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Veröffentlicht am 03.03.2017

Vera und die Männer

Anfang 40 - Ende offen
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Vera freut sich darauf, an ihrem 46. Geburtstag (also gar nicht so Anfang 40) endlich geschieden zu werden. Sven, ihr Noch-Mann, hat sie mit einer Jüngeren betrogen und will mit dieser Frau neu anfangen. ...

Vera freut sich darauf, an ihrem 46. Geburtstag (also gar nicht so Anfang 40) endlich geschieden zu werden. Sven, ihr Noch-Mann, hat sie mit einer Jüngeren betrogen und will mit dieser Frau neu anfangen. Greta, ihre Tochter, macht gerade Abi und wird flügge. Also der ideale Zeitpunkt, komplett neu anzufangen, zumal ihre Agentur gerade richtig gut läuft und da ein schnuckeliger Typ ist, auf den Vera steht und der sie ordentlich anbaggert. Aber dann läuft es komplett anders – angefangen damit, dass Sven gar nicht erst zum Scheidungstermin kommt und auch eindeutig nicht vorhat, sich scheiden zu lassen …

Vera durchlebt eine ordentliche Midlife-Crisis, mit all den typischen Effekten: Hitzewallungen, Schlafstörungen, hektische Aktivitäten, Stimmungsschwankungen, Überdrehtheit und jeder Menge irrer Ideen. Das wäre noch okay, da Greta ihren eigenen Weg zu gehen weiß und Sven nichts mehr zu melden hat, aber Vera zieht immer wieder ihre Freundinnen und Pavel, den schwulen Wirt von „Müllers Büro“ in ihr Chaos mit hinein. Eine Katastrophe jagt die nächste und beim Lesen wird man ganz atemlos, weil Vera einem keine Sekunde zum Ausschnaufen gibt.

Dennoch mag ich Vera. Sie nervt, sie stresst – aber sie ist okay. Ihre Freundinnen mag ich aber ganz besonders, auch Greta. Ein Mädchen, wie man es sich zur Tochter wünschen würde (auch wenn sie dann im Laufe des Buches sozusagen einen Vera-Fehler macht). Pavel ist mein persönliches Äquivalent zu einem Café-Besitzer früherer Zeiten und so mag ich ihn ganz besonders gern. Und Paul, tja, der ist im Grunde mein Mann! Nur dass ich nicht ganz so anstrengend wie Vera bin.

Es gibt zwischen Vera und mir eine Parallele, die mir bei der Lektüre des Buches besonders Spaß gemacht hat: Paul ist 14 Jahre jünger als Vera. Ja, das verwirrt Frau und das muss sie erst einmal einsortieren und verarbeiten, das ist völlig normal. Dass Vera sich immer wieder im Kreis dreht, nervt gewaltig, ist aber verständlich, wie ich meine.

Leider ist das Buch am Anfang extrem witzig und wird dann etwas ruhiger in dieser Hinsicht, aber amüsant ist es durchweg. Sogar Sven, der in Sachen Nerven Vera in nichts nachsteht, hat seine guten und witzigen Seiten.

Insgesamt liest sich das Buch flott weg. Die Charaktere gefallen mir sehr, denn sie sind alle einzigartig und mit wenigen Strichen gut gezeichnet. An vielen Stellen kann ich Veras Launen tatsächlich nachvollziehen (auch wenn sie nerven) und deshalb denke ich, dass dieses Buch allen Mittvierzigern Mut macht, sich so jung zu fühlen, wie sie sind und nicht in eine Art Schockstarre zu verfallen. Zu schnulzig ist der Roman auch nicht und deshalb kann ich gerne vier Sterne geben.

Veröffentlicht am 20.02.2017

Verlust und Neuanfang

In Liebe, Brooklyn
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Brooklyn trauert seit einem Jahr um ihren Freund Lucca. Dieser ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Sie schreibt ihm täglich Briefe, doch ihre Albträume werden nicht weniger. Luccas Bruder Nico bekämpft ...

