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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2021

Was wärst du bereit zu tun?

Ausweglos
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Als Noah auf dem Dachboden ein Messer an seiner Kehle spürt und eine raue Stimme fordert „bring mich zu deiner Frau“ bleibt ihm keine andere Wahl, doch er hat den Schlüsselbund der verreisten Nachbarn ...

Als Noah auf dem Dachboden ein Messer an seiner Kehle spürt und eine raue Stimme fordert „bring mich zu deiner Frau“ bleibt ihm keine andere Wahl, doch er hat den Schlüsselbund der verreisten Nachbarn in der Hosentasche, er fasst einen Plan. Als er Stunden später im Krankenhaus erwacht ist er stark zugerichtet und für den Tod seiner Nachbarin verantwortlich, schließlich hat er dem Mörder die Tür geöffnet. Alles sieht für den Ermittler Elias Blom nach dem berüchtigten Ringfinger Mörder aus, doch diesmal scheint er einen Fehler gemacht zu haben, es gibt einen Überlebenden. Noah ist der einzige der mit dem Leben davon kam und so hofft Elias dem Täter doch noch auf die Spur zu kommen. Doch Noahs verhalten ist höchst merkwürdig, kann er seinem einzigen Zeugen trauen?
Ausweglos ist der Debüt Thriller des deutschen Autors und Texters Henri Faber. Der Einstieg findet nach der Tat statt und die Story bewegt sich durch vier Perspektiven. Das macht das Buch abwechslungsreich, man sollte jedoch beim Lesen aufmerksam bleiben um nicht in den Wirrungen der Geschichte unter zu gehen. Es ist nicht gleich ersichtlich in welche Richtung sich die Handlung bewegen wird und das Buch sorgt an der ein oder anderen Stelle für Überraschungen. Der Plot ist an sich gut erdacht, die Umsetzung hat mich jedoch nicht vollends glücklich gemacht. Die Charakterzeichnung war bei einigen einfach völlig drüber. Noahs Frau war völlig too much, zu viele „Bad Cop“ Kollegen um den Überblick zu behalten und der englische Ersatz für Flüche nahm derart überhand, dass es sich wunderbar als Trinkspeil eignen würde, ansonsten leider nur nervig war. Realismus ist nicht immer ein zwingendes Kriterium für Thriller aber an genau dem hat es mir hier bei zu vielen Details, Begebenheiten und Abschnitten gemangelt. Die ersten 2/3 des Buches konnten mich durchaus gut unterhalten, die Auflösung hat mich jedoch so unglücklich gemacht, dass ich den Showdown aus drei perspektiven zäh wie Kaugummi und den darauffolgenden Abschnitt, der hätte eigentlich ganz abrundend wirken sollen nur noch entnervt über mich ergehen ließ. Scheinbar hatte ich eine andere Vorstellung vom Ausgang der Story und war zu festgefahren um diese Lösung zu mögen. Offene Fragen, unstimmige Details, ein allzu williger Kommissar Zufall und seine Auflösung haben dem guten Ansatz den gar ausgemacht.
Fazit: (2,5 Sterne) gute Idee, die hinter der Geschichte steckt, doch einiges war leider etwas drüber und vor allem das Ende konnte mich nicht überzeugen.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2021

Die Zeit heilt nicht alle Wunden

Mordsand
8

Ein 30 Jahre altes, gefesseltes Skelett taucht am Strand einer Elbinsel auf. Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn ermitteln, doch stehen sie vor einem Rätsel als kurz darauf in der Nähe die Leiche eines ...

