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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.12.2020

Eine völlig andere Welt

Tiger
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Es ist eine Geschichte um sibirische Tiger aus ganz verschiedenen Perspektiven – darunter dem Tiger selbst. Auf der einen Seite erfährt man von dem Leben des Tigers in Gefangenschaft, auf der anderen Seite ...

Es ist eine Geschichte um sibirische Tiger aus ganz verschiedenen Perspektiven – darunter dem Tiger selbst. Auf der einen Seite erfährt man von dem Leben des Tigers in Gefangenschaft, auf der anderen Seite von dessen Leben in freier Wildbahn – in jedem Fall ist es aber eine eingehende und beeindruckende Betrachtung dieses majestätischen Tieres und der Menschen in seiner Umgebung.

Die Perspektivwechsel waren an sich nicht schwierig zu lesen, aber ich muss zugeben, dass mir der Abschnitt aus Sicht von Frieda, einer englischen Wissenschaftlerin und Zoomitarbeiterin, mit Abstand am besten gefallen hat. Vielleicht lag es daran, dass das Leben in der russischen Taiga in den anderen Teilen doch recht trostlos und unwirtlich, also insgesamt wenig einladend, wirkte. Vielleicht war es aber auch einfacher, sich in diese Figur hineinzuversetzen, auch wenn Frieda bei weitem kein einfacher Mensch ist und sehr mit ihrem Schicksal hadert.

Trotz der sehr besonderen Figuren und Gegebenheiten liest sich das Buch aber sehr leicht und ist in vielen Momenten ungeheuer spannend – und zwar auf vielfältigste Art und Weise. Außerdem hat es mir sehr viel Spaß gemacht, eine Region kennenzulernen, der ich in der Literatur bisher so gar nicht begegnet bin. Man hat auf jeden Fall gemerkt, dass die Autorin mit ihren Recherchen sehr gründlich war – auch die Informationen zum Tiger selbst waren sehr faszinierend und immer gekonnt in die Erzählung eingeflochten.

Den Schluss hätte ich mir zugegebenermaßen etwas ausführlicher gewünscht, nachdem man so lange darauf wartet, dass sich der Kreis schließt. Ansonsten aber war das Buch ein tolles Leseerlebnis in eine völlig andere Welt.

Veröffentlicht am 20.11.2020

Faszinierende magische Parallelwelt

Talus
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Die Studentin Erin führt in Edinburgh regelmäßig Touristen durch die Katakomben der Stadt. Obgleich sie sich schon immer für Magie und das Übernatürliche interessiert hat, jagt es ihr doch einen mächtigen ...

Die Studentin Erin führt in Edinburgh regelmäßig Touristen durch die Katakomben der Stadt. Obgleich sie sich schon immer für Magie und das Übernatürliche interessiert hat, jagt es ihr doch einen mächtigen Schrecken ein, als ihr eines Tages bei einer Tour ein waschechter Geist begegnet, der ihr alles andere als wohlgesinnt ist.

Das Buch startet relativ langsam und mit vielen Perspektivenwechsel, schafft es aber gleich zu Beginn großartig, eine leicht gruselige Atmosphäre zu vermitteln. Die Geschichte wird aus Sicht mehrerer Personen erzählt, deren Verbindung sich erst nach und nach offenbart.

Die magische Welt, parallel zur Welt der Menschen, mit der dort herrschenden Hierarchie und die Wege, wie sie betreten werden kann, fand ich sehr faszinierend und gut entwickelt – auf der anderen Seite ist sie stellenweise überraschend grausam. Die einzelnen Charaktere fand ich sehr interessant und abwechslungsreich, bei vielen hätte ich mir aber gerne noch mehr Hintergrund gewünscht, um mehr in die Geschichte eintauchen zu können.

Die Suche nach Talus, dem magischen Würfel, war bis zum Schluss wirklich sehr spannend geschrieben und hat mich richtig gefangen genommen. Nur das offene Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen – vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung? Ich würde sie auf jeden Fall gerne lesen.

Veröffentlicht am 15.11.2020

Geschickt aufgebaute und poetische Erzählung

Ein Sonntag mit Elena
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Die Geschichte beginnt damit, dass der Protagonist, ein älterer Herr in Turin, sich mächtig ins Zeug legt, um seine Tochter und deren Familie mit einem großartigen Sonntagsmahl zu verwöhnen. Seine Frau ...