Brooklyn trauert seit einem Jahr um ihren Freund Lucca. Dieser ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Sie schreibt ihm täglich Briefe, doch ihre Albträume werden nicht weniger. Luccas Bruder Nico bekämpft seinen Schmerz durch Lauftraining. Als sich Gabe, Luccas bester Freund und der Schuldige am Unfall, mit einer Überdosis das Leben nimmt, wird alles noch schlimmer für beide. Und plötzlich empfängt Nico Nachrichten von Lucca – er soll Brooklyn retten. Nico ist verwirrt, doch irgendwann nimmt er Brooklyn mit zum Laufen. Die beiden spüren, dass sie die gemeinsame Trauer verbindet und sie sich gegenseitig helfen können, doch so ganz mit der Wahrheit herausrücken kann keiner von beiden …

Anna Carlsson und Andreas Fröhlich lesen dieses Hörbuch sehr emotional und einfühlsam. So wird sehr schön transportiert, wie schwer ein solcher Verlust für die Betroffenen ist und wie unterschiedlich damit umgegangen werden kann. Auch, wie schmerzhaft es sein kann, wenn die Trauer sich verändert und dem Leben wieder mehr Raum gibt.

Die beiden Erzählstränge von Brooklyn und Nico werden immer abwechselnd gelesen. So hat man den direkten Vergleich der Gedanken und Gefühle von der Freundin und dem Bruder, der weiblichen Sichtweise und der männlichen. Sehr schön lässt sich erkennen, wie unterschiedlich Menschen allgemein und die Geschlechter im Vergleich sind. Noch dazu in einer Lebensphase, in der man mit dem Tod nicht rechnet. Dazu der zweite Tod, ein Suizid. Das macht die Situation noch spezieller.

Die Kapitel sind kurz und dennoch regen sie zum Nachdenken an und machen betroffen. Es braucht eben nicht immer viele Worte, um zu beschreiben, wie man sich fühlt. Lisa Schroeder hat ihre Figuren mit ganz wenigen Worten sehr stark gezeichnet und die Sprecher füllen diese Figuren sehr treffend aus.

Die Hinweise und Nachrichten, die Nico von Lucca empfängt, wirken zunächst komplett mystisch und unwirklich, doch mit der Zeit fragt man sich, welche unbewussten Handlungen sie in Wahrheit ausgelöst haben, welche Zufälle zusammenspielen und ob das alles nicht logisch erklärbar ist. Doch auch dann: die Story ist wunderschön, wenn auch sehr traurig. Und sie zeigt, dass alles im Leben seine Zeit hat und braucht und dass auch Trauer zum Leben gehört. Doch auch, wenn sie nie ganz vergeht, verändert sie sich stark.

Dieses Jugendbuch hat mich zunächst ein klein wenig erschrocken. Habe ich mich doch gefragt, ob es bei labilen Jugendlichen nicht die falschen Reaktionen auslösen könnte. Doch insgesamt komme ich zu dem Schluss, dass es ein großer Trost ist und sehr schön erklären kann, wozu Eltern und Freunde oft nicht in der Lage sind, denn noch immer ist der Tod ein Tabuthema. Alles in allem möchte ich diesem Hörbuch deshalb vier Sterne geben.

Veröffentlicht am 06.02.2017

Drei Wochen auf einem Dampfer

Katzentisch
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Michael, gerade elf Jahre alt, fährt mit dem Schiff von Ceylon nach Großbritannien zu seiner Mutter. Auf der Reise, die drei lange Wochen dauert, lernt er viele Menschen kennen: Gleichaltrige, aber auch ...

Michael, gerade elf Jahre alt, fährt mit dem Schiff von Ceylon nach Großbritannien zu seiner Mutter. Auf der Reise, die drei lange Wochen dauert, lernt er viele Menschen kennen: Gleichaltrige, aber auch Erwachsene. Einige davon spielen auch in seinem späteren Leben, zu dem immer wieder abgeschweift wird, eine Rolle. Die Reise prägt den Jungen für das ganze Leben.

Michael sitzt am „Katzentisch“, dem unattraktivsten Tisch im Speisesaal, denn er ist kein Gast, der viel Geld bringt, sondern schon eher eine kleine Last. Schon erstaunlich, dass in den Fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts Kinder einfach ohne Begleitung eine solche Strecke allein fahren konnten und durften. Das ist heute unvorstellbar. Die Erlebnisse des Jungen sind nicht alle erfreulich und schön, aber jedes einzelne hat Auswirkungen auf seine weitere Entwicklung und sein späteres Leben. Das weiß er zu dem Zeitpunkt nicht, aber da Michael diese Story aus seiner Erinnerung heraus erzählt, weiß er es inzwischen und lässt es auch immer wieder durchblicken. Die unterschiedlichen Reisebegleiter, allesamt auf ihre Weise besonders, bringen die drei Kinder auf immer neue Ideen, die nicht immer mit den Ge- und Verboten übereinstimmen. So füllen sie die 21 Tage mit Erlebnissen, die andere in einem ganzen Leben nicht sammeln können.

