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Veröffentlicht am 11.03.2021

Tierische Untiefen

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Was unterscheidet den Menschen von seinem nächsten Verwandten, dem Menschenaffen oder wie groß ist die evolutionäre Lücke zwischen beiden überhaupt?

T.C. Boyle nähert sich in seinem neuesten Buch dieser ...

Was unterscheidet den Menschen von seinem nächsten Verwandten, dem Menschenaffen oder wie groß ist die evolutionäre Lücke zwischen beiden überhaupt?

T.C. Boyle nähert sich in seinem neuesten Buch dieser Fragestellung, indem er die Geschichte von Guy, Aimee und vor allem Sam erzählt. Sam ist ein Schimpanse, der von Professor Guy Schermerhorn und seinem Team von Assistenten wie ein Menschenkind aufgezogen wird, um zu beobachten, ob dieser in der so gestalteten Umgebung ein eigenes Bewusstsein entwickeln kann- so zumindest die Vorgabe, die der jungen Studentin Aimee dargelegt wird, als sie sich diesem Forschungsteam anschließt. Aimee entwickelt schnell eine enge Beziehung zu ihrem Schützling und damit fangen die Probleme an, unkontrollierbar zu werden.

Der Roman krankt für mich an mehreren Stellen: zum einen ist der Erzählfluss ermüdend langsam, gleichzeitig bekommt man zu wenig spannungsfördernde Elemente vorgesetzt. Obwohl die gesellschaftskritische Intention offensichtlich ist, fehlt es mir, dass die unterschwellige Kritik auch mal ausgesprochen wird.

Der Leser kann sich seine eigenen Gedanken machen, ein Urteil über die Forschungsmethoden der Wissenschaftler und die ungesunde Beziehung der jungen Frau zu ihrem Pflegling bilden. Am Ende steht er aber etwas allein gelassen da: Was wollte der Autor denn nun ausdrücken?

Dass der Mensch sich zu sehr als Herr über Leben und Entwicklung von Tieren aufschwingt? Das sollte uns allen mittlerweile bewusst sein.
Dass Tierversuche moralisch bedenklich sind und wir uns endlich konsequent um humane Alternativen kümmern sollten (wobei das Wort "human" in diesem Zusammenhang reichlich zynisch erscheint)? Auch diese Intention hätte deutlicher ausgedrückt werden können.

Es sind einfach zu viele Themenfelder, die hier angeschnitten werden. Nur eines haben sie gemeinsam: der Mensch sollte schnellstens seine Überlegenheitshaltung ablegen und ein wenig Demut vor der Natur lernen, ohne sie dabei vermenschlichen zu wollen.

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Veröffentlicht am 11.03.2021

Spannend bebilderte Idee

Von riesengroß bis klitzeklein
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Als Bilderbuch funktioniert diese Idee auf jeden Fall: Auf jeder Doppelseite ist in wunderschönen, kindgerechten Illustrationen ein Bildausschnitt zu sehen, der sich in kleinerem oder größerem Format in ...

Als Bilderbuch funktioniert diese Idee auf jeden Fall: Auf jeder Doppelseite ist in wunderschönen, kindgerechten Illustrationen ein Bildausschnitt zu sehen, der sich in kleinerem oder größerem Format in der nächsten Bildfolge wiederfindet.

So haben die kleinen und großen Leser viel zu gucken und zu entdecken. Nicht zuletzt die spärlich eingebauten Textbausteine deuten aber darauf hin, dass die Autorinnen mit diesem Buch auch einen tieferen Sinn bezwecken. Sie möchten auf die verschiedenen Umwelt- und Klimaprobleme unseres Planeten aufmerksam machen.

Für kleine Leser reichen aber die kurzen Textschnipsel meiner Meinung nach aber bei weitem nicht aus, um zum Nachdenken oder überhaupt Verstehen zu führen.

Als Vorlesebuch regt es aber dazu an, gemeinsam mit den Eltern über diese Themen zu sprechen und die Kinder damit langsam heranzuführen. Das setzt natürlich voraus, dass sich die Erwachsenen bereits damit beschäftigt haben. Für wirkliche Aufklärung reichen die Erläuterungen des Buches einfach nicht aus.