Ein 30 Jahre altes, gefesseltes Skelett taucht am Strand einer Elbinsel auf. Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn ermitteln, doch stehen sie vor einem Rätsel als kurz darauf in der Nähe die Leiche eines Hamburger Baulöwen gefunden wird. Niemand ahnt, dass die Spuren in die ehemalige DDR führen, deren Grausamkeiten vielleicht von vielen verdrängt, jedoch von einigen nie vergessen wurde.
Romy Fölck, die deutsche Bestseller Autorin mit einem Abschluss in Jura wurde durch ihre Kriminalromane in der Elbmarsch bekannt. „Mordsand“ ist der 4. Band der Reihe um das Ermittlerduo Frida Paulsen & Bjarne Haverkorn. Ein Teil des Buches spielt in der ehemaligen DDR, in der Romy Fölck selbst aufwuchs. Ihr Motiv für die Story war, geschehenes nicht vergessen zu lassen und mit festgesetzten Vorurteilen aufzuräumen. Sie versucht, zu Unrecht erlittene Traumata aus dieser Zeit einfließen zu lassen, kommt jedoch über deren Erzählung nicht hinaus. Hier fehlte leider, ihr sonst so gutes Händchen für Atmosphäre und Emotionen, um es den Leser wirklich fühlen zu lassen. Nüchtern blieb bedauerlicherweise auch der Kriminalfall, denn mehr als im Trüben fischen war den größten Teil des Buches nicht drin. Weder der Leser, noch die Ermittler konnten sich wirklich auf den Fall konzentrieren, da gefühlt an jeder Ecke ein privates Schauspiel ausbrach, welche insgesamt einfach zu viel Raum einnahmen und zum Teil an Theatralik kaum zu übertreffen waren. Der Schreibstil war gut und flüssig zu lesen, wobei einige kurz gehaltene Sätze eher wie Füllmaterial wirkten und die wesentliche Handlung zusätzlich unterbrachen. Ihr sehr gutes Gespür dem Leser Umgebung zu vermitteln blieb diesmal gänzlich auf der Strecke. Das wurde an jeder passenden, wie unpassenden Stelle eingestreut. Auch das Gefühl für Atmosphäre scheint leider ertrunken zu sein, die war nämlich zu meinem Bedauern zu keiner Zeit vorhanden. Immer, wenn sich etwas Neues ergab und man Hoffnung auf Spannung schöpfte kam wieder eines der vielen außerdienstlichen Dramen dazwischen. Zum Ende sorgten noch „Hilfssheriff Zufall“ und ein äußerst geständiger Täter für eine schnelle Auflösung des Ganzen. Gerade noch rechtzeitig um zum nächsten privaten Höhepunkt der Geschichte zu flitzen. Nach der langen Fahrt mit angezogener Handbremse, jeder Menge Stopps im Privatleben und dem Schnellschuss um das Ziel zu erreichen, war wenigstens die Auflösung Rund und ohne größere Lücken. Wirklich schade, Romy Fölck kann ganz anders und vor allem viel besser.
Fazit: enttäuschender 4. Band, der neben einer guten Grundidee nicht mehr als private Kriegsschauplätze zu bieten hat. Musste er wahrscheinlich auch, da der Fall und die Ermittlungen mehr als dürftig waren.

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Veröffentlicht am 30.11.2020

Entzauberung deutscher Sagen und Märchen

Vom Anfang und Ende der Welt – Deutsche Mythologie
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Woher stammen deutsche Sagen um Hexen, Naturgeister und Zauberwesen? Der 1866 geborene Paul Herrmann nimmt uns in seinem Werk mit auf eine Reise durch die Zeit um das Verständnis für die Entstehung von ...

Woher stammen deutsche Sagen um Hexen, Naturgeister und Zauberwesen? Der 1866 geborene Paul Herrmann nimmt uns in seinem Werk mit auf eine Reise durch die Zeit um das Verständnis für die Entstehung von diesen Geschichten zu erweitern. Dabei geht er tief auf den ursprünglichen Glauben der ersten Germanen zurück. Deren Auffassung von Leben, Seele und Tod, die enge Verbundenheit zur Natur und deren Wunsch Geschehnissen zu ergründen, erklären und auch vor gefahren zu warnen. Aufschlussreich war dabei, wie viele Gepflogenheiten und sprachliche Gewohnheiten auf diese Ursprünge zurückgehen. Es gab durchaus viele interessante Details, doch zuweilen wirkte der Text sehr nüchtern und lieblos. Faktische, aneinander gereihte Daten zu den einzelnen Fabeln. Da wahrscheinlich einige dieser Sagen zum entstehungszeitraum des Buches (1906) geläufiger waren, da sie nach der schändlichen Benutzung und Umdeutung durch die Nationalsozialisten fast gänzlich vergessen wurden, hätte ich mir eine andere Strukturierung gewünscht. Vorweg die reine Geschichte und im Anhang dazu den Ursprung und die möglichen Zusammenhänge sowie weitere Details. Da hier mittendrin immer wieder auf den Hintergrund verwiesen wurde, wirkte der Text oft unstrukturiert, unterbrochen und war unruhig zu Lesen. Zudem eignet sich der Text wohl eher für die fachwissenschaftliche Richtung aber auch wenn man sich im privaten für germanistische Geschichte oder linguistische Entwicklung interessiert. Da die Sagen nicht am Stück wiedergegeben werden und das Buch ein gehobenes sprachliches Textverständnis erfordert ist es für den privaten Gebrauch nur bedingt geeignet.
Fazit: Bemerkenswert informatives Buch über den Ursprung und das Verständnis deutscher Sagen und Märchen, jedoch keine Sammlung der Werke an sich, da es sich vorrangig mit dem Ursprung, Verständnis und Glauben in deren Entstehungszeit auseinandersetzt.

