht mehr möglich. Ich musste einfach weiter. Julia, die junge Kunsthistorikerin ...

Ein von Anfang an rasanter, jedoch in Teilen sehr beklemmender Thriller, den ich nicht weglegen konnte. Einmal drin im Buch, ist das nicht mehr möglich. Ich musste einfach weiter. Julia, die junge Kunsthistorikerin und der leitende Ermittler Stephen Lang sind ein gutes Team, haben auch privat einen Draht zueinander. Schnell erkennt sie, die Expertin, dass hier ein „Künstler“ sein Werk verrichtet. Er drapiert ausgeblutete Frauenkörper am Flussbett der Themse. Wer steckt dahinter? Es werden dann stümperhaft hergerichtete Leichen gefunden – ist das dieser Serienkiller oder ein Nachahmer?

Während des Lesens ahnt man zwar, wer der wahre „Künstler“ ist, jedoch werden immer wieder Zweifel gestreut, ein anderer rückt in den Fokus. Dieses subtile Spiel beherrscht die Autorin perfekt. Sie schafft eine Atmosphäre von grausam über brutal, roh, herz- und gefühllos und man kann nicht genug davon bekommen.

Wer diese düsteren, blutrünstigen, sehr abstoßende Thriller liebt, ist hier genau richtig. Auch wenn das wahre Leben das genaue Gegenteil ist, hier muss es so sein.

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Veröffentlicht am 24.09.2020

Wunderbar erzählt!

Kalmann
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Kalmann, der beste Haifischjäger und selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn mit seinen 173 Einwohnern und 609 km von Reykjavik entfernt, lebt hier schon immer. Seinen Großvater, von dem er vieles ...

Kalmann, der beste Haifischjäger und selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn mit seinen 173 Einwohnern und 609 km von Reykjavik entfernt, lebt hier schon immer. Seinen Großvater, von dem er vieles weiß und alles Wichtige gelernt hat, besucht er jetzt einmal in der Woche im Heim und bringt ihm den zweitbesten Gammelhai mit. Als Robert McKenzie vermisst wird und Kalmann eine Blutlache findet, ist das beschauliche Leben in dem kleinen Küstenort vorbei, die Polizei untersucht diesen Fall.

Hier erzählt Kalmann, dessen Räder in seinem Kopf so manches Mal rückwärts laufen, auf eine bezaubernd liebenswerte, zuweilen kindlich naive und verschrobene Art und Weise seine Sichtweise auf die Geschehnisse.

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes, der mit seinen fast 34 Jahren in einem kleinen Fischerdorf im Norden Islands im Einklang mit der Natur lebt. Trotz seiner geistigen Schwäche behauptet er sich als Sheriff von Raufarhöfn, von so Manchem als Dorftrottel belächelt. Sein Cowboyhut, sein Revolvergürtel samt Mauser unterstreichen dieses Bild. Kalmann erzählt so nach und nach die Geschichte - seine Geschichte - in seiner einfältigen, arglosen Weise. Von den Leuten im Dorf, von den Besuchen beim Großvater, der ihn nicht immer registriert, von seinem besten Freund Noi, den er nur aus dem Internet kennt, dem er alles erzählen kann. Er möchte gerne eine Freundin haben und war auch schon verliebt, aber so richtig klappt das dann nie.

Er erzählt, dann vergisst er wieder alles, sagt von sich selber „Ich kann wichtige Sachen einfach so vergessen vor allem, wenn ich aufs Meer fahre…“

So nach und nach enthüllt sich das Geschehen, erst aber lernt man ihn besser kennen, lebt mit ihm, fährt mit ihm hinaus zum Haifischfang und verarbeitet den dann zu Gammelhai. Auf eine ganz und gar unaufgeregte Weise wird trotzdem sehr viel Spannung erzeugt. Der Fokus liegt auf der Polizeiarbeit, auf der Suche nach dem Verschwundenen, um dann wieder ein wenig vom Dorf und seinen Bewohnern zu erzählen. So ist man tief drin, der Held will nichts unrechtes tun, hat nichts Falsches an sich. Er ist zwar geistig nicht so ganz auf der Höhe aber so einigen Mitmenschen haushoch überlegen in seiner Geradlinigkeit, seiner Aufrichtigkeit. Indem man ihn begleitet, erfährt man immer ein Stückchen mehr und wird ihm doch nicht so ganz gerecht. Weil – wie es sich wirklich zugetragen hat, das erfährt man dann schon, aber auf eine so gelassene, natürliche Selbstverständlichkeit. „Es hat wohl alles seinen Sinn.“

Gerne habe ich Kalmann ein Stück seines Weges begleitet. Eine von Anfang bis Ende wundervoll erzählte Geschichte, die ich nur empfehlen kann.

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