Die Geschichte beginnt damit, dass der Protagonist, ein älterer Herr in Turin, sich mächtig ins Zeug legt, um seine Tochter und deren Familie mit einem großartigen Sonntagsmahl zu verwöhnen. Seine Frau ist vor kurzem verstorben und er sieht seine erwachsenen Kinder selten – und dementsprechend einsam ist er. Ein Sturz einer seiner Enkelinnen verhindert jedoch kurzfristig den Besuch. Deprimiert spaziert er durch den Park und lernt dort überraschend Elena und ihren Sohn kennen.

Vor dem Hintergrund der Geschehnisse hätte das Buch deprimierend sein können. Aber auch wenn die Erzählung stellenweise traurig oder melancholisch war, hat sie sogar keinen deprimierenden Nachgeschmack hinterlassen, sondern eher positiv gestimmt.

Die Figuren in diesem Buch sind sehr ehrlich und direkt, was den poetischen Schreibstil noch unterstreicht. Eigentlich geht es durchweg um kleine Begebenheiten und Begegnungen, die im Ganzen doch das Leben der Beteiligten verändern

Ich habe dieses kleine Büchlein sehr gerne gelesen und werde es gerne weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 11.11.2020

Traditioneller Krimi - und dann doch wieder nicht

Ein perfider Plan
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Das Buch war nicht mein erster Horowitz (und sicher auch nicht mein letzter) und wie erwartet machte es mir der Schreibstil des Autors sehr leicht, in die Geschichte hineinzufinden.
Diese dreht sich um ...

Das Buch war nicht mein erster Horowitz (und sicher auch nicht mein letzter) und wie erwartet machte es mir der Schreibstil des Autors sehr leicht, in die Geschichte hineinzufinden.
Diese dreht sich um einen mysteriösen Todesfall und die Ermittlungen zum selbigen durch ein eher unfreiwilliges Zweiergespann, ganz im Stil von Sherlock Holmes. Soweit alles wohlbekannt, aber: Der Ich-Erzähler ist der Autor selbst, so dass man beinahe den Eindruck erhält, es handle sich um eine wahre Begebenheit. Zunächst war ich etwas verwirrt, fand dann aber sehr bald Gefallen an der ungewöhnlichen Perspektive, die überraschend gut funktioniert. Auch die Einblicke in seine Arbeit haben mir gut gefallen.
So unsympathisch Hawthorne ist, er ist gleichzeitig eine doch sehr mysteriöse und interessante Figur, und die Interaktionen zwischen ihm und dem Autor haben dafür gesorgt, dass es mir nie langweilig wurde.
Alles in allem hat der Fall beim Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den nächsten Teil und die weitere Zusammenarbeit der beiden.

Veröffentlicht am 28.10.2020

Spannender Auftakt, aber sehr offenes Ende

Midnight Chronicles - Schattenblick
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Neben ihrer Tätigkeit als Hunter und der Suche nach Antworten auf das Verschwinden ihres Bruders bleibt Roxy gerade noch Zeit fürs Nötigste. Als ihr eines Nachts dann Shaw über den Weg läuft und er dann ...

Neben ihrer Tätigkeit als Hunter und der Suche nach Antworten auf das Verschwinden ihres Bruders bleibt Roxy gerade noch Zeit fürs Nötigste. Als ihr eines Nachts dann Shaw über den Weg läuft und er dann nicht nur sehr präsent in ihrem Leben wird, sondern sie auch noch Gefühle für ihn entwickelt, ist ihr das gar nicht recht. Aber Roxy erfährt bald, dass es einige Dinge gibt, die sich ihrer Kontrolle entziehen.

Beim Lesen des ersten Bandes zu dieser neuen Reihe hatte ich auf jeden Fall viel Spaß: Roxy und Shaw und auch viele der Nebencharaktere sind nicht nur sehr sympathisch, sondern haben auch alle ihre Geheimnisse und werfen entsprechend viele Fragen auf, so dass man ständig mutmaßt, wie wohl alles zusammenhängt. Spannende Szenen wechseln sich ab mit ruhigeren Gesprächen zwischen Roxy und Shaw, bei denen es auch bald ziemlich knistert, und gerade diese Abwechslung hat mir besonders gut gefallen. Hier wird auch nichts mal eben schnell abgehandelt, sondern man hat sich bei den Entwicklungen Zeit gelassen.

Im letzten Drittel wurde mir dann aber schnell klar, dass die meisten der angefangenen Handlungsstränge bis zum Ende des Bandes nicht abgeschlossen würden. Hier hätte ich mir gewünscht, dass es zumindest ein wenig mehr Weiterentwicklung gegeben hätte – insbesondere im Hinblick auf Roxys Bruder und Shaws Gedächtnis.

Da ich sehr gespannt bin, wie die Geschichte der Hunter weitergeht, werde ich aber sicher auch den nächsten Band lesen.