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Veröffentlicht am 12.01.2021

Facettenreicher Psycho-Thriller, der seine packende Geschichte mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik verknüpft

Wachzustand
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Bei seinem Debüt legt der Autor Stephan Reschke gleich einen packenden Psycho-Thriller vor, der seine spannende Geschichte mit einer ordentlichen Portion an Gesellschaftskritik verknüpft und daher zum ...

Bei seinem Debüt legt der Autor Stephan Reschke gleich einen packenden Psycho-Thriller vor, der seine spannende Geschichte mit einer ordentlichen Portion an Gesellschaftskritik verknüpft und daher zum Nachdenken anregt und noch länger nachhallt.

Bei einer Psychologin aus Hamburg taucht ein zunächst psychotisch anmutender Mann auf und äußert einen seltsamen Wunsch: Sie soll ihm die Wirklichkeit beweisen, da er befürchtet, in einem neuartigen Hypnoseverfahrens zur Erzeugung heilsamer Erlebnisse gefangen zu sein. Unterdessen untersucht die rumäniendeutsche Kommissarin Renate Popescu in Heidelberg den brutalen Mord an einem Personal Coach und erkennt schnell, das sie es hier mit einer Mordserie zu tun hat, die schließlich sogar den Verfassungsschutz auf den Plan ruft. Doch warum taucht in den Albträumen der Kommissarin neben den üblichen Bildern aus ihrer sozialistischen Jugend auf einmal auch das Phantombild des Killers auf ?

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt der Autor seine gut aufgebaute und ziemlich komplexe Geschichte voran, Dabei treibt er ein ordentliches Verwirrspiel, bei dem man schon sehr aufmerksam lesen muss, um den Überblick über die unterschiedlichen Handlungsstränge nicht zu verlieren. Erst zum Ende hin zeigt sich das erschreckende Gesamtbild mit seiner überzeugenden Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offenlässt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Die immer wieder eingestreute Gesellschaftskritik, die sich vor allem mit dem seit einiger Zeit grassierenden Optimierungswahn auseinandersetzt, aber auch andere Bereiche des politischen bzw. täglichen Lebens umfasst, bildet dabei einen gelungenen Kontrast zu den Spannungsmomenten.

Wer auf anspruchsvolle Psycho-Thriller mit gesellschaftspolitischer Note steht, wird hier bestens bedient und unterhalten. Man muss sich dabei aber voll und ganz auf die Geschichte einlassen, zum Nebenbei- oder Zwischendurchlesen ist sie nicht unbedingt geeignet.

Mich konnte dieses Buch auf jeden Fall auf ganzer Linie überzeugen und noch weit über sein Ende hinaus beschäftigen.

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Veröffentlicht am 11.01.2021

Spannende Einblicke in die Welt der Ultras, einer facettenreichen Subkultur, die nicht nur in Fußballstadien anzutreffen ist

Unter Ultras. Eine Reise zu den extremsten Fans der Welt.
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In diesem Buch nimmt uns der britische Journalist und Autor James Montague mit auf eine weltweite Reise in die facettenreiche Welt der Ultras und bietet dabei tiefe Einblicke in das Innenleben der unterschiedlichen ...

