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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.09.2020

Ein Füllhorn voller fröhlicher Ideen

Lillys magische Schuhe, Band 2 - Die verbotenen Stiefel
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Schon das fröhlich-kunterbunte Cover zeigt, was der Inhalt bietet: Eine Geschichte voller Fantasie und Ideenreichtum, die zu lesen einfach nur Spaß macht.

Der arme Sören hat es schwer. Er hat Asthma. ...


Schon das fröhlich-kunterbunte Cover zeigt, was der Inhalt bietet: Eine Geschichte voller Fantasie und Ideenreichtum, die zu lesen einfach nur Spaß macht.

Der arme Sören hat es schwer. Er hat Asthma. Und er wird von seinen Mitschülern, besonders von Anton, gemobbt. Seine sportbesessenen Eltern wollen ihn ständig zu Höchstleistungen antreiben. Während er eigentlich nur dann glücklich ist, wenn er sich im Tierheim um Hunde kümmern kann. Besonders Ronja, eine Windhündin, ist ihm ans Herz gewachsen. Lediglich Marie, die Kleinste in der Klasse, steht Sören bei, was ihm jedoch irgendwie peinlich ist. Als Sören durch Zufall Lilly kennenlernt, wird die Geschichte richtig aufregend, denn der Großvater von Lilly betreibt eine magische Schuhwerkstatt und erkennt schnell, dass Sören genau das Kind ist, das magische Schuhe dringend benötigt. Aber da ist auch noch Frau Winsel, die richtig fies mit ihren beiden Hunden umgeht und nichts Gutes im Sinn hat…

Was für ein rundum geglücktes Kinderbuch! Da sind schwierige Themen wie zum Beispiel Mobbing oder Leistungsdruck oder Freundschaft sehr geschickt eingesponnen in eine spannende Handlung. Zwischen dem realen Alltag, der Kindern vertraut ist, und den fantastischen Möglichkeiten märchenhafter Fantasie hin und her wandert die Erzählung und bietet dabei ganz und gar unauffällig Lösungsmöglichkeiten, wie man aus schwierigen Situationen oder Widrigkeiten das Beste machen kann. Jede Seite des Buches brachte mir Spaß. Allein schon der Drache Monsieur Archibald mit seinem französischen Akzent und seinen gelegentlichen Schuppenschmerzen, aber auch Sir Schimmelkopf, das weise Sprüche absondernde Krokodil, animieren dazu, das Buch langsam und mit Genuss vorzulesen. Und es sind ja nicht die schlechtesten Erkenntnisse, dass man mit der Wahrheit besser dran ist und Gewalt keine Lösung ist. Die große Schrift und die vielen eingestreuten Illustrationen runden das Buch perfekt ab.

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Veröffentlicht am 22.09.2020

Ein leises, beeindruckendes Jugendbuch

Bis die Zeit verschwimmt
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Ein ungewöhnliches Thema hat sich die Autorin für ihren Debüt-Roman ausgesucht, noch dazu für die anspruchsvolle Zielgruppe der Jugendlichen ab 13. Von Herzen wünsche ich ihr aufgeschlossene und sensible ...