Die vielen Zeitsprünge vor und zurück und die große Zahl an Charakteren machten es mir zwischendurch etwas schwer, der Story zu folgen. Auch kam ich mit einigen Namen nicht so ganz klar. Johannes Steck erzählt (bzw. liest) das Buch sehr passend in einem ruhigen, nachdenklichen Ton. Diese Stimme ist super angenehm – aber sie verleitet auch zum Abdriften mit den Gedanken.

Wirklich spannend ist das Hörbuch nicht, doch lauscht man dem Erzähler dennoch immer weiter. So ähnlich, wie man als Kind gern etwas vorgelesen bekam und sich dabei wohl, sicher und gut aufgehoben fühlte. Der Katzentisch wird zum interessantesten Platz auf dem Schiff. Als Zuhörer mag man von den „besseren“ Leuten gar nicht so viel wissen, da sie schnell verblassen im Vergleich mit der illustren Gesellschaft an diesem abseits stehenden Tisch.

Die Abgeschlossenheit auf diesem Dampfer lässt die Ereignisse ganz anders auf die Personen wirken, besonders auf die Kinder, als es in einer Stadt gewesen wäre. Es gibt keine Möglichkeit, den Geschehnissen aus dem Weg zu gehen. Und auch in drei Wochen Fahrt kann niemand alle Geheimnisse dieser in sich geschlossenen Welt ganz enträtseln. Die Verbindungen, die teils über viele Jahre bestehen bleiben, haben ihren ganz eigenen Zauber und Reiz.

Wer sich auf das Hörbuch einlässt und sich voll und ganz konzentriert, hat viel Freude damit. Insgesamt kann ich vier Sterne dafür geben.

Veröffentlicht am 22.01.2017

Große Auswahl, keine Schnörkel

Simple
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Unterteilt ist dieses unfassbar schöne Kochbuch in die Kapitel Eier, Salate, Toast, Hülsenfrüchte, Pasta & Getreide, Fisch, Ofengerichte, Koteletts & Würste, Hähnchen, Gemüse, Fruchtige Desserts und Andere ...

Unterteilt ist dieses unfassbar schöne Kochbuch in die Kapitel Eier, Salate, Toast, Hülsenfrüchte, Pasta & Getreide, Fisch, Ofengerichte, Koteletts & Würste, Hähnchen, Gemüse, Fruchtige Desserts und Andere Süßspeisen. Für die ausgefallenen Zutaten, die teils in den Rezepten verwendet werden, hat Diana Henry teils Ersatzprodukte vorgeschlagen. Einen Link zu einem Onlinehändler findet sich am Ende des Buches unter „Einkaufsleitfaden“ ebenfalls. Da die Autorin Engländerin ist, wird hier typisch britisch gekocht und gewürzt. Das Register für die Rezepte ist meiner Meinung nach in einer extrem kleinen Schrift gehalten. Das macht das Finden nicht gerade leicht.

Die Fotos zu den Gerichten sind in ihrer Schlichtheit umwerfend schön. Auch wird nicht übermäßig viel Wert auf verspieltes Anrichten gelegt. Schlicht und einfach und dennoch optisch ansprechend – so wie man das wohl zu Hause meist auch macht. Nur wenige Gerichte sind ohne Abbildung, dennoch finde ich es schade, dass hier auf die Fotos verzichtet wurde.

Zu jedem Gericht gibt es immer noch ein paar erklärende Zeilen, bevor die Zutatenliste und die Zubereitungsanleitung folgen. Die Auswahl an Rezepten ist enorm. Hier kann man stundenlang Anregungen finden und wirklich für jeden Anlass das passende Gericht finden. Durch die Aufteilung (siehe oben) lässt sich gezielt suchen – vorausgesetzt man hat eine grobe Ahnung davon, was man verarbeiten möchte.

