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Veröffentlicht am 27.11.2020

Wahrlich ein ganz besonderes Buch

Der letzte Prinz
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Giuseppe Tomasi lebt mit seiner Frau in Palermo. Er ist der letzte Nachkomme derer von Lampedusa. Sein Haus wurde durch eine Bombe der Amerikaner zerstört und das seiner Frau von den Russen. Und beide ...

Giuseppe Tomasi lebt mit seiner Frau in Palermo. Er ist der letzte Nachkomme derer von Lampedusa. Sein Haus wurde durch eine Bombe der Amerikaner zerstört und das seiner Frau von den Russen. Und beide Vorfälle ereigneten sich im April des Jahres 1943. Jetzt ist bereits das Jahr 1955 weit fortgeschritten und Herr Tomasi schlendert durch seine Heimatstadt. Er will seinen Arzt aufsuchen und hofft, dass er nicht ernsthaft erkrankte. Dass der andauernde Husten kein Indiz für eine schwere Erkrankung ist. Leider erfüllt sich sein Wunsch nicht. Er leidet an einem Lungenemphysem und wir bald sterben. Herr Tomasi ist klug und kann gut formulieren. Er möchte etwas schaffen, was auch nach seinem Tod bestand hat und dazu beiträgt, dass die Menschen sich an ihn erinnern. Er schreibt ein Buch mit dem Titel „Der Leopard“, welches zum Bestseller wird. Das weiß er aber damals noch nicht.

Herr Giuseppe Tomasi war ein italienischer Schriftsteller und dieses Werk war nicht nur sein letztes, es war auch sein einziges. In „Der Leopard“ schildert er die Situation des alten Adels in Italien und auch der Freiheitskämpfer Garibaldi spielt hier eine Rolle. Das Buch zählte schon nach seinem Erscheinen im Jahr 1958 zur Weltliteratur. In „Der letzte Prinz“ beschreibt der Autor Steven Price schnörkellos und bodenständig, wie dieser Weltbestseller entstand. Er zeigt die Stationen des Lebens von Herrn Tomasi. Nicht nur markante Erlebnisse aus Kindheit und Jugend, sondern auch Traumen, die er im Ersten Weltkrieg erlitt, sind Themen des Buches.

Ja und dann richtete sich mein Augenmerk auf das Cover. Es zeigt einen sprungbereiten Leopard und zeichnet sich durch kräftige Farben aus. Ist es einzigartig, oder fulminant? Nein, diese Adjektive werden ihm nicht gerecht. Mir gefiel es sehr gut und es hebt sich wohltuend von dem Einheitsbrei der momentan üblichen Gestaltung der Titelseiten neuerer Romane ab. Fünf Sterne plusplus und eine nachdrückliche Leseempfehlung gibt es von mir für dieses einzigartige Buch „Der letzte Prinz“.

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Veröffentlicht am 26.11.2020

Zu Gast im angeblich langweiligsten Ort der Welt

Millenia Magika – Der Schleier von Arken
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Wie kann jemand nur so leben? Kein Handy, kein Internet und noch nicht einmal ein Shoppingcenter. Nichts dergleichen gibt es in Arken. Und trotzdem muss Adrian sich auf den Weg in dieses Kaff machen. Dort ...

Wie kann jemand nur so leben? Kein Handy, kein Internet und noch nicht einmal ein Shoppingcenter. Nichts dergleichen gibt es in Arken. Und trotzdem muss Adrian sich auf den Weg in dieses Kaff machen. Dort wohnt nämlich seine Tante Kamelia, oder Kurz Lia. Er hat die Nase voll. Sein Stiefvater Eckart drangsaliert ihn und in der Schule sieht es auch nicht besser aus. Der einzige Ausweg für ihn: Die Flucht nach Arken. Was er hier vorfindet übertrifft alles, was er bisher erlebte. Hier gibt es Hexen, Ghule und zudem auch noch fremde Stimmen, die sich in seinem Kopf einnisten. Ja und dann ist da noch Jazz, eine junge Hexe. Mit ihr erlebt Adrian viele spannende aber auch gefährliche Abenteuer.

