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Veröffentlicht am 06.12.2020

Gelungener Auftakt

Der Schlüssel der Magie - Die Diebin
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Die Stadt Tevanne wird von vier mächtigen Handelshäusern regiert. Für die ärmeren Menschen der Stadt hingegen ist es ein täglicher Kampf ums Überleben. Die junge Sancia verdient sich ihren Unterhalt indem ...

Die Stadt Tevanne wird von vier mächtigen Handelshäusern regiert. Für die ärmeren Menschen der Stadt hingegen ist es ein täglicher Kampf ums Überleben. Die junge Sancia verdient sich ihren Unterhalt indem sie stiehlt und darin ist sie wirklich gut. Bei einem Auftrag soll sie ein Kästchen stehlen, was ihr zwar gelingt, doch danach ist nichts mehr, wie es war. In dem Kästchen liegt ein Schlüssel und dieser ist etwas ganz besonderes. Als Sancia den Schlüssel an ihren Auftraggeber überreichen will, findet sie diesen ermordet vor und schnell muss sie feststellen, dass viele den Schlüssel begehren.
Meine Meinung
Cover und Klappentext sprachen mich gleich an und ich wurde neugierig auf dieses Buch. Der Einstieg in die Story braucht ein wenig Zeit, denn der Autor wirft den Leser geradezu mitten in die Handlung. Was hier um die Protagonistin herum passiert und wie die Welt aufgebaut ist, ergibt sich dann aber so nach und nach und schon nach kurzer Zeit wurde ich von der Geschichte gefesselt.
Robert Jackson Bennett schreibt sehr bildlich und lebendig und die Welt rund um Tevanne wurde dadurch schnell vorstellbar. In dieser Welt regieren vier mächtige Handelshäuser, während die Menschen drumherum ums Überleben kämpfen. Als Leser bekommt man ein lebendiges Bild der Welt und geht hier regelrecht mit auf die Reise.
Auch die Spannung ist von Anfang an gegeben, auch wenn ich mich zunächst ein wenig in der aussergewöhnlichen Welt zurechtfinden musste. Mit vielen neuen und auch überzeugenden Idee hat die Geschichte eine ganz eigene Magie. Gegenstände werden mit Sigillen beschriftet, die dadurch eine Art Eigenleben entwickeln. Doch dieses beschriften können nur noch wenige Menschen, die sich Hypatus nennen. Ich will an dieser Stelle gar nicht zuviel verraten, denn Robert Jackson Bennett hat hier einfach unheimlich viele Ideen umgesetzt, die das Buch zu etwas besonderem werden lassen. Ich war auf jeden Fall absolut gefesselt, musste aber doch recht aufmerksam bleiben, um nicht wichtige Erklärungen, die beiläufig einfließen, zu verpassen.
Aus unterschiedlichen Perspektiven beobachtet der Leser die Ereignisse. Dabei stehen hier die Diebin Sancia, der Hauptmann Gregor Dandolo und der Hypatus Orso im Mittelpunkt.
Diese so unterschiedlichen Charaktere treffen aufeinander. Vor allem aber Diebin Sancia ist mir schnell ans Herz gewachsen und mit ihrem ungewöhnlichen Schlüssel Clef wurde die Geschichte erst richtig lebendig. Sancia sollte einst skribiert werden, doch ihr gelang die Flucht, doch sie hat ungewöhnliche Talente, die ihr auf ihren Diebeszügen helfen. Clef, den sie bei einem Auftrag entwendet, ist ein Schlüssel, der nicht nur alle Türen öffnen, sondern auch kommunizieren kann und damit brachte er mich mehr als einmal zum Schmunzeln. Auch sonst ist Sancia keine 0815 Protagonistin, sie wirkt durch und durch authentisch und ich habe mit ihr absolut mitfiebern können.
Auch sonst haben mir die Charaktere und deren Entwicklungen und Verstrickungen und Beziehungen untereinander unheimlich gut gefallen und gemeinsam machen sie dieses eh schon aussergewöhnliche Buch zu etwas Besonderem.
Mein Fazit
Ich könnte hier seitenweise über dieses richtig geniale, durchdachte Buch schreiben, würde aber damit einfach viel zu viel vorwegnehmen. Mit vielen, teils neuen Ideen schafft Robert Jackson hier eine magische Welt mit einer Mischung aus Fantasy und Steampunk und so ungewöhnlich wie die Welt ist, sind auch die Charaktere. Vor allem Sancia, aber auch Clef, haben es mir hier angetan und ich freue mich jetzt schon unheimlich auf die Fortsetzung. Wer ungewöhnliche Geschichten mit frischen Ideen mag, sollte hier zugreifen.