Auf den ersten Blick sind alle Gerichte fremdartig und komplex, doch stellt man schnell fest, dass sie im Grunde wirklich einfach zuzubereiten sind. Durch die eine oder andere Zutat oder auch Kombination bekommen sie diesen exotischen, außergewöhnlichen Touch. Doch kompliziert sind sie tatsächlich nicht. Dafür aber wirklich außergewöhnlich und überraschend. Sie sind meist für 4 oder 6 Personen gemacht, sodass man leicht hoch- beziehungsweise herunterrechnen kann.

Vermutlich wird es niemand schaffen, alle diese Rezepte ins eigene Repertoire aufzunehmen, doch finden sich bestimmt neue Lieblingsrezepte und solche, die immer mal wieder für besondere Anlässe nachgekocht werden.

Mich erinnern die Rezepte von Diana Henry an eine Mischung aus denen von Jamie Oliver und Nigella Lawson. Sie gefallen mir sehr gut. Die Schrift dürfte auch bei den Rezepten ein wenig größer sein, um sie gut lesen zu können. Insgesamt ist SIMPLE für mich ein außergewöhnliches Kochbuch in meiner Sammlung, dem ich vier Sterne geben möchte.

Veröffentlicht am 10.01.2017

Outdoor-Bibel

The Great Outdoors
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Für echte Camper und Outdoorfans ist dieses Buch einfach genial. Es finden sich nützliche Ratschläge für die Must-Haves, Rezepte für Vorbereitungen, (Check-)Listen, Informationen und Rezepte für Draußen ...

Für echte Camper und Outdoorfans ist dieses Buch einfach genial. Es finden sich nützliche Ratschläge für die Must-Haves, Rezepte für Vorbereitungen, (Check-)Listen, Informationen und Rezepte für Draußen – alles mit herrlichen Fotos (auch von Landschaften, nicht nur vom Essen!).

Immer wieder sind Kapitel eingefügt, in denen Markus Sämmer von seinen Reisen erzählt. Das macht natürlich umso mehr Lust auf eigene Expeditionen. Informationen über Outdoor-Sportarten finden sich auch.

Je besser man ausgerüstet ist, desto leckerer kann man sich unterwegs versorgen: viele der Rezepte basieren auf der Annahme, dass man mit einem gut ausgerüsteten Wohnmobil/Campingbus unterwegs ist, in dem man die erforderlichen Zutaten gut unterbringen kann. Für die Rucksacktour sind ebenfalls Rezepte vorhanden, doch deutlich weniger.

Sogar einen Zwiebelschneid-Kurs findet man im Buch! Das fand ich besonders lustig, denn meiner Meinung nach braucht man für die Rezepte schon wenigstens Grundkenntnisse des Kochens als Voraussetzung, zumal auch einige weniger alltägliche Zutaten verwendet werden. Ähnlich ist es mit den Tipps fürs Feuermachen. Ich denke, Profis kommen sich hier veralbert vor, totale Anfänger finden zu viele Infos für Fortgeschrittene.

Die meisten der Rezepte eignen sich auch für zu Hause, für urige Gartenfeste, zum Grillen dazu, als kulinarische Erinnerung an die letzte Tour usw. Erklärt und beschrieben sind die Rezepte gut und übersichtlich, die Schrift könnte oft allerdings etwas größer sein. Es werden viele Anglizismen verwendet, wie schon der Titel anzeigt. Daran darf man sich also nicht stören.

Besonders witzig und nützlich ist das herausnehmbare kleine Rezeptbüchlein auf der Rückseite des Buches. Schade ist nur, dass man es dann schlecht wieder hineinheften kann. Hier wäre ein Gummiband oder eine Kunststofftasche hilfreich gewesen. So hat man die wichtigsten Rezepte unterwegs dabei, ohne den dicken Wälzer mitschleppen zu müssen.

Das Buch ist insgesamt ein dicker Wälzer, in den man sich tief hineinlesen kann, da es nicht „nur“ Rezepte gibt. Leider wurde zu sehr versucht, es für alle – Anfänger wie Profis – recht zu machen. Das klappt so leider nicht ganz, wie bereits erwähnt. Dennoch macht das Buch Spaß. Von mir gibt es deshalb vier Sterne.