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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2021

Vorhersehbar und wenig Atmosphäre

Irgendwo ist immer irgendwer verliebt
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Das Thema, das man nochmal alle Ex-Freunde aufsucht in der Hoffnung, unter ihnen die große Liebe zu finden, habe ich in letzter Zeit erstaunlich oft gesehen bzw. gelesen. Bietet ja potentiell auch viel ...

Das Thema, das man nochmal alle Ex-Freunde aufsucht in der Hoffnung, unter ihnen die große Liebe zu finden, habe ich in letzter Zeit erstaunlich oft gesehen bzw. gelesen. Bietet ja potentiell auch viel Erzählstoff. Vor allem wenn es wie hier bei Chelsea verbunden ist mit einer kleinen Europa-Rundreise.

Leider wurde hier an mehreren Stellen die Chance vertan, etwas tolles aus der Vorlage zu machen. Man wusste schon, wie es endet, bevor Chelsea Boston überhaupt verlassen hatte. Das allein ist nicht soo schlimm (das weiß man bei Büchern dieses Genres eh oft), wenn der Weg zum Ziel dann wenigstens gut ist.

Doch genau da drückte für mich der Schuh. Die Beweggründe für die Reise an sich wirken ein bisschen zu bemüht, von der Europa-Tour kam - bis auf den Besuch beim Eifelturm - kaum Atmosphäre rüber. Chelsea blieb ja auch nie lange irgendwo, war einzig und allein auf die Typen fokussiert und gar nicht auf die Reise an sich - die sie vor 7 Jahren ja so abrupt abbrechen musste und nun vollenden wollte.
Daher hatte man auch gar nicht die Chance, die Ex-Lover richtig kennenzulernen. Weder erfuhr man in Rückblenden, wieso sich die zwei mal verliebt hatten und wie die Zeit damals so war, und auch im Hier & Jetzt blieben sie ziemlich blass. Die ganze Episode in Paris war überhaupt sehr "cringey".

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Veröffentlicht am 08.03.2021

Landleben ohne Idyll

Helga räumt auf
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Der Thomas Raab hat schon seine ganz eigene Art zu Schreiben. Und damit meine ich gar nicht mal die Mundart, die verstehe ich sogar. Sondern seine Art, Sätze zu bauen und bildhaft Dinge zu beschreiben. ...

Der Thomas Raab hat schon seine ganz eigene Art zu Schreiben. Und damit meine ich gar nicht mal die Mundart, die verstehe ich sogar. Sondern seine Art, Sätze zu bauen und bildhaft Dinge zu beschreiben. Die muss man wohl mögen. Meins ist das in diesem Fall nicht gewesen.

Hinzu kommt, dass mir all die Leute, die da erwähnt werden, mit all ihren Eigenarten und verwandtschaftlichen Verbindungen recht egal waren. Und daher stellte sich bei mir auch keine rechte Spannung ein was die Todesfälle und deren Aufklärung anging.

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Zu kurz um sich zu entfalten

Die Liebe Geld
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Glattauer hat ein neues Buch geschrieben, yeah! Oh, soo dünn nur, mmmh, schade. Ach, wie ein Drehbuch geschrieben. Oh! Na mal schauen...

Und dann entspann sich eine leicht absurde Geschichte um Heinrich, ...

Glattauer hat ein neues Buch geschrieben, yeah! Oh, soo dünn nur, mmmh, schade. Ach, wie ein Drehbuch geschrieben. Oh! Na mal schauen...

Und dann entspann sich eine leicht absurde Geschichte um Heinrich, dem der Zugriff auf sein Geld von der Bank verweigert wird. Er muss förmlich darum betteln beim Bankmanager, und selbst das bringt nichts. Heinrichs Hilflosigkeit war förmlich spürbar, und machte mich beim Lesen sogar wütend. Emotionen erzeugen hat also funktioniert, allerdings vermisste ich hier trotzdem sehr den Schreibstil von Glattauer, der vor allem in der Prosa-Form glänzt, wo er wunderbar mit der Sprache spielt und Dinge auf ihre ganz eigene Art und Weise beschreibt. Schon in "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" hat er sich auf einen 'Dialog' zwischen 2 Protagonisten beschränkt. Mit dem Unterschied, dass diese Protagonisten sich schrieben statt miteinander zu reden, und dadurch tolle bildhafte Texte schufen. Wenn in diesem Buch hingegen der Czerny etwas weiter ausgeholt und eine Sache gleich mit drei Vergleichen zu verdeutlichen suchte, so wirkte das auf mich unauthentisch. Wer redet denn so?

Abgesehen davon mag die Geschichte an sich auch überzogen wirken. So unwahrscheinlich ist sie dann aber doch nicht, wie einige Österreicher im Sommer 2020 erfahren mussten als der Bilanzbetrug in einer burgenländischen Bank aufflog. Vielleicht holte sich der Autor auch genau dort seine Inspiration.
Und meine Assoziation mit dem Drehbuch war auch nicht falsch. Kurz nach dem Beenden des Buches sah ich schon eine Werbung für das Theaterstück gleichen Namens, das im September seine Uraufführung in Wien feierte. Als solches kann ich es mir tatsächlich auch sehr viel besser vorstellen (und hat ziemlich gute Kritiken bekommen) In Buchform hat es mich nicht so abgeholt wie ich es von anderen Glattauer-Büchern gewohnt bin.