Veröffentlicht am 01.12.2020

Rasanter zweiter Band

Planspiel Beta-Atlantis
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Achtung: Band 2 einer Trilogie – inhaltliche Spoiler zu Band 1 können vorhanden sein.

Nur knapp ist Captain Skye Collins den Plänen des Generals entkommen, kurzerhand beschließt er, dass er uns seine ...

Achtung: Band 2 einer Trilogie – inhaltliche Spoiler zu Band 1 können vorhanden sein.

Nur knapp ist Captain Skye Collins den Plänen des Generals entkommen, kurzerhand beschließt er, dass er uns seine Crew nun als Freibeuter die Meere und sucht nach Juniya. Diese ist ebenfalls nur knapp entkommen und wurde von Captain Cliff Parker, der Sohn eines der Spielführer des Planspiels, aus dem Meer gerettet. Doch für Juniya ist das vom Regen in die Traufe kommen, denn Cliff leidet unter Liebeskummer bezüglich des Verrats durch Ambiela. Auch für die Bewohner, den Ichtyos, des Planten Beta Atlantis spitzt sich die Lage immer mehr zu, denn die Stürme, die ihre Städte nahezu verwüsten, bringen die Bewohner in Gefahr.
Meine Meinung

Schon der erste Band der Beta Atlantis Reihe aus der Feder von Autorin Hedy Loewe hat mir unheimlich gut gefallen, denn die Autorin schafft hier eine ganz besondere Welt mit ganz besonderen Charakteren. Dementsprechend habe ich mich gefreut, dass es nun endlich weitergeht mit dieser besonderen Geschichte.
Die Cover sind absolut großartig gestaltet und passen nicht nur optisch perfekt zueinander, sondern auch zum Inhalt der Reihe.
Dadurch, dass die Geschichte rund um das Planspiel, das eine handvoll Menschen auf dem Planeten der Ichtyos durchführen, absolut komplex ist, sollte man unbedingt die Reihenfolge der Bücher einhalten, da man ansonsten inhaltlich Probleme bekommen könnte.
Ich kam hier allerdings wieder recht schnell in die Geschichte, denn Hedy Loewe schreibt absolut fesselnd und bildlich und ich konnte mir wieder einmal richtig gut die Welt und die Ereignisse darin vorstellen.
Beta Atlantis ist eine Wasserwelt mit verschiedenen Inseln, die Ichtyos, ein Volk, das auch unter Wasser lebt, scheint ein friedliches Volk zu sein. Doch hier werden sie förmlich von den Menschen und ihrem Rollenspiel überrannt. Mir kam es in diesem zweiten Band so vor, als würden die Teilnehmer des LARP nun so richtig in ihre Rollen aufgehen und eine Grenze zwischen Realität und Spiel verwischt immer mehr. Das Feeling beim Lesen hatte etwas von einem Piratenabenteuer aus längst vergangenen Tage, doch dabei muss man immer wieder im Hinterkopf behalten, dass die Welt, aus der die Menschen stammen, schon wesentlich weiter entwickelt ist, als bisher.
Im zweiten Teil geht es richtig spannend weiter und immer wieder warteten neue Überraschungen auf mich. Nachdem ich einmal so richtig in der Geschichte angekommen bin, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es an einem Abend in einem Rutsch verschlungen.
Erzählt wird das Geschehen wieder aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man als Leser einen riesigen Rundumblick erhält. Im Mittelpunkt steht aber weiterhin Juniya, wobei auch Captain Cliff Parker, Ambiela und auch die Ichtyos wesentliche Rollen spielen. Captain Skye bleibt in diesem Band ein wenig im Hintergrund, doch auch an dieser Stelle warten so einige Überraschungen auf den Leser, die sich wohl im dritten Band so richtig entladen werden.
Die Charaktere sind absolut durchdacht und sehr lebendig geschildert. Vor allem Juniya ist mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen und ihr Auftreten, auch in Gefahrensituationen, konnte mich absolut überzeugen. Hier auf jeden einzelnen der Charaktere einzugehen, würde den Rahmen sprengen, allerdings wird immer mehr spürbar, wie sich die Spannung beim Volk der Ichtyos aufbaut und wie überheblich wieder einmal die Menschen sind, die scheinbar nicht merken, was um sie herum geschieht. Wir treffen auf Intrigen, Kämpfe, Seeschlachten, aber auch auf Liebe an Orten, wo man sie nicht gleich erwartet hätte.
Mein Fazit

