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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2020

Irgendwie muss es weitergehen!

Writers & Lovers
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Auch wenn Casey so ziemlich am Boden ist: ihre Mutter ist vor kurzem unerwartet gestorben, ihr Vater hat anderes, das ihm wichtiger ist als sie - vor allem ihre sogenannte Stiefmutter, die aus seiner Sicht ...

Auch wenn Casey so ziemlich am Boden ist: ihre Mutter ist vor kurzem unerwartet gestorben, ihr Vater hat anderes, das ihm wichtiger ist als sie - vor allem ihre sogenannte Stiefmutter, die aus seiner Sicht den Ring seiner ersten Frau und Caseys Mutter erben soll.

Casey fühlt sich zur Autorin berufen, aber kommt irgendwie nicht weiter in ihrem Buch, zudem lebt sie in einer höchst unsicheren Behausung, nur geduldet durch ihren Vermieter, wenn man ihn überhaupt so nennen kann. In ihrem Job als Bedienung in einem Familienrestaurant der höheren Klasse muss sie sich rumschubsen lassen und fühlt sich nicht selten am Ende. Denn ihr fällt einfach nichts mehr ein und Kraftressourcen hat sie nicht mehr.

Dafür aber Muriel und Harry und ich bin mir sicher, dass ich nicht die einzige Leserin bin, die sie um die beiden beneidet. Lily King schreibt einfach wunderbar, sie breitet die Gefühlswelt ihrer Protagonistin vor ihren Rezipienten aus und, was mir noch besser gefällt: wir haben die Möglichkeit, Casey in der Annäherung und der Distanzierung an Ereignisse, Dinge, Erlebnisse und nicht zuletzt Menschen zu folgen. Dies vermag die Autorin wie keine andere darzustellen.

Und außerdem ist sie die erste amerikanische Autorin, die über Thomas Bernhard schreibt, ihn nicht nur erwähnt, sondern in einer Szene, die man durchaus als eine der Schlüsselszenen bezeichnen kann, durchaus näher auf ihn und eines seiner Werke eingeht.

Ein Roman, der eine Menge Zuversicht transportiert - wenn man bereit ist, diese aufzufangen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.11.2020

Eine tolle Idee, nicht nur in Zeiten von Corona

Das Mix-Max-Kochbuch
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Aber da ganz besonders, hat man doch als Familie zu Hause ganz viel Zeit zusammen. Und kann lecker kochen! Für die Eltern wird das schnell ein bisschen viel, aber wenn man die Kinder mit einbezieht, dann ...

Aber da ganz besonders, hat man doch als Familie zu Hause ganz viel Zeit zusammen. Und kann lecker kochen! Für die Eltern wird das schnell ein bisschen viel, aber wenn man die Kinder mit einbezieht, dann kann man daraus Tag für Tag ein richtiges Event machen. Das nicht so schnell langeweilig wird.

Denn dieses Kochbuch ist ganz besonders: in ihm ist jede Seite dreigeteilt: Oben steht die Hauptzutat wie Fleisch, Fisch, Tofu und als Ausnahmen auch Spargel und Pilze, in der Mitte das Gemüse und unten die Sättigungsbeilage. Wobei auch das weit gefasst ist und eher als Rahmen bezeichnet werden könnte, fallen darunter doch auch Kreationen wie Quiche oder Palatschinken.

Diese drei Tafeln lassen sich beliebig - und sehr kreativ - zu fantasievollen Mahlzeiten mixen. Unter Einbeziehung der Kinder - da gibt es dann nix oder zumindest wenig zu meckern!

Veröffentlicht am 02.11.2020

Füllt zufällig eine große Lücke

Zufällig vegan – International
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Ich esse gern vegan - und auch vegetarisch! Beides nicht ausschließlich, aber ich war noch nie sonderlich scharf auf Fleisch und vieles mundet mir ohne Fleisch und Fisch - und oft eben auch ohne weitere ...

Ich esse gern vegan - und auch vegetarisch! Beides nicht ausschließlich, aber ich war noch nie sonderlich scharf auf Fleisch und vieles mundet mir ohne Fleisch und Fisch - und oft eben auch ohne weitere tierische Zutaten einfach wesentlich besser! Was ich hingegen gar nicht mag, sind Ersatzprodukte wie Sojahack oder vegane Wurst.

Da kommt mir das Kochbuch der polnischen Bloggerin und begeisterten Reisenden Marta Dymek gerade recht - denn sie probiert alles Mögliche aus und vor allem zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie weltweit Tradtionelles in eine vegane Variante umsetzt, so bspw. die vietnamesische Nudelsuppe Pho, die mir in dieser Variante sogar noch um einiges besser mundet als in der fleischhaltigen. Auch mannigfaltige osteuropäische Rezepte werden vegan und damit neu interpretiert. So bspw. ukrainischer Borschtsch - köstlich! Gerade auch in der vorliegenden Variante. Und so geht es weiter - Schlag auf Schlag! Ich bin begeistert, denn es gibt hier nicht die zigste Variante von irgend etwas, sondern wirklich Neues, das zudem keiner komplexen bzw. komplizierten Zutaten bedarf! Sehr, sehr einfallreich und sehr, sehr lecker! Ich werde noch so einiges daraus nachkochen und - keine Frage - dieses tolle Kochbuch nie wieder hergeben!