Fazit:
Sanfte Einführung in das Thema Naturschutz auf wunderschön illustrierte Weise.

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Veröffentlicht am 14.01.2021

Abenteuer Seefahrt

The Great Escape
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Der Beruf des Seefahrers wirkt auf viele Leute mysteriös, verlockend und wird aufgrund dessen wahrscheinlich in den meisten Fällen stark romantisiert dargestellt.

Julia Dellith, deren Vater selbst zur ...

Der Beruf des Seefahrers wirkt auf viele Leute mysteriös, verlockend und wird aufgrund dessen wahrscheinlich in den meisten Fällen stark romantisiert dargestellt.

Julia Dellith, deren Vater selbst zur See gefahren ist, hat die Fotografien seiner Berufsgenossen gesammelt und in diesem Bildband zusammengefasst. Die Bilder sprechen eine klare Sprache von einem harten Knochenjob, der mitunter lebensgefährlich sein konnte, gleichzeitig aber auch von ruhigen Tagen auf See, die sie sich mit der Fotografie interessant gestaltet haben, und vor allem von fernen, exotischen Reisezielen, die für die normale Bevölkerung (gerade in den Nachkriegsjahren zwischen 1950 und 1970) unerreichbar waren.

Allein der Aufbau des Buches lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Nicht nur, dass das Format gerne hätte größer ausfallen dürfen, um den Fotos noch mehr Raum zur Entfaltung zu bieten. Auch die Bildunterschirften hätten für mein Empfinden gerne den eigenen Bildern zugeordnet werden dürfen, statt sie am Ende des Buches als Glossar zusammenzufassen. Das ständige Blättern nach der jeweiligen Erläuterung hat den Lesefluss und vor allem das Einfühlen in die durch das Buch geschaffene Atmosphäre erheblich gestört.

Die Abbildungen sind in verschiedene Kapitel untergliedert, den jeweiligen Kontinenten zugeordnet. Auch hier hätte ich kurze Einleitungstexte gut gefunden, die den Übergang bzw die Unterteilung verdeutlichen und den Grund für diese erklären würden.

So findet sich der einzige Langtext des ganzen Buches scheinbar wahllos eingefügt im letzten Drittel, eingerahmt von zwei Bildabschnitten. Fraglos ist er über die Maßen informativ und bietet einen wirklich faszinierenden Einblick in die Welt der Seefahrt, ebenso wie in die der Fotografie. Er hätte aber auch gerne ausführlicher ausfallen dürfen. Posotiv sollte aber auf jeden Fall angemerkt werden, dass er zweisprachig verfasst ist, genauso wie alle Texte dieses Buches. Den Grund dafür erfährt man wiederum leider nicht.

Letztendlich bietet dieses Buch einen einmaligen Einlick in einen verolren gegangenen Berufszweig, allerdings auch nicht mehr. Möchte man mehr Details erfahren, muss man sich mit Sekundärliteratur behelfen oder Zeitzeugen kontaktieren (dank des Fotografen-Registers möglich).

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Veröffentlicht am 14.01.2021

Hinter königlichen Gardinen

Teatime mit Lilibet
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Dass die Kinder einer Königsfamilie nicht wie normaler Nachwuchs aufwachsen, war mir ja schon immer klar. Und doch habe ich mich immer wieder, wenn die Queen in den Nachrichten auftauchte, gefragt, wie ...

Dass die Kinder einer Königsfamilie nicht wie normaler Nachwuchs aufwachsen, war mir ja schon immer klar. Und doch habe ich mich immer wieder, wenn die Queen in den Nachrichten auftauchte, gefragt, wie wohl ihre Kindheit war.

Darüber gibt nun dieses Buch einen kleinen (fiktiven) Einblick: aus der Sicht der schottischen, mit großen Idealen ausgestatteten, jungen Lehrerin Marion Crawford wird hhier das Aufwachsen der kleinen Elizabeth und Margaret inmitten politischer und wirtschaftlicher Unruhen und Umbrüche erzählt bis zur Hochzeit der Thronanwärterin.