Ein ungewöhnliches Thema hat sich die Autorin für ihren Debüt-Roman ausgesucht, noch dazu für die anspruchsvolle Zielgruppe der Jugendlichen ab 13. Von Herzen wünsche ich ihr aufgeschlossene und sensible Leser, egal welchen Alters!
Helene, 15 Jahre alt, hatte eine allerbeste Freundin von frühen Kindheitstagen an. Eine Freundschaft, die bis ins Teenie-Alter unverbrüchlich anhielt. Cassie und sie waren unzertrennlich, die eine war ohne die andere nicht denkbar. Als ein Amoklauf das Leben von Cassie und mit ihr weiterer Jugendlicher abrupt beendet, bleibt für Helene die Zeit stehen. Sie verliert sich in Tatenlosigkeit, in Erinnerungen, in Schuldgefühlen, in zerstörerischer Wut. Die Trauer sucht sich Kanäle, die für die Umwelt nicht nachvollziehbar sind. Und Helene verfolgt geradezu zwanghaft die Hinterbliebenen, um einen Sinn in der Tat zu entdecken, ein vorsätzliches, bewusstes Handeln des Täters. Denn der Tod von Cassie kann nicht zufällig, nicht schicksalhaft grundlos geschehen sein? Erik, der geduldig-verstehende Mitschüler, bleibt an ihrer Seite, wenn Helene es zulässt. Doch Helene glaubt, Cassie zu verraten, wenn sie sich leichte, warme Gefühle eingestehen würde.
Die leisen Bücher sind es, die oft am eindrücklichsten sind! Svenja K. Buchner schreibt in leisen, sensiblen Worten mit lyrisch schönen Beschreibungen, pastellfarben zart und gleichzeitig schmerzhaft hart und klar. Erzählt wird aus der Sicht von Helene. So bekommen die Leser eine unmittelbare, ungefilterte Ahnung davon, wie es sein kann, wenn altersbedingtes pubertäres und egoistisches Aufbegehren zusammen stoßen mit einem brutalen Schicksalsschlag, der alles in Frage stellt, alle bisherigen Hoffnungen und Pläne, in einem hilflosen Umfeld, das keine Geborgenheit mehr geben kann. Und dass es manchmal die größte Form der Liebe ist, einfach nur mit dem Betroffenen auszuharren. Denn jeder Mensch braucht seinen eigenen Weg und seine eigene Zeit, aus der Trauer heraus Frieden zu schließen, mit sich, mit dem Schicksal, mit den anderen.
Ein anspruchsvolles und sehr, sehr lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 21.09.2020

Packender Historienschmöker

Das Erbe der Päpstin
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Vermutlich bin ich eine der Wenigen, an der sowohl das Buch als auch der Film „Die Päpstin“ unbeachtet vorübergingen. Insofern las ich das vorliegende Buch völlig unbefangen. Ich wollte es lesen, weil ...


Vermutlich bin ich eine der Wenigen, an der sowohl das Buch als auch der Film „Die Päpstin“ unbeachtet vorübergingen. Insofern las ich das vorliegende Buch völlig unbefangen. Ich wollte es lesen, weil ich bislang noch keinen historischen Roman aus dem ganz frühen Mittelalter gelesen hatte und vor allen Dingen, weil mich die Leseprobe sehr angesprochen hatte.
Die Handlung ist kurz umrissen: Die junge Freya wird Zeugin am Mord ihrer Mutter. Sie flieht nach Süden, ihr Großvater Gerold lebt in Rom als Schutzherr des Papstes oder richtiger gesagt als Geliebter der Päpstin. In Männerkleidern gelangt Freya in die Heilige Stadt und muss den Mord sowohl von Gerold als auch von Johanna, der Päpstin, miterleben. Als Freya herausfinden will, wer hinter den Morden steckt, gerät Freya selbst in allergrößte Gefahr.
Für mich war das Buch von Helga Glaesener ein richtig packender Historien-Schmöker, der mich von Anfang bis Ende richtig gut unterhalten hat. Die Autorin erzählt farbig, atmosphärisch dicht, lebendig und immer kurzweilig. Ich habe es genossen, mich in die Geschichte von Freya ganz hineinfallen zu lassen und mich hineinzufühlen in eine Zeit, die von Grausamkeit, sexueller Gewalt, Intrigen und Aberglauben diktiert ist. Dass Freya zwar eine willensstarke, mutige Protagonistin ist, aber im Roman nicht zur absoluten Superheldin hochstilisiert wurde, gefiel mir sehr. Sehr, sehr spannend geschrieben! Deshalb absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.09.2020

Kunstvoll in Szene gesetztes Familiendrama

Ihr Königreich
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„Wenn du bis zum Hals in der Scheiße steckst, ist es gut, den Kopf nicht hängen zu lassen.“ Dieser Satz trifft das Buch auf den Punkt. 600 Seiten, deren Inhalt man auf wenige Sätze reduzieren könnte. ...