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Veröffentlicht am 24.10.2020

Hanebüchende Story

The Logic of Kissing (Knitting in the City 4)
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Die ersten paar Kapitel des Buches gefielen mir ausgesprochen gut. Die Protagonistin war sympathisch und das 'Meet-Cute' mit dem Love-Interest hat mir gefallen. Vor allem gab es trotz Ich-Erzählerin keine ...

Die ersten paar Kapitel des Buches gefielen mir ausgesprochen gut. Die Protagonistin war sympathisch und das 'Meet-Cute' mit dem Love-Interest hat mir gefallen. Vor allem gab es trotz Ich-Erzählerin keine unnötig schmalzigen Gedankenergüsse.

Doch dann driftete die Story in einen Spionageroman ab, was ich in einem Krimi erwartet und sicher auch gemocht hätte, was mir hier aber einfach nur albern vorkam. Zudem verhielten sich beide Hauptpersonen extrem widersprüchlich was ihre Wünsche und dann Taten zu einer Beziehung anbelangte. Für mich war das alles nicht mehr nachvollziehbar, und zusammen mit der andere Storyline war das es ziemlich hanebüchen. Ich überlegte sogar, das Buch abzubrechen, hielt dann aber wegen der sympathischen Protagonisten und Nebenfiguren doch bis zum Ende durch.

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Veröffentlicht am 13.10.2020

Das scheue Reh

Audrey Hepburn und der Glanz der Sterne (Ikonen ihrer Zeit 2)
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2,5 Sterne

Die Autorin zeichnet in diesem Buch den Lebensweg von Audrey Hepburn von ihrer Kindheit bis zu ihrem Tode nach, wobei natürlich einige Jahre prominenter vertreten sind als andere. Auf jeden ...

2,5 Sterne

Die Autorin zeichnet in diesem Buch den Lebensweg von Audrey Hepburn von ihrer Kindheit bis zu ihrem Tode nach, wobei natürlich einige Jahre prominenter vertreten sind als andere. Auf jeden Fall gewinnt man einen sehr guten Eindruck von Audrey als Privatperson. Denn genau darauf beziehen sich die allermeisten Kapitel. Nur ganz ganz selten werden mal Anekdoten von einem Dreh eingeflochten (schade eigentlich, da wäre sicher die ein oder andere interessante Geschichte dabei gewesen), den Rest der Zeit begleiten wir Audrey auf der Suche nach ihrem privaten Glück. Irgendwie eher zufällig nach Hollywood gekommen, drehte sie stets mehr von anderen gedrängt als aus eigenem Wunsch heraus Film um Film. Dabei wollte sie nichts anderes, als mit einer großen Familie auf dem Land zu wohnen und einem beschaulichen Leben nachzugehen.

Dieses Leben findet sie zumindest ansatzweise, als sie sich in die Schweiz zurückzieht, und die Autorin beschreibt sehr ausschweifend, detailreich und 'blumig', was Audrey dachte, fühlte und sagte (wobei mich der Schreibstil leider mehrfach an kitschige Frauenromane erinnerte). Doch gerade diese Detailfülle in den "privaten" Szenen, die wahrscheinlich den LeserInnen alles besser veranschaulichen sollen, bewirken bei mir genau das Gegenteil, nämlich dass sich die gesamte Geschichte noch weniger authentisch anfühlt als sie vielleicht ist. Woher hat Juliana Weinberg diese ganzen Infos? Leider spricht sie in ihrem Nachwort nur von "intensiven Recherchen", aber gibt keine einzige Quelle an, verweist auf kein einziges Interview mit Zeitzeugen, nennt kein einziges Buch oder Memoir in dem sie geblättert hat. All das hätte bei mir zu mehr Glaubwürdigkeit verholfen. So aber denke ich mir, dass das Wesen und der Charakter von Audrey Hepburn sicherlich so war wie er hier geschildert wird (eine tolle und erfolgreiche Schauspielerin, die ihren Drehaufträgen stets pflichtbewusst und professionell nachkam; die aber im Grunde nichts lieber wollte als unbehelligt ein normales Familienleben zu führen), aber dass ihre hier dargestellte Geschichte reine Fiktion ist. Und da diese - wie bereits angeführt - dann auch noch in einer trivialen Art & Weise erzählt wird, reicht es bei mir leider nur für 2,5 Sterne.

Sobald ich mit dem Buch fertig war, habe ich nach allen möglichen Bildern gegoogelt. Das gehört für mich zu solch einer Lektüre immer dazu, ich hatte mich aber während des Lesens damit zurückgehalten, um mir selbst nicht die Spannung zu nehmen ob sich zB ihr größter Wunsch nach einem Kind erfüllen wird. Aber es ist lohnenswert, im Nachhinein noch Bilder von ihrem Haus in der Schweiz sehen, von Audrey in zahlreichen Kleidern von Givenchy, und von Audrey und den Männern in ihrem Leben (die ich allesamt nicht so attraktiv fand, wie sie im Buch dargestellt werden). Audrey Hepburn hingegen strahlt auf den meisten dieser Bilder eine unglaubliche Anmut, Eleganz aber auch Schüchternheit aus.

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