Veröffentlicht am 01.11.2020

Jaja, die Liebe!

Willst du Blumen, kauf dir welche
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Auch Bücherwurm Lena träumt von ihr, hat aber bisher - und sie ist bereits Mitte 30 - nur Enttäuschungen erlebt. Denn sie träumt von Romantik, der wahren Liebe - mit allem Drum und Dran! Kein moderner ...

Auch Bücherwurm Lena träumt von ihr, hat aber bisher - und sie ist bereits Mitte 30 - nur Enttäuschungen erlebt. Denn sie träumt von Romantik, der wahren Liebe - mit allem Drum und Dran! Kein moderner Pragmatismus soll ihr Lebensglück trüben!

Deswegen hat sie jetzt erstmal aufgegeben, weiter danach zu suchen und sich in das Haus ihrer Kindheit zurückgezogen - und das altbackenen Bekleidungsgeschäft - das Wort Mode wäre hier fehl am Platz - ihrer lieben Tante Hilde in einen Buchladen mit allem Drum und Dran umfunktioniert. Und das bedeutet für sie vor allem Lesungen, so auch die des aktuellen Kassenmagneten, des Erfolgsautors Benjamin Floros, der DAS Rezept für erfüllte Liebe durch Online-Dating gefunden hat - behauptet er jedenfalls. Und fordert Lena zu einer Wette heraus, die sie auch noch annimmt!

Das bereut sie fast sofort, denn die ersten Dates sind desaströs - schlimmer geht nimmer. Aber dann, aber dann - fängt bei ihr die große Liebe an. Oder doch nicht?

Ein warmherziger Roman über Träume, Schäume und die wahre Liebe. Autorin Ellen Berg schreibt wie immer mit viel Herzenswärme und mit noch mehr orginellen Ideen. Und sie bringt uns zurück zu den Vorlieben unserer Kindheit und Jugend, in meinem Falle zu den Reimen des großen Heinz Erhardt, die hier eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Und natürlich gibt es ein paar Überraschungen, sonst wäre dies kein "echter" Ellen Berg.

Wahre Liebe oder Berechnung: woraus entsteht die ideale Beziehung? Ein vergnüglicher Roman über Bücherwurm Lena, die sich ihren Zweifeln stellt!

Veröffentlicht am 25.10.2020

Ein Märchen, eine Sage, eine Art literarisches Versprechen

Was der Fluss erzählt
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Der Fluss, um den es hier geht, ist aber nicht aus einem Märchen, sondern es ist die Themse in einem eher ländlichen Gebiet, nämlich zwischen Cricklade und Oxford. Dort betritt an einem Winterabend des ...

Der Fluss, um den es hier geht, ist aber nicht aus einem Märchen, sondern es ist die Themse in einem eher ländlichen Gebiet, nämlich zwischen Cricklade und Oxford. Dort betritt an einem Winterabend des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein Mann mit einem vierjährigen Mädchen auf dem Arm einen Pub. Beide sind verletzt, das Mädchen stirbt - um wieder zum Leben zu erwachen. Ab dann steht es im Zentrum des Interesses der Bewohner - so viele würden es gerne bei sich aufwachsen sehen! Es sind viele Geschichten, die hier zusammengebracht werden, von starken, mutigen, aber auch schwachen und verführbaren Menschen. Sie alle haben mit dem Fluss zu tun - und irgendwo fließen sie dann auch alle zusammen. Ich habe diesen Roman mit großem Vergnügen und noch größerem Genuss gelesen - es ist fast eine Art literarisches Statement zum Leben und zur Gesellschaft und ermuntert die Leser, sich auf schwer bis gar nicht erklärbare Lebenserfahrungen einzulassen und diesen bis zu einem gewissen Grad zu vertrauen.

Diane Setterfield hat mit "Was der Fluss erzählt" einen sehr lebensklugen Roman verfasst, der aus meiner bescheidenen Sicht von

Nach der Lektüre komme ich mir groß und klein gleichermaßen vor - klein, weil sehr deutlich wird, dass jeder Mensch, egal wie viel Macht er ausüben mag, doch nur ein kleines Rädchen im Gefüge der Zeitabläufe der Welt ist und groß, weil ich finde, dass die Autorin ganz klar macht, dass der Wert jeden Lebens davon abhängt, was für Fußabdrücke, welches ideelle Erbe ein jeder von uns auf der Erde hinterlässt.

Ein wahrlich in jeder Hinsicht sagenhafter Roman in einer wundervollen Aufmachung. Man sollte ihn nicht wie einen Fluss an sich vorbeiziehen lassen, sondern unbedingt lesen!