Wer Fantasygeschichten mit neuen, frischen Ideen sucht und dabei noch ganz viel Spannung mag, sollte einmal Planspiel Beta Atlantis anschauen. Hedy Loewe schafft es nicht nur, ihre Leser mitten ins Geschehen zu setzen, sondern verleiht auch ihren Charakteren so viel Leben, dass man direkt mit ihnen mitfühlen kann. Beim Lesen fühlte ich mich wie in eine andere Welt versetzt, aus der ich nach dem Beenden wieder auftauchen musste. Von mir bekommt auch Band 2 eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 29.11.2020

Was ist wirklich wahr?

Pepper-Man
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Als eines Tages Autorin Cassandra Tipp im Alter von 74 Jahren spurlos verschwindet, gibt sie allen ein Rätsel auf. Schon immer galt sie als eigentümlich und vor vielen Jahren stand sie sogar unter Verdacht, ...

Als eines Tages Autorin Cassandra Tipp im Alter von 74 Jahren spurlos verschwindet, gibt sie allen ein Rätsel auf. Schon immer galt sie als eigentümlich und vor vielen Jahren stand sie sogar unter Verdacht, ihren Mann Tommy getötet zu haben. Als ihre Nichte und ihr Neffe ein Jahr nach ihrem Verschwinden in ihrem Haus ankommen, entdecken sie ein Buch der Autorin. In diesem erzählt sie von ihrer Kindheit und wie sie aufwuchs und sie erzählt von Pepper-Man, einem düsteren Feen-Mann, der sie von frühester Kindheit an begleitet hat.
Meine Meinung
Wieder einmal hat mich ein Cover magisch angezogen, denn dieses hier wirkt absolut finster und auch ein wenig unheimlich. Nach dem Beenden des Buches sehe ich es allerdings mit anderen Augen und empfinde es als sehr passend zum Inhalt.
Der Einstieg fällt relativ leicht, denn die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil eine ganz bestimmte Atmosphäre zu schaffen, die einen direkt in die Geschichte zieht. Dabei beschreibt sie recht bildhaft, so dass man eine gute Vorstellung von den Charakteren, aber auch von der Umgebung und der Handlung erhält.
Doch auch wenn die Geschichte eine düstere, aber fantasievolle Grundstimmung hat, merkt man schnell, dass da noch so einiges im Verborgenen liegt. Viele Ereignisse der Realität werden nur angedeutet oder stehen regelrecht zwischen den Zeilen und am Ende war ich mir nicht sicher, ob all das Gelesene der Wahrheit entspricht oder auf Grund der dramatischen Ereignisse im Leben der Protagonistin allein in ihrer Vorstellung existiert.
Die Geschichte rund um den finsteren Feenmann Pepper-Man ist auf einer Weise unheimlich und doch konnte sie mich berühren. Ich war hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Mitleid mit der zunächst noch sehr jungen Protagonistin. Das gesamte Ausmaß ihrer Erlebnisse kommen hier erst nach und nach zum Vorschein. All das hat mich immer wieder überraschen, aber auch verblüffen können und dadurch entstand ein regelrechter Sog in die Geschichte, die ich in einem Rutsch gelesen habe.
Erzählt wird das Buch durch die Protagonistin Cassandra; Cassie, Tipp, die sich mit ihrem letzten Buch (sie ist Autorin) direkt an ihre Nichte und ihren Neffen wendet. Sie schildert ihr Leben und warum man sie für so eigenartig hielt.
Cassie ist eine Protagonistin, die mich auf ihre Art und Weise berührt hat und mit der ich im Laufe ihrer Geschichte nicht nur Mitgefühl, sondern auch Mitleid hatte. Auch jetzt nach dem Ende kann ich nicht sagen, was es wirklich mit ihren Erlebnissen auf sich hatte. Stimmt das, was ihr Psychiater einst in einem Buch über sie veröffentlicht hat oder gibt es für Cassie tatsächlich diese Feenwelt? Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass mir eine Gestalt wie der Pepper-Man, wirklich Angst gemacht hätte.
Mein Fazit
Letzten Endes hat mich diese ungewöhnliche Geschichte absolut fasziniert und nachdenklich gestimmt. Mir fällt es hier unheimlich schwer, passende Worte zu finden, ohne zu spoilern. Definitiv ist es anders als ich zunächst erwartet habe, was es allerdings nicht schlechter werden lässt. Ich bleibe nach wie vor nachdenklich und meine rationale Seite greift die Geschichte ganz anders als die Seite, die Märchen und Fantasy lebt. So bleibt dieses Buch eine ungewöhnliche Lektüre, die man auf jede Art auffassen kann und bekommt von mir eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 26.11.2020