In diesem Buch nimmt uns der britische Journalist und Autor James Montague mit auf eine weltweite Reise in die facettenreiche Welt der Ultras und bietet dabei tiefe Einblicke in das Innenleben der unterschiedlichen Gruppierungen dieser Jugendkultur, über die man insgesamt doch recht wenig weiß.
In Deutschland sind in den 90er Jahren die ersten Ultra-Gruppierungen entstanden, seitdem ist die Zahl der Mitglieder und Gruppen sprunghaft angestiegen. Inzwischen verfügt in Deutschland fast jeder Verein von der 1. bis zur 4. oder sogar 5. Liga über eine oder mehrere Ultra-Gruppierungen, die den Verein nach dem 24/7-Prinzip (24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche) unterstützen. Da es sich bei den Ultras um geschlossene Gruppen handelt, die sich streng nach außen abschotten und nicht nur gegenüber den Ordnungskräften, sondern auch gegenüber Journalisten äußerst vorsichtig bis ablehnend eingestellt sind, weiß man eigentlich relativ wenig über sie. Auffällig sind nur die über die gesamten 90 Minuten durchgehenden Fangesänge, die aufwendig inszenierten Choreographien und der Einsatz von Pyrotechnik, der ihnen in den letzten Jahren reichlich Ärger und Gegenwind eingebracht hat.
James Montague ist es nun gelungen, Zugang zu den Ultras zu finden und hinter die Kulissen zu schauen. Herausgekommen ist dabei eine hochspannende und mitreißende Reportage, die zeigt, wie unterschiedlich die Ultras agieren. Während die Ultras in Südamerika die Geschäfte rund um die Stadien kontrollieren und sich und ihre Aktionen durch den Verkauf von Tickets und Fanartikeln finanzieren, sind sie vor allem in Süd- und Osteuropa doch sehr nationalistisch eingestellt und haben z. B. auch im Jugoslawienkrieg eine erhebliche Rolle gespielt. In anderen europäischen Ländern wie Italien, Deutschland und Schweden steht der Fußball noch stärker im Vordergrund, politische Aktionen, die über den Sport hinausgehen, sind eigentlich eher selten. Montague richtet den Blick aber auch auf scheinbare Exoten wie Indonesien und die USA, die eigentlich über keine ausgeprägte Fußballkultur verfügen.
Mit einem packenden Schreibstil beschreibt der Autor seine Besuche bei den Ultras, bei denen er stets auch hohe persönliche Risiken eingeht und des Öfteren in ziemlich brenzlige Situationen gerät. Darüber hinaus reichert er seine Reportagen noch mit zahlreichen und gut recherchierten Zusatzinformationen an, die seine eigenen Erfahrungen in einen größeren Kontext stellen und zudem gut in das Gesamtgeschehen einordnen.
Ein spannendes Buch, das nicht nur für Fußballfans von Interesse ist, denn die Ultras wirken weit über den Fußball hinaus und es ist zu erwarten, das sich dies auch in Deutschland in den nächsten Jahren noch ausweiten könnte. Die Rolle der Ultras bei den gewaltsamen Protesten in Chemnitz im Jahr 2018 ist da nur ein Beispiel.

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Veröffentlicht am 09.12.2020

Packender und ziemlich düsterer Thriller aus Finnland, der vor allem durch seine ausgeklügelte Geschichte überzeugt

Hexenjäger
10

Mit diesem Buch legt der finnische Autor Max Seeck einen ungemein packenden und ziemlich düsteren Thriller vor, der mich vor allem durch seine ausgeklügelte Geschichte überzeugen konnte. Leichtere Schwächen ...

Mit diesem Buch legt der finnische Autor Max Seeck einen ungemein packenden und ziemlich düsteren Thriller vor, der mich vor allem durch seine ausgeklügelte Geschichte überzeugen konnte. Leichtere Schwächen zum Ende hin konnten den positiven Gesamteindruck dabei nur unwesentlich trüben

In ihrem ersten Fall bekommen es die Kommissarin Jessica Niemi und ihr Team mit einem eiskalten Mörder zu tun, der seine Taten nach einer Buchvorlage des Bestseller-Autoren Roger Koponen, dessen Ehefrau zum ersten Opfer wird, verübt. Die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, da der Täter den Ermittlern stets einen Schritt voraus zu sein scheint. Zudem beschleicht Jessica immer mehr das Gefühl. das sie und ihre geheimnisvolle Vergangenheit in Verbindung zu der Mordserie stehen.

Mit seinem packenen Schreibstil konnte mich der Autor schnell in den Bann seiner gut aufgebauten Geschichte ziehen, die er mit einem hohen Erzähltempo und einigen überraschenden Wendungen vorantreibt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Mit Jessica Niemi gelingt ihm dabei eine Ermittlerin mit reichlich Ecken und Kanten, die es einem lange Zeit nicht wirklich leicht macht, sie zu mögen. Die aktuellen Ermittlungen werden immer wieder durch Rückblenden in Jessicas Vergangenheit unterbrochen, bei denen uns der Autor lange Zeit im Unklaren lässt, wo diese Passagen zeitlich einzuordnen sind. Zum Ende werden aber die einzelnen Erzählfäden geschickt miteinander verbunden und so präsentiert uns der Autor eine überzeugende Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offen lässt. Im Showdown offenbahrt das Buch dann aber doch noch ein paar Schwächen, da hier alles irgendwie zu schnell geht und die Geschehnisse so etwas überstürzt und abgehackt wirken.

Unter dem Strich liefern Jessica Niemi und ihr Team aber einen überzeugenden ersten Auftritt hin, der Lust auf weitere Fälle macht. Potential dafür ist auf jeden Fall ausreichend vorhanden.