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  • Handlung
Veröffentlicht am 22.11.2020

In jeder Geschichte steckt ein Körnchen Wahrheit

Die tote Meerjungfrau
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1834 treibt viele die Hoffnung auf ein besseres Leben nach Kopenhagen. Einer von ihnen ist Hans Christian Anderson, der sich als Dichter und mit der Gunst reicher Leute gerade so durschlägt. Doch Elend ...

1834 treibt viele die Hoffnung auf ein besseres Leben nach Kopenhagen. Einer von ihnen ist Hans Christian Anderson, der sich als Dichter und mit der Gunst reicher Leute gerade so durschlägt. Doch Elend und Not ist der Alltag für viele in diesen Zeiten und als die Leiche einer Prostituierten aus dem Kanal gefischt wird gerät Anderson in große Schwierigkeiten. Nur knapp entgeht er seiner Hinrichtung. Dank seines einflussreichen Gönners bleiben ihm genau drei Tage, seinen Namen rein zu waschen. Doch Kopenhagen ist groß und Hans Christian hat keinen Anhaltspunkt. Er braucht dringend Hilfe…
Fast jeder hat schon mal ein Märchen von Hans Christian Anderson gehört. Selten sind seine Protagonisten so weinerliche, quengelige Nervensägen wie er selbst hier dargestellt wurde, doch deren Lage war auch selten so prekär wie seine. Das Kopenhagen im 19. Jahrhundert war nichts für zimperliche Menschen, das lassen uns die Autoren Thomas Rydahl und A.J. Kazinski (Pseudonym des dänischen Autoren Duos A.R. Karlund & J. Weinrich) hier auch ganz deutlich spüren. Wer gereimte Verse in schickimicki Teegesellschaften erwartet, könnte sich schnell am Teegebäck verschlucken. Man spürt den rauen Ton dieser Zeit und viele erwähnte Details über Anderson entsprechen sogar der Wahrheit. Er hat Zeit seines Lebens Tagebuch geschrieben, doch zwischen 1834 und 1835 machte er eine Pause und schrieb nicht einen Eintrag während dieser Zeit. Die Story nimmt dieses Detail auf und versucht auf eigene weise zu erklären, wie es dazu kam. Historisch schon nah an den Fakten, verkommt der Protagonisten hier zum Weichei. Ohne Hilfe wäre er wahrscheinlich nach 5 Seiten gestorben. Wie gut, dass die Autoren ihm eine, zwar ungewöhnliche aber um so tatkräftigere Unterstützung an die Seite geben. Zunächst wirkt alles sehr gezogen, man kann sich kaum orientieren in welche Richtung alles läuft. Es sind auch von Anfang an ziemlich viele Details bekannt, sodass bald die Frage aufkam, was es noch zu enthüllen galt. Selbst den Bezug zu den Märchen habe ich mir intensiver oder zumindest anders vorgestellt. Die Geschichte bekommt immerhin in der zweiten Hälfte etwas mehr Tiefe und zeitweise sogar etwas Spannung. Wenn man sich auf die Story einlassen konnte und nicht zu viel erwartet hat war es okay. Durch das unstrukturierte fehlte allem irgendwie der rote Faden und es wirkte unruhig. Der Anfang kam kaum aus der Hüfte und am Ende überschlug sich dann vieles. Die Auflösung des Ganzen konnte mich nicht wirklich überzeugen, wenngleich sie schon unerwartet, anders und in Gesamtbild (vor allem im Bezug auf den rauen Umgangston) passte. Was wahrscheinlich niemand braucht, sind diese ganzen Straßennamen. Ein absolutes Unding, was solchen nordischen Autoren eigen zu sein scheint und der Rest der Welt das genervt ab der dritten Irgendwas-gate überliest. Der Showdown, war zwar flüssiger als alles andere, konnte jedoch nicht die von Grund auf versaute Stimmung retten, die Anderson mit seinem Getue verursacht. Mimi hier, tränen da und an jeder zweiten Ecke „das kann ich nicht“, leider dezent nervig.
Fazit: Interpretation zu H.C. Andersons Biografie. Wenn man derbe Umgangssprache, einen verweichlichten Helden ab kann und nicht zu viel erwartet, mag es gehen.