Würdiger Abschluss

Der Herrscher des Waldes
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Achtung, Band 3 einer Trilogie – inhaltliche Spoiler können vorhanden sein.

Mirage ist wieder zurück in Svonnheim, doch hier herrschen nach wie vor Angst und Schrecken. Der Koschtschei, ein fürchterliches ...

Achtung, Band 3 einer Trilogie – inhaltliche Spoiler können vorhanden sein.

Mirage ist wieder zurück in Svonnheim, doch hier herrschen nach wie vor Angst und Schrecken. Der Koschtschei, ein fürchterliches Monstrum, bringt weiterhin die Toten dazu, wiederaufzuerstehen. Mirage wendet sich an den neuen Sergent in Svonnheim, Rougeoyer, doch bevor sie handeln können, kehrt auch Zejn wieder zurück nach Svonnheim. Gemeinsam machen sie sich nun auf die Suche nach dem Ursprung des Koschtschei und wie man diesen vernichten kann.
Meine Meinung
Nachdem ich bereits die beiden ersten Bände der herrlich düsteren Fantasygeschichte verschlungen hatte, musste ich natürlich auch wissen, wie dieser letzte Band enden wird. Optisch passen die Bücher hervorragend zusammen und gerade wenn man hier dann genauer hinschaut, sieht man, welches Wesen sich da wirklich auf dem Cover verbirgt (auf den ersten Blick hatte ich noch einen Hirsch gesehen).
Die Geschichte knüpft wieder an die Vorgänger an und da diese Bände aufeinander aufbauen, sollten die ersten Teile bekannt sein. Zum einen ist die gesamte Entwicklung sonst nicht zu durchschauen, zum anderen ist auch die Entwicklung der Charaktere äußerst spannend.
Wie schon zuvor schafft es Autorin Katharina von Haderer ein spannendes, aber auch düsteres und brutales Kopfkino zu erzeugen. Definitiv ist diese Reihe nichts für die zartbesaiteten Leser, denn es geht hier durchaus auch mal brutal vor. Trotzdem oder gerade deswegen ist diese Dark Fantasy Trilogie aber auch etwas besonderes, denn hier kann ich getrost sagen, noch nichts Vergleichbares zu kennen.
Auch Spannung und Action, vor allem im ersten Teil des Buches, kommen hier nicht zu kurz. Es wird wieder integriert, gekämpft und alles, was bisher noch offen blieb, bekommt hier eine gelungene Auflösung.
Die Atmosphäre der Geschichte lässt den Leser frösteln oder besser erschauern. Diese finstere, morastige Landschaft und die düsteren Wälder rund um Svonnheim wurden in meinem Kopf so lebendig, dass ich direkt mit dabei war.
Wieder erlebt der Leser das Geschehen aus den Sichten Mirages und Zejns, wobei man da mittlerweile das Gefühl hat, alte Bekannte wiederzutreffen.
Die Entwicklung, die die beiden hier von Beginn bis zum Ende gemacht haben, fand ich absolut gelungen. Mirage, aber auch Zejn, sind mir beide absolut ans Herz gewachsen. Aus der eher menschenscheuen Mirage, die lieber allein in ihrer Hütte blieb, ist nun, zumindest dem ein oder anderen Menschen gegenüber, deutlich offener geworden. Trotzdem vertraut sie nicht blind und wägt ihre Taten meist ab. Aus dem durch und durch regimenttreuen Zejn ist ebenfalls ein wesentlich offenerer Mensch geworden, der nun auch mal eher aus dem Bauch und nicht nur nach Vorschrift handelt. Für mich ein riesiger Pluspunkt, da man hier die Veränderungen erst so nach und nach miterlebt und diese dadurch absolut glaubwürdig wurden.
Selbstverständlich gibt es hier eine ganze Reihe weiterer Charaktere, die mal mehr, mal weniger wichtig für die Handlung sind und trotzdem immer die nötige Glaubwürdigkeit erhalten haben.
Mein Fazit
Mit schwerem Herzen habe ich Abschied von Mirage und Zejn genommen und auch wenn ich mir das Ende vielleicht etwas anders ausgemalt hatte, so fand ich es doch alles glaubwürdig und schlüssig gelöst. Insgesamt bin ich begeistert von Katharina von Haderers Geschichte, sowohl was die Charaktere, die Spannung aber auch die Atmosphäre betrifft. Ganz großartiges, düsteres Kopfkino und ich hoffe, ganz bald wieder etwas von der Autorin lesen zu dürfen!

Veröffentlicht am 21.11.2020

Wer möchtest du wirklich sein?

Wenn ich die Augen schließe
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Nach einem schweren Autounfall kommt Norah im Krankenhaus wieder zu sich. Zunächst scheint es, dass sie trotz ihrer schweren Verletzung glimpflich davon gekommen ist, denn sie erinnert sich sofort an ihren ...