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Veröffentlicht am 03.12.2020

Packender Thriller um eine junge Frau und ein dunkles Familiengeheimnis

Tanz in die Angst
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Bei ihrem Debüt gelingt der Autorin Hanna Zimmermann gleich ein ungemein packender und ziemlich düsterer Thriller, der mich auf ganzer Linie überzeugen konnte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die ...

Bei ihrem Debüt gelingt der Autorin Hanna Zimmermann gleich ein ungemein packender und ziemlich düsterer Thriller, der mich auf ganzer Linie überzeugen konnte.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Sophie, die nach einem traumatischen Erlebnis von seltsamen und bedrohlichen Visionen heimgesucht wird, in deren Zentrum ihre vor über 20 Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommene Mutter steht. Was ist damals wirklich geschehen ? Um dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, reist Sophie in den Heimatort ihrer Mutter und besucht zum ersten Mal ihre dort lebenden Großeltern. Dort stößt sie auf ein altes Familiengeheimnis, das auch sie in de Abgrund zu reißen droht.

Mit einem packenden Schreibstil treibt die Autorin ihre atmosphärisch dichte Geschichte voran und steuert so zielsicher auf einen fulminanten Showdown zu, der neben reichlich Spannung und Dramatik auch eine überzeugende Auflösung bietet. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Besonders die innere Zerrissenheit von Sophie, die zum einen unbedingt vergessen will, was mit ihr geschehen ist, und auf der anderen Seite dem Geheimnis um ihre Mutter auf den Grund gehen will, kommt hier sehr gut rüber. So fiebert man beim Lesen gerne mit ihr mit und verzeiht ihr auch die eine oder andere etwas naive Anwandlung.

Wer auf düstere Thriller steht, wird hier bestens bedient und unterhalten. Ein mehr als gelungenes Debüt, das für die Zukunft noch so einiges erwarten lässt.

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Veröffentlicht am 30.10.2020

Spannender Kriminalroman mit sympathischen Protagonisten und viel Ruhrgebietsflair

Zechenkiller
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In diesem Kriminalroman schickt die Autorin Sylvia Sabrowski ihre beiden Ermittler, die Psychologiestudentin Liesa Kwatkowiak und den Computernerd Timo Goretzka, in ihren zweiten Fall und bietet dabei ...

In diesem Kriminalroman schickt die Autorin Sylvia Sabrowski ihre beiden Ermittler, die Psychologiestudentin Liesa Kwatkowiak und den Computernerd Timo Goretzka, in ihren zweiten Fall und bietet dabei eine fein aufeinander abstimmte Mischung aus Spannung und Lokalkolorit, die mit einer ordentlichen Portion des für das Ruhgebiet so typischen trockenen Humors abgeschmeckt ist und so für ein großes Lesevergnügen sorgt.

Man braucht aber keine Vorkenntnisse aus dem ersten Band, um das Buch lesen und nachvollzeihen zu können. Alle hierfür erforderlichen Informationen zu den Protagonisten und ihrer Vorgeschichte werden gut in die laufende Handlung eingebunden, ohne dabei den Lesefluss zu stören.

Nach der Schließung der Zeche Prosper-Haniel toben in Bottrop heftige Diskussionen über eine mögliche Vermischung des belasteten Grubenwassers mit dem Grundwasser. Als der ehemalige Bergmann und jetzige Umweltaktivist Felix Sprockmann, Gründer und Vorsitzender der Bürgerintiative "Bottrop bleibt sauber", bei einem mysteriösen Verkehrsunfall ums Leben kommt, schalten sich Liesa und Timo in die Ermittlungen ein und geraten schnell zwischen die Fronten. Doch davon lassen sich die beiden nicht abschrecken und stoßen schließlich auf massive Drohungen, die das Opfer erhalten hat. Hat der selbsternannte "Zechenkiller" diese etwa in die Tat umgesetzt ?

Mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen treibt die Autorin ihre gut aufgebaute Geschichte voran und bietet am Ende eine schlüssige Auflösung, die keine wesentlichen Fragen offen lässt. Getragen wird das Ganze von gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Protagonisten in Haupt- und vermeintlichen Nebenrollen. Besonders hervorzuheben sind hier Liesas Oma Gertrude Kwatkowiak und ihr Schwiegersohn Willi, die sich zu einer Wohngemeinschaft der besonderen Art zusammengefunden haben und den rauhen Charme des Ruhrgebietes auf besonders gelungene Art und Weise verkörpern. Aber auch Liesa und Timo sind mir im Laufe der Geschichte ziemlich ans Herz gewachsen, so das ich sehr auf weitere Auftritte der beiden hoffe. Potential für weitere Geschichten ist auf jeden Fall vorhanden.

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