Platzhalter für Profilbild

fredhel

Lesejury Star
offline

fredhel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit fredhel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2020

Overkill

Das Tartarus-Projekt
0

Der mit sich und seinem beruflichen Erfolg unzufriedener Schriftsteller Michael Landorff wird aus unerfindlichen Gründen auf eine Münchner Nobelparty eingeladen. In dieser Nacht stirbt der Gastgeber einen ...

Der mit sich und seinem beruflichen Erfolg unzufriedener Schriftsteller Michael Landorff wird aus unerfindlichen Gründen auf eine Münchner Nobelparty eingeladen. In dieser Nacht stirbt der Gastgeber einen gewaltsamen Tod, und Landorff versucht zusammen mit einem weiteren Partygast, der cleveren Pokerspielerin Alexandra Buschmann, die Hintergründe des brutalen Mordes aufzuklären. Sie sollen ihm zu einem Bestsellerroman verhelfen, bringen ihn und Alexandra jedoch erst einmal in lebensgefährliche Situationen. Ursächlich geht es hier um versteckte Informationen über tödliche hightech Waffensysteme, denen verschiedene Geheimdienste skrupellos hinterherjagen. Das Buch endet mit einem spannenden Showdown und ist in sich abgeschlossen.

Für meinen Geschmack dauert es zu lange, nämlich ganze vier Kapitel, ehe der Spannungsbogen ansetzt. Vorher liegt das Augenmerk mehr auf oberflächlichen Wortgeplänkeln. Aber ab dann nimmt die Handlung an Fahrt auf und kann sich bis zum Schluss enorm steigern. Deswegen vergebe ich gerne vier Lesesterne, auch wenn der Autor Gerd Schilddorfer weit hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Man kennt ihn als genialen Erzähler der John Finch Serie, der seinen Erzählbogen weit über Zeitalter und Kontinente zu spannen weiss. Dagegen ist "Das Tartarus Projekt" leichte Kost, die vielleicht dennoch den ein oder anderen Leser in die Arme von John Finch treiben kann.

Veröffentlicht am 02.10.2020

Vergessen

Wenn das Licht gefriert
0

Eine True-Crime-Fernsehsendung befasst sich mit dem zwanzig Jahre zurückliegenden Mord an einer jungen Frau. Das Opfer, Anna, war die beste Freundin der Tochter von Elisabeth und Friedrich, die sich diesen ...

Eine True-Crime-Fernsehsendung befasst sich mit dem zwanzig Jahre zurückliegenden Mord an einer jungen Frau. Das Opfer, Anna, war die beste Freundin der Tochter von Elisabeth und Friedrich, die sich diesen Bericht ebenfalls anschauen. Friedrich ist schon länger dement, aber jetzt sagt er etwas zu seiner Frau, das auf Täterwissen schließen lässt. Elisabeth ist zutiefst erschrocken und will der Sache auf den Grund gehen. Damit setzt sie eine unheilvolle Kette an Ereignissen in Gang...
Um es vorwegzusagen: als Thriller konnte mich das Buch ganz und gar nicht überzeugen. Die Handlung wird einfach viel zu ausführlich und zu umständlich erzählt, die Emotionen der Beteiligten breit ausgewalzt. Aber mich hat berührt, wie authentisch die Beziehung zwischen den Eheleuten dargestellt wird. Auch noch nach 40 Ehejahren ist Friedrich die große Liebe von Elisabeth, da kann auch Alzheimer und Demenz nichts dran rühren. Elisabeth hält fest zu ihrem Mann. Nach seinen rätselhaften Äußerungen zum damaligen Mordfall sucht sie nach Unschuldsbeweisen, denn sie traut Friedrich eine solche Untat einfach nicht zu. Geduldig kümmert sie sich um ihn, beantwortet die gleichen Fragen im Minutentakt, weil er sich die Antworten nicht merken kann. Wacht darüber, dass er nicht zu Schaden kommt, und hat praktisch kein Eigenleben mehr. Doch die Liebe bleibt in ihr bis zum letzten Atemzug, und genau das ist es, was mir von dem Roman in Erinnerung bleiben wird. "Wenn das Licht gefriert" ist ein eindrucksvolles Buch, das für mich nicht mit durchaus vorhandenen unvorhergesehenen Wendungen glänzt, sondern mich mit leisen Tönen angesprochen hat.

Veröffentlicht am 02.10.2020

Blind Date

Die Nacht zuvor
0

Gabe, Joe und die Schwestern Rosie und Laura sind zusammen groß geworden. Als Kinder waren sie unzertrennlich. Aus Joe und Rosie ist sogar ein glückliches Ehepaar geworden. Lauras Kindheit verlief nicht ...