Nach einem schweren Autounfall kommt Norah im Krankenhaus wieder zu sich. Zunächst scheint es, dass sie trotz ihrer schweren Verletzung glimpflich davon gekommen ist, denn sie erinnert sich sofort an ihren besten Freund Sam. Doch als Sam sie besuchen kommt, wirkt er merkwürdig distanziert. Norah versteht die Welt nicht mehr, denn eigentlich glaubt sie, sich an alles erinnern zu können, doch irgendwie passt ihre Gefühlswelt nicht zu dem Verhalten um sie herum. Sie bittet Sam um Hilfe und gemeinsam beginnen sie, eine Liste zu erstellen und abzuarbeiten, durch die Norah ihren wahren Gefühlen auf die Spur kommen kann.
Meine Meinung
Wow, ich sitze hier vor meiner Rezension und ringe darum, die richtigen Worte zu finden, um dieses so großartige und unheimlich wichtige Buch zu beschreiben, das Ava Reed hier gezaubert hat.
Gleich vom ersten Augenblick an konnte sie mich an ihre Geschichte fesseln. Wir erleben den Einstieg in dem wir Norah kurz vor de Unfall auf eine Party begleiten. Schon da schafft es Ava Reed mich mit ihrem unglaublich weichen und sanften, dabei aber sehr jugendlichen Schreibstil einzufangen und mit auf die Reise zu nehmen. Sie versetzte mich geradezu in die eigene Teenagerzeit und dem, was man selbst erlebt hat. Dabei gibt es hier auf so vielen Seiten Sätze und Gedanken, die es sich lohnen würde, einzeln zu zitieren, doch natürlich möchte ich euch da nichts vorwegnehmen, denn es lohnt sich so sehr, dieses Buch zu lesen.
Ava Reed fesselte mich an ihre Geschichte, dadurch, dass sie ihre Charaktere unheimlich klar gezeichnet hat. Das, was Norah da erlebte, könnte so und zwar genau so, überall und jederzeit passieren. Mobbing und das, was es mit den Menschen macht, wird hier zunächst versteckt, dann immer deutlicher aufgezeigt. Die Gefühle, die man durchlebt, kann man hier am eigenen Leib nachempfinden und man entwickelt ganz viel Verständnis für die Protagonisten. Doch auch Norahs Standpunkt fand ich unheimlich gut aufgezeigt und dargestellt und auch wenn ihr Verhalten zunächst nicht allzu sympathisch wirkte, wurde sie doch zu etwas ganz besonderem.