„Millenia Magika – Der Schleier von Arken“, gefiel mir ausgesprochen gut. Dabei gilt es zunächst, das Cover zu bewundern. Es zeigt einen weißen Wolf vor der Dorfkirche Arkens. Alles sieht gruselig aus und die Leser sehen sofort, worauf sie sich einlassen. Ja und dann ist da die Sprache. Da wir zwei Enkel haben, die gerne lesen, beschäftige ich mich vermehrt um Literatur für Kinder. Häufig ist dann die Ausdrucksform sehr schlicht (nett gesagt) und ja, fast schon Gassensprache. Nicht so hier in „Millenia Magika“. Der Autor Falk Holzapfel bedient sich einer gewählten Sprache, die aber auch von jüngeren Kindern ab 10 Jahre mit Sicherheit gut zu lesen ist. Ja und dann sind da noch die beeindruckenden Zeichnungen in schwarzer und weißer Farbe. Auch sie gefielen mir ausgesprochen gut. Sie lockern den Text auf und zeigen Szenen, die in dem Buch vorkommen.

Also kurzum, ich empfehle das Buch auf jeden Fall allen Leseratten, die sich erstens nicht vor Spannung fürchten und zweitens gerne Fantasy lesen.

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Veröffentlicht am 20.11.2020

Sabine Ebert in Bestform

Schwert und Krone – Meister der Täuschung
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„Meister der Täuschung“ ist der erste Band einer Reihe, die alle unter dem Sammelbegriff des „Barbarossa-Epos“ erschienen sind. Die Reise in die Vergangenheit beginnt im Jahr 1137. Es herrscht große Aufruhr ...

„Meister der Täuschung“ ist der erste Band einer Reihe, die alle unter dem Sammelbegriff des „Barbarossa-Epos“ erschienen sind. Die Reise in die Vergangenheit beginnt im Jahr 1137. Es herrscht große Aufruhr und mehr oder weniger Trauer. Der Kaiser Lothar III. Von Süpplingenburg zog nach Italien und kam von seiner Reise nicht zurück. Er starb am 04. Dezember 1137 in einem kleinen Ort in Tirol, in Breitenwang. Schnell sprach sich das Ableben unter den Fürsten des Landes herum und schnell gab es ein Gerangel um die Nachfolge. Dabei hatten Lothar und seine Gemahlin doch ihren Schwiegersohn als Protegé gewünscht. Fürsten und Geistliche sorgen dafür, dass Konrad von Staufen durch Intrigen auf den Thron gehoben wird.

Es war mein erster Roman von Sabine Ebert und ich habe eine neue Lieblingsautorin gefunden. Ihre Art, die verbrieften Fakten in unterhaltsame Geschichten einzubetten, gefiel mir außerordentlich gut. Zumal es hier um die Historie der Heimat geht. Zwar spielen auch unter anderem die Kreuzzüge eine Rolle, das Hauptaugenmerk liegt allerdings in Regionen, die ich kenne und zum heutigen Deutschland gehören. Die Autorin überzeugt durch akribische Recherche und ihre lebende Art zu schreiben riss mich förmlich mit. Und dann gibt es ja auch noch Gabriele Blum, die das Buch in unnachahmlicher Weise liest. Ja, ich war gefangen im 12. Jahrhundert. Frau Blum hat eine Gabe die unterschiedlichen Charaktere alleine durch die Nuancen ihrer Stimme zum Leben zu erwecken, die selten ist. Alleine diese Tatsache macht das Zuhören zu einem nachhaltigen Erlebnis.

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Veröffentlicht am 11.11.2020

Spannend und bedrückend

Die Krieger
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Nick Marzek zog von Berlin nach München. Er wollte neu anfangen und den Tod seiner Frau auf diese Weise überwinden. Es war im Jahr 1984 als ein verheerender Brandanschlag die Ermittler der Polizei Münchens ...