Dass die geschilderten Ereignisse nicht zu hundert Prozent für bare Münze genommen werden sollten, erklärt sowohl der Klappentext als auch das Nachwort der Autorin. Und doch zeichnet Wendy Holden ein Bild sowohl von der royalen Familie als auch ihren Bediensteten, die beide Fraktionen in einem nicht immer schmeichelhaften Licht dastehen lassen.

Die königliche Familie (und dabei vor allem die spätere Queen Mum) erscheinen oft egozentrisch, unachtsam der von ihnen abhängigen Angestellten und vor allem unerschütterlich in einmal gefassten Urteilen. Damit unterstreichen sie das Bild, das ich mir bereits vor der Lektüre dieses Buches dank Fernsehauftritten und der allgemeinen Berichterstattung gemacht hatte. Die Engländer verzeihen Fehltritte nicht und urteilen schnell und heftig.

Doch auch die erzählende Hauptfigur weist starke Schwächen auf. Wird sie anfangs noch als willensstarke, kluge Frau mit Prinzipien dargestellt, die eher bettelarme Kinder in den Slums unterrichten möchte als die übermäßig privilegierten Abkömmlinge von reichen Adligen zu betreuen, so zeigt sie doch immer wieder eine erschreckende Naivität dem anderen Geschlecht genauso wie eine ungesunde Hörigkeit ihrem arbeitgeber gegenüber.

Zudem verliert sich die Erzählung immer wieder in ermüdendenden Längen und beweist einen teils unnötigen Detailreichtum. Vieles ist für die eigentliche Handlung ebenso unnötig wie dafür, ein aufschlussreiches Bild über die zwei Prinzessinnen zu zeichnen.

Alles in allem ist es trotzdem für Neulinge auf dem Gebiet Ihrer Royal Highness Queen Elizabeth II. (wie mich) eine interessante und aufschlussreiche Lektüre. Wieviel davon wirklich passiert ist, wissen wohl nur die königliche Familie und Marion Crawford- letztere wird es nur leider nicht mehr erzählen können, da sie 1988 verstorben ist.

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Veröffentlicht am 19.11.2020

Ein Reiseführer für Deutschland

HOLIDAY Reisebuch: Wo Deutschland am schönsten ist
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Klassische Reiseführer konzentrieren sich normalerweise auf einzelne Städte oder Landstriche. Dieser hier hat die schönsten Sehenswürdigkeiten ganz Deutschlands zusammengefasst.

Dabei beinhaltet es 16 ...

Klassische Reiseführer konzentrieren sich normalerweise auf einzelne Städte oder Landstriche. Dieser hier hat die schönsten Sehenswürdigkeiten ganz Deutschlands zusammengefasst.

Dabei beinhaltet es 16 Kapitel, eines für jedes Bundesland. Ansonsten zeigt es die klassische EInteilung gängiger Reiseführer. Für jedes Bundesland werden Sehenswürdigkeiten nach verschiedenen Themenpunkten wie Museen, Hotels, Restaurants, etc aufgeführt und sowohl mit Bild als auch Kurztext vorgestellt.

Das Ebook bietet den Vorteil, dass zu jedem Sightseeingpoint ein Hyperlink angeboten wird, der eine virtuelle Karte öffnet.

Kleine Schwachpunkte sehe ich allerdings in der Auswahl der Tipps: Obwohl ich auf Geheimtipps oder doch wenigstens auf etwas abseits der gängigen Touristenhochburgen konzentriert sich das Buch doch auf diese. Betrachtet man das Kapitel Thüringen näher, so findet man vor allem Sehenswertes in Erfurt, Weimar und Jena. Dabei findet man gerade im Thüringer Wald und auch im Thüringer Becken wesentlich sehenswertere Perlen, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Insgesamt bietet das Buch einen netten ersten Einblick, um eine Region kennenzulernen. Hat man allerdings Interesse an einem bestimmten Landstrich gefunden, sollte man zusätzliche Quellen für bessere Geheimtipps zu Rate ziehen.

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