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Veröffentlicht am 30.09.2020

Mehr ein -tückischer Vorstadt Schickeria- Krimi

Das Gift deiner Lügen
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Severn Oaks, ist eine etwas bessere Vorstadt Gemeinde, man kennt die Nachbarn, feiert gemeinsam und tauscht Tratsch und Klatsch miteinander aus. Hinter Mauern, nicht für jeden erreichbar, kann man sich ...

Severn Oaks, ist eine etwas bessere Vorstadt Gemeinde, man kennt die Nachbarn, feiert gemeinsam und tauscht Tratsch und Klatsch miteinander aus. Hinter Mauern, nicht für jeden erreichbar, kann man sich sicher fühlen. Bis Erica, eine der beliebten Nachbarinnen aus der Gemeinschaft, auf einer Party ums Leben kommt. Als sich ein Jahr später die Wogen dieses tragischen Unfalls zu glätten scheinen, macht ein ominöser Podcast die Runde. In „die Wahrheit über Erica“ sollen wöchentlich neue Details über die Vorfälle auf der damaligen Feier, denunzierende Geheimnisse über die restlichen Anwesenden preisgegeben und sogar Ericas Mörder entlarvt werden. Ein Funke auf dem Pulverfass, dass sich Severn Oaks nennt.
In „das Gift deiner Lügen“ trifft der Vorstadt Schick zwischen Ballettstunden und Schulsommerfest auf einen Todesfall. Offiziell natürlich als Unfall zu den Akten gelegt, weiß die ein oder andere, scheinbar perfekte Mutter etwas mehr, was an dem Abend geschah. Doch wie üblich, hat jeder seine eigenen Geheimnisse und ist bestrebt diese auch für sich zu behalten. Es gibt zwar jede Menge Spekulationen über gekaufte Muffins für den Kuchenbasar, dubiose Geschäfte und Affären aber Mord? Sollte einer der Bewohner von Severn Oaks, einer aus ihrer Gemeinschaft wirklich dazu fähig sein? Doch die Schlinge des Unbekannten zieht sich mit jedem neuen Podcast enger zusammen. Plötzlich wird jemand vermisst und das Vertrauen untereinander bricht immer weiter auseinander. Leider wird nicht jedes Buch seinem Klappentext gerecht. Was sich da und am Anfang noch als spannender Einstieg gestaltet, entpuppt sich im Laufe des Buches leider als weniger spektakuläre Geschichte. Anfängliche parallelen zu einer bekannten TV-Serie über „verzweifelte Hausfrauen“ konnten die Spannung auch nicht aufrechterhalten. Nach dem schwächelnden Mittelteil, konnten weder die aufgedeckten Geheimnisse, noch die Aufklärung und der gesamte Hintergrund überzeugen. Das Ganze blieb, zu meinem Bedauern sehr oberflächlich und unspektakulär. Es gab zwar jede Menge Raum für Hypothesen, doch die Auflösung blieb wenig Imposant. Der Schreibstil war angenehm leicht und flüssig, dennoch kam es hier und da aufgrund der Ausdrucksweise zu Verwirrungen. Sowohl den Psycho-, als auch den Thriller suchte ich in diesem Buch leider vergebens. Es war an sich ein netter, mittelmäßiger Vorstadt Hausfrauen Krimi. Ein Haufen Verdächtige, jeder hat Dreck am Stecken, wer könnte es denn gewesen sein, um es kurz zu fassen. Doch ein Berg voll schmutziger Wäsche und ein ungeklärter Todesfall, machen bedauerlicherweise noch keinen Psychothriller aus. Das Buch konnte mich weder packen, noch mit sich reißen. Eigentlich schade, da die Autorin auch schon solche Werke zustande gebracht hat. Meine Meinung von der qualitativen Abwärtstendenz in Sachen Spannung, Charakterbildung und Tiefe der Story konnte dieses Buch nur bestätigen.
Fazit: eher mittelmäßiger Hausfrauen - Vorstadt - Krimi. Lediglich plätschernde Spannung und eine Story, der es an Tiefe fehlte.

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