„Wenn du bis zum Hals in der Scheiße steckst, ist es gut, den Kopf nicht hängen zu lassen.“ Dieser Satz trifft das Buch auf den Punkt. 600 Seiten, deren Inhalt man auf wenige Sätze reduzieren könnte. Ein friedliches Leben führt Roy in den norwegischen Bergen, bescheiden, im Gleichmaß. Bis sein Bruder Carl nach Jahren der Abwesenheit in die Heimat zurückkehrt, in Begleitung seiner schönen Frau. Carl, der jüngere, der charmantere, der scheinbar erfolgreichere Bruder, von Kindheit an von Roy beschützt. Wo Carl auftaucht, gerät das Leben von Roy und so manch anderer Menschen im Ort gewaltig in Bewegung.
Jo Nesbo hat einen Kriminalroman geschrieben. So steht es auf dem Cover. Aber vielleicht ist das Buch eher ein Familiendrama. Oder das Psychogramm von Menschen, denen in früher Kindheit Schreckliches widerfahren ist. Oder die verquere Moralanalyse, wie Menschen, selbst wenn sie morden, sich als Opfer der Umstände sehen. Doch egal, welchem Genre man das Buch zuordnen möchte – es ist so gut geschrieben, dass die 600 Seiten an keiner Stelle, trotz der teilweise ausufernden Erzählweise, mühsam oder langweilig zu lesen sind. Im Gegenteil! Es gibt unglaublich schöne bildstarke Textpassagen, fast lyrisch schön, wie zum Beispiel zum Goldregenpfeifer, dem „einsamsten und ernstesten Vogel“. Und es gibt entsetzliche, unerträglich grausame Textpassagen, deren Inhalt ich hier nicht wiederholen möchte. Jo Nesbo beherrscht die gesamte Klaviatur der Schreibkunst perfekt. Und so ist auch der Aufbau des Buches ein schriftstellerischer Kunstgriff der besonderen Art. Denn es wird nicht wirklich chronologisch erzählt, sondern eher in Kreisen, erst in großen weiten Bögen, dann enger werdend, dabei mehr und mehr offenbarend, wann immer man wieder an die gleichen Geschehnisse herankommt. Bei jeder Kreisumrundung wird deutlicher, was die beiden Brüder verbindet oder trennt. Bei jeder weiteren Drehung tun sich mehr Untiefen auf, Strudel, die den Leser immer weiter hinein ziehen in eine schier ausweglose Geschichte, dramatisch und spannend.

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Veröffentlicht am 02.09.2020

Ein hinreißendes Gesamtkunstwerk

Einstein
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Die digitale Version des Bilderbuches hatte mich vor einige Herausforderungen gestellt. Entweder war die Seite im Ganzen sichtbar, aber die Schrift zum Lesen zu klein. Oder ich konnte den Text lesen, ...


Die digitale Version des Bilderbuches hatte mich vor einige Herausforderungen gestellt. Entweder war die Seite im Ganzen sichtbar, aber die Schrift zum Lesen zu klein. Oder ich konnte den Text lesen, aber die Zeichnungen nur stückweise betrachten. Dass mich das Buch trotz der technischen Ärgernisse über die Maßen begeisterte, spricht für die außergewöhnliche und ganz und gar hinreißende, beeindruckend gelungene Gesamtgestaltung dieses Bilderbuches.
Die kleine Maus hatte zwar fleißig Kalenderblätter abgerissen, um das große Käsefest in Bern nicht zu verpassen, aber dann kam sie doch um einen Tag zu spät in Bern an. Wie schrecklich! Was tun? Ob es vielleicht möglich wäre, die Zeit um einen Tag zurückzustellen? Oder kann man überhaupt die Zeit anhalten? Die kluge Maus stellt allerlei Versuche an, aber nichts gelingt. Bis sie die Aufzeichnungen eines gewissen Albert Einstein findet und sich in seine Berechnungen hineinvertieft. Da schafft sie doch tatsächlich nach vielem Rechnen und Aufschreiben die Zeitreise. Aber sie hatte sich wohl ein wenig verrechnet, denn sie landet nicht um einen Tag, sondern um 80 Jahre zurück. Doch genau dieser Rechenfehler wird zum großen Glück war für die kleine Maus, denn eine unerwartete Begegnung hilft ihr auf ungeahnte Weise weiter…
Wie Einsteins Relativitätstheorie kindgerecht in eine spannende Geschichte umgesetzt und aus Mäuseperspektive verstehbar gemacht wurde, ist allein schon eine riesengroße Leistung. Was aber das Buch zum Gesamtkunstwerk macht, sind die genial gelungenen Zeichnungen, die das Spiel mit Raum und Zeit in Szene setzen. Die Feinheit des Zeichenstiftes, die ungewöhnlichen Blickwinkel, die Detailverliebtheit – mir fällt dazu nur das Wort „meisterhaft“ ein. Torben Kuhlmann hat ein hinreißendes, ein faszinierendes Gesamtkunstwerk geschaffen, das für Kinder und Erwachsene gleichermaßen einen besonderen Schatz im Bücherschrank darstellt.

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