Gabe, Joe und die Schwestern Rosie und Laura sind zusammen groß geworden. Als Kinder waren sie unzertrennlich. Aus Joe und Rosie ist sogar ein glückliches Ehepaar geworden. Lauras Kindheit verlief nicht ganz so unbeschwert. Sie hat sich nie richtig geliebt gefühlt. Auch heute noch versucht sie, mit einem Mann die Liebe zu finden, doch sie hat kein gutes Händchen bei der Partnerwahl. Zudem schwebt über all ihren Bemühungen das desaströse Ende ihres ersten Teenagerflirts: Das Pärchen wurde im Auto überfallen, der junge Mann dabei erschlagen.
Laura zieht weg, sobald sie erwachsen ist. Nachdem eine wirklich vielversprechende Beziehung mal wieder ein abruptes, unerklärliches Ende gefunden hat, bricht sie ihre Zelte ab und zieht vorübergehend bei Schwester und Schwager ein.
Sie will per online Blind Date ein weiteres Mal den Mann fürs Leben finden, doch als sie bis zum Morgen nicht heimkommt, schalten Rosie, Joe und Gabe die Polizei ein, während die drei zeitgleich ihre eigenen Nachforschungen starten. Nun wird die Handlung zweigleisig erzählt. Im Wechsel wird von der Suche nach Laura erzählt und dann schwenkt die Autorin um auf Lauras Situation. Mit Datepartner Jonathan entspinnt sich eine merkwürdige Beziehung. Beide finden sich gegenseitig attraktiv, doch einer traut dem anderen nicht. Besonders Laura hat ein Gespür für die versteckten Ungereimtheiten in Jonathans Aussagen, aber sie sehnt sich so verzweifelt nach Liebe und Anerkennung ...
Mir hat der Grundgedanke dieses Thrillers ausgesprochen gut gefallen. Die Auflösung ist unerwartet und raffiniert zugleich. Trotzdem hat es mir etwas an Pep gefehlt. Natürlich muss der Boden für die Auflösung sorgsam vorbereitet werden, natürlich macht das Hin- und Her bei den Gesprächen Sinn, um ein Gefühl für die angespannte Atmosphäre zwischen Jonathan und Laura herzustellen, aber mir ist der Spannungsbogen für einen wirklich guten Thriller ein paar mal zu oft entglitten.
Deswegen gibt es von mir 4 von 5 Lesesternen, empfehlenswert ist das Buch trotzdem.

Veröffentlicht am 01.10.2020

spannende Fortsetzung

Das Erbe der Päpstin
0

Helga Glaesener beginnt ihren fiktiven historischen Roman genau an der Stelle, an der Donna W.Cross ihren Roman "Die Päpstin" endete, nämlich als ein Attentat zum Tode der Päpstin führte. Sie verknüpft ...

Helga Glaesener beginnt ihren fiktiven historischen Roman genau an der Stelle, an der Donna W.Cross ihren Roman "Die Päpstin" endete, nämlich als ein Attentat zum Tode der Päpstin führte. Sie verknüpft geschickt einige der damaligen Protagonisten mit dem Schicksal von Freya. Diese junge Frau ist bei Dänen als Sklavin aufgewachsen. Durch den Mord am Stammesoberhaupt gelingt ihr die Flucht und sie schlägt sich durch bis nach Rom. Dies ist ein langer, beschwerlicher Weg, den sie - wie die Päpstin Johanna- in Männerkleidern zurücklegt, denn Frauen sind in diesem Jahrhundert noch weitestgehend macht- und rechtlos. Ständig hat sie die Furcht im Nacken, die Dänen könnten sie aufspüren und den Mord an ihrem Anführer sühnen. Doch auch der Papstattentäter ist ihr immer wieder dicht auf den Fersen,weil er seine Spuren verwischen will.
"Das Erbe de Päpstin" ist ein wirklich spannender Historienroman, der den Leser in unterschiedlichste vergangene Lebenswelten führt. Auch wenn die Handlung und die Protagonisten nicht in die Tiefe gehen, ist das Lesen ein empfehlenswerter Genuss.

Veröffentlicht am 24.09.2020

Stück für Stück

Jigsaw Man - Im Zeichen des Killers
0

Das Thema eines Serienkillers in London wird mittlerweile recht oft verwendet. In diesem Fall hat DI Anjelica Henley in der Vergangenheit die Ergreifung eines solchen Unmenschen fast mit dem Leben bezahlt. ...

Das Thema eines Serienkillers in London wird mittlerweile recht oft verwendet. In diesem Fall hat DI Anjelica Henley in der Vergangenheit die Ergreifung eines solchen Unmenschen fast mit dem Leben bezahlt. Jetzt werden dessen Morde von einem Unbekannten kopiert, der ebenso wie sein Vorbild die Leichenteile mit grossem Vergnügen in London deponiert. Es dauert, bis man die Opfer überhaupt identifizieren kann und noch länger braucht es, bis man ihren gemeinsamen Nenner aufdeckt.
Von dem Ermittlungsteam selbst wird auch viel Privates erzählt. Für mich ist es fast schon zu viel, weil es den Spannungsbogen immer wieder abkühlt. Doch im letzten Drittel des Buches zeigt die Autorin, dass sie auch straff und packend erzählen kann. Mit so einem Showdown habe ich nicht gerechnet.
Für ein Thrillerdebüt ist "Jigsaw Man" schon ganz beachtlich. Es ist ein solider Roman, streckenweise für mich noch etwas zu brav, aber da ich mit einer Fortsetzung rechne (der Schluss deutet schon so etwas an), ist da sicherlich noch Luft nach oben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere