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Veröffentlicht am 08.11.2020

El Gustario und die Schweizerin

El Gustario de Mallorca und das tödliche Gemälde
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El Gustario de Mallorca und das tödliche Gemälde“ ist der dritte Krimi von Brigitte Lamberts um Düsseldorfer Gastrokritiker Sven Ruge, der 2020 im Verlag Edition Oberkassel erschienen ist.

In diesem ...

El Gustario de Mallorca und das tödliche Gemälde“ ist der dritte Krimi von Brigitte Lamberts um Düsseldorfer Gastrokritiker Sven Ruge, der 2020 im Verlag Edition Oberkassel erschienen ist.

In diesem Krimi verliebt sich Sven Ruge als er über den Markt von Palma schlendert in die Schweizerin Sara. „Ihre Urgroßeltern hatten sich 1940 auf der Baleareninsel das Leben genommen. Als deutsche Juden sahen sie keinen anderen Ausweg, der Deportation zu entrinnen. Sara möchte mehr über darüber erfahren. Um sie zu unterstützen gerät Sven in einen brisanten Fall. Der führt ihn in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte und zu einem geraubten Gemälde. Eine mörderische Jagd beginnt“ (aus der Inhaltsangabe des Verlages).

Brigitte Lamberts erzählt davon auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Der Leser kann so unmittelbar die Vergangenheit mit ihren schrecklichen Geschehnissen erleben und ein weiteres dunkles Kapitel aus Mallorcas Geschichte anhand eines sehr persönlichen Schicksals kennen lernen.

Dabei weiß die Autorin viele Fakten und Tatsachen über das Verhältnis von Nationalsozialisten und Franco-Anhängern zu berichten. So wird verständlich, warum Saras Großeltern kein Visum zum Verlassen der Insel bekommen und immer wieder hingehalten werden. Ein wertvolles Gemälde von Max Beckmann soll ihnen dabei helfen endlich eine Genehmigung zu erhalten, doch sie werden bitter enttäuscht und nehmen sich das Leben.

Viele Jahre später taucht das Gemälde bei einer Auktion auf. Es scheint mit einem Fluch behaftet, denn als sich der unterlegenen Bieter sich auf die Suche nach dem anonymen Käufer macht, gibt es erneut einen Toten, der nicht der letzte in diesem Buch sein wird.
Die Beziehung zwischen Sara und Sven entwickelt sich immer mehr zu einer Achterbahnfahrt und irgendwann begreift auch Sven, dass die Widersprüche in Saras Verhalten einem tieferen Grund entspringen als Launen.

Brigitte Lamberts erzählt flüssig und spannend eine komplexe Geschichte, die den Leser schnell in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt. Überraschungen unterschiedlicher Art und unerwartete Wendungen halten Spannung konstant auf einem hohen Niveau. Die Personen sind authentisch und realitätsnah beschrieben. Der flotte Schreibstil liest sich ausgezeichnet. Man wird zum Nach und Mitdenken angeregt. Aus meiner Sicht ist es ein ausgezeichneter Mallorca-Krimi mit historischer Dimension, den ich uneingeschränkt empfehlen kann. Ich freue mich schon auf weitere Abenteuer und kulinarische Ausflüge von Sven Ruge.


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Veröffentlicht am 31.10.2020

Mystery im Spreewald

Die Mittagsfrau
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Beruflich hat es die Familie Abel nach Dublin verschlagen. Doch nun hat Christoph eine neue Stelle als Chefarzt in einer Klinik bei Berlin in Aussicht. Für ihn ist es ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter ...

Beruflich hat es die Familie Abel nach Dublin verschlagen. Doch nun hat Christoph eine neue Stelle als Chefarzt in einer Klinik bei Berlin in Aussicht. Für ihn ist es ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter und auch seine Ehefrau Hanka, die aus dem Spreewald stammt, freut sich auf den Umzug in ihre alte Heimat. Dort haben sie schon einen sehr schönen, direkt am Wasser gelegenen alten Hof gekauft. Noch stehen viele Renovierungsarbeiten an, denn den bisherigen Besitzern fehlten die Mittel den Hof zu halten und komplett zu sanieren.

Doch bevor die Familie Abel mit ihren drei Kindern einziehen kann, geschehen seltsame und unfassbare Dinge. Es fängt mit Drohbriefen an, die immer einen Bezug auf die heimische Sagenwelt enthalten. Aber es passieren noch andere unheimliche Dinge, die unerklärlich scheinen.

Der Spreewald bewahrt in seinen Sagen und Legenden viele Geheimnisse. Seine dunklen Wasserarme, unergründlichen Wälder und mystischen Nebel habe schon immer die Phantasie der Menschen beflügelt.

Die Geschichte, die Ariana Lambert gekonnt mit unheimlich viel Lokalkolorit erzählt, fesselt dank des flüssigen Schreibstils schnell und lässt den Leser nicht mehr los. Man lernt die Familie sehr gut kennen und stellt bald fest, was die Fassade einer scheinbar glücklichen Familie verbirgt. Die Autorin stammt, wie ihre Protagonistin Hanka selbst aus dem Spreewald und arbeitete, genau wie Hanka, als Rechtsanwältin.
Somit gelingt Ariana Lambert eine Authentizität, die einen Kontrast zu den unheimlichen Ereignissen darstellt und die Spannung kontinuierlich steigen lässt.
Durch zahlreiche unvorhersehbare Wendungen und Überraschungen gewinnt dieser Thriller schnell an Dynamik. Es gab viele erschreckende, gruselige und geheimnisvolle Momente, die mich schauern ließen. Die wunderschöne Landschaft des Spreewalds, ein Fest mit alten Sitten und Bräuchen sind genauso handlungsimmanent wie Risse, die, durch die Familie gehen.

Die Auflösung ist der Autorin unheimlich gut gelungen. Logisch und schlüssig am Ende, doch auch sehr berührend.

Fazit:
Dieser spannende und fesselnde Thriller ist aus meiner Sicht unbedingt zu empfehlen. Die Geschichte ist geschickt aufgebaut, war in sich stimmig und wurde logisch zu Ende geführt. Gern vergebe ich 5 Sterne für diesen außergewöhnlichen Regionalkrimi bzw. –thriller.

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Veröffentlicht am 04.10.2020

Spannend und rätselhaft bis zum Schluss

Tödliches Wattenmeer. Ostfrieslandkrimi
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Mit „Tödliches Wattenmeer“ als neuntem Ostfrieslandkrimi der Reihe „Faber und Waatstedt ermitteln“ ist der beliebten Autorin Elke Nansen ein sehr ungewöhnlicher Fall gelungen. Erschienen ist das Buch ...

Mit „Tödliches Wattenmeer“ als neuntem Ostfrieslandkrimi der Reihe „Faber und Waatstedt ermitteln“ ist der beliebten Autorin Elke Nansen ein sehr ungewöhnlicher Fall gelungen. Erschienen ist das Buch im Klarant-Verlag.

Ein Segelboot treibt einsam vor der dänischen Küste. Alles ist voller Blut. Eine Frau, die ihren Mann sucht, ist die einzige Person auf dem Schiff. Es ist Melanie Hauke, die mit dem Inhaber der Auricher Hauke-Werke verheiratet ist. Ihre kleine Tochter Maximilian ist bei einer Freundin. In ihrer Not schreibt Melanie einen Brief an ihre Tochter und bitte diese, das Schreiben ihrem früheren Geliebten, der bei der Polizei arbeitet, zu übergeben.

Melanies große Liebe von damals, der Gerichtsmediziner Philipp Schorlau, ist nicht nur ein sehr guter Kollege von Richard Faber und Rike Waatstedt, sondern auch ihr bester Freund. Deshalb versuchen auch beide ihm zu helfen. Sie können tatsächlich den Fall von den dänischen Behörden übernehmen.

Um aufzuklären, was auf dem Segelboot wirklich geschah, werden nicht nur Indizien untersucht, sondern auch die Vergangenheit der Beteiligten und ihres Umfeldes durchleuchtet. Dabei kommt Erstaunliches zu Tage und lässt den Fall immer wieder in einem anderen Licht erscheinen. Die Überraschungen scheinen kein Ende zu nehmen.

Schnell entwickelt der Fall eine Eigendynamik, die den Leser immer wieder staunen lässt und ihn mit völlig neuen Fakten und Fragen konfrontiert. Die Spannung, die die Autorin aufbaut, fesselt sofort.

Aufgelockert wird der Krimi durch die Begegnungen von Opa Knut mit der aufgeweckten Maxi, der es auch gelingt, den etwas steifen und hölzernen Philipp Schorlau aus der Reserve zu locken. Das ostfriesische Lokalkolorit stimmt, wenn Opa Knut Labskaus oder Griesbrei kocht und nebenbei den Ermittlern hilft.

Der Schreibstil von Elke Nansen ist flüssig und sehr gut lesbar. Die facettenreichen Recherchen und Spuren werden gekonnt zu einem dramatischen und völlig unerwarteten Finale geführt. Es passt alles. Der Prolog ist nun selbsterklärend.

Fazit:
Dieses Buch kann ich allen Krimi-Fans unbedingt empfehlen. Hier stimmt die Mischung – ein außergewöhnlicher und spannender Kriminalfall mit interessanten Einblicken in die Privatsphäre von Beteiligten und Philipp Schorlau. Gern vergebe ich 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Mein Dank gehrt an den Klarant-Verlag, der mir kostenlos ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine ehrliche Lesermeinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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Veröffentlicht am 27.09.2020

Helles persönlichster Fall

Helle und der falsche Prophet
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„Helle und der falsche Prophet “ von Judith Arendt ist bereits der dritte Fall für die Kommissarin Helle Jespers aus dem dänischen Skagen.

Mitten in Dänemark existiert, von den Behörden unbehelligt, ...

„Helle und der falsche Prophet “ von Judith Arendt ist bereits der dritte Fall für die Kommissarin Helle Jespers aus dem dänischen Skagen.

Mitten in Dänemark existiert, von den Behörden unbehelligt, seit über 20 Jahren eine quasi religiöse Sekte. Die Anhänger, nicht alle sind freiwillig dabei, werden unterdrückt und geknechtet. Sie leben in einer pseudomittelalterlichen Welt.

Ein junges Paar, sie nennen sich Jemi und Nick, träumen von einem selbstbestimmten Leben und wagen den Ausbruch. Doch ihre Flucht läuft aus dem Ruder und hinterlässt Unglück und Chaos.

Helle, die mit ihrem Mann in Südfrankreich im Urlaub ist, erreicht ein Anruf. Eine junge Frau wurde tot am Strand aufgefunden. Es ist Merle, die mit Helles Sohn Leif befreundet war. Noch während der Recherchen zu den Umständen ihres Todes und der Frage, ob es sich um einen Unfall oder ein Verbrechen handelt, wird in einem Hostel in Kopenhagen einen toten Kanadier gefunden. Zufällig ist Helles Kollege Ole dort. Es scheint eine Verbindung zwischen den Toten zu bestehen. Merle fuhr per Anhalter mit einem jungen Paar, das an der Tankstelle, wo sie einstieg, einen seltsamen Eindruck hinterließ. Dieses Paar war durch sein merkwürdiges Verhalten im Hostel aufgefallen.

Die Geschichte, die Judith Arendt, auf verschiedenen Ebenen erzählt, erhält von Beginn an eine Komplexität, in die nur der Leser Einblick hat. Die Ermittlungen der Polizei spiegeln lediglich einzelne Puzzlestückchen wider. Die Spannung bleibt konstant auf einem hohen Niveau und lässt den Leser mitfiebern. Er kann einen Blick hinter die streng gehütete Fassade der Sekte werden und lernt Aussteiger kennen, die scheinbar den Sprung in ein bürgerliches Leben bar geschafft haben. Doch der Arm der Sekte ist lang.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und lässt sich ausgezeichnet lesen. Die bereits angesprochenen Perspektivwechsel bringen weitere Höhepunkte und Dynamik in die Handlung.

Helle Jespers, die Hauptermittlerin dieser Geschichte, ist anders, als man das sonst von Ermittlern gewohnt ist. Sie ist eine leicht übergewichtige, glücklich verheiratete und bodenständige Frau und Mutter Anfang 50. Sie leitet die Polizeistation in Dänemarks nördlichstem Zipfel Skagen und führt diese wie einen Familienbetrieb. Sie hat ein Problem mit Hierarchien in der Polizeiarbeit und macht es ihrer neuen Vorgesetzten nicht leicht.

Doch auch in dieser Geschichte beweist sie wieder ihre untrügliche Intuition und kommt der Aufklärung der Morde sehr nahe. Fast zu nahe, denn in einem emotional aufgeladenen und hochdramatischen Finale scheint sie an ihre Grenzen als Polizistin und als Mutter zu stoßen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Fazit:
Ein gut ausgedachte Geschichte, die in sich schlüssig gelöst wurde. Mich hat dieser Dänemark-Krimi gefesselt und mir eine wirklich spannende Lesezeit beschert. Deshalb vergebe ich nicht nur 5 Sterne, sondern auch eine klare und eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 20.09.2020

Cherringhams unheimliche Seite

Cherringham - Das vergessene Haus
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Auch mit dem 37. Fall ist dem Autorenduo Matthew Costello und Neil Richards ein spannender und gut erzählter Cosy-Crime gelungen. Es ist eine unterhaltsame und leicht zu lesende Lektüre, die eine gute ...

Auch mit dem 37. Fall ist dem Autorenduo Matthew Costello und Neil Richards ein spannender und gut erzählter Cosy-Crime gelungen. Es ist eine unterhaltsame und leicht zu lesende Lektüre, die eine gute spannende Story bietet.

Im Mittelpunkt steht die Urbexer – Szene, die Urban Explorer. Das sind junge Leute, die vergessene und verlassene Orte aufsuchen und die Bilder ihrer Expeditionen im Internet hochladen. Doch vor einer Woche verschwand Zach, der in der Szene ein Star war und mit seinen Posts richtig Geld verdiente, spurlos. Sein letztes Ziel war Blackwood House in der Nähe von Cherringham. Dort suchen ihn seine Freude Meg und Luke. Es unheimlich und irgendwie gespenstisch, was sie dort vorfinden, aber sie machen noch eine viel schlimmere Entdeckung – einen Toten. Es ist Zach.

In Cherringham hat das erfolgreiche Ermittlerduo von Sarah und Jack Unterstützung bekommen. Sarahs Tochter Chloe arbeitet mit den Beiden. Bei Recherchen erweist sie sich durch ihre ausgezeichneten Computerkenntnisse als sehr nützlich. Sie ist es auch, die nicht an einen Unfall von Zach glaubt. Über ihre Freundin Meg weiß Chloe Einiges über die Urbexer und bittet ihre Mutter und Jack die Sache doch näher zu untersuchen.

Da Zach mit seinem YouTube Kanal viel Geld verdient hat, könnte hier ein Motiv für seinen Tod zu finden sein. Sarah und Jack wollen der Sache nachgehen und beginnen zu ermitteln. Scharfsinn und Kombinationsgabe bringen sie bald auf die richtige Spur und der Leser taucht tief in die verborgene Welt der Urbexer ein.

Im Verlauf der Erzählung steigt die Spannung stetig und das Ende, also die Auflösung, ist nicht vorhersehbar. Man trifft alte Bekannte in Cherringham und Jack weiß genau wie man schweigsame Zeitgenossen mit einer Vergangenheit zum reden bringt. Es macht einfach Freude Sarah und Jack bei den Ermittlungen zu folgen, auch an unheimliche Orte. Davon kann man sich aber zwischendurch in Sarahs gemütlichem Heim mit Garten oder bei Jack auf der „Goose“ erholen.

Mir hat es wieder gefallen Sarah und Jack bei ihren Recherchen zu begleiten. Die Personen sind sympathisch, authentisch und gut beschrieben und alle Handlungen sind gut nachvollziehbar.
Aus meiner Sicht eine klare Leseempfehlung für alle Fans der Krimireihe Cherringham und jene, die eine gut geschriebenen Krimi ohne grausame Einzelheiten oder zu viel Horror mögen.

Das Rezensionsexemplar wurde mir dankenswerter Weise von NetGalley zur Verfügung gestellt und hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

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