Ava Reed lässt ihre Protagonisten Norah und Sam abwechselnd in der Ich-Perspektive erzählen. Dadurch kommt man beiden unheimlich nah und das, was sie erlebt haben und auch hier in dieser Geschichte erleben, lässt innehalten und nachdenklich werden. Der Gedanke daran, wer man wirklich sein möchte und als Erwachsener, ob dies einem wirklich gelungen ist, wurde hier absolut präsent. Sind die beliebten Menschen, in diesem Fall die Schüler, wirklich so erstrebenswert, um zu ihnen gehören zu wollen. Was ist oberflächlich? Was ist wirklich wichtig? Und ganz besonders: wie gehe ich mit den Menschen um mich herum um. Ist das alles so richtig, wie ich es mache?
Norah und Sam sind zwei unglaublich tief gezeichnete Charaktere, die nicht nur unheimlich schnell ans Herz wachsen und in die man sich intensiv versetzen kann. Sie waren beste Freunde, doch als Norah es schafft, sich mit dem Mädchen aus der In-Clique anzufreunden, beginnt sie sich zu verändern. Selbst ihren besten Freund Sam schenkt sie keine Beachtung mehr und verhindert auch nicht, dass er in den Fokus der beliebten Schüler gelangt und dadurch so einiges über sich ergehen lassen muss. Erst der Autounfall und dem Verlust ihrer Gefühlswelt lässt Norah innehalten und sich fragen, wer sie ist. Ich konnte Norah absolut verstehen, gerade auch, weil man selbst ähnliches erlebt hat.
Und Sam?! Oh, was habe ich mit ihm mitgefühlt und wie wundervoll ist Sam überhaupt. Gerade durch die Darstellung von Sam und dessen unheimlich lieben, gefühlvollen und empathischen Charakter verliebt man sich beim Lesen geradezu in ihn.
Doch nicht nur die Protagonisten, auch die Familien der beiden haben mir unheimlich gut gefallen und auch Norahs Clique fand ich mit ganz viel Gefühl gezeichnet. Denn Ava Reed zeigt nicht nur die Bosheit der Handlungen, sondern auch, was da wirklich hintersteckt und ja, gerade so ist es ganz oft.
Mein Fazit
Was für eine großartige, gefühlvolle und intensive Geschichte! Ich habe mich hier in der Geschichte wiedergefunden, habe meine eigene Teenagerzeit vor mir gesehen und konnte so unheimlich viel nachempfinden und nachvollziehen. Ava Reed ist es hier zu einhundert Prozent gelungen, zu fesseln und Gefühle zu transportieren. Ich lege diese Geschichte allen Jugendlichen ans Herz, die gerade selbst dabei sind, sich zu fragen, wer sie sind und wer sie sein wollen. Aber auch Erwachsene werden sich hier selbst wiederfinden können und darüber nachdenken, ob es ihnen gelungen ist, der zu sein, der sie werden wollten.