Nick Marzek zog von Berlin nach München. Er wollte neu anfangen und den Tod seiner Frau auf diese Weise überwinden. Es war im Jahr 1984 als ein verheerender Brandanschlag die Ermittler der Polizei Münchens auf den Plan rief. Nicht nur Nick geht von einem Revierkampf zwischen Zuhältern und weiterer Männer vom „Untergrund“ aus. Aber nachdem ein Bekennerschreiben eintrudelt, sieht die Sache völlig anders aus. Nick und Graziella müssen nach Italien und dort auf Spurensuche gehen. Das Besondere an der Reise ist die Tatsache, dass Graziella Putzfrau und keine Kommissarin ist.

Die ersten Seiten waren für mich recht mühsam zu lesen. Mir kam es vor, wie bei der Serie „Kriminaldauerdienst“. So viele Namen und verschiedene Schauplätze mussten erst mal zugeordnet werden. Nach etwa 50 Seiten dann war ich froh, dass ich das Buch nicht zur Seite legte. Die Spannung war wirklich atemberaubend und die Beschreibung der Zeit um 1984 authentisch. Sponsoren zahlten damals 7 Millionen DM, ein Betrag, der heute unvorstellbar niedrig ist. Die Menschen rauchten ständig und niemand störte sich daran. Kranke Lungen und Bronchien gab es wohl noch nicht. Wer nach Italien reiste, musste Devisen tauschen und hoffte immer, dass er die Lira günstig erwerben konnte.

Was mir ebenfalls gut gefiel, das war die Beschreibung der Historie einiger Sehenswürdigkeiten Italiens. Dazu gehört auch der Mailänder Dom, den ich durch das Lesen von „Die Krieger“ kennenlernte. Auch die Gefahr durch Nationalsozialisten gab es damals häufig und in Norditalien hielten sich viele von denen auf. Und was mich am meisten beeindruckte, das, was der Autor hier beschreibt, geschah tatsächlich. Bis heute wissen viele Italiener davon und immer mal wieder nehmen sich Journalisten dieser Geschichte an. Also, fünf Sterne und eine Leseempfehlung ist mehr als verdient.

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Veröffentlicht am 06.11.2020

Ein Buch, das berührt

White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht
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„White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht“ von Michelle Marly erzählt die Entstehungsgeschichte des wohl bekanntesten Weihnachtsliedes der Welt. Irving Berlin hieß der Komponist und ja, er war Jude. ...

„White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht“ von Michelle Marly erzählt die Entstehungsgeschichte des wohl bekanntesten Weihnachtsliedes der Welt. Irving Berlin hieß der Komponist und ja, er war Jude. Am Heiligen Abend im Jahr 1937 bringt er endlich seine Gedanken zu Papier und es entsteht „White Christmas“. Der Tag ist für ihn ein ganz besonderer, er erlebte sein höchstes Glück und den tiefsten Schmerz.

Welch ein feines Vorweihnachtsbuch. Der Leser kann die Lebensgeschichte von Irving Berlin und seiner Frau hautnah miterleben. Und das in einer feinen, bildhaften Sprache. Die Story ist in zwei Handlungssträngen aufgeteilt. Zum einen zeigt sie, wie Irving seine spätere Frau kennen und lieben lernte und zum anderen, warum er gerade dieses Lied komponieren musste. Der Autorin gelang dieser Spagat zwischen den Zeiten gut. Sie beschreibt die Schwierigkeiten zwischen den unterschiedlichen Glaubensrichtungen und dem Standesdünkel, der damals herrschte. Und ja, er war noch gewaltiger als heute und die Schere zwischen Armen und Reichen gewaltig. Trotzdem konnten es fleißige Menschen schaffen, dass sie der Armut entkamen und sich eine Existenz aufbauten.

„White Christmas – Das Lied der weißen Weihnacht“ beleuchtet eine Historie, die ich noch nicht kannte. Wie gut, dass der Aufbau Verlag die Veröffentlichung in die Hand nahm. Erstaunlich, wie wenig besucht Jerusalem damals noch war und wie friedlich die unterschiedlichen Religionsgemeinschaften dort zusammen lebten. Es gab noch keinen Zweiten Weltkrieg und die Verfolgung der Juden hielt sich in Grenzen. Ja, das Buch hatte ich innerhalb weniger Stunden gelesen, so spannend fand ich es. Für mich ein Wohlfühlbuch für die „besinnliche“